Mittwoch, 2. Juli 2014

Anders wohnen - das Möbelkarrussel

Wer kennt das nicht: die Kioske sind voll von Lifestylemagazine, Wohn- und Dekoheften, im Briefkasten stapeln sich die Prospekte von Möbelhäusern. Der Werbeslogan: *Wohnst du noch oder lebst du schon* eroberte die Konsumentenwelt. All das weckt bei vielen Bergehrlichkeiten, oder zumindest den Eindruck: Du lebst nur, wenn du mit deiner Wohnungseinrichtung auf dem neusten Stand bist, was so viel heisst, dass man alle paar Jahre seine gesamte Wohnungseinrichtung rundherum erneuern sollte.
Als *Nachhaltigkeits*-Fan kotzt erschreckt mich so etwas. Nicht das es die Hefte gibt, ich schmökere selbst gerne darin, aber das was sie nach sich ziehen.
Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft.
Ich sehe ja die Sperrmüllberge. Die Zeiten der Schatzsuche in diesen Bergen ist allerdings vorbei. Wer clever ist verkauft Omas Küchenschrank. Stuttgart holt den Sperrmüll nur noch auf Bestellung ab, aber das war einmal anders. Zweimal im Jahr türmte sich der Wohlstandsmüll vor den Häusern, Viertel um Viertel. Wir folgten dem Sperrmüll wie die Zugvögel und gruben nach Schätzen. Freunde von mir wohnten jahrelang in *recycelten* Möbeln, teilweise war das Geschirr ein Sammelsurium aus verschiedensten Epochen. Ich habe noch Körbe aus der Zeit.
Wenn einem etwas nicht mehr gefiel, oder der Platz eng wurde, stellte man eben alles wieder auf die Strasse, beim nächsten Sperrmüll.
Aber das war einmal.
Die einen finden es *bäh* etwas von der Strasse mitzunehmen, die anderen sind zu stolz oder zu hipp.
Aber es gibt noch die Möglichkeit seine Wohnung anders einzurichten. Verschiedene Foren im Internet, Flohmärkte für Kleinteile oder Gebrauchtmärkte.
In einem solchen Forum sprang mich das Foto von zwei Retrostühlen an, der Preis war ok und da ich seit Jahren auf Klappstühlen (die Art Biergarten, auch eine Sperrmüllbeute) sitze weckte sie mein Bedürfnis mich bequem hinsetzen zu können. Und sie waren so herrlich retro. erinnerten mich irgendwie auch an meine Kindheit. Also kurze Nachricht, ich erhielt den Zuschlag, sogar mit Bringservice. Und so zogen zwei zwei Stühle von Göppingen nach Stuttgart, im Schlepptau eines Umzugs.
Kaum waren sie an Bord schon besetzte mein Kater Grey den einen Stuhl und seitdem thront er bei jeder Gelegenheit darauf. Er schläft sogar darauf und fühlt sich sichtlich wohl.


Er befindet sich in guter Gesellschaft: Meine Ledercouch, Expedit-, Billy- und Lackregale (die Billyregale haben jetzt über 20 Jahre auf dem Buckel), mein Bettgestell (Massivholz!), mein Schreibtisch, selbst mein Computer sind *Second Hand*, teilweise von Freunden geerbt, abgekauft, aus dem Dekoverkauf meines ehemaligen Arbeitgebers oder über den Fairhandel aus Internetforen.
Noch ein Vorteil, neben preiswert und nachhaltig: man lebt sehr individuell.


Wegweiser Facebook:
Fairteiler (gibt es für alle möglichen Städte)
Stuttgarter helfen Stuttgarter
Sperrmüllmelder Stuttgart

Wegweiser Internet:
Kleiderkreisel
Gebrauchtmöbel in Stuttgart



Kommentare:

  1. Diese photogeshopten, ausdesignten Fotos aus den Katalogen und Zeitschriften finde ich so richtig zum Ko.... Das sind keine erstrebenswerten Räume, in denen auch gelebt werden kann.
    Tatsächlich sind die Möbe heutzutage aus so schlechter Sperrholz-Furnier-Qualität, dass man sie nach 2-3 sogar entsorgen muss!
    Ganz schlimm
    LG
    Sabienes

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    1. Ja, wobei - an den Billyregalen sieht man, dass auch Press-Spanmöbel lange leben können und die Regale sind teilweise schon dreimal umgezogen :)
      Aber es stimmt - und nicht nur für den Möbelmarkt: Hauptsache neu und günstig. Das ist eine bedenkliche Entwicklung.
      LG Marianne

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  2. Ich liebe sowieso second hand... in unserer Wohnung ist nur das Sofa neu, das haben wir uns mal gegönnt.. und neue Billy´s mußten her. Alles andere ist gebraucht, vom handgetischlerten massiven Kleiderschrank bis zu dessen Inhalt (jedenfalls was mich angeht) Auch Klamotten kaufe ich fast nur second hand, Flohmarkt, Second Hand Läden, Ebay.... und so bin ich zu einem ganz eigenen Stil gekommen und mein Kleiderschrank ist halbwegs anständig bestückt, als H&M und KiK frei.

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  3. Ach ja, für mich als bald Neu-Stuttgarterin sind diese Tipps super.. nur leider steckt hinter dem Sperrmülmelder ein falscher Link ;-)

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