Dienstag, 1. Juli 2014

Einschnitt


Ja, wenn es schneien würde, hier, dann wäre es ein Einschnitt, der mal eine bundesweite Meldung wert wäre. Aber ganz so einscheidend was mir geschieht - für andere - mag es nicht sein, für mich schon.
Auch wenn mir immer wieder gesagt wird, dass ich nicht so alt aussehe wie ich bin (die haben mich noch nie am Morgen nach einer Feier gesehen), so nähere ich mich sehr schnell einer bestimmte Marke, die die meisten fürchten.
Viele leben in diesem Abschnitt des Daseins ein beschaulicheres Leben, in ruhigen Bahnen und auf gewohnten Wegen.
Das endete bei mir schon Ende 2012, und auch wenn ich da schon ahnte, dass mein Leben auf den Kopf gestellt werden würde, so hat es anderthalb Jahre gedauert, bis die Achterbahnfahrt der Unsicherheiten beendet sein würde.
Zwar fahre ich jetzt in ruhigeren Gewässern, aber Stromschnellen wird es noch geben.

Die Lehre die ich aus dem, was mir geschehen ist, gezogen habe, ist mehr auf meinen Bauch zu hören. Vielleicht wäre mir einiges erspart geblieben. Aber wer weiß? Ich bin froh, dass es so gelaufen ist.
Ab Donnerstag wird sich mein Leben drastisch ändern. Das zweite mal innerhalb zweier Jahre. Nach anderthalb Jahren Auszeit heisst es jetzt zurück ins Leben. Schulbank drücken, ein neues Umfeld, jedenfalls unter der Woche, Zweitwohnsitz.

Oktober 2012  letztendlich Krankschreibung wegen massiver Rückenproblem
November 2012 Rücken OP
Januar 2013 1. Knie/Bein OP
Februar 2013 2. Knie/Bein OP
April 2013 3. Knie/Bein OP
Juli 2013 Reha
Danach stand fest, dass ich wohl so schnell nicht mehr als Dekorateurin arbeiten würde und die Zukunft lag plötzlich noch mehr im Ungewissen. Der Begriff Zwangsberentung schwirrte durch die Luft, neue Fragen tauchten auf. Wie würde es weitergehen?
Ball flach halten, versuchen gesund zu werden, nach vorne gucken. Leichter gesagt als getan. Vor allem, wenn man ständig Schmerzen hat.

Die Erlösung kam durch die Rentenversicherung, die anders als die Agentur für Arbeit, felsenfest davon überzeugt war, dass ich arbeitsfähig sei, aber eben nicht mehr als Dekorateurin. Wer je in eine solche Situation kommen sollte: Ihr braucht Geduld. Und Sitzfleisch. Zwischen den Bescheiden und Terminen liegen oft sechs-acht Wochen.
Den Bescheid, dass ich an einer *Maßnahme zur Wiederteilhabe am Arbeitsleben* teilnehmen würde, kam im September 2012, den Antrag hatte ich Ende Juli gestellt. Den persönlichen Termin hatte ich im Oktober. Das Assessmentcenter fand im Novemder statt, der Folgetermin im Januar 2014, die Zusage im Februar 2014 (!) für Juli 2014.

Zum 31.5.2014 kündigte ich mein noch bestehendes Arbeitsverhältnis - ohne Sperre, da krankheitssbedingt - die letzten zwei Monate musste ich mit Arbeitslosengeld überbrücken, da das Krankengeld nach 72 Wochen eingestellt wurde. Auch wenn meine letzte Bein OP im Mai über die Bühne ging.
Die Schmerzen im Bein sind fast verschwunden, ich kann fast beschwerdefrei laufen, aber der Rücken will nicht so wie ich.
Jetzt am Donnerstag geht es endlich los. Nach anderthalb Jahren *Nichtstun*, wenn man das so nennen kann.
Schüler in einem Internat. Zwei Jahre lang. Und danach ein neuer Start ins Berufsleben.
Es bleibt spannend.

Mein Dank gilt meiner koreanischen Hausärztin, der Sozialarbeiterin in der Rehaeinrichtung, der dortigen Rentenversicherungsangestellten und meinem Rentenberater hier in Stuttgart. Und natürlich den Freunden, die mir den Rücken gestärkt haben.






Kommentare:

  1. Ich hätte auch nie gedacht, das ich mal das arbeite, was ich jetzt arbeite, das es mich dafür nach Stuttgart verschlägt und das ich nicht auch schon in Rente bin. Die letzte Zeit klingt heftig, die vor Dir liegende spannend. Ich nähere mich nächstes Jahr einer gewissen magischen Zahl, kann aber andererseits sagen, ich hab mich noch nie so gut gefühlt wie jetzt, als "alte Schachtel". Jedenfalls bin ich gespannt zu lesen, wie es Dir ergeht.

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    1. Ja, es war teilweise sehr heftig. Im Nachhinein bin ich fast für die Schmerzen dankbar, da sie mich von den anderen Widrigkeiten ablenkten. Und ich freue mich auf den neuen Lebensabschnitt :)

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  2. Ich habe mich schon immer gefragt, wie du dir wohl deine Probleme mit dem Bein eingehandelt hast. Jetzt weiß ich es ....
    Morgen geht's los!
    Keine Bange, das wird gut!
    Viel Erfolg erstmal, bin gespannt, was du so berichten wirst.
    LG
    Sabienes

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    1. Und ich erst! In etwa weiß ich ja was mich erwartet, aber es kommt dann eh immer anders als man denkt :)
      LG Marianne

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