Donnerstag, 31. Juli 2014

Insel der Glückseligkeit



Könnte es sein, wenn ich hier keinen Zugang zu den Medien hätte. Nun, wenn das Internet mal wieder zickt bin ich hier manchmal wirklich abgeschnitten. 825 m über Normalnull, auf dem Berg ganz oben, die Tannen im Rücken, das Tal zu Füssen, traumhafte Sonnenauf- und Untergänge, wenn der Berggipfel nicht wieder einmal in den Wolken steckt. Dann ist es irgendwie wie in einer Zwischenwelt, es regnet und gleichzeitig steckt man im tiefsten Nebel, weil man sich innerhalb der Wolke befindet.
Die Gänge zwischen den Wohngebäuden sind angefüllt mit Menschen, die von a nach b, c, d.... eilen, zusammen Tischtennis, Tischfußball oder Billard spielen. Aber nur zu bestimmten Zeiten. Nachts und während der Unterrichtszeiten liegen sie verschlafen und vereinsamt.
Aber wehe die Essenszeit nähert sich, dann poppt das Leben aus den Unterrichtsräumen, Lachen und Füssegetrappel erfüllt die Luft.
Das Internat hat seinen eigenen Lebensrhythmus.
Alles Liebe, Luft und Eierkuchen? Nein.
Wenn man es sich genauer betrachtet entdeckt man, dass auch hier in der Abgeschiedenheit der Alltag von draußen mit Gewalt einbricht, dass es eine zwei Klassen Gesellschaft gibt. Ungewollt von den *Insassen*, aber Realität.
Wir *Bundler* haben es verhältnismäßig gut:
Die Rentenkasse übernimmt A-L-L-E-S. Wir leben hier kostenlos, drei Mahlzeiten, essbar und teilweise echt lecker, bekommen alles gestellt, von medizinischer Versorgung, Physiotherapie, therapeutisches Sportangebot, ect..... 2 Heimfahrten im Monat werden bezahlt UND wir bekommen Übergangsgeld. Mit dem Übergangsgeld kann man jetzt nicht gerade große Sprünge machen, aber kommt zurecht.
Was unseren AGA-Leuten (Agentur für Arbeit) teilweise verwehrt wird. Zwar bekommen sie auch den ersten Teil und die Heimfahrten, aber teilweise wird ihnen sogar das Hartz IV verweigert. Oder sie werden aufgefordert ihre Wohnung aufzugeben und stellt das Wohngeld ein. Wohin diese Menschen in den Ferien sollen überlegen sich manche Bürokraten wohl nicht. Und wer es einmal erlebt hat wie schwer es ist eine Wohnung zu bekommen, auch ohne das man obdach- und arbeitslos ist, kann sich vorstellen was für Panikanfälle die Betroffenen manchmal bekommen. Es muss geklagt werden. Ich bekomme hier mit, das Bescheide teilweise immer erst einmal generell abgelehnt werden. Teilweise  muss geklagt werden. Allerdings unterstützen die Integration-Coaches uns alle super: Sie beraten, unterstützen, sind da, wenn man nicht weiter weiß. Wir gehören alle zum glücklichen Teil. Alle die hier sind.
Auch unsere Pendler, also Umschüler die nicht im Internat untergebracht sind, weil sie Familie haben oder ganz in der Nähe wohnen.
Wenn ich hier aus dem Fenster sehe und die  Morgensonne sich durch die Wolken kämpf, die Amsel im Garten verschlafen ihr Morgenlied übt scheint das alles nicht wirklich real zu sein. Die Rotschwänzchen spielen Fangen im Baumwipfel vor meinem Zimmerfenster. Es ist eine Oase des Friedens.
Die Welt muss draußen bleiben mit ihren schlimmen Nachrichten.
Manchmal möchte ich die Nachrichten nicht mehr hören.

1 Kommentar:

  1. Ich habe heute auch ein Rendevous mit der Agentur. Letztes Jahr wollten sie mir ja auch eine Fortbildung, bzw. externenprüfung bei der IHK angedeihen lassen. Allerdings habe ich diesmal schon einen neuen Arbeitsvertrag in der Tasche und insofern hoffe ich, das die Angelegenheit diesmal kurz und schmerzlos wird,
    In den Schwarzwald werde ich sicherlich auch mal fahren, wenn ich denn heute in einem Monat meinen Dienst in Stuttgart antrete

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