Sonntag, 20. Juli 2014

Obstsalat - Sonntagsgedanken 29/2014

Manchmal hört man in Diskussionen: Du vergleichst Äpfel mit Birnen! Was damit gemeint ist ist offensichtlich: Zwar handelt es sich bei beiden um Obst, auch noch um Kernobst, aber es handelt sich eben nicht um die selbe Sorte.
Und genau das passiert sehr oft bei Diskussionen. Ähnliche Fakten werden miteinander vermischt und heraus kommt ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Und in letzter Zeit passiert das sehr oft.
Vor allem sobald folgender Begriff fällt:
 Antisemitismus in Deutschland.
Was mich dann immer befremdet ist, dass sofort folgende Begriffe fallen: Israel, Nahostkonflikt, Gaza.
Auch passiert oft das Mitdiskutanten sofort, reflexartig, folgenden Satz einwerfen:
*Nicht jeder, der Israel kritisiert, ist Antisemit!*
Verwunderung macht sich da bei mir breit. Für mich ist das Judentum mehr oder weniger eine Religion wie jede andere auch. Mehr oder weniger, weil wohl keine Mitglieder einer anderen Religion so über Jahrtausende verfolgt wurden. Mehr, weil es Juden jeder Haut-, Haar- und Augenfarbe gibt. Es gibt orthodoxe, strenggläubige und *Konfessions* Juden.
Wenn Russland sich *daneben* benimmt heißt es ja auch nicht: Nur weil ich gegen die Politik Russlands bin heißt das noch lange nicht, dass ich etwas gegen orthodoxe Christen habe.
Also, warum fühlen sich manche bemüssigt , fast reflexartig, sofort zu betonen, dass sie keine Antisemiten sind? Oder das Kritik an Israel  nichts mit Antisemitismus zu tun hat?
Und hier sind wir wieder beim Obstsalat.
Der Stadt Israel ist der Apfel, seine Regierung ist die Birne und das Judentum an für sich entspricht Orangen. Ist nur ein Beispiel. Anscheinend setzen eben manche Israel mit dem Judentum gleich, jedenfalls im Kopf und haben eben den Salat .
Dazu kommt, dass vielen ein schlechtes Gewissen anerzogen wurde - aufgrund der deutschen Vergangenheit. Ich habe dieses schlechte Gewissen nicht - weder trage ich eine Mitschuld, noch eine Mitverantwortung für das Geschehen im letzten Jahrhundert. Deswegen kann ich auch frei diskutieren, ohne mich ständig angegriffen zu fühlen. Auch fühle ich mich auch von außen nicht in diese Rolle gedrängt.
Tiefes Seufzen.
Gerade gestern geschah es wieder: Aufgrund eines Artikels zu einer eindeutig antisemitischen Demonstration - eigentlich war eine Demonstration gegen die Bombardierung Gazas geplant - gab es eine heftige Diskussion. Im Verlauf deren ich dann als linksextrem bezeichnet wurde, weil ich mich gegen Rechtsextremismus wende und dagegen angehe. Das ? über meinem Kopf war nicht zu übersehen. Wie kam es? Die Mitdiskutantin hatte weder den Artikel gelesen, noch war sie bereit ihn zu lesen. Auch ein Videomitschnitt wurde missachtet. Und seit wann ist man linksextrem weil man auf eine klare Begriffsabklärung, saubere Trennung besteht UND gegen Antisemitismus ist?
Hm. Als ich anmerkte, dass man nicht mitdiskutieren solle, wenn man nicht wissen würde um was es eigentlich geht, wurde es hitzig. Es wurde überhaupt nicht mehr wirklich zugehört - sondern blind um sich geschlagen.
Ich fragte mich: Um was geht es hier eigentlich. Da schreien irgendwelche ewig Gestrigen auf einer Demo: *Judenschweine* und weil ich einen Artikel darüber ins Gespräch bringe wird mir an den Kopf geworfen, dass Israel Als Staat Verbrechen begeht und es kaum Antisemitismus in Deutschland gibt.
Da haben wir den Salat....


Grundlegendes für Diskussionen:
  • beim Thema bleiben
  • Themen sauber trennen
  • zuhören (oder lesen), nachdenken, dann argumentieren
  • Ironie und Sarkasmus draußen lassen
Dann klappt es auch mit einer sachlichen Diskussion.

Kommentare:

  1. Ich finde es schrecklich für ALLE Menschen, dass da unten wieder der Krieg tobt - egal, ob Palastinänser oder Israelis davon betroffen sind. Die Schuldfrage an diesem ganzen Desaster braucht man da schon lange nicht mehr stellen!
    LG
    Sabienes

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    1. Ja, der Hass und die Angst haben die Vernunft besiegt.

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