Sonntag, 13. Juli 2014

Schuld und Sühne - Sonntagsgedanken

Als erstes nehme ich meinen Heiligenschein ab und hänge ihn an den Kleiderhaken. Da darf er leuchten. Unbschwert kann ich danach meine Gedanken nachhängen - und gebe etwas nach, dass ich persönlich mein Widerspruchsgen nenne. Dieses wird immer aktiv, wenn sehr viele Menschen in eine Richtung rennen.
Je länger ich in Facebook rumgeistere, die letzte Zeit wird es aus guten und erfreulichen Gründen weniger (ich kann nicht behaupten, dass das schlecht ist), desto mehr stösst mir etwas auf:
Es müssen *Schuldige* her und diese werden ohne Gnade durch das Netz gejagt und angeprangert, es wird nicht mehr differenziert, aber es wird relativiert, wenn es einen passt. Manchmal frage ich mich, ob wir wieder im Mittelalter angelangt sind. Man erliegt diesem Mechanismus schnell. Ich bin da nicht ganz frei von - wer ist das schon? -  deswegen habe ich aber ja auch meinen Heiligenschein abgenommen.
Nur: Irgenndwann sollte man vielleicht einmal die Scheuklappen abnehmen und die ganzen Informationen die im Netz herumschwirren auch hinterfragen. Viele behaupten, ass die Mainstreammedien bewusst Informaionen filtern, um uns *hinter's Licht zu führen*, glauben, dass die Nachrichten manipuliert werden, um uns zu manipulieren. Und dann glaubt man alles unbesehen, was im Netz auftaucht? Weil es in unser Weltbild passt?
MUSS man sich auf sich denn auf eine Seite schlagen? Muss man Partei ergreifen? Pro oder Contra sein?
Machmal muss man das bestimmt. Oder sollte es. Und manchmal sollte man es lassen. Jüngstes Beispiel:
Der Ukrainekonflikt. Es war, als würde der Konflikt ausserhalb seiner Grenzen virtuell weiter ausgetragen. Selbst die Nachrichten waren parteiisch. (Wann waren sie das nicht?) Nur wenige sagten, das sie die Lage nicht überschauen könnten, um sich ein endgültiges Urteil zu leisten.

Seit Tagen schwirren jetzt wüste Karikaturen über Israel/Gaza durch das Netz, grausame Bilde über trauernde Erwachsene mit toten Kindern in den Armen. (Bei manchen war schnell nachgewiesen, dass es Bilder aus Syrien waren. Was den Bildern nicht den Schrecken nimmt.) Anwürfe und Schuldsprüche wurden laut.
Der Schuldige war sehr schnell ausgemacht.
Mir graut. Weder kann ich auch nur ansatzweise das Leid auf einer der beiden Seiten nachvollziehen oder mir auch nur vorstellen, noch kann ich die Existenzangst begreifen. Ich kann es nicht.
Terror macht Angst. Krieg macht Angst. Beides schürrt Hass. Und es ist sehr menschlich, dass man einen Schuldigen sucht und findet. Es ist so natürlich.
Und doch: Können wir auch nur im Ansatz nachempfinden wie es ist, dass man einem Volk angehört, dem seit mehr als 2000 Jahren das Existenzrecht abgesprochen wird? Einmal als Glaubensgemeinschaft, einmal als Volk? Und das jetzt mit allen Mitteln seine Heimat verteidigt?
Und auf der Gegenseite ein staatenloses Volk, dass weder von der UN anerkannt wird, da es in einem Landstrich lebt, noch nach den UN Kriterien einen Staat hat? Wie fühlt sich das an? Auf der einen Seite eine hochgerüstete Armee, auf der anderen Seite *Terroristen*.
Die einen bomben, die anderen schicken Kurzstreckenraketen.
Das ist Krieg.
Statt zu urteilen, statt sich auf eine Seite zu schlagen, sollte man was tun?
Ich weiß es nicht. Es gibt auf beiden Seiten Menschen, die für die Aussöhnung eintreten.
Ich wünsche es mir, dass sie Unterstützung bekommen. Ohne Schuldzuweisungen.






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