Sonntag, 31. August 2014

Steitereien - Sonntagsgedanken 35/2014

Ich bin so müde. Ich bin der Streitereien so müde. Es geht nicht darum NICHT zu streiten, nicht zu diskutieren, sondern die Art und Weise. Egal, ob es um die Ernährungsweise (vegan, vegetarisch oder omnivore), um den Nah-Ostkonflikt oder Antisemitismus geht: Es wird gebashed, dem anderen das Wisssen, die Intelligenz und/oder die Integrität abgesprochen. Als Stuttgarterin, die sich gegen das Bahnprojekt S21 ausgesprochen hat, hatte ich schon genügend Gelegenheiten Erfahrungen zu sammeln. Das neueste Streitthema ist die Icewater-Challenge - und es fliegen die Fetzen.
Dabei ist gegen eine gesunde Streitkultur nichts einzuwenden. Aber leider scheinen wir die nicht zu haben. Statt Argumente auszutauschen wird es persönlich.
Mir fielen gestern fast die Augen aus dem Kopf, als ich lesen musste wie sich auf der Pinnwand (eines Social Networks) einer Bekannte  sich jemand in Rage schrieb und sehr, sehr persönlich wurde. Es ging nicht mehr um das eigentliche Thema, sondern der Mitdiskutant wurde geschmäht, als Person angegriffen. Die Gegenseite reagierte prompt mit der Androhnung einer Anzeige. So etwas tut mir weh.
Auslöser war: Die Ice WAter-Challence.
Seit Tagen tobt der Streit im Netz: Cool oder uncool?
Manche werden sich jetzt fragen, wie man sich wegen so einer Aktion dermaßen bekriegen kann. Seufz. Das frage ich mich auch.

Pro Aktion:
  1. Eine relativ unbekannte Krankheit wird bekannt.
  2. Durch eine witzige Art (die Leute  kippen sich Eiswasser über und spenden, filmen das Ganze und stellen den Video ins Netz) verbreitet sich das Wissen um die Existenz dieser Krankheit virulent im Netz.
  3. Die Leute haben Spaß.
  4. Es kommt ein Haufen Geld zusammen.
Contra Aktion: 
  1. Manche der Teilnehmer machen nur wegen des Fun-Faktors mit.
  2. Es gibt genug Krankheiten, die man nicht kennt.
  3. Es wird Wasser in wasserreichen Gegenden verschwendet, während in manchen Gebieten der Welt Dürre herrscht.
  4. Die gespendeten Gelder gehen an einen Pharmakonzern, der Tierversuche durchführt
So. Und wo ist jetzt das Problem? Gut, ich gebe zu: Ich finde die Aktion witzig. 
  • Ich wusste vor der Aktion nicht, was ALS bedeutet. 
  • Nichts tun, weil es noch Schlimmeres gibt? Wer setzt die Maßstäbe?
  • Nein, ich finde es nicht gut, an wen die Spendengelder gehen. 
  • Das Argument mit dem Wasser lasse ich nicht gelten, streite mich aber nicht deswegen. 
  • Spaßfaktor? Meine Güte, die *Aktion Mensch* funktioniert als Tombola, da spenden Menschen, weil sie die Chance auf Geld haben! (Ich vermisse den Aufschrei, wegen der Geldgier!) 
  • Und man kann ja auch das Geld einer anderen Organisation spenden, die ohne Tierversuche auskommt. (Zum Thema Tierversuche: Wer glaubt ein Medikament ohne Tierversuch zu bekommen - seufz...)
    Und jetzt?
Ich hoffe ihr versteht was ich meine. Auch wenn ich für die Aktion bin, erkenne ich an, dass es Menschen gibt, die diese Art und Weise, aus welchen Gründen auch immer, nicht gut finden. Ich muss diese Gründe NICHT für gut befinden, aber ich muss doch deswegen nicht diesen Personenkreis persönlich angreifen.
Hart zur Sache, weich zum Menschen. Fair bleiben. Zuhören, versuchen zu verstehen.
Und nicht dem anderen von vorne herein Verstand, Verständnis und Moral absprechen.
Euch allen einen friedlichen, streiltlustigen Sonntag.
Zum Thema: Eisige Wasser

Dienstag, 26. August 2014

Farbenspiel

Goldener Oktober? Trüber November? Noch lange hin? SAGT DAS MAL DEM WETTER VOR MEINEM FENSTER!
Im Netz ist die Gross-Schreibung wie im richtigen Leben schreien. Geht aber auch nicht, da meine Erkältung nicht weichen möchte.
Was kann man dagegen tun? Nun man kann sich das Wetter schön trinken - kann aber auch keine Dauerlösung gegen den Dauerregen sein. Kino? Hey: Ich bin im dunklen Wald und muss eine halbe Stunde durch den Regen waten, um in Richtig Zivilisation zu kommen.
Aber es gibt ein Mittel! Ich male mir die Welt bunt und male damit auch gegen meine Sehnsucht nach meinen beiden Pelzratten an:



Manchmal werde ich gefragt, was für Farben ich nutze. Bei den Leinwandbilder ist es klar, Acryl, aber ich zeichne auch geren und hierzu nutze ich alles was mir in die Griffel Finger gerät. Ob Filzstifte, Filzpinselmaler, Tusche, Marker, Copics, Buntstifte - alles wird gespitzt, genutzt, leergemalt und manchmal die Kappen zerkaut. Dann bin ich im Gesicht so bunt wie das Papier vor mir.


Mein ganzer Stolz sind die Faber Castell Aquarell Buntstifte - man kann sie mit Wasser und Pinsel zu Aquarellfarben verwandeln. Man malt mit den Buntstiften auf dem Spezialpapier und geht dann mit dem nassen Pinsel darüber. Einfach genial. Aber ich nutze sie auch *ganz normal*. Sie kosten ein kleines Vermögen - meine zwei Setz kosten zusammen über 70€, die dicken Buntstifte waren ein Schnäppchen. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nur ein Sorte Farbe nutzen würde -
zusammen mit meinen Feinlinern und dicken Filzmalern von Stabilo ergeben sich interessante Effekte.



Graues Wetter? Regen? Pffffft, Ich male mir mein Leben bunt.




Montag, 25. August 2014

Wintergrillen

Wintergrillen? Jetzt schon? Es ist Ende August. Spätestens jetzt werden die Daheimgebliebenen nur noch müde lächeln. Der Sommer der meinte eine Regenzeit sein zu müssen. Drei Wochen Ferien liegen hinter mir und zurückgekehrt nach Schömberg begrüßt mich hier der Augustmorgen mit herbstlicher Kühle und einer dunklen Wolkenband vor der  aufgehenden Sonne.
Mir fröstelt ein klein wenig.
Die Ferien waren durchwachsen - vom Wetter her und von der Gesundheit - und trotz der bescheidenen Wetterlage gelang es uns zweimal zu grillen und Nächte draußen zu verbringen. Aber *lau* waren sie nicht (unbedingt).


Am Samstag trafen sich ein paar Unerschrockene in einem kleinen Garten am Frauenkopf. Hier befinden sich Gärten der besonderen Art: Grundstüke mit kleinen Holzhäuschen - okay Schuppen - Obstbäumen, Hecken und Rasen. Und da das Glück mir hold ist besitzen natürlich Freunde von mir so ein Grundstück, bzw haben eines gemietet.
Der Samstag begann strahlend und die Hoffnung, auf einen trockenen Abend, wuchs in uns allen. Aber wie in diesem Sommer so oft machte uns Petrus einen Strich durch die Rechnung.
Aber wie geht der Spruch? *Nur die Harten kommen in den Garten!*
So war es dann auch. Wir quetschten uns unter das Vordach der kleinen Hütte und grillten trotzig gegen das Wetter an, eingehüllt in Decken, Fleecejacken, Schals, bewaffnet mit Wulle und guter Laune.
Es wurde richtig kalt und der Regen prasselte auf uns nieder, trotzdem und veilleicht deswegen wurde es ein schöner Abend. Die Kids trugen sogenannte *Matschklamotten* und zerrten die Gastgeberin durch das nasse Gras, kleine LED Leuchten und Kerzen erhellten die Nacht, und unser Lachen hallte über die Gärten, die in der Regennacht vom Sommer träumten.

Mit guten Freunden kann man jedes Wetter ertragen und nicht nur das.

Sonntag, 24. August 2014

Eisige Wasser - Sonntagsgedanken 33/2014

Was bitte? Letzte Woche bemerkte ich den ersten Video in den sozialen Netzwerken: irgend jemand fand es anscheinend sehr witzig sich Eiswasser überzuschütten. Nun, Geschmäcker sind verschieden und wer bin ich über die Marotten anderer zu lästern?
Als dann immer mehr Videos auftauchten und sich die Leute anfingen zu nominieren, wer der Nächste sein würde, dachte ich zuerst an eine virulente Form der Spaßverblödung. Trotzdem las ich den Text unter einem der Fotos und traf auf die Abkürzung ALS.
Mein Lachen wich schnell der Betroffenheit. Manche Menschen in meinem Umfeld denken ich hätte viel mitgemacht. Nein. Ich kann wieder laufen und mich bewegen, mit Einschränkungen, ich schlafe gut, viel und fest, wache morgens immer öfters ohne Schmerzen auf und kann aufstehen. Ich bin glücklich.

ALS war mir bis zu der Icewater Challenge völlig unbekannt. Wer nachlesen möchte was es genau ist folgt bitte dem Link; http://de.wikipedia.org/wiki/Amyotrophe_Lateralsklerose. Für alle anderen: Der Betroffene wird nach und nach bewegungsunfähig, bei vollem Bewusstsein. Die Krankheit endet immer tödlich. Sie ist äußerst schmerzhaft.

Und dann diese lustigen Videos? Wie passt das? Im Netz sind auch einige Empörte unterwegs, die es unglaublich finden, dass man diese Videos im Zusammenhang mit dieser unerträglichen Krankheit postet.
Tatsächlich? Ist es wirklich unerträglich?
Ich hatte vorher nichts über diese Krankheit gehört. Den Betroffenen schwappt gerade eine Sympathiewelle ohne gleichen entgegen. Es wird etwas sehr unbequemes in unser Bewusstsein gerückt, das dort vielleicht nie angekommen wäre. Es wird für die Erforschung dieser Krankheit gespendet. Betroffene machen mit. Es wird publik.
Wer direkt helfen möchte, ohne sich mit Eiswasser zu überschütten - hier geht es zum Link: http://www.als-hilfe.org/
Den Betroffenen wäre aber schon mit kleinen Gesten geholfen, die gar nicht so klein sind. Viele fühlen sich im Umgang mit Todkranken überfordert und ziehen sich zurück von ihren erkrankten Freunden. Schön wäre es, wenn sie ein paar dieser Freunde überwinden könnten und bleiben würden. Denn noch schlimmer als die Krankheit an für sich ist das Allein gelassen werden. Auch für die Familienangehörigen.
Bleibt bei ihnen, lacht mit ihnen, schenkt ihnen einen Teil eurer Zeit - denn sie haben selbst nicht viel davon.
Wenn ohr keine erkrankten Personen kennt, dann man macht es doch wie Patrik Stewart - erst den Scheck ausfüllen und dann das Eis für einen anderen Zweck einsetzen: http://www.theverge.com/2014/8/22/6057329/patrick-stewart-classy-ice-bucket-challenge

Donnerstag, 21. August 2014

.... ES KOMMT! ES IST SCHON GANZ NAH!...............

Das Grauen! .... nun es ist nicht mehr lange bis Weihnachten. Dem Wetter nach nur noch sechs Wochen. Kommenden Sonntag sind es dann noch vier Monate bis zum Christkindelsbeschenkmarathon, in drei Monaten macht die Eisbahn am Stuttgarter Schloßmarkt auf - bzw schon früher, die finnischen Rentiere tragen wieder auf dem Finnenmarkt ihr Fell zu Markte ect.
Also Zeit schon mal Pläne zu machen.


Da der kleine Weihnachtsbaum letztes Jahr bei meinen beiden Pelzratten so gut ankam, bekommen sie dieses Jahr wieder etwas zum Spielen. Aber das muss ich mir natürlich leisten können. Als ich dann mit Tinemine und Matthias von Pois mal wieder tratschte, fragten sie mich ob ich beim Weihnachtsmarkt von Poís mitmachen würde. Warum nicht? Viele meiner Bilder bieten sich geradezu als Kartenmotive an und ich stricke ja gerade Socken *auf Halde*. Warum nicht das Ganze für faire Preise verkaufen, je nach Wollqualität und Arbeitsaufwand? Und schöne Kunst-Grußkarten in kleinen Auflagen, die dann noch ausgearbeitet werden, sind auch nicht zu verachten. Handstulpen, Tellermützen, Norwegersocken....
Kinder, dass wird was geben.
Bis Weihnachten sind es noch vier Monate, also habe ich noch etwas Zeit die Nadeln zu schwingen.



zwei rechts, zwei links, eine fallen lassen-----

Weitere Socken und andere Beispiele findet ihr hier:

Mittwoch, 20. August 2014

needful things

... sind meistens Begehrlichkeiten, die man normalerweise gar nicht benötigt. Stephen king hat darüber eine *hübsche* kleine Geschichte geschrieben.Nein, das wird jetzt weder eine Buchbesprechung noch eine huldigung des Meisters des Horrors - den ich persönlich für ganz schön gaga halte, wer sich so etwas ausdenken kann - *grusel*. Da vermutet man ja direkt die Axt unterm Kopfkissen.
Es geht eben um diese kleinen Begehrlichkeiten (oder auch größeren).
Handarbeitfreaks wie ich können ja an keinem Stoff-, Wolle- oder Bastelgeschäft vorbeigehen- Es ist als wären wir aus Eisen und in diesen Läden ein unsichtbarer Magnet. Oder wir werden telepathisch gerufen und hypnotisiert. Jedenfalls betritt man diese Geschäft meist mit dem hehren Vorsatz den Geldbeutel geschlossen zu halten und verlässt ihn meist mit vollen Tüten und Taschen.
Ich gebe es zu: Mich hat es wieder erwischt. Aber diesmal war es nur etwas sehr Kleines (mal abgesehen von den Wollknäulen und diversen anderen Digen in meiner Tasche):


Ein kleines Nähset, auch noh gepunktet, mein Kleinmädchenherz schlug so heftig, dass es mir fast aus dem BH Pulli sprang. Jaja, es ist Sommer, aber was für einer? Ich trage momentan Wollsocken und kämpfe mit einem schnupfen- Für das Kästchen habe ich eine gute Rechtfertigung: Es kostete unter 5 Euro und passt in jede Handtasche.
Seufz.

Gefunden im Stoffidee-Markt, Olgastr. 80 Stuttgart:


Dienstag, 19. August 2014

Besen sind nicht nur zum Kehren da...

.... Frau kann auch auf ihnen reiten. Oder den, der das behauptet mit einem Besen vermöbeln. Aber statt mit ihnen den Dreck auszukehren kann man im Schwäbischen auch in einen Besen einkehren. Für nicht Süddeutsche ist klingt das jetzt wohl seltsam. Ist aber so.


Als Besen bezeichnet man eine *Bauernwirtschaft* die nur an bestimmten Tagen und in einem bestimmten Rhythmus geöffnet hat. Selbst Wiki kennt diesen Begriff. Besen
Nun in Stuttgart wird auch *Onkel Otto* als Besen bezeichnet, aber in meinen Augen verdient der den Begriff nicht. Denn in eine guten Besen wird das serviert was der Besitzer selbst herstellt. Wein, Brot, Käse und diverse Braten, Maultauschen, Wurstsalat. Oder zumindest beim Bäcker, Metzger nebenan kauft. *Onkel Otto* ist in der Zwischenzeit eine sogenannte XXL-Gastronomie, was meinem gesamten Denken zuwider läuft. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.


Hier geht es jetzt um einen echten, traditionellen Besen, der es in sich hat. Als wir am Sonntag eintrafen (wir hatten reserviert!) brummte es im Hof schon wie in einem Bienenstock, wie hatten Pätze im Garten. Jedes verfügbare Plätzchen war mit Biertischgarnituren zugestellt, jung und alt saßen zusammen und schlotzen an ihren Vierteles und spachtelten ihren Rostbraten, Maultaschen, Käse und Brot, serviert von den Frauen und den Kindern des Hause, schmuck in schlichten, eher traditionellen Dirndeln gekleidet, die Männer schwitzten in der Küche.
Der Wettergott war uns gewogen und die Sonne brannte uns auf der Haut, wenn es unerträglich wurde schob sich eine Wolke davor.


Wir hatten die Gelegenheit einen sehr feinen Wein zu kosten, eine Spätlese, eher schon fast ein Dessertwein, so samtig, ja schon ölig, die Aromen unglaublih dicht und trotzdem mit ein klein wenig Biss.
Die Entspanntheit senkte sich auf uns wie eine weiche Decke nach dem Essen.
Ich konnte mich kaum noch regen und Erinnerungen an die Kindheit keimten auf - wie wir Kinder mit den Eltern Sonntags in die Nachbarorte wanderten und dort begeistert eine weiße Bratwurst mit Pommes und Soße und eine Bluna zum Mittagessen bekamen. Als Mädels hatten wir Sonntags knielange Dirndel an, Kniestrümpfe (immer weiß VOR dem Spaziergang) und farblich passende Sandalen.
In meiner Wampe war kein Platz mehr für den Nachtisch - selbstgebackenen Kuchen von den Frauen des Ortes (der Erlös wurde der Schule gespendet) mit einem lecken Kaffee von Poís. Letzteren gönnte ich mir. Abends fuhr ich entspannt nah Stuttgart zurück, satt vom Essen und den Farben und Eindrücken des Tages.


Hanweiler ist ein kleiner Ort im Remstal (scherzhaft *schwäbischer Busch* oder *Wild Räms* genannt), malerisch zwischen Hügeln mit Weingärten und Streuobstwiesen eingeschmiegt. (Übersetzt: am Popo der Welt.... )
Love it.

Kleine Anmerkung und Korrektur - über eonen Freund erreichte mich die Nachricht, dass... ach ich kopiere es hier einfach rein (und Danke für die Info!):
Erkläre der Schreiberin, dass die Kuchen nicht von "den Frauen des Ortes" gebacken wurden, sondern im Rahmen des Ferienprogramms der Stadt Winnenden von Kindern in Zusammenarbeit mit dem Konditor der Bäckerei Maurer, welche auch Zutaten und Backstube zur Verfügung stellte ... "Backen für den guten Zweck" heißt der Programmpunkt und findet schon seit einigen Jahren immer am Samstag unseres Weinfestes statt, so dass am Sonntag diese Kuchen auf unserem Fest verkauft werden können.

Sonntag, 17. August 2014

Wenn es auch am Tag dunkel ist - Sonntagsgedanken 33/2014


An einem strahlenden Morgen wie heute über etwas zu schreiben, was die Seele (oder den Geist, wie immer man es auch nennen man) in graue Watte packt, ist nicht leicht.
Depressionen.
Aha, werden jetzt einige sagen, ist ja gerade in Mode. Pustekuchen. Mode ist es bestimmt nicht. Wer einmal diese unendliche Leere und bodenlose Traurigkeit erlebt hat wird nie wieder so einen Stuss-Spruch heraushauen. Jeder ist einmal traurig, der Verlust einer Liebe, eines Liebsten stürzt einen in tiefe Verzweiflung. Ist der *Geist gesund* übersteht es der betroffene Mensch normalerweise ganz gut. Ist er aber angeschlagen kann es sich zu einer ausgewachsenen Depression entwickeln.
Ich nenne es die Zeit ohne Freude. Die Zeit der Nebelgrauen Traurigkeit. Die Trauer verschluckt einen und spuckt einen nicht wieder aus, sondern zerkaut einen.
Lange kannte ich es nicht, dieses Gefühl des Nichts im Innern, aber als ich die Anzeichen einen Burn Outs (aha, schon wieder so ein Modebegriff!) ignorierte, begab ich mich unwissentlich in eine Abwärtsspirale, die zum Schluss zur Schussfahrt in die Dunkelheit wurde. Dass es mir heute gut geht hat viele Ursachen und ist dem Umstand zu verdanken, dass ich den richtigen Menschen - unter anderem Susann - begegnete, die erkannten was Sache ist und klipp und klar sagten: Ich bin gerne für dich da, aber du brauchst professionelle Hilfe. Auch meine Hausärztin ließ nicht locker. Und so landete ich auf der *Couch*. Die Couch ist ein gemütlicher, wuchtiger Sessel, in den man sich rein verkriechen kann und mein Gegenüber ist ein *Teddybär* von Mann. Er und gewisse *Mittelchen* haben mich so stabilisiert, dass ich wieder frohgemut durch die Gegend laufe.
Aber um mich geht es nur am Rande.
Depressionen werden oft von den Betroffenen und ihrem Umfeld nicht ernst genommen, nicht erkannt. Mit fatalen Folgen. Selbst wenn das Umfeld Bescheid weiß, ist es nicht gesagt, dass es endgültige Hilfe für die Betroffenen gibt.
Traurige und berühmte Beispiele gibt es genug, und leider hat es vergangene Woche einen der besten Schauspieler der letzten Jahrzehnte erwischt.
Depression ist nicht gleich Depression. Manche sind die Folge von einer Überanstrengung, Überforderung, andere liegen im Menschen an sich. Ich denke das die letztere die Schlimmere ist.
Unsere Gesellschaft geht immer noch seltsam damit um. Ich wurde im Freundeskreis aufgefordert meine Antidepressiva abzusetzen. Nicht böswillig, aber im Unverstand. Man hätte mich zu dem Zeitpunkt auch auf ein Fensterbrett im zehnten Stock stellen können mit den Worten: *Trau dich!*.
Wer da alles plötzlich Experte ist ist schon bezeichnend.
Momentan sind auch Freunde von mir betroffen. Eine/r ist freiwillig in die stationäre Behandlung, weil die Nebelwand einfach nicht weichen will.
Wenn sich Menschen aus eurem Umfeld verändern, immer wieder Treffen absagen, weil sie zu müde sind, krank, obwohl sie eigentlich immer aktiv waren, dann sind das erste Warnzeichen. Statt zu sagen: Die mag mich nicht mehr und sucht immer Ausreden, um mich nicht zu treffen sollte man vielleicht mal nachfragen. Reagiert diese Person nur bei euch so, besteht keine Gefahr (außer für eure Freundschaft), ist es anders bietet Hilfe an. Und wenn es nur ein Gespräch ist.
Nein, ich bin keine Expertin, ich kann nur aus der Sicht einer ehemalig Betroffenen schreiben. Auch kann ich keine Generallösung bieten. Ich kann euch nur bitten: Passt auch euch und euer Umfeld auf. Und geht zu einem Fachman: Psychiater oder Psychologe.


Samstag, 16. August 2014

Orient goes Schwabenländle, das YAZ


Am Donnerstag hatte ich volles Programm, erst bei einer Freundin Kaffeeklatsch mit Katze, dann Arzt und alles zu Fuß, quer durch das Aprilwetters des Augusts.
Das der Abend dann friedlich und relaxed endete verdankte ich der Dame vom Liebstöckelschuh, die mich kurzerhand ins YAZ schleppte, an dem ich schon des öfteren vorbei, aber noch nie hinein gestolpert war.
Was sich als Fehler herausstellte, nicht das rein- sondern das vorbei stolpern.


Ich bin schlichtweg begeistert, von dem Ambiente, dem was ich im Glas und auf dem Teller hatte und über die Freundlichkeit des Personals. Auch wenn es eine Systemgastro ist, dem mitteleuropäischen Geschmack angepasst so war der Aufenthalt angenehm leicht. Das Essen auch.
Ich hatte Pilav, orientalisch gewürztes Gemüse, Salat, sehr lecker, das Wasser wurde mit Minze und Zitrone gereicht und dementsprechend erfrischend.
Vorher-nachher Fotos:




Man bestellt am Tresen, bezahlt auch gleich, nimmt sich ein Tablett, Serviertten, Besteck und Gläser mit, bekommt aber dann das Essen an den Platz gebracht. Und das kommt schnell und frisch und lecker, wird mit einem Lächeln gereicht.
Man hat drei *Grundgerichte* die man dann frei kombinieren kann. Zum Beispiel den *Teller*, entweder mit Fleisch (Rind, Huhn, Lamm), Fisch, Vegetarisch - dazu zwei Beilagen und Brot, für  9.80€uro.
Das Gemüse haute mich echt um. So lecker. Orientalische Gewürze stehen am Tisch.
Die Dressings für die Salate sind auch anders. Yoghurt mit Minze. Sehr lecker. Das Preis-Leitungsverhältnis ist absolut korrekt. Da kann man sich auch noch einen der Nachtische und einen Mokka leisten.



Für den schnellen Hunger für den kleinen Geldbeutel absolut empfehlenswert!
Das Yaz findet ihr in der Calwer Straße in Stuttgart.

Freitag, 15. August 2014

Drosophila, Drosophila, schon wieder bist du wieder da....



Droso.... was? Jeder Bioleistungskurs-Schüler begegnet diesem Namen früher oder später. Die anderen Bio-Schüler auch. Aber auch sonst kennt jeder das Wese, dass sich dahinter verbirgt:
Die fiese, miese, kleine, gemeine Obstfliege.
Aber sie hat den Genetikern unschätzbare Dienste geleistet. und Millionen Biologieschüler haben sie und die Genetiker verflucht. Und nicht nur das: Jeden Sommer verfluchen Millionen Menschen sie.
Sie umschwirrt unser Essen, ersäuft sich in unseren Getränken, verwandelt unseren Müll in etwas Lebendes mit Flügeln. Nicht unbedingt ekelig, aber extrem lästig. Sie sind überall und wenn man nicht aufpasst atmet man sie ein. Meine Kater drehen fast durch, hetzen sie zu Tausende zu Tode, ohne Chance zu gewinnen.
Jedes Jahr kommen sie über uns, in Schwärmen, bevölkern unsere Küchen, erobern die Obst- und Gemüseabteilungen im Supermarkt, selbst im Kühlschrank überleben sie. Letzte Woche habe ich eine in meinem entdeckt, ich hätte schwören können, dass sie kleine Nebelwölckchen ausgestoßen hat und Pelzflügel hatte.

Wenn man eine sieht ist, es schon zu spät, am nächsten Tag bilden sich kleine, dunkle Wolken, überall wo es nach Obst und Gemüse auch nur duftet und es etwas feucht ist....
Was tun? Nun ein altes Hausrezept schafft sie zwar nicht alle, aber etwas Abhilfe:
Essig und abgestandener Rotwein! (Obwohl sich das Zweite nie in meinem Haushalt gibt.) In ein Gefäß füllen - ich nehme meistens die Flasche mit dem Rest Essig - und es ist eine Freude die Fliegenleichen zu entdecken.

So schnell die Plage über uns hereinbricht, so schnell verschwindet sie wieder. Die Frage, wo sich die kleinen Plagegeister den Rest des Jahres aufhalten, ist meines Wissens nicht geklärt. Vielleicht sollte ich eine der Essig-Überlebenden mit einem Minisender ausstatten und verfolgen...


Donnerstag, 14. August 2014

Trau dich


Was für ein seltsames Wort.
Trauen.
Sich etwas trauen, vertrauen. Und dann ist man mit einem weiteren Buchstaben gleich bei der Trauer.
Traurig.
Aber von Trauer war gestern keine Spur, auch nicht die über die aufgegebene Freiheit. Sondern es herrschte Freude. Im kleinen Kreis gaben sich zwei Freunde das Jawort, in einem kleinen Ort, in einem kleinen Sitzungssaal eines nicht ganz so kleinen Rathauses, aber von einem kleinen Bürgermeister. Und das meine ich jetzt nicht im übertragenen Sinne. Das Brautpaar lächelte auf den herab. Wir hatten unseren Spaß.
Zwar gehöre ich nicht zu der wildromantischen Herzschmerzgemeinde, aber da stahl sich dann doch eine Träne ins Auge.
Satt Reis wurden Suppennudeln, die Buchstabennudeln geworfen, der Blick des Standesbeamten sprach Bände. Aber für Schriftsteller wäre Reis etwas profan gewesen. Ich fand gestern Abend noch ein *N* in meinem BH, es hatte sich da anscheinend eingenistet und ganz wohl gefühlt.


Die Feier war bescheiden, aber um so herzlicher, mit selbst gebackenen Kuchen, Kaffee und Katzen. Vor allem der zierliche Kater kam auf seine Kosten, mobste sich überall Streicheleinheiten und schnufferte sich an den Kuchen entlang.
Ich selbst bin kein Heiratsfan, finde es aber schön, wenn zwei Menschen zueinander finden und sich entschließen den Bund für's Leben einzugehen. Die zwei haben sich gefunden, da bin ich mir ganz sicher, auch wenn sie sich nicht gesucht haben. Das Leben hat sie zusammen gespült und seitdem paddeln sie gemeinsam den Strom des Lebens entlang. Manche Klippe und Stromschnelle haben die beiden schon gemeinsam gemeistert und ich wünsche ihnen alles Glück dieser Welt, die Kraft und die Liebe alle weiteren Stromschnellen zu nehmen und dass die blauen Flecken, die das Schicksal so gerne verteilt, schnell verheilen und nicht lange weh tun.
Ein Herz ist dann am schönsten, wenn es dem Leben als Zeichenpapier diente.





Dienstag, 12. August 2014

Fluchmond - Geschichten aus dem Schwarzwald (Buchbesprechung)


Zur Zeit halte ich mich sehr oft im Schwarzwald auf. Ich mag Gruselgeschichten. Werwölfe finde ich irgendwie sexy - die Comicfigur Red Hood (eine Homage an Rotkäppchen) lässt mich ins Schwärmen geraten. Ich mag die Stimmung, wenn der Nebel in den Tälern unter mir wabert - so lange ich nicht durch ihn umher irre. Bei Vollmond kann ich nur schlafen, wenn ich eine Flasche Rotwein intus habe.
Also warum sollte ich nicht meine Nase in dieses Buch stecken?
Der Einband versprach ja schon: Schwarzwald, Wolf und Vollmond. Und es ließ sich flüssig lesen. Und als ich es las hatten wir Vollmond. Ich hatte es in zwei Tagen durch. Die Abwechslung zu den Steuergesetzen war willkommen.
Ich falle jetzt mal mit der Tür ins Haus: wenn der mystische Kram drum herum nicht wäre, wäre es eine Liebesgeschichten, mit den üblichen Irrungen, Wirrungen und Dramen und heiße Liebesszenen. Hübsche Hauptdarstellerin, dunkler Ritter als Held, das unglückliche Opfer eine Nebenfigur und so weiter und so fort.
Warum ich es nicht aus der Hand legte - nun dafür gab es mehrere Gründe.
Zum ersten die Sprache. Nicht gerade Hochliteratur, aber wie schon erwähnt, flüssig geschrieben, leicht zu lesen. Ich wünschte mir die ganze Zeit den November herbei, weil der Wunsch mich in eine Decke zu kuscheln, bei Lampenschein und Rotwein schlürfend weiter zu schmökern, einfach übermächtig wurde. Irgendwie kommen Werwolfgeschichten im Sommer und im Strandkorb nicht so gut.
Die Figuren sind gut gezeichnet und treten einem sehr bildhaft vor das innere Auge, auch ihre Umgebung. Man sieht sie praktisch vor sich. Es ist, als würde man sich mit den Figuren bewegen und direkt dabei sein.
So weit so gut. Was mich allerdings amüsierte war die Beschreibung des *dörflichen* Umfelds. Irgendwie erwartete ich immer, dass Dr. Brinkmann aus der Schwarzwaldklinik auftauchen würde.Von der Hilfsbereitschaft der Dorfgemeinschaft bis zum Altweiberklatsch (auch junge Frauen tratschen wie die Alten), Vorurteile und Vorverurteilungen. Wie alte Geschichten bis in das Jetzt wirken. Kam mir irgendwie bekannt vor. Bin ich doch auf einem Dorf großgeworden, zwar nicht unter dunklen Tannen, aber immerhin: Dorf.
Die Autorin lässt nichts aus, und just wenn man denkt, jetzt kann ja nichts mehr passieren geht die Post ab.
Es wird blutig, dramatisch und sehr, sehr heldenhaft.
Nach dem Lesen des Buches hätte ich die Heldin einkleiden können: Viele der Beschreibungen bezogen sich nämlich auf deren - und der Kleidung der anderen.  Jedes Outfit wurde akribisch beschrieben. Nun, schlimm fand ich es nicht, aber wenn eine meiner Freundinnen einen dunkelblauen Nicki-Anzug anziehen sollte, werde ich wahrscheinlich ein wenig schräg gucken und seltsame Witze reißen.
Fazit: Lesespaß für relaxte Abende, wenn man sich entspannen möchte. Nicht zu leicht, nicht zu schwer, wie ein leichter, gut gekühlter Weißwein an einem lauen Sommerabend.
Und ein klein wenig: Kitsch as kitsch can ....

Simone Dorra, Fluchmond, Fantasy Roman, erschienen im Silberburgverlag
ISBN 978-3-8425-1345-7

Sonntag, 10. August 2014

Glücklich sein - Sonntagsgedanken 32/2014

Was ist Glück?
Darüber haben sich schon große Köpfe die selbigen zerbrochen. Es wurde gemutmaßt und diskutiert, geredet und analysiert. Oft kann ich sagen: Ich bin zufrieden. Aber glücklich?
Was ist das Grundrezept für das Glück?
Wenn ich es finden würde, wäre ich wohl entweder sehr schnell reich oder sehr schnell tot. Das mit dem reich sein versteht wahrscheinlich jeder sofort, aber tot? Eigentlich ganz logisch: glückliche Menschen sind schlechte Konsumenten und völlig uninteressiert jemand anderen anzugreifen. Das würde bestimmten Leuten bestimmt nicht in den Kram passen.
Also was ist Glück? Ist es, wenn man liebt, wenn man seine Wünsche erfüllt sieht?
Glücklich sein bedeutet ein unglaublich schönes Gefühl zu empfinden, Endorphine fluten das Hirn und lassen uns alles in einem schönen Licht sehen.
Tanzen macht mich glücklich. Tanzen zu einer bestimmten Musik macht mich über den Abend hinaus glücklich. Das Zusammenspiel zwischen Rhythmus, der körperlichen Bewegung macht mich glücklich.
Je zufriedener ich mit meinem täglichen Leben bin, desto leichter fällt es mir auch Glück zu empfinden.
Ich glaube, wenn man unerfreuliche Dinge nicht als persönlichen Anschlag des Schicksals auf das eigene Sein ansieht, fällt es leichter zufrieden zu sein.
Einen Moment werde ich so schnell nicht vergessen, als ich eines Morgens aufwachte und zum ersten Mal seit Monaten schmerzfrei war. Ich blieb still liegen und kostete diesen Moment aus. Als ich dann vorsichtig aufstand und mich immer noch keine neue Schmerzwelle überfiel, war ich fassungslos vor Glück.
Ich kann mich glücklich schätzen, was mir die letzten zwei Jahre widerfuhr.
Obwohl jede Menge Mist dabei war, Freunde mir sagen: Höre bitte auf 'hier!' zu rufen, wenn es um irgendetwas Schmerzhaftes geht, viele Momente der Unsicherheit mich überfluteten und alles in der Berufsunfähigkeit endete, kann ich mich glücklich schätzen.
Monty Python sangen *Always look on the bright side of life* - schaue immer auf die guten Seiten des Lebens. Ich mag den Song, ich mag den Film, ich liebe Monty Python. Trotzdem mag ich nicht die negativen Seiten des Lebens ausblenden. Ich nehme sie wahr, ich durchlebe Missstimmungen, Verlust, Angst, Schmerz und Wut - aber ich nehme nicht mehr alles persönlich und ich habe gelernt *NEIN!* zusagen, notfalls zu rufen.
Auch ich bin nicht immer glücklich. Aber ich die meiste Zeit zufrieden.
Gestern war ich glücklich - unter Freunden zu sein, auf gute Musik zu tanzen - auch wenn irgendwann das Knie dagegen protestierte - und einen schönen Sommerabend unter freien Himmel mit einem fantastischen Mond zu erleben.
Trotzdem kann ich euch Glück weder definieren noch euch sagen wie ihr glücklich werdet.
Zum Glück....

Freitag, 8. August 2014

Karteikartenreiter und Lernblockade


Ferien - yeah! Trotzdem habe ich die Bücher dabei, denn ich lege mir die Karteikarten zum Lernen für den bis jetzt durch genommenen Stoff am. Es ist ein altes, aber bewährtes Lernprinzip, mit dem ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Allerdings dauert das Anlegen lange und es ist ein *mühsam Geschäft* .
Das Prinzip ist ganz einfach:
Man benötigt einen Karteikasten, Trennblätter, verschieden farbige Karteikarten, einen Stift und den Lernstoff.
Auf die Karteikarten schreibt man, nach Themen und Farben sortiert, Stichpunkte zum Lernstoff, keine Schaubilder und - in meinem Fall - die §§. Allein, dass man den Stoff noch einmal durch ackert, um die Karten zu beschriften, bedeutet, dass man sich mit der Thematik des Lernstoffes auseinandersetzt, intensiver als man denkt, da man ihn auf Stichworte reduziert. 30-40 Seiten passen auf 20 Karten. Zum Lernen nimmt den Karteikasten, je nach auch die entsprechenden, farbigen Karteikarten zu Hand und versucht sich anhand der Stichworte alles ins Gedächtnis zu rufen. Klappt es nicht, liest man nach.
Zusätzlich haben unsere Lehrbücher Aufgaben und Wiederholungsfragen. Wenn man diese bearbeitet erzielt man den gleichen Effekt. Ich nutze eben diese Fragen, um die Karteikarten anzulegen.
Klingt nicht nur gut, sondern ist auch wirklich effektiv, wenn - ja, wenn man nicht wie ich zwei sich die Wohnung mit zwei Stubentiger teilt, die meinen immer, IMMER, an der Seite ihrer Dosi zu sein. Das führt dann dazu:
Stufe eins:
 

Stufe zwei:

Stufe drei:


Im Internat hieß es: Ferien sind zum Erholen da. Da muss ich mir mit meinen beiden Tigern keine Sorge machen. Die erinnern mich spätestens nach einer halben Stunde daran, dass das Leben nicht nur aus Lernen besteht,

Mittwoch, 6. August 2014

AAUUAA!

Wärmflasche mal in einem anderen Gewandt
 Wie aus dem Nichts hat es mich überfallen, das Brennen beim Pinkeln Wasserlassen. Ich gab Geräusche von mir wie eine gebärende Seekuh. Der erste Gedanke: Nie wieder puschern! Der Zweite: Mist, das geht nicht. Montagsmorgens, erster Ferientag, die Kater hockten vor mir auf den Boden und beobachteten interessiert meine Gesichtsgymnastik. Punkt neun Uhr stand ich bei meiner Hausärztin.
Erstmal homöopathisch, wenn es nicht nach drei Tagen deutlich besser sei, dann bitte wieder kommen. Nur Mittwochs ist Praxis zu. Gestern Abends konnte ich unbelastet wieder meiner kleinen Geschäfte nachgehen, keine Rasierklingen oder Salzsäure mehr, ich freute mich am nächsten Tag einen Freund besuchen zu können.
Pustekuchen. Ich machte mit einem glühenden Schmerz in der Nierengegend auf, aber nur links. Ich tastete vorsichtig meinen Rücken ab und schnitt - wieder sehr zur Begeisterung meiner beiden Pelzen -wieder seltsame Grimassen und quietsche, keuchte, hustete.

Was hat sie denn jetzt schon wieder?
AUA!
F*** die Henne! Was zur Hölle war das? Ich suchte eine möglichst bequeme Lage, aber nix half. Aber immerhin konnte ich zur Toilette, ohne das irgendetwas - außer der Niere - weh tat.
Okay Praxis zu, also erst einmal selbst helfen: Viel Tee, warm, warm halten, Socken an und einen dünnen Wollpulli. Um 13 Uhr war ich dann so weit ins Taxi zu hüpfen und zu irgendeinem Arzt zu fahren. Ich kenne mich mit Schmerzen aus: das war definitiv nicht normal. Aber um ein Uhr Mittags auf die Suche nach einem Arzt gehen? Marienhospital? Mit dem letzteren habe ich keine guten Erfahrungen bei Notfällen gemacht.
In der Zwischenzeit hatte ich wieder Fieber und zwischendurch, wenn ich das Bett verließ, Schüttelfrost, aber nur leicht. Trotzdem klapperten die Zähne und Soleil & Grey betrachteten weiterhin interessiert mein Gesicht. Ich machte mir ein Wärmflasche und legte mich hin, schlief mit beiden Katern im Arm ein. Ich schlief bis sechs Uhr abends durch und wachte schmerzfrei, komplett verschwitzt und fertig auf. Beute Stubentiger lagen auf meinem Rücken, direkt über der Niere und schnurrten zufrieden.
Ich blieb einfach liegen und genoss die Schmerzfreiheit.
Heute morgen tat es wieder weh und meine Ärztin bestätigte den Verdacht: Nierenbeckenentzündung. Ich komme um Antibiotika nicht mehr rum und werde das nächste mal sofort welche nehmen, wenn es sich ankündigt.
Unterstützend werde ich allerdings Schachtelhalmtee in Unmengen trinken und die Wärmflasche festhalten.

Ferien

Ich weiß nicht wie lange es her ist, dass ich das letzte mal Ferien hatte. Jahrzehnte liegt es zurück. Das süße Nichtstun. So lange schlafen wie man möchte, Freunde treffen, Schwimmbad, die Tage verbummeln. Ach welch Glück.
Ganz so ist es nicht, werde ich doch vor dem Morgengrauen von einem meiner beiden Kater wach geschmust. Wie ein Zombi schwanke ich dann in die Küche, vollautomatisiert und schwanke wieder ins Bett, um sofort wieder ins Koma zu versinken. Das dauert aber maximal eine halbe Stunde, weil dann der andere der beiden bei mir steht und sich rankuscheln will. Ich liege auf der rechten Seite und seine nasse Nase schnuffert in meinem Gesicht herum. Also hebe ich die Deke an und er wirft sich förmlich an meine Brust, seinen Rücken quetscht er unter mein Kinn, seine Nase verschwindet in der Achselhöhle. Dann setzt der Milchtritt ein und ein tiefes, zufriedenes Schnurren lässt mich wieder wegdämmern. Der andere drückt sich an den Rücken und schnarcht dort leise. Ich bin ihre Mutterkatze, ob ich es will oder nicht.
Die Ferien werden aber nicht nur verbummelt, ich suche jetzt schon einen Praktikumsplatz für nähsten Herbst, also werden Webseiten von Steuerberatern gesichtet, eine Telefongespächrichtlinie entworfen und telefoniert. Aber das mache ich nächste und übernächste Woche. Die Woche lege ich meinen Karteikartenkasten an - eine Lerntechnik, die mich nie enttäuscht hat.
Heute ist nochmal Faulenzen angesagt. Ich habe mir einen Infekt eingefangen, den ich noch auskurieren muss und möchte.
Aber was soll's: ich habe Ferien.

Sonntag, 3. August 2014

Das Märchen des bösen Mannes, Sonntagsgedanken 31/2014

Wenn Mann oder Frau zur Zeit die Nachrichten einschaltet kann einen das nackte Grauen anfallen. Die Horrornachrichten sind so geballt und überbieten sich ständig. Wir fühlen und machtlos und auch bedroht. Viele von uns gehören der zweiten Generation der Nachkriegsära an, was so viel bedeutet, dass wir noch nicht einmal Ansatzweise begreifen können was Krieg bedeutet.
Aufgrund der Tatsache, dass mich meine Mutter sehr spät bekommen hat gehöre ich, obwohl in den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts geboren, zu den Deutschen die die Kriegserzählungen aus erster Hand bekam und nicht nur das: ES war ständig Thema. Meine Mama-Oma wünschte uns sogar den Krieg, weil sie meinte, uns ginge es zu gut und wir würden es nicht zu würdigen wissen. Sie war eine verbitterte, sogar böse Frau. Ob von Natur aus oder durch ihre Lebenserfahrungen weiß ich nicht. Ich mochte sie nie, auch wenn ich mich nach ihrer Zuneigung sehnte und ihre Mirabellenknödeln abgöttisch begehrte. Der Krieg und seine Schrecken lebte in den Erzählungen meiner Verwandten weiter und ich wurde irgendwie Pazifist.
Wir Deutschen leben auf der Insel der Glückseligen und ich unter der Woche auch noch auf einer besonderen. Wir können einfach ausblenden was uns missfällt
Und wenn wir das nicht tun, aus welchen Gründen auch immer, dann suchen wir einen Schuldigen.
Ich schreibe sehr bewusst wir, denn mich erwischt dieser Mechanismus auch manchmal und wenn mich dann jemand darauf hinweist schäme ich mich. Es scheint ein tiefes Grundbedürfnis von uns Menschen zu sein jemand die Schuld geben zu können.
Ob die Hexen im Mittelalter, oder die Juden als Geldverleiher, oder die Islamisten, der böse Amerikaner, der böse Russe. Schnell wird mit dem Finger in eine Richtung gezeigt.
Was bewegt uns dazu? Ist es der Wunsch selbst als unschuldig zu gelten? Sind wir nicht alle ein Stück mitverantwortlich?
Ich höre die empörten Stimmen jetzt schon: *Was habe ich den mit dem, oder jenen, oder sonst was zu tun?*
In vielen Bereichen bestimmt nicht direkt, das stimmt - ganz sicher! In anderen Bereichen aber sehr wohl durch unsere Entscheidung ob und was wir wählen, durch unser Konsumverhalten, durch unsere Art mit unseren Mitmenschen im direkten Umfeld umzugehen.
Man kann auch gar nicht immer für alles die Verantwortung übernehmen. Mann und Frau würden wohl wahnsinnig werden.
Aber man kann zumindest seine eigene Wut bezähmen und nicht bei der Hetzjagd, verbal, virtuell oder direkt mitmachen.
Wie gesagt ich bin auch nicht frei davon.
Mich erschreckt nur immer mehr der maßlose Zorn, der fast so heiß wie glühender Hass daherkommt und alles Rationale aus dem Weg fegt.
Der da! Der da ist schuld! Und es werden mediale und virtuelle Scheiterhaufen errichtet. Und sie brennen schon. Die Schuldigen.
Aber wer sind die eigentlich? Die Schuldigen? Kennen wir sie denn wirklich? Oder wurde uns wieder ein Sündenbock geliefert wie schon so oft? Und sind wir wieder so weit wie ein wilder Mob den vermeintlichen Täter zu jagen?




Samstag, 2. August 2014

School's out for summer

....dieses Lied von Alice Cooper habe ich schon als Kind gehört. Als großes Kind. Jetzt bin ich in einem Alter, in dem man normaler auf die Abi-Feier der eigenen Kinder geht, statt dessen hüpfte ich wie ein Teenager durch die Gänge des Internats und trällerte den alten Song. Auch wenn ich nur drei Wochen frei habe: Welch magisches Wort: FERIEN.


Nach einer Woche Dauerregen kündigte dann der  Morgenimmel für die Ferien schönes Wetter an und ich dachte nur: YEAH!
 Dann las ich heute morgen: Millionen Gesichter werden sich Ende der Sommerferien den Schulen zuwenden: Die der Eltern. Ich musst so lachen, als ich das las. Und die Aussprüche meiner Freunde fielen mir ein, wenn sie am Ende der Ferien sich freuen, wenn ihre Ableger wieder in die Schule gehen.
Wir haben den Tag gemütlich ausklingen lassen, nach zwei Stunden Einkommenssteuerrecht und Fallbesprechungen (nein, es ist nicht so trocken wie es klingt) (es ist trockener)(Spaß Spaß) versammelten wir uns in unserem Versammlungseck und frühstückten zusammen.


Die Küche des Internats hatte uns Geschirr, Zucker und Milch, Kaffee gegen einen kleinen Preis überlassen, zwei fleißige Geister hatten den Tisch eingedeckt, es brachten viele etwas mit und die *Tafel* bog sich unter der aufgefahrenen Mitbringsel:
Hefe- und Nusszopf, Schoko-, Beeren- und Speckmuffins, Butter, Marmelade, Käse, Salami. Brezeln, Brötchen, Schokoaufstrich, Weißwürste, Schokokuchen, Tirimasu, Kaffeecreme..... zwei unserer Dozenten hatten Zeit und setzten sich zu uns. Mancher neidvoller Blick kam durch das Fenster herein, aber wir teilten die Muffins mit den Zaungästen. Von anderen Klassen war zu hören: *Boah! Wie klasse!*.
Ein schöner Abschluss der ersten vier Wochen.
Auch, dass wir schon nach vier Wochen Ferien haben, ist gut durchdacht. So haben wir die Zeit all die Eindrücke die auf uns einprasselten - neue Fächer, Dozenten, Klassenkameraden, Internat, Stoffgebiete und Ausbildungsziele - in den Ferien sacken zu lassen, den Sommer zu genießen und Kraft zu tanken, ohne finanzielle Sorgen.

School's out für summer.... yeah.