Dienstag, 19. August 2014

Besen sind nicht nur zum Kehren da...

.... Frau kann auch auf ihnen reiten. Oder den, der das behauptet mit einem Besen vermöbeln. Aber statt mit ihnen den Dreck auszukehren kann man im Schwäbischen auch in einen Besen einkehren. Für nicht Süddeutsche ist klingt das jetzt wohl seltsam. Ist aber so.


Als Besen bezeichnet man eine *Bauernwirtschaft* die nur an bestimmten Tagen und in einem bestimmten Rhythmus geöffnet hat. Selbst Wiki kennt diesen Begriff. Besen
Nun in Stuttgart wird auch *Onkel Otto* als Besen bezeichnet, aber in meinen Augen verdient der den Begriff nicht. Denn in eine guten Besen wird das serviert was der Besitzer selbst herstellt. Wein, Brot, Käse und diverse Braten, Maultauschen, Wurstsalat. Oder zumindest beim Bäcker, Metzger nebenan kauft. *Onkel Otto* ist in der Zwischenzeit eine sogenannte XXL-Gastronomie, was meinem gesamten Denken zuwider läuft. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.


Hier geht es jetzt um einen echten, traditionellen Besen, der es in sich hat. Als wir am Sonntag eintrafen (wir hatten reserviert!) brummte es im Hof schon wie in einem Bienenstock, wie hatten Pätze im Garten. Jedes verfügbare Plätzchen war mit Biertischgarnituren zugestellt, jung und alt saßen zusammen und schlotzen an ihren Vierteles und spachtelten ihren Rostbraten, Maultaschen, Käse und Brot, serviert von den Frauen und den Kindern des Hause, schmuck in schlichten, eher traditionellen Dirndeln gekleidet, die Männer schwitzten in der Küche.
Der Wettergott war uns gewogen und die Sonne brannte uns auf der Haut, wenn es unerträglich wurde schob sich eine Wolke davor.


Wir hatten die Gelegenheit einen sehr feinen Wein zu kosten, eine Spätlese, eher schon fast ein Dessertwein, so samtig, ja schon ölig, die Aromen unglaublih dicht und trotzdem mit ein klein wenig Biss.
Die Entspanntheit senkte sich auf uns wie eine weiche Decke nach dem Essen.
Ich konnte mich kaum noch regen und Erinnerungen an die Kindheit keimten auf - wie wir Kinder mit den Eltern Sonntags in die Nachbarorte wanderten und dort begeistert eine weiße Bratwurst mit Pommes und Soße und eine Bluna zum Mittagessen bekamen. Als Mädels hatten wir Sonntags knielange Dirndel an, Kniestrümpfe (immer weiß VOR dem Spaziergang) und farblich passende Sandalen.
In meiner Wampe war kein Platz mehr für den Nachtisch - selbstgebackenen Kuchen von den Frauen des Ortes (der Erlös wurde der Schule gespendet) mit einem lecken Kaffee von Poís. Letzteren gönnte ich mir. Abends fuhr ich entspannt nah Stuttgart zurück, satt vom Essen und den Farben und Eindrücken des Tages.


Hanweiler ist ein kleiner Ort im Remstal (scherzhaft *schwäbischer Busch* oder *Wild Räms* genannt), malerisch zwischen Hügeln mit Weingärten und Streuobstwiesen eingeschmiegt. (Übersetzt: am Popo der Welt.... )
Love it.

Kleine Anmerkung und Korrektur - über eonen Freund erreichte mich die Nachricht, dass... ach ich kopiere es hier einfach rein (und Danke für die Info!):
Erkläre der Schreiberin, dass die Kuchen nicht von "den Frauen des Ortes" gebacken wurden, sondern im Rahmen des Ferienprogramms der Stadt Winnenden von Kindern in Zusammenarbeit mit dem Konditor der Bäckerei Maurer, welche auch Zutaten und Backstube zur Verfügung stellte ... "Backen für den guten Zweck" heißt der Programmpunkt und findet schon seit einigen Jahren immer am Samstag unseres Weinfestes statt, so dass am Sonntag diese Kuchen auf unserem Fest verkauft werden können.

1 Kommentar:

  1. In Unterfranken nennt man eine Besenwirtschaft "Häcke" und es läuft nach einem ähnlichen Prinzip. Ich finde solche Institutionen meist als sehr urig.
    LG
    Sabienes

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