Sonntag, 3. August 2014

Das Märchen des bösen Mannes, Sonntagsgedanken 31/2014

Wenn Mann oder Frau zur Zeit die Nachrichten einschaltet kann einen das nackte Grauen anfallen. Die Horrornachrichten sind so geballt und überbieten sich ständig. Wir fühlen und machtlos und auch bedroht. Viele von uns gehören der zweiten Generation der Nachkriegsära an, was so viel bedeutet, dass wir noch nicht einmal Ansatzweise begreifen können was Krieg bedeutet.
Aufgrund der Tatsache, dass mich meine Mutter sehr spät bekommen hat gehöre ich, obwohl in den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts geboren, zu den Deutschen die die Kriegserzählungen aus erster Hand bekam und nicht nur das: ES war ständig Thema. Meine Mama-Oma wünschte uns sogar den Krieg, weil sie meinte, uns ginge es zu gut und wir würden es nicht zu würdigen wissen. Sie war eine verbitterte, sogar böse Frau. Ob von Natur aus oder durch ihre Lebenserfahrungen weiß ich nicht. Ich mochte sie nie, auch wenn ich mich nach ihrer Zuneigung sehnte und ihre Mirabellenknödeln abgöttisch begehrte. Der Krieg und seine Schrecken lebte in den Erzählungen meiner Verwandten weiter und ich wurde irgendwie Pazifist.
Wir Deutschen leben auf der Insel der Glückseligen und ich unter der Woche auch noch auf einer besonderen. Wir können einfach ausblenden was uns missfällt
Und wenn wir das nicht tun, aus welchen Gründen auch immer, dann suchen wir einen Schuldigen.
Ich schreibe sehr bewusst wir, denn mich erwischt dieser Mechanismus auch manchmal und wenn mich dann jemand darauf hinweist schäme ich mich. Es scheint ein tiefes Grundbedürfnis von uns Menschen zu sein jemand die Schuld geben zu können.
Ob die Hexen im Mittelalter, oder die Juden als Geldverleiher, oder die Islamisten, der böse Amerikaner, der böse Russe. Schnell wird mit dem Finger in eine Richtung gezeigt.
Was bewegt uns dazu? Ist es der Wunsch selbst als unschuldig zu gelten? Sind wir nicht alle ein Stück mitverantwortlich?
Ich höre die empörten Stimmen jetzt schon: *Was habe ich den mit dem, oder jenen, oder sonst was zu tun?*
In vielen Bereichen bestimmt nicht direkt, das stimmt - ganz sicher! In anderen Bereichen aber sehr wohl durch unsere Entscheidung ob und was wir wählen, durch unser Konsumverhalten, durch unsere Art mit unseren Mitmenschen im direkten Umfeld umzugehen.
Man kann auch gar nicht immer für alles die Verantwortung übernehmen. Mann und Frau würden wohl wahnsinnig werden.
Aber man kann zumindest seine eigene Wut bezähmen und nicht bei der Hetzjagd, verbal, virtuell oder direkt mitmachen.
Wie gesagt ich bin auch nicht frei davon.
Mich erschreckt nur immer mehr der maßlose Zorn, der fast so heiß wie glühender Hass daherkommt und alles Rationale aus dem Weg fegt.
Der da! Der da ist schuld! Und es werden mediale und virtuelle Scheiterhaufen errichtet. Und sie brennen schon. Die Schuldigen.
Aber wer sind die eigentlich? Die Schuldigen? Kennen wir sie denn wirklich? Oder wurde uns wieder ein Sündenbock geliefert wie schon so oft? Und sind wir wieder so weit wie ein wilder Mob den vermeintlichen Täter zu jagen?




1 Kommentar:

  1. Uns wird der Sündenbock geliefert, absichtlich wohlbemerkt. Denn ansonsten sähen die Menschen keinen Sinn in einem Krieg. Ich lese so viele Artikel tagtäglich im Web über die ganze Situation, sehe die Narichten und könnte dann nur noch meinen Kopf schütteln.
    Sie berichten einseitig und zeigen nicht alles, sie drehen es so wie gewünscht, manchmal würde ich am Liebsten abschalten. Denn es regt mich auf das immer auf ein Volk mit dem Finger gezeigt wird. Aber irgendjemand hat die Strippen in der Hand, ich weiß nicht wer und ich weiß nicht was es diesen Personen nutzt. Aber es geht um Macht und Geld und diese Personen sind im Hintergrund und umwickeln die ganze Wlet mit ihren Strippen. Sodass im Endeffekt eine Diktatur herrscht ohne das wir es merken.

    Nun was können wir tun? Andere können wir nicht ändern aber wir können uns selbst ändern und dann ändert sich das System. Es gibt schon viele die den Schritt wagen und nun andere darauf aufmerksam machen wollen, aber von den meisten öffentlichen Medien werden sie dann als etwas bezeichnet das sie nicht sind. Wir sind alle nur Menschen und wir selbst können die Entscheidung treffen unser Leben selbst zu gestalten oder wir lassen sie für uns treffen.
    Es kann auch gut passieren das ein Mob den Täter jagt, jedoch wäre das dann gegen das prinzip des Friedens. Denn jeder Mensch auf der Welt will Frieden und Gleichberechtigung, also sollten wir mit gutem Beispiel vorn gehen und den Frieden und ein neues alternatives System vorleben. Wo niemand mehr so einfach Strippen um die Welt wickeln kann.

    Ich finde es auf jeden Fall toll das du so einen Post geschrieben hast und ich werde innerhalb der nächsten Tage auch einen in der Richtung schreiben.

    Liebe Grüße
    Sabrina

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