Sonntag, 24. August 2014

Eisige Wasser - Sonntagsgedanken 33/2014

Was bitte? Letzte Woche bemerkte ich den ersten Video in den sozialen Netzwerken: irgend jemand fand es anscheinend sehr witzig sich Eiswasser überzuschütten. Nun, Geschmäcker sind verschieden und wer bin ich über die Marotten anderer zu lästern?
Als dann immer mehr Videos auftauchten und sich die Leute anfingen zu nominieren, wer der Nächste sein würde, dachte ich zuerst an eine virulente Form der Spaßverblödung. Trotzdem las ich den Text unter einem der Fotos und traf auf die Abkürzung ALS.
Mein Lachen wich schnell der Betroffenheit. Manche Menschen in meinem Umfeld denken ich hätte viel mitgemacht. Nein. Ich kann wieder laufen und mich bewegen, mit Einschränkungen, ich schlafe gut, viel und fest, wache morgens immer öfters ohne Schmerzen auf und kann aufstehen. Ich bin glücklich.

ALS war mir bis zu der Icewater Challenge völlig unbekannt. Wer nachlesen möchte was es genau ist folgt bitte dem Link; http://de.wikipedia.org/wiki/Amyotrophe_Lateralsklerose. Für alle anderen: Der Betroffene wird nach und nach bewegungsunfähig, bei vollem Bewusstsein. Die Krankheit endet immer tödlich. Sie ist äußerst schmerzhaft.

Und dann diese lustigen Videos? Wie passt das? Im Netz sind auch einige Empörte unterwegs, die es unglaublich finden, dass man diese Videos im Zusammenhang mit dieser unerträglichen Krankheit postet.
Tatsächlich? Ist es wirklich unerträglich?
Ich hatte vorher nichts über diese Krankheit gehört. Den Betroffenen schwappt gerade eine Sympathiewelle ohne gleichen entgegen. Es wird etwas sehr unbequemes in unser Bewusstsein gerückt, das dort vielleicht nie angekommen wäre. Es wird für die Erforschung dieser Krankheit gespendet. Betroffene machen mit. Es wird publik.
Wer direkt helfen möchte, ohne sich mit Eiswasser zu überschütten - hier geht es zum Link: http://www.als-hilfe.org/
Den Betroffenen wäre aber schon mit kleinen Gesten geholfen, die gar nicht so klein sind. Viele fühlen sich im Umgang mit Todkranken überfordert und ziehen sich zurück von ihren erkrankten Freunden. Schön wäre es, wenn sie ein paar dieser Freunde überwinden könnten und bleiben würden. Denn noch schlimmer als die Krankheit an für sich ist das Allein gelassen werden. Auch für die Familienangehörigen.
Bleibt bei ihnen, lacht mit ihnen, schenkt ihnen einen Teil eurer Zeit - denn sie haben selbst nicht viel davon.
Wenn ohr keine erkrankten Personen kennt, dann man macht es doch wie Patrik Stewart - erst den Scheck ausfüllen und dann das Eis für einen anderen Zweck einsetzen: http://www.theverge.com/2014/8/22/6057329/patrick-stewart-classy-ice-bucket-challenge

Kommentare:

  1. Ich stehe solchen Massenaktionen immer skeptisch gegenüber und ich wette mal, dass 50% der Teilnehmer nicht mit ALS auseinandersetzen werden. Wenn es dann die anderen 50% tun werden, wäre es ja positiv.
    Es ist sehr schwer zu lernen, mit dem Leid anderer Menschen umzugehen. Oft lernt man es nur, wenn man selber Leiderfahrung hat machen müssen.
    LG
    Sabienes

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    1. Ja, da sind wir uns mal wieder einig. Ohne es zu wissen saß ich vor ein paar Wochen jemanden gegenüber, der an ALS erkrankt ist. Ich wusste nicht was er hat, aber dass er schwer krank sein muss. Allerdings habe ich keine Berührungsängste.
      LG

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  2. Nun mein Geschmack sind diese auf Lustig gemachten Videos nicht wirklich, aber ich finde es klasse, das auf diese Art und Weise vielen Menschen, diese schreckliche Krankheit ins Bewusssein gerufen wird und der ein oder andere sich dann auch bereit erklärt zu helfen, hoffe nur das die Leute über all das Wasser verkippen nicht vergessen welchen ernsten Hintergrund diese Aktion eigentlich hat.
    Liebe Grüße und hab noch einen schönen Sonntag Nachmittag.
    Petra

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  3. Erst stand ich diesen Videos auch mit einem großen Fragezeichen gegenüber, weil ich nirgendwo den Hinweis auf ALS gelesen hab. Sondern einfach nur: soll irgendwie witzig sein. Als ich dann aber in einem anderen Blog den Hintergrund gelesen hab, war ich schon bestürzt, dass immer mehr Menschen dabei mitmachen, ohne den eigentlichen Hintergedanken zu verfolgen oder sich dafür zu interessieren. Schließlich soll durch die Videos auf die Krankheit, auf die Spendenaktion und auf Lachen-mit-Krankheit hingewiesen werden. Ich finds echt schade, dass der Bezug bei vielen der Videos völlig fehlt...
    Sonst wäre ich echt großer Fan davon!
    Liebe Grüße,
    Frauke

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    1. Hallo Frauke, ja, so geht es mir bei einem Großteil der Videos. Aber eines haben sie erreicht: Die Welt spriht über ALS. Bis morgen, dann kommt ein neues Thema.
      LG Marianne

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