Sonntag, 31. August 2014

Steitereien - Sonntagsgedanken 35/2014

Ich bin so müde. Ich bin der Streitereien so müde. Es geht nicht darum NICHT zu streiten, nicht zu diskutieren, sondern die Art und Weise. Egal, ob es um die Ernährungsweise (vegan, vegetarisch oder omnivore), um den Nah-Ostkonflikt oder Antisemitismus geht: Es wird gebashed, dem anderen das Wisssen, die Intelligenz und/oder die Integrität abgesprochen. Als Stuttgarterin, die sich gegen das Bahnprojekt S21 ausgesprochen hat, hatte ich schon genügend Gelegenheiten Erfahrungen zu sammeln. Das neueste Streitthema ist die Icewater-Challenge - und es fliegen die Fetzen.
Dabei ist gegen eine gesunde Streitkultur nichts einzuwenden. Aber leider scheinen wir die nicht zu haben. Statt Argumente auszutauschen wird es persönlich.
Mir fielen gestern fast die Augen aus dem Kopf, als ich lesen musste wie sich auf der Pinnwand (eines Social Networks) einer Bekannte  sich jemand in Rage schrieb und sehr, sehr persönlich wurde. Es ging nicht mehr um das eigentliche Thema, sondern der Mitdiskutant wurde geschmäht, als Person angegriffen. Die Gegenseite reagierte prompt mit der Androhnung einer Anzeige. So etwas tut mir weh.
Auslöser war: Die Ice WAter-Challence.
Seit Tagen tobt der Streit im Netz: Cool oder uncool?
Manche werden sich jetzt fragen, wie man sich wegen so einer Aktion dermaßen bekriegen kann. Seufz. Das frage ich mich auch.

Pro Aktion:
  1. Eine relativ unbekannte Krankheit wird bekannt.
  2. Durch eine witzige Art (die Leute  kippen sich Eiswasser über und spenden, filmen das Ganze und stellen den Video ins Netz) verbreitet sich das Wissen um die Existenz dieser Krankheit virulent im Netz.
  3. Die Leute haben Spaß.
  4. Es kommt ein Haufen Geld zusammen.
Contra Aktion: 
  1. Manche der Teilnehmer machen nur wegen des Fun-Faktors mit.
  2. Es gibt genug Krankheiten, die man nicht kennt.
  3. Es wird Wasser in wasserreichen Gegenden verschwendet, während in manchen Gebieten der Welt Dürre herrscht.
  4. Die gespendeten Gelder gehen an einen Pharmakonzern, der Tierversuche durchführt
So. Und wo ist jetzt das Problem? Gut, ich gebe zu: Ich finde die Aktion witzig. 
  • Ich wusste vor der Aktion nicht, was ALS bedeutet. 
  • Nichts tun, weil es noch Schlimmeres gibt? Wer setzt die Maßstäbe?
  • Nein, ich finde es nicht gut, an wen die Spendengelder gehen. 
  • Das Argument mit dem Wasser lasse ich nicht gelten, streite mich aber nicht deswegen. 
  • Spaßfaktor? Meine Güte, die *Aktion Mensch* funktioniert als Tombola, da spenden Menschen, weil sie die Chance auf Geld haben! (Ich vermisse den Aufschrei, wegen der Geldgier!) 
  • Und man kann ja auch das Geld einer anderen Organisation spenden, die ohne Tierversuche auskommt. (Zum Thema Tierversuche: Wer glaubt ein Medikament ohne Tierversuch zu bekommen - seufz...)
    Und jetzt?
Ich hoffe ihr versteht was ich meine. Auch wenn ich für die Aktion bin, erkenne ich an, dass es Menschen gibt, die diese Art und Weise, aus welchen Gründen auch immer, nicht gut finden. Ich muss diese Gründe NICHT für gut befinden, aber ich muss doch deswegen nicht diesen Personenkreis persönlich angreifen.
Hart zur Sache, weich zum Menschen. Fair bleiben. Zuhören, versuchen zu verstehen.
Und nicht dem anderen von vorne herein Verstand, Verständnis und Moral absprechen.
Euch allen einen friedlichen, streiltlustigen Sonntag.
Zum Thema: Eisige Wasser

Kommentare:

  1. Wenn solche Aktionen überhand nehmen, wenn der Hype zu groß wird, ist es absehbar, dass solche Gegenreaktionen entstehen. Allerdings fände ich es auch nicht so sinnvoll, für ein Forschungslabor zu spenden, da gebe es vielleicht Besseres.
    LG
    Sabienes

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    1. Nichts gegen Gegenaktionen, aber was da teilweise los war, war unterirdisch - ich meine nicht das WAS, ich meine das WIE. Und wie im Artikel geschrieben: es ging auh bei anderen Themen schon *so ab*. Leider.
      LG

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  2. Ich bin gegen die Aktion, vor allem, weil mal wieder das meiste des Geldes in irgendwelchen Verwaltungen landet und nicht in der Forschung. Das Argument mit dem Wasser finde ich albern. Wir haben mehr als genug davon und wenn wir das nicht benutzen, hat davon auch kein Mensch in Dürregebieten etwas. Sich hier über Wasserverschwendung aufregen, aber spanische Tomaten und Frühkartoffeln aus Ägypten kaufen..... aber egal, wie man dazu steht, es ist kein Grund, beleidigend zu werden. Es gibt ein Für und Wider, darüber kann man diskutieren, sachlich bitte.

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    1. Nun, die Aktion ist das eine, wem man das Geld gibt eine andere - das bleibt ja jedem selbst überlassen :)
      Was mir extrem bei der Aktion auffiel: die Vehemenz der Dagegen-Leute.
      Scheint aber in allen Bereichen zuzunehmen.

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    2. Ich bin zwar auch öfter mal vehement gegen was (fracking, ttipp usw), aber ich hoffe, ich bleibe trotzdem sachlich in der Auseinandersetzung

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