Sonntag, 17. August 2014

Wenn es auch am Tag dunkel ist - Sonntagsgedanken 33/2014


An einem strahlenden Morgen wie heute über etwas zu schreiben, was die Seele (oder den Geist, wie immer man es auch nennen man) in graue Watte packt, ist nicht leicht.
Depressionen.
Aha, werden jetzt einige sagen, ist ja gerade in Mode. Pustekuchen. Mode ist es bestimmt nicht. Wer einmal diese unendliche Leere und bodenlose Traurigkeit erlebt hat wird nie wieder so einen Stuss-Spruch heraushauen. Jeder ist einmal traurig, der Verlust einer Liebe, eines Liebsten stürzt einen in tiefe Verzweiflung. Ist der *Geist gesund* übersteht es der betroffene Mensch normalerweise ganz gut. Ist er aber angeschlagen kann es sich zu einer ausgewachsenen Depression entwickeln.
Ich nenne es die Zeit ohne Freude. Die Zeit der Nebelgrauen Traurigkeit. Die Trauer verschluckt einen und spuckt einen nicht wieder aus, sondern zerkaut einen.
Lange kannte ich es nicht, dieses Gefühl des Nichts im Innern, aber als ich die Anzeichen einen Burn Outs (aha, schon wieder so ein Modebegriff!) ignorierte, begab ich mich unwissentlich in eine Abwärtsspirale, die zum Schluss zur Schussfahrt in die Dunkelheit wurde. Dass es mir heute gut geht hat viele Ursachen und ist dem Umstand zu verdanken, dass ich den richtigen Menschen - unter anderem Susann - begegnete, die erkannten was Sache ist und klipp und klar sagten: Ich bin gerne für dich da, aber du brauchst professionelle Hilfe. Auch meine Hausärztin ließ nicht locker. Und so landete ich auf der *Couch*. Die Couch ist ein gemütlicher, wuchtiger Sessel, in den man sich rein verkriechen kann und mein Gegenüber ist ein *Teddybär* von Mann. Er und gewisse *Mittelchen* haben mich so stabilisiert, dass ich wieder frohgemut durch die Gegend laufe.
Aber um mich geht es nur am Rande.
Depressionen werden oft von den Betroffenen und ihrem Umfeld nicht ernst genommen, nicht erkannt. Mit fatalen Folgen. Selbst wenn das Umfeld Bescheid weiß, ist es nicht gesagt, dass es endgültige Hilfe für die Betroffenen gibt.
Traurige und berühmte Beispiele gibt es genug, und leider hat es vergangene Woche einen der besten Schauspieler der letzten Jahrzehnte erwischt.
Depression ist nicht gleich Depression. Manche sind die Folge von einer Überanstrengung, Überforderung, andere liegen im Menschen an sich. Ich denke das die letztere die Schlimmere ist.
Unsere Gesellschaft geht immer noch seltsam damit um. Ich wurde im Freundeskreis aufgefordert meine Antidepressiva abzusetzen. Nicht böswillig, aber im Unverstand. Man hätte mich zu dem Zeitpunkt auch auf ein Fensterbrett im zehnten Stock stellen können mit den Worten: *Trau dich!*.
Wer da alles plötzlich Experte ist ist schon bezeichnend.
Momentan sind auch Freunde von mir betroffen. Eine/r ist freiwillig in die stationäre Behandlung, weil die Nebelwand einfach nicht weichen will.
Wenn sich Menschen aus eurem Umfeld verändern, immer wieder Treffen absagen, weil sie zu müde sind, krank, obwohl sie eigentlich immer aktiv waren, dann sind das erste Warnzeichen. Statt zu sagen: Die mag mich nicht mehr und sucht immer Ausreden, um mich nicht zu treffen sollte man vielleicht mal nachfragen. Reagiert diese Person nur bei euch so, besteht keine Gefahr (außer für eure Freundschaft), ist es anders bietet Hilfe an. Und wenn es nur ein Gespräch ist.
Nein, ich bin keine Expertin, ich kann nur aus der Sicht einer ehemalig Betroffenen schreiben. Auch kann ich keine Generallösung bieten. Ich kann euch nur bitten: Passt auch euch und euer Umfeld auf. Und geht zu einem Fachman: Psychiater oder Psychologe.


Kommentare:

  1. Ich kenne das aus eigener Erfahrung und war zweimal in einer Klinik im Allgäu, als nix mehr ging. Das war die Wende in meinem Leben, auch wenn ich lange gebraucht habe, um wieder auf die Füße zu kommen. Depressionen und auch Burn Out sind keine Modeerscheinungen, vielleicht nennt man nur mal was beim Namen, was es auch vorher schon gab und unsere ach so modernen Lebensbedingungen leisten da zum Teil auch gute Unterstützung, um solche Krankheiten zu bekommen.Ich habe es auch nur geschafft, weil ich mir Hilfe geholt habe.

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