Freitag, 12. September 2014

Das Zäpfchen und das Steuerrecht

Das eine Zäpfen hängt im Gaumen herum, das andere verschwindet in der rückseitigen Körperöffnung. Und manchem geht das Zäpfchen, wenn er an seine Einkommen-
steuererklärung denkt.
Aber heute geht es um das *Hilfs-Zäpfchen*.
Ich höre praktisch schon die *HÄs?* durch den Raum fliegen und sehe die ungläubligen Blicke am Monitor kleben. *Was schreibt die denn da schon wieder zusammen????*

Ein verschmitztes Lächeln hat sich bei mir festgesetzt. Dank an unseren Ausbilder in dem Fach *AO* (Abgabenordnung, ich glaube ich habe es schon einmal erwähnt). Gesetze zu lesen ist einfach, sie zu verstehen eine Kunst, sie zu gestalten auch. Manche halten das letztere allerdings grundlegend für ein Verbrechen - zumindest ihre Ausformulierung. Was jetzt das alles mit einem Zäpfchen zu tun hat, dazu komme ich gleich.
Unser Ausbilder versucht alles, dass wir, seine Schäfchen (manchmal denke ich er hält uns tatsächlich für solche, so verständnislos wie wir ihn manchmal anglotzen) wirklich alles verstehen, aber wirklich auch alles.
Wenn man jetzt das Gesetz liest, ab wann ein Verwaltungsakt wirksam wird, dann ergrauen manche hier schon und wenn sie das Gelesene erklären sollen, fallen ihnen die Haare aus. Meine sind eh schon grau ..... Aber wir haben ja IHN, den VERSTEHER der AO.

Nehmen wir uns mal den § 24 der AO vor:
Wirksamkeit eines Verwaltungsakts
§24 Abs1
Satz 1 Ein Verwaltungsakt wird gegenüber demjenigen, für den er bestimmt ist oder der von ihm betroffen wird, in dem Zeitpunkt wirksam, in dem er bekannt gegeben wird.
Satz 2 Ein Verwaltungsakt bleibt wirksam, solange und soweit er nicht zurückgenommen wird, widerrufen, anderweitig aufgehoben oder durch Zeitablauf oder andere Weise erledigt wird.
Satz 3 Ein nichtiger Verwaltungsakt ist unwirksam.

Und hier kommt das Zäpfchen ins Spiel, denn dieses wirkt wie das Steuerrecht in diesem Fall, das Zäpfchen heisst *Wirksamkeit*.

Zu Satz 1:
Wenn die Krankenschwester den Patienten Zäpfchen verabreicht, so entfaltet es seine Wirkung, egal ob es im richtigen Patienten steckt oder nicht. Dem Zäpfchen ist das Wurst.
Natürlich hat das Zäpfchen eine Wirkung. Und keiner wird sagen:
*Oh, das falsche Zäpchen! Macht aber nichts!*. Wenn ich ein Schmerzzäpfchen brauche, aber ein Abführzäpfchen bekomme... na ich male das mal nicht weiter aus....
Ist das Prinzip des Zäpfchens klar? Ich denke schon. Und so verhält es sich auch mit der Wirkung des Steuerbescheids.
Bekommt man einen falschen Steuerbescheid vom FA, dann ist er eben wirksam, ob nun die Steuer zu hoch ist oder von einem anderen, das juckt den Steuerbescheid ebensowenig wie das Zäpfchen in welchem Patienten es steckt.
Zu Satz 2:
Was kann man tun? Nun, das Zäpfchen schnellst möglich loswerden und beim Steuerbescheid fristgerecht Einspruch erheben. Macht man nicht - hust, nun, dann wirkt es eben......

Am besten wird es allerdings am Satz 3 deutlich:
Ein nichtiger Verwaltungs ist unwirksam. 
Aha. Aber dass, wenn man einem Toten ein Zäpfen gibt, dieses nicht mehr wirkt, ist schon klar, oder?
Na, seht ihr?
Ich sehe das Zäpfchen in der Zwischenzeit mit ganz anderen Augen.

Und Danke irgendeinem Wesen dafür, dass wir einen Ausbilder haben, der uns die furztrockene Materie so rüber bringen kann, dass wie nicht mehr wie die Schafe glotzen, aber manchmal klingen unsere *AHs!* schon noch eher wie ein *Määäääh!*.



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