Sonntag, 28. September 2014

Jahrestag - Sonntagsgedanken Teil eins 40/14

Es nähert sich ein Jahrestag, ein sehr persönlicher Jahrestag, der nichts mit einem freudigen Ereignis zu tun hat, aber sich mir ins Gedächtnis gebrannt hat.

Es war vor vier Jahren. Ich hatte meine erste Knie OP überstanden, und mein letzter Krankentag war vorbei, der Urlaub fing an. Aber noch musste ich die leuchtendblaue Beinstütze tragen, aber konnte *schon* ohne Krücken gehen.
Es war ein sehr schöner Frühherbsttag. Die Blätter der Bäume im Schloßgarten verfärbten sich schon, der Rasen war mit der Frucht der Kastanien überzogen. Für den Tag war eine Demo der Jugendoffensive angesetzt, deren Abschlusskundgebung im Schloßgarten angesetzt und genehmigt war.
Wir schoben Wache im Park, Tag und Nacht. Die Räumung stand bevor.
Eines Abend saßen ein paar Freunde und ich unter einer Tanne auf einer Bank, schweigend und müde, als dicht hinter uns eine Stimme erklang. "Scheiße, immer noch zuviele, um zu räumen!" Wir drehten uns um und hinter uns standen 6 Einsatzpolizisten in voller Montur. Mir rutschte das Herz in die Hose. Sie sahen aus wie Startrooper, nur in schwarz und dementsprechend furchteinflößend. Sie hatten uns nicht gesehen (oder doch?). Wir schlugen Alarm. Sie zogen sich zurück. Überall tauchten sie unvermittelt auf, nuschelten was in ihre Funkgeräte und wurden wieder von der Dunkelheit verschluckt.
Was war geschehen?
Nun, ein Teil der Stuttgarter Bürger wehrte sich mit allen Mitteln gegen die Pläne der Bahn, einen Teil ihres geliebten Schlosssgartens den Pänen der Bahn zu opfern.
Es war der 30.9. ca 9 Uhr summte mein Handy und eine Alarm SMS der Parkschützer ging ein. Räumungsalarm.
Ich packte einen Rucksack, mit Wassser, Proviant, Ersatzklamotten und humpelte zur Bahn. Guten Mutes, wenn auch etwas ängstlich.
In der Bahn Gleichgesinnte, dann die Info: Wassserwerfer sind aus Richtung Böblingen unterwegs. Mir wurde kalt. Ich sagte laut, dass man doch nicht Wasserwerfer gegen die Stuttgarter Bürger einsetzen würde? Ein Mann drehte sich zu mir um und sagte wortwörtlich: "Wenn sie damit anrücken wollen sie die auch einsetzen."
Stunden später und tropfnass erinnerte ich mich daran.
Wir verließen die Bahn an der Haltestelle Staatsgalerie (deren Tage sind auch gezählt) und gingen Richtung Park. Das Bild das sich uns bot war harmlos, zu dem, was wenige Stunden später passieren sollte. Von der Seite des Bahnhofs strömten Schüler in den Park, schlaksige Jungs und Minirock tragende Mädels, mit Ballerinas an den Füßen, leicht angezogen, den warmen Temperaturen des Tages geschuldet. Es wirkte fröhlich. die Kids hatten keine Ahnung was auf sie zukommen würde. Wir auch nicht. Ich traf Freunde und war froh nicht mehr allein zu sein.

Die ersten Provokationen fanden statt. Junge Männer in schwarz, mit gelben Leuchtwesten, auf denen fett *Polizei* stand, schrieen Schüler an, sie sollten abhauen  und teilweise schubsten sie die Kids. Wir mischten uns ein, fragten was das solle, schirmten die Schüler ab. Sobald *Erwachsene* auftauchten machten sich die Jungpolizisten aus dem Staub. Der Witz: Ein paar Westen trugen die Aufschrift *Antikonflikt-Team*. Ich realisierte langsam, aber sicher, dass das keine guten Vorzeichen waren.
Der Ruf: "Sie kommen! Das UKB!" ( Unterstützungskommando Bayern, bekannt für ihr hartes Durchgreifen) , ich drehte mich um und das Bild das sich mir bot machte mir wirklich Angst - die Zugänge des Parks spuckte einen Einsatzpolizisten nach dem anderen aus, alles in voller *Einsatz*Montur. Es sah aus als würden hunderte Robot-Cops den Park stürmen.
Es hatte begonnen.

Kommentare:

  1. Irre! Ich werde deine Berichterstattung weiter verfolgen. Bei uns war zu diesem Zeitpunkt Stuttgart unfassbar - und zugleich unfassbar weit weg ....
    LG
    Sabienes

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  2. Das Geschehen wurde mir vorgestern wieder ins Gedächtnis gerufen, jemand hat mir ein Bild geschickt, dass er in einem Blog gefunden hat - es zeigt mein Gesicht in Großaufnahme, ich bin pitschnass, weine, die Augen rot und eingefallen, hinter mir die Polizeikette und der spühende Wasserwerfer. Ich konnte es damals nicht fassen und fasse es heute noch nicht,

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  3. Danke das du deine Erlebnisse erzählst.

    Gruß
    Alex

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