Donnerstag, 25. September 2014

Märchenwald


Vor nicht mal einem Jahr haben mich zwei Wochen hier fast verzweifeln lassen. Das *Hier* ist auf der Spitze eines Berges, ein Internat. Ich fand es dröge, langweilig, einsam. Nun, die Vorzeichen haben sich etwas geändert:
Die Tage sind lang, arbeitsintensiv und abends geht es zum Ausgleichsport oder man paukt bis spät in den Abend hinein. Die ersten Klausuren liegen hinter uns, das Tempo hat sehr angezogen und uns rauchen die Köpfe.
Wenn es mir zuviel wird - und das kommt nicht oft vor, aber immer öfter - dann renne ich einmal um den *Block* - was hier so viel heißt wie: Ab in den Wald.
Manchmal mache ich das sogar in der Mittagspause, so wie heute, und laufe eine halbe Stunde im stillen Wald (wenn nicht gerade ein LKW-Fahrer mich fast überfährt, weil er Kies an der Rennstrecke anliefern will) oder ich gehe direkt nach dem Unterricht. Momentan bleibt es ja noch bis halb sechs/sechs hell. Lieber einmal eine Mahlzeit auslassen.
Die Luft ist klar und kühl, fegt Lunge und Kopf frei, und macht auch ein wenig müde. Die Angespanntheit weicht und ein wohliges Gähnen bahnt sich seinen Weg. Dieser Wald, der direkt hinter unserem Internat beginnt ist ein Traum. Manchmal, an manchen Tagen, könnte man meinen, man sei in einem Märchenwald gelandet:


An manchen Tagen ist es so grau, nebelig und regnerisch, dass man keinen Hund vor die Türe jagen würde, geschweige denn sich selbst. Von Zuhause habe ich mir meine Fleecedecke mitgebracht und in die kuschle ich mich dann abends.
Nach den trüben Tagen, oder nach einem sintflutartigen Regentag, überrascht uns hier am Morgen manchmal die Natur mit Sonnenaufgängen die mir die Augen feucht werden lassen. Ich stehe dann am geöffneten Pseudobalkon, die Türe weit offen bis die Morgenkälte die Müdigkeit vertreibt:


Je länger ich hier bin, desto weniger vermisse ich die Stadt.
Ich werde doch nicht?


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