Montag, 27. Oktober 2014

Ich bin Klempner von Beruf... oder wie ich lernte die Spüle zu besiegen....

Wenn in der Küche das Wasser nicht mehr aus dem Wasserhahn sprudelt, sondern in Strömen aus dem Unterschrank fließt, hat Frau ein Problem, welches ausnahmsweise einmal nicht Mann heißt. Aber in solchen Momenten wünscht sich Frau einen Mann, der vielleicht auch nicht klempnern kann, aber den kann man dann wenigstens in solchen Momenten anschreien: „Tu‘ endlich was!“.
Wohnt Frau mit Katzen zusammen anstatt mit einem Mann, denkt sie im ersten Moment an Flucht, erinnert sich dann an etwas was man „Haupthahn“ nennt und sucht den verzweifelt, während die pelzigen Mitbewohner höher gelegene Gefilde aufsuchen: Tische oder Schrank.
So oder ähnlich geschah es mir. Dann auch noch an Krücken. Und jetzt? Keine Kohle für einen Installateur und nur Freunde mit zwei linken Händen und die mit den rechten gingen in Deckung.
Also musste die Spüle warten, immerhin schaffte ich es den Zulauf abzudrehen und konnte den Haupthahn wieder aufdrehen.
Aber in der Küche ohne Wasser? Geht gar nicht.
Als dann die Krücken längst Vergangenheit waren konnte ich aber erst zur Tat schreiten, als das Knie wieder biegsam wurde. Ab in den Baumarkt.
Baumärkte sind schon längst nicht mehr reine Männerdomäne. Und ich liebe Baumärkte! Während ältere Ehepaare Richtung Gartenausstellung wanderten, zog es mich in die Bäder und Bauabteilung. Ich brauchte eine Mischbatterie und wurde fündig… gekauft. Nach Hause gerast und ab unter die Spüle, mit Rohrzange und Katzen. Die zwei fanden es ganz spannend auf mir rumzusteigen und alles zu beschnüffeln, retteten mich vor einer Spinne und nervten ganz gewaltig.

Die Küche in meiner Mietwohnung hat die besten Zeiten schon hinter sich und die waren wahrscheinlich im letzten Jahrtausend (wie ich es liebe auf dem Milleniumswechsel herumzureiten). Anhand der Einbau-Anleitung der neuen Mischbatterie leitete ich mir ab, wie ich die Alte auszubauen hatte. Klang alles ganz einfach, wäre auch bestimmt so gewesen, wenn – wenn nicht die Patine des letzten Jahrtausends sich festgesetzt hätte. Tiefer Seufzer. (Und zwischendurch den Kater von der Tastatur entferne.)
Die gesamte Einbauküche wackelte wie bei einem Erdbeben, die zwei Kater flüchteten und ich fluchte wie ein Bierkutscher. Nach einer halben Stunde hielt ich das alte Ding in den schmutzigen Fingern, sämtliche Fingernägel ein Stück kürzer. Und ich fand das Leck – eine der Wasserzuläufe  hatte ein Loch. Ich schrubbte alle betroffene Teile, packte die Mischbatterie  aus, baute sie zusammen, während die Kater sich um den Verpackungskarton stritten und ihn abwechselnd belagerten.
Ich stellte erfreut fest, dass die Installation wesentlich leichter war wie die Desinstallation.

Wer jemals irgendetwas mal installiert hat, weiß was kommt…:
Eine der Zuleitungen war einen halben Zentimeter zu kurz. Erst erschien ein Fragezeichen über meinem Kopf, dann ein Ausrufezeichen, die Stubentiger rochen Lunte und verschwanden.
Ich musste noch einmal in den Baumarkt.
Zuerst suchte ich einen Verkäufer und fand ihn auch: Er führte eine Polonaise an: Da er der Einzige auf der gesamten Fläche war verfolgten alle Kunden ihn, die ihn entdeckt hatten. Cooler Kerl, der ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Ich mich schon. Aber selbst ist die Frau und ich machte mich auf die Suche nach einem Verlängerungsstück. Ich fand es. Und war mächtig stolz auf mich. Sicher ist sicher, dachte ich aber und schloss mich der Polonaise an. Ich wollte nur wissen, ob ich das richtige Teil hatte, denn ich traute meinen laienhaften Überprüfungskünsten nicht. Ich hatte einfach die Anschlüsse aneinandergehalten und nachgesehen, ob sie gleichgroß waren. Aber ich wollte den Fachmann dazu hören.
Als ich dann an der Reihe war und meine Fachfrage stellte hielt er die Anschlüsse aneinander und knurrte: *Passt!*.
Wow, ich kann im Baumarkt anfangen!
Zuhause montierte ich den Rest und Heureka: Das Wasser sprudelte wieder aus dem Hahn und nicht mehr unter der Spüle!
Stolz wie Otto zog ich die letzten Schrauben nach, pfiff leise durch die Zähne bis – bis ich das Chaos in der Küche sah.
Und mitten drin die Kater.
Aber: selbst ist die Frau. Ich werde Klempner. Mit dem Pömpel kann ich ja auch umgehen!

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