Sonntag, 26. Oktober 2014

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Sonntagsgedanken 43/2014

Seit einer Woche brodelt es in mir. Letzten Sonntag trafen sich wieder einmal die Gegner des neuen Bildungsplans in Baden-Württemberg.
 
Vorweg: Es ist meine Meinung, dass JEDER das Recht hat, nach seinem Willen zu leben und dies auch kundzutun. Auch durch Demonstrationen. Auch finde ich, dass JEDER das Recht hat, seine Bedenken mitzuteilen – auch, bzw. vor allem, wenn es um  Gesetze und Gesetzesänderungen geht.
Das klingt jetzt als würde ein Aber folgen.
Jein.
Diese Sätze können so stehen bleiben.
Dazu gibt es kein Nein. Kein Aber.

Wenn es denn nun nur um den eigenen Anspruch ginge, das eigene Leben so zu gestalten wie man es selbst möchte. Und es unterlässt, anderen  vorzuschreiben wie sie es denn nun zu leben haben.
Natürlich kann man jetzt argumentieren: „Ja aber der Bildungsplan macht genau das!“
Nein, macht er nicht.
Um was geht es?
Im Bildungsplan geht es um die Akzeptanz der verschiedenen Form der menschlichen Liebe. Ob man nun hetero-, homo-, trans- oder sonst wie sexuell orientiert lebt: Hauptsache ist doch, dass man:

  • v  Im beiderseitigen Einverständnis handelt
  • v  Beide (oder mehr) glücklich werden
  • v  Nichts mit Zwang geschieht


Um was geht es den Bildungsplangegnern? Ich weiß es nicht wirklich. Wenn ich mir die Plakate einiger ansehe erfasst mich das kalte Grausen:

  • v  Schwul sein = pädophil
  • v  Toleranz fordern = das andere Leben müssen
  • v  Sexualkundeunterricht = Porno

Und unter der Flagge des christlichen Glaubens versammelt sich alles, was irgendwie homophob ist.
Egal welche Konfession oder ob rechts außen: Hauptsache man drängt das Widernatürliche zurück.
Es gab mehrere gute Blog-Einträge zum Thema. Von Betroffenen. Die sich unter die Demonstranten gemischt hatten. Die Angst bekamen, als bei der letzten Demo die Stimmung kippte und einzelne Leute forderten alle möglichen Männer zu kastrieren, unter anderen den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, die Partei der Grünen wieder einmal als „Kinderf*cker“-Partei bezeichnet wurde und das Wort „vergasen“ die Runde machte.
Um was geht es denn?
Ich frage mich schon lange, was in diesen Hirnen vorgeht. Sie setzen Liebe immer mit Lust gleich, jeder der nicht ihren Moralvorstellungen entspricht ist „amoralisch“ und „verdammenswert“.
Die Sexualpraktiken anders Liebender widert sie an. Woher wissen sie denn über diese Sexualpraktiken so gut Bescheid? Gucken die Schwulenpornos oder geht ihre Fantasie mit ihnen durch? Sind es vielleicht eigene, verdrängte Vorlieben, die nicht sein dürfen?
Sie nennen sich Christen und treten ihre Glaubenslehre mit den Füßen.
„Du sollst deinen Nächsten Lieben wie dich selbst“.
Da steht nichts davon, dass der andere so sein muss wie sie, ihren Moralvorstellungen entspricht oder nach ihren Dogmen lebt, ihre Hautfarbe oder Glauben haben muss.
Wie müssen sie sich selbst anwidern, wenn das ihre Nächstenliebe ist.
„Und wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein!“ Entweder sie sind alle die Heiligkeit in Person, oder….

Den Abschuss brachte ein CDU Politiker Hans-Jürgen-Irmer, bildungspolitischer Sprecher der CD in Hessen:
„Homosexualität ist nicht normal, wäre sie es, hätte der Herrgott das mit der Fortsetzung anders geregelt.“
Aha. Seit wann bestimmt denn Kirche wieder was wissenschaftlich ist? Wer sich auch nur ein klein wenig mit der Biologie beschäftigt würde dem werten Herrn eine glatte Sechs geben.
Weder von der wissenschaftlichen Seite NOCH von der christlichen Seite betrachtet ergibt das alles einen Sinn.
Aber aus einem anderen Punkt erklärt sich vieles
ANGST. Angst vor dem Unbekannten, Angst davor, dass man vielleicht doch nicht so richtig liegt, Angst vor dem anderen, Angst davor nicht mehr so leben zu dürfen wie man es möchte.

Toleranz und Akzeptanz sind keine Einbahnstrassen: Wenn die Bildungsplangegner für ihre Lebensweise Akzeptanz  haben wollen, dann müssen sie auch die der anderen akzeptieren.
Und um nichts anderes geht es beim Bildungsplan:
Um die Akzeptanz der Art zu lieben von anderen.

Think about this.


Kleiner Nachtrag: Der Fraktionssprecher der baden-württembergischen CDU ließ ein Grußwort verlesen (sein Parteifreund, der homosexuelle Herr Kaufmann wird es gefreut haben), und einige der AFD waren auch mal wieder feste dabei (laut Lucke alles bedauernwerte Einzelfälle, aber das bezog er vielleicht auf andere *Zwischenfälle*).

Danke an die, die sich dagegenstemmen: einige der SÖS, der Linken, die Stadtisten und die ganzen nicht politisch motivierten Menschen, denen es einfach nur um eines geht:

Akzeptanz der Liebe.

1 Kommentar:

  1. Ich habe leider zu spät mitbekommen, das diese Demo stattfindet, da war ich schon auf dem Weg nach Heidelberg, sonst wäre ich mitgegangen. Also auf der Gegendemo natürlich. Mir wird wirklich Angst und Bange, wenn ich das hier lese. Denn das Vokabular zeugt nicht nur von keinerlei Akzeptanz, es ist offen aggressiv und wohin wird das noch führen. Die bedauerlichen Einzelfälle in der Partei des Herrn Lucke sind seltsamerweise sehr häufig. Holocaustleugner und Homophobe sind da wohl eher die Mehrheit. Um so erschreckender sind die Wahlergebnisse.

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