Donnerstag, 2. Oktober 2014

Nachschlag

Der 30.9 liegt nun 4 Jahre zurück.
Einiges ist seitdem geschehen:
Am ersten Samstag danach gingen Hunderttausend (nach Angaben der Polizei die Hälfte) auf die Strasse: Nicht wegen dem Schlossgarten, sondern wegen der Polizeigewalt.
Der Park ist geräumt, die Bäume gefällt, die Bahn baut - und hinkt ihrem *Plan* hinterher. Die Schuld wird gerne den Gegnern gegeben. Nun, die Gegner machen auf Fehler aufmerksam und verhindern dadurch vielleicht schlimmeres. Die Bahn muss ständig nachbessern und dafür ein neues Genehmigungsverfahren durchstehen. Schön, wenn man für das eigene Nichtkönnen andere verantwortlich machen kann.
Mappus, Rech und Gönner wurden abgewählt. Aber wahrscheinlich eher wegen der Atomkatastrophe in Japan, aber auch ihr Auftreten gegenüber den Bürgern war ein Grund. Ich verweigere alle dreien die förmliche Anrede, sie haben sie nicht verdient.
Der ehemalige Polizeipräsident muss ständig vor irgendwelchen Untersuchungsausschüssen aussagen. Wegen der Verstrickungen der Politik mit dem Polizeieinsatz. Auch wenn es abgestritten wird: bis zum 30.9 herrschte eine respektvolle Stimmung zwischen Gegnern und Polizisten.
Aber auch wegen der unangebrachten Härte beim Vorgehen gegen die Demonstranten am 30.9 muss er Stellung zu beziehen.
Die CDU hat ganz schön gelitten in BW. Als bei der OB Wahl sogar die Kanzlerin nach Stuttgart gezerrt wurde, wurden sie und der freie Kandidat (The Brezel-Maker) ausgebuht und ausgepfiffen. Nicht das erste mal für die Kanzlerin in Stuttgart.
Die Grünen stellen nun den Ministerpräsidenten in BW und den OB in Stuttgart. Groß geändert hat das allerdings nichts. Vor allem *Krätsche* fährt einen Kurs, dass nicht nur ich mich frage, ob er nicht in der falschen Partei ist.... Grün scheint das neue schwarz zu sein, nicht nur landes-, sondern bundesweit.
Der erste Untersuchungsausschuss war eine Farce. Es wurde versucht Zeugen der Gegner zu kriminalisieren. Herausragend hier: Volker Lösch. Er hat ihnen manchen Zahn gezogen.
Die CDU will unbedingt einen zweiten Untersuchungssausschuss verhindern, wird wohl nicht klappen.
Mappus wird von seiner Partei nicht mehr geliebt. Er stolperte über den ENBW Deal. Nichts da mit: Ein zweiter Franz Josef Strauß!
Die Gräben in Stuttgart verwachsen, aber sie sind da und spürbar.
Die Bahn baut.
Die Bürger auch. Sie vernetzen sich, organisieren sich, es haben sich neue Vereine gebildet, neue politische Grppen, viele wollen nicht nur länger wählen, sie wollen mitmischen. Gelebte Demokratie ist das Schlagwort.
Es ist noch viel mehr passiert.
Widerstand gegen die Auswirkungen von S21 bildet sich gerade im Umland. Ausgrechnet die Gemeinden, die sich gegen den Ausstieg der Landesregierung aus der Mischfinanzierung ausgesprochen haben. Etwas Schadenfreude kommt auf, wenn sie mit einem der Argumente abgespeist werden, die uns ständig unter die Nase gerieben wurden: Wieso erst jetzt?
Die Antwort ist so einfach: wenn ich falsch abbiege und vor einer Klippe stehe laufe ich auch nicht weiter. Oder doch?
Fröhlich winkt der Lemming....

1 Kommentar:

  1. Ich lese ja gerade ein Buch über Stuttgart, wo auch genau das beschrieben wird... das durch den Protest gegen Stuttgart 21 ganz neue Allianzen entstanden sind, Bürger sich engagieren, die vorher kaum weiter als bis zum eigenen Gartenzaun kamen, Selber bin ich immer mal wieder an dem Infostand am Hauptbahnhof und finde es bewundernswert, das es da immer noch aktive Streiter für einen Baustopp gibt und nicht aufgeben. Zu Herrn Kretschmann habe ich spätestens seit seiner Zustimmung zu dem sog. Asylkompromiss keine wirklich gute Meinung. Herrn Kuhn werde ich wohl demnächst mal im Rahmen meiner Arbeit kennenlernen. Ich bin gespannt.
    Wir Hamburger haben zwar auch so ein Millionengrab, aber es richtet außer finanziell gesehen, sonst kaum Schaden an.
    Danke für diese persönlichen Einblicke in die Geschehnisse.

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