Mittwoch, 1. Oktober 2014

Nachwehen

Was es uns gebracht hätte, werde ich gefragt. Warum wir nicht gegangen seien als die Wasserwerfer auffuhren. Ob nicht alles umsonst gewesen sei, die ganzen Verletzten und doch würde die Bahn bauen.
Nun, manches von dem mag stimmen. Wer sich aber mit dem Ablauf der Eskalation in der Auseinandersetzung Bürger-Bahn-Mappus etwas genauer ansieht wird bemerken, dass den S21 Gegnern schon länger mit anderen Maßnahmen gedroht worden war. Von Mappus himself, der Mann der an einen pausbäckigen Hamster erinnert, aber … nein ich schreibe nicht was ich denke. Man wollte eine Drohkulisse aufbauen, man wollte den starken Mann markieren und die Bürger haben es nicht wahr haben wollen, dass in ihrer behäbigen Stadt so etwas passieren könnte.
Ein Bürgermeister und ein Landesvater, die von *denen* sprachen und von *uns* damit meinten sie ihresgleichen, wir anderen waren *Abschaum* Gesindel*Chaoten*.
Man hat uns geschlagen, angesprayt, mit Wasser beschossen, angeschrieen, vor sich hergertrieben. Man wollte uns demütigen, uns zeigen wo der Hase lang läuft.
Wir blieben.
Der erste Zweck den dieser massive Polizeieinsatz hatte war uns einzuschüchtern. Und nicht nur uns, sondern alle protestwilligen Bürger die sich weder Investoren noch Politikern beugen wollen. Die denken, dass sie mehr als Stimmvieh sind.
DAS wollten sie erreichen.
Und zum Teil ist es gelungen. Auf der anderen Seite hat es aber auch einen Teil wachgerüttelt. Wir haben uns wie schlaftrunkene Kinder die Augen gerieben, aber der Traum endete nicht, er wurde am 30.9 zum Alptraum.

Zurück in den Park:
Jungen Menschen wurden die Augen mit Limo ausgewaschen, weil das Wasser ausging. Die Polizei ließ die Rettungsdienste nicht in den Park, nicht zu den Verletzten. Das Gesetz wurde nicht vertreten, es wurde getreten. Unterlassene Hilfeleistung, überzogene Härte.
Aber die Seilschaften funktionierten.
Zwischendurch fuhr ich nah Hause, zog mich um, kam zurück. Immer noch strömten Menschen in den Park. Der Boden war aufgeweicht vom Sprühregen der Wasserwerfer.
Ich lernte Menschen persönlich kennen die ich aus Internetforen kannte. Es wurde dunkel, es wurde kalt. Manche Befürworter kamen in den Park, jubelten den Polizisten zu und klatschten Beifall als in der Nacht die ersten Bäume fielen.
Sie fanden wir seien zu recht verprügelt worden.
Schön, dass man das auch so empfinden kann: (Ironie Button aus) Wenn der andere nicht die eigene Meinung teilt darf und soll die Polizei bestehendes Recht beugen – es trifft ja die anderen. Als druff....
Zu viele Verletzte, Erfahrungen die ich nie dachte in Deutschland erleben zu müssen, hatten mich traumatisiert, aber auch radikalisiert. Nein, ich war und bin immer noch absolut gegen Gewalt, aber ich bin nicht mehr bereit das „kleinere Übel“ zu wählen und mein, sowieso brüchige,  Vertrauen in die herrschende Politik lag an diesem Tag in Trümmern.

Ich sehe die verstörten Kids, ich sehe den Jungen im Baum, wie er versucht sich festzukrallen, während die Besatzung des Wasserwerfers versucht ihn aus der über 3m hohen Baumkrone zu schießen, das Mädchen, dem das Blut über das Gesicht läuft. Ich sehe weinenden Menschen, blicke in fassungslose Gesichter, Wut, Trauer, Tränen, Fassungslosigkeit.

Die einen sagen: Für die paar Bäume riskiere ich doch nicht meinen Arsch.
Wir haben uns für mehr eingesetzt als nur für Bäume.
Für ein Umdenken, für freiheitlich- demokratische Rechte.

Think about it.Artikel 8 Absatz 1 GG Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne  Waffen zu versammeln.
Quelle: Die Mutter aller Gesetze, das Grundgesetz

"Demonstrationsfreiheit

Grundrechtlich geschütztes Recht, sich öffentlich unter freiem Himmel zu versammeln und dabei gemeinsam private oder öffentliche Angelegenheiten zu erörtern.
Die Demonstrationsfreiheit ist Ausprägung der Versammlungsfreiheit aus Art. 8 des Grundgesetzes (GG) und der Meinungsfreiheit (Art. 5 Absätze 1 und 2 GG).
Die Freiheit steht grundsätzlich jedem Menschen zu, soweit er friedlich demonstriert und nicht die Grundrechte anderer Demonstranten oder unbeteiligter Personen verletzt werden.
Dabei ist auch das Recht erfasst, Ort, Zeitpunkt, Art und Inhalt der Demonstration selbst zu bestimmen."
Quelle: http://www.rechtslexikon-online.de/Demonstrationsfreiheit.html


Nachtrag: Ich bin eigentlich nicht rachsüchtig. Aber Herrn Mappus würde ich zu gerne weinen sehen.

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