Sonntag, 30. November 2014

Advents - Sonntags -Gedanken 48/2014

Der erste Advent und keine Weihnachtsgefühle? Welche Gefühle hättet ihr denn gerne? Gehört ihr noch der Gemeinschaft der Christen an? Nein? Ich auch nicht. Trotzdem finde ich einige Traditionen sehr, sehr schön. Freunden einen Adventskalender schenken, einen Glühwein auf einem Weihnachtsmarkt trinken, Menschen die man mag eine Kleinigkeit basteln, ect.
Die Konsumschlacht kann ich ausblenden - bin ich doch der Konsum*Hölle* des Einzelhandels *entkommen*.

Aber um das geht es mir heute nicht. Nicht motzen will ich, nicht meckern. Sondern mich freuen.
Der Himmel ist grau und es wird langsam kalt. Also stelle ich ein Windlicht ins Fenster und freue mich am hellen Schein.
Es wird schnell dunkel. Also treffe ich mich mit Freunden auf einen Punsch und wir erhellen das Dunkel des Winters mit unserem Lachen.
Der frühe Abend macht mich müde. Mit meinen Katern kuschle ich mich in Decken und Kissen, kraule hier einen Bauch, dort ein Kinn und lasse mich beschmusen.
Beim Einkaufen entdecke ich Pfefferminzschokolade und kaufe zwei Packungen, eine für mich und eine für Jasmin, die ist genauso verrückt danach wie ich. Und für Lena einen kleinen Adventskalender von Lind. Die Umarmung ist mir sicher.
Mein Kater Grey hat in die Badewanne - nun ja - gekackt. Besser in die Badewanne als sonst wohin. Ich schimpfe ihn nicht, sondern überlege gegen was er *protestet*.
Insgesamt versuche ich mich weniger aufzuregen, sondern mehr zu verstehen und mich mehr zu freuen. Und ich kann euch sagen - es wirkt. Es macht zufriedener.

Mein Laptop zeigt ständig an. Festplatten entdeckt: Daten sichern und Festplatte austauschen. kein Grund zur Panik. Jasmins Freund hilft mir. So wie er mir die letzten Wochen ständig mit dem PC geholfen hat. Ohne auf meine Dankbarkeit zu pochen.
Es gibt Menschen die sich um mich sorgen und ich sorge mich um diese Menschen.
Man muss nicht Christ sein um so etwas zu fühlen.
Nur Mensch.

Euch allen eine schöne Vorweihnachtszeit, eine schöne Winterzeit, eine schöne *Jahresrestzeit*. Versucht das schöne zu sehen, das Gute zu teilen, Seid das Licht von dem ihr sprecht


Dienstag, 25. November 2014

Waschtag

Wir sind verwöhnt. Vorbei die Zeiten in denen wir in den Waschsalon pilgerten, beladen mit einem Wäschesack und Buch.
Später dann, in den eigenen vier Wänden, hatte man zumindest die Waschmaschine im Keller, oder in Küche oder Bad. Meine Eine hat sogar eine Wasch-Trockner Kombi, bequem im Bad. Ohne die Kombi würde ich ein Katzenfell tragen.

Aber wo wäscht man im Internat? Handtücher bringt die Putz Fee jeden Montagmorgen. Ein Dusch-, ein Handtuch und eine Duschmatte, die Bettwäsche kommt alle drei Wochen, glatt gemangelt, auf Kante gefaltet. Fast wie im Hotel. Nur beziehen müssen wir es selbst. Das Bett, bzw. das Bettzeugs.

wie im Hotel, die Wäschewagen unserer guten Geister
Aber man wandet sich ja nicht in Bettlaken und Duschtuch, um in den Unterricht zu wandeln. Wir leben ja nicht im alten Rom, außerdem ist es hier zu kalt. Natürlich gibt es die Möglichkeit jedes Wochenende den Koffer – voll mit Büchern und Dreckwäsche – in Richtung Heimat zu schleppen, um es ihn, den Koffer, zwei Tage danach wieder in den Schwarzwald zu schleppen.
Und jetzt? Wir haben doch tatsächlich Waschmaschinen und Trockner, gegen – relativ – kleines Geld kann man hier Waschen. Waschen für 1,60€, Trocknen für 1,10€ - es gibt aber auch die Möglichkeit die Wäsche aufzuhängen. Aber man muss sich eilen. In den 4 Wohnkomplexen gibt es insgesamt nur 3 Maschinen. Manchmal sitze ich schon 10min neben der Maschinenladung meines Vorwäschers und warte auf das Schleudern, damit mit keiner dazwischen kommt. Und in 9 von 10 Fällen versucht es doch tatsächlich jemand sich dazwischen zu drängeln.

Im Waschraum ist auch eine Waage.... für die Wäsche, aber wir nutzen sie so ^^^
Läuft eine Maschine noch, wenn man in den Waschraum kommt, stellt man seinen Wäschesack vor die Maschine. Wer danach kommt stellt seinen Wäschesack hinter den ersten und so weiter und so fort. Aber es halten sich eben nicht alle daran. Aufregen hilft nicht. Außerdem wird dadurch die Wäsche auch nicht sauber.
Mir gelang es am Wochenende doch tatsächlich 3 volle Ladungen zu waschen und trocknen. Also kann ich kommendes Wochenende nur mit einem kleinen Rucksack nach Hause pilgern, ohne den Mief der Woche.

Die beiden Schwerarbeiter im Block G: Sie laufen am Wochenende rund um die Uhr:

Sonntag, 23. November 2014

Seltsame Zeiten - Sonntagsgedanken 47/2014

An manchen Tagen ertrage ich das Netz nicht mehr. Und es ergeht nicht nur mir so. Selbst bei den sogenannten Mainstreammedien ist das Thema angekommen:
Hass im Internet.
Aber nicht nur das. Durch die Globalisierung des Nachrichtenwesens stehen uns jeden Tag Elend und Leid im Wohnzimmer, Katastrophen und Kriege, Gräueltaten und mehr.
An manchen Tagen ertrage ich es nicht mehr.
Das Leid, die Missgunst mancher Menschen auf andere, die etwas Hilfe suchen und bekommen.
Den Hass auf alles was anders ist, die Angst vor dem Fremden.

Als ich anfing zu bloggen hatte ich ziemlich viel Nonsens im Kopf. Den habe ich zwar immer noch, aber oft wird er ins Eck gedrängt und kümmert da leise vor sich hin.
Einige meiner Netzfreunde sind schon an den Punkt gelangt: Raus aus dem Netz.
Erinnert ein wenig an: Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen.
Die meisten machen einfach nur Pause, oder nehmen Tempo raus. Ich kann es so gut verstehen.
Das wir in Deutschland keine Streitkultur haben merkt man schon daran was in – auch in seriösen – Talkshows abgeht. Da wird beleidigt was das Zeug hält. Und das gerne auch von Politikern. Es wird unterstellt, behauptet (ohne Angaben von Quellen), diffamiert. Und bleibt die Gegenseite  beherrscht und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, dann wühlt man im Privaten und versucht so den anderen bloß zu stellen. Und manchmal machen einige der Medien mit.
So haben zwei namhafte (nun ja, wie man es nimmt) die Adresse eines Gewerkschaft Chefs veröffentlicht. Seine Büronummer wurde veröffentlicht mit der Aufforderung ihm die Meinung zu sagen.
Im Mittelalter zündet man Fackeln an und zog des Nächtens vor das Haus des Betroffenen.
Heute wütend der Mob im Netz.

Es macht müde mit so viel Hass, Neid, Missgunst, Misstrauen konfrontiert zu werden.
Und es entsetzt mich, dass ich bei Facebook-Bekannten auf offenen Rassismus und Vorurteilen treffe.
Diskutieren oder gehen? Den anderen das Feld überlassen?
Es kostet manchmal mehr Kraft als ich habe mich dagegen zu stellen. Ruhig zu bleiben und sachlich zu argumentieren. Manchmal schaffe ich es nicht mehr.
Wenn einem zum x-ten Mal das Wort im Mund verdreht wird, wenn die Antwort kommt, man könne sagen was man wolle – man würde nichts an der eigenen Meinung ändern.
Wenn man sich auf das Grundgesetz beruft (alle Menschen sind gleich, Religionsfreiheit) wird einem vorgeworfen man sei FÜR die Salafisten, die Terroristen, man sei ANTI-deutsch. (Was immer das sein soll…).
Die Saat geht auf. Die Saat die im Umfeld der AfD, der sogenannten friedensbewegten Elsässer, Jebsen und co, gepflanzt wurde erweist sich als ziemlich zäh.
Vorbehalte und Ausgrenzung, sogar Gewalt wuchern.
Und immer sind die anderen schuld.
Ja die anderen.
Die nicht wie wir sind.


Sie vergessen: Auch wir sind die Anderen. Fast immer und überall.

Mittwoch, 19. November 2014

Kleine Katastrophen - oder der ganz normale Wahnsinn

Tag eins der Katastrophenwoche:
Eigentlich habe ich meinen Zimmerschlüssel immer in meiner Tasche. Der Schlüssel ist eine Chipkarte, mit der wir uns auch beim Essen *einlogen*. Ich packte meine Sachen zusammen und wollte meinen Schlüssel aus der Tasche nehmen, aber da war nix…. Außer einem riesigen Ausrufezeichen über meinem Kopf. Mist, Mist, Mist.
Als erstes lief ich alle Strecken ab, die ich seit dem Mittagessen gelaufen war, suchte den Physiotherapeuten auf –nix.
Also zu *Freizeit und Wohnen* meinen besten Bettelblick aufgesetzt und zerknirscht einen Ersatzschlüssel angefordert. Ich bin da schon bekannt.

Tag zwei der Katastrophenwoche:
Der Schlüssel tauchte am nächsten Tag auf. Er wurde vom Finder in der Arztpraxis abgegeben, die informierte mich per Mail. Dafür vermisste ich abends mein Handy. Mein Handy ist mehr als ein Telefon: Notizbuch, Organizer, und und und und….
PANIK.
PANIK.
PANIK.
Bis 21 zählen und auf die Suche gehen. Alles die des Weges kamen wurden aufgefordert mich anzurufen. Wir fanden es schließlich im Gruppenraum. Okay, ich gebe zu: ich war etwas unkonzentriert.

Tag drei der Katastrophenwoche:
Der Tag fing gut an, die bestellten DVDs waren geliefert worden. Voller Vorfreude drängelte ich innerlich dem Abend entgegen. Kaum auf dem Zimmer packte ich die erste DVD ins Laptop. Die Freude währte ganze 20 Minuten. Dann hängte sich erst der DVD Player auf, dann das ganze Laptop, nix ging mehr. Also booten.
Wieder ging nix mehr. Jetzt aber wirklich gar nix mehr. Ich übergab es am nächsten Tag einem unserer IT‘ler , wieder mit meinem berüchtigten Bettelblick, er versprach sein Bestes.
Aber es kamen keine gute Nachrichten: *Plattmachen und neu aufspielen*.
Okay….. Aber das dauerte.

Tag vier der Katastrophenwoche:
Müde wollte ich abends ein Brötchen aufschneiden, rutschte ab und statt das Brötchen zu teilen, schnitt ich in Finger und Fingernagel. Erst der glühende Schmerz, dann das Blut, das auf meine Buchführung tropfte, als ich hektisch nach den Pflastern suchte. Ich pflasterte was das Zeug  hielt und versuchte nicht in Ohnmacht zu fallen. Als ich am nächsten Tag vorsichtig unter das Pflaster  sah ich, dass ich den Nagel zu 2/3 gespalten hatte –saubere Leistung.

Tag fünf der Katastrophenwoche:
Heim nach Stuttgart, ab Feuerbach mit der Stadtbahn. Beide Automaten an der Station verweigerten meine Geldkarten. Aber lehnten sie sie gleich ab? Nein. Sie schluckten sie und erst als ich nach 10 Minuten – gefühlten Stunden – und zwei verpassten Bahnen randalierte und einmal ****** spuckte der Automat die Karte aus und stellte beleidigt den Betrieb ein.

Ich kam erschöpft von der Woche zuhause an und einer meiner Kater kotzte ins Wohnzimmer….

Aber das Laptop läuft wieder, der Finger verheilt, alles gut.

Eben habe ich im Spiegel entdeckt, dass sich ein dicker Herpes unter meiner Nase bildet......

Montag, 10. November 2014

Nachschlag zum Lokführerstreik

Mir wurde vorgeworfen: *Es ist immer leicht, auf der Seite der Streikführer zu stehen, wenn man zentral wohnt.*
Auch wenn ich nicht zentral wohnen würde – normalerweise tue ich das ja, aber momentan nicht – würde ich auch so denken. Und im Moment käme ich von da, wo ich wohne nur sehr schwer weg, habe mich aber dafür entschieden hier zu bleiben. Dann lerne ich eben und sehe meine zwei Stinkerkater erst in einer Woche wieder. Es gibt schlimmeres.
Trotzdem wurmt mich der Vorwurf, dass es für mich leicht sei, weil ich eben nicht davon betroffen sei.
Danke für die Einschätzung
Mich macht es wütend. Stand ich wohl schon des öfteren Stunden um Stunden, zusammen gezählt handelt es sich bestimmt um Monate, auf zugigen Bahnsteigen, verdreckten Bahnhöfen, zu jeder Tages und Nachtzeit herum, OHNE das gestreikt wurde.
UND ICH HABE KEIN AUTO!
Ironie an:*Da warfen sich irgendwelche Selbstmörder vor einen Zug! Ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass ich irgendwohin wollte. Und dann auch noch auf einer vielbefahrenen Strecke! Ironie off*.
Oder:
Ironie an: *Wie konnte der Zug ausgerechnet heute entgleisen, wenn ich mal einen Zahnarzttermin habe!*
Ironie off.
Ich stand wegen Wetter, Personenschaden, Personen im Gleis, einmal hatte sogar ein Lokführer verschlafen und man fand so schnell keinen Ersatz, Schneewehen, Überfüllung eines Zuges, Brand im Zug, Brand an der Böschung, Notarzteinsatz im Zug, Randalierer im Zug, irgendwo herum und drehte Däumchen.
DA WAR KEIN STREIK.
Klar ärgerte ich mich. Und die nichtvorhandene Zuverlässigkeit führte dazu, dass ich *von der Schiene ging.* Jedenfalls als Pendler. Als Privatperson mag ich Züge und Zugfahren. Und ich bin dem gesamten Basisbahnpersonal von Herzen dankbar, dass sie ihren Job machen, den DIE hängen mit uns in den Zügen fest, fahren mit uns nachts, morgens, abends, an Sonn- und Feiertagen von Buxtehude bis was weiß ich.
Über wen regen wir uns also auf, wenn gestreikt wird?
KLAR! DER BÖSE GEWERKSCHAFTSBOSS!
So. Mir reicht es echt.
Erstens haben sich zwei namhafte Was-auch-immer-für-Blättchen sich dazu herabgelassen die Adresse, samt Fassadenansicht des Gewerkschaftschefs abzudrucken. Und dann noch ein paar hetzerische Worte.
Was soll das? Wollen die einen Mob vor dessen Haustür um einen geilen Artikel zu bekommen?

*Der Gewerkschaftschef spielt Machtspiele
1.       Mit der Bahn
2.       Mit den anderen Gewerkschaften
3.       Mit der Bundesregierung
4.       Mit den Bahnkunden

Ach Leut, wenn es nicht so traurig wäre, wäre es zum Schreien komisch.
Warum ist man nicht – zu Recht – auf die Bahnbosse sauer?
Auf die Arbeitgeber?
Warum solidarisiert man sich nicht mit den Streikenden, wie in anderen Ländern?

Nach dem Lesen vieler Kommentare wurde mir klar warum:
Es gibt keine Solidarität mehr unter den Arbeitnehmern. Jeder ist sich selbst der Nächste. Nun nicht alle. Aber viele. Das macht mir Angst. Das macht mich traurig.
Statt gemeinsam gegen niedrige Arbeitslöhne und widrige Arbeitsverträge aufzustehen hackt an auf dem rum, der den Mut hat genau dies zu tun.

Am Sonntag erschien ein lesenswerter Artikel bei Spiegel online: 
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bahnstreik-ex-ig-metall-chef-steinkuehler-verteidigt-gdl-tarifstreit-a-1001787.html





Sonntag, 9. November 2014

Wiedervereinigungsfeier? Sonntagsgedanken 45/2014

Vergangenheitsbewältigung
Pünktlich zu den Feiern der Wiedervereinigung setzt hier das Internet aus und ich kann nichts streamen. Nun, das hat auch Vorteile. Statt vor der Glotze abzuhängen hüpfe ich wie Rumpelstilzchen durch den Wald und freue mich am Sonnenschein und klarer Luft. Der Wald hier ist märchenhaft schön und ich werde in einem der anderen Artikel Fotos veröffentlichen.
Momentan sitze ich vor dem Gruppenraum, weil ich einen Zugang zum Wlan-Netz habe. Im Schlafanzug. Ohne Kaffee. Ich hoffe ihr wissst das zu würdigen.
Zurück zum Fall der Mauer und den Auswirkungen. Ich möchte gar nicht auf die Debatte eingehen, ob die DDR ein Unrechtsstaat war oder nicht, man erschießt einfach nicht seine Bürger, wenn sie das Land verlassen wollen, Basta.
Auch im Westen gab es übrigens Berufsverbot, meine Damen und Herren, unsere so hochgelobte Freiheit des Westen ist auch nicht immer vorhanden und einer unserer größten Verbündeten dachte er könne das umgehen, indem er gewisse Gefangene auslagerte, als seien sie Waren.
Ich spreche von diesem unsäglichen Lager auf Kuba, in dem die USA Menschen, die eigentlich dem Kriegsrecht und somit der Genfer…. Oha. Merkt ihr was? Messen wir hier nicht mit zweierlei Maß?
Und während das System DDR schon seit 25 Jahren Vergangenheit ist, so hakt man weitere darauf rum, aber hält sich Ohren und Augen zu, wenn es Guantánamo geht. Man müsste ja sonst etwas dazu sagen. Aber das geht ja nicht. Bei Freunden sieht man weg.

So geschah es, dass ein vermeintlich cleverer Bundestagsvorsitzende (der gewitzte Alte) dachte, er könne, wenn er einen anderen Alten, der verbittert und in der Zeit stehen geblieben war, dazu nutzen, um den (verhassten) Linken eins auszuwischen.
Lampert lud Biermann in den Bundestag ein, wer sich einmal mit der Persson Biermanns auseinandergesetzt hat, weiß wie der alte Mann tickt.
Ich kann es dem ehrwürdigen Bundestagsvorsitzenden weder beweisen, noch möchte ich ihm nichts unterstellen, aber wer dann klatschte, als Biermann die Anwesenden – demokratisch gewählten –
Abgeordneten der Linken maßlos beleidigte, legt nahe, dass es ihm ganz Recht war. Denn er waren seine Parteigenossen, die da klatschten.

Dabei war unsere, allseits geschätzte und verehrte, Bundeskanzlerin doch nichts anderes als eine FdJ Vorsitzende, durfte in Moskau Physik studieren und arbeitete für das System.
Ändert man sich nur weil man in eine andere Partei eintritt? Ist man dann ein anderer Mensch?
Ich bezweifle das stark. Ich würde  das glauben, wenn Frau Merkel vor dem Mauerfall alle Aufgaben niedergelegt hätte …
Das Gleiche gilt für Herrn Gauck. Er war kein Bürgerrechtler. Er war ein Pfarrer, der eben nicht wie manche seine Kollegen, massiv gegen das System DDR arbeiteten. Er stand nicht bei den Menschen, als diese ihre Freiheit einforderten. Aber auch er wettert gegen die Linke.
Er könne seine Meinung vertreten. Schade, dass er zu den HoGeSa Geschehnissen nicht genauso laut brüllte.

Ob man die Linke nun mag oder nicht: der Umgang im Bundestag unter den Parteien lässt zu wünschen übrig. Und da haben alle Dreck am Stecken. Allerdings ist es sehr verwunderlich, dass ausgerechnet die sogenannten *christlichen* sich hier immer und immer wieder hervortun.
Was die Politiker machen ist die eine Sache, dass aber Freunde von mir es gut finden, dass man eine Abgeordnete der Linken als Stalin-Domina bezeichnet, entsetzte mich dann doch.
Stalin ist mit Hitler gleich zusetzen. Stellt euch vor Herr AfD würde als Hitler-Scherge bezeichnet?

Ich finde es wünschenswert, wenn wieder über Inhalte gestritten werden würde und nicht über der Personen der anderen.
Danke fürs Gespräch.

Montag, 3. November 2014

Pimp up my Gartenteich - oder wie wir der Natur das Fürchten lehrten

Ich und die meisten meiner Freunde sind Städter im wahrsten Sinne des Wortes. Wir lieben es in der Natur zu sein, oder im Garten, aber am besten immer in den Gärten der anderen.
Zwei Freundinnen von mir haben damit jetzt Schluss gemacht und sind unter die Gartenbesitzer gegangen und wir mit. Ihr kennt ja den Spruch: Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen.


Maggie und Gaby machten mit unserem Faulenzertum kurzen Prozess und luden uns zum Gartenteich - Aufmotz - Party ein. Und da es ein rekordverdächtiger 1.November werden sollte – jedenfalls was das Wetter betraf – freuten wir uns alle wie Bolle, schleiften unsere Gummistiefel aus dem Keller und wagten uns in die freie Natur.

Das Wetter war ein Traum, die Stimmung gut und die Aufgaben schnell verteilt. Markus schnitt die Hecke, ich befreite den LKW-Reifen, der als Pflanzenschale dient, von allem was wuchs und setzte Tulpenzwiebeln, die anderen tobten sich am Teich aus. Ein Hoch auf Uwe, und Katja, Gaby, Maggie und ihre Schwester.

 
Schlammwasser und alte Pflanzen raus, Folie säubern, trocknen lassen, Vlies und neue Folie rein.
Wieder mit Steinen beschweren und Pflanzen wieder rein.
Dazu ist zu sagen: es gibt kein fließendes Wasser im Garten, der wunderschön gelegen über Stuttgarts Dächern liegt. Die zwei Mädels haben schon sehr viel Mühe reingesteckt und wir haben schon einmal dort gefeiert.
Es störte uns wenig, dass Feiertag war, aber aus Rücksicht auf alle anderen, verzichteten wir auf motorbetriebene Geräte. Alles wurde – unter viel Gelächter und Gejammer – in reiner Handarbeit geleistet.
Egal, ob welke Blätter zusammen gerecht, der Rhodendron vom Verblühten befreit oder der Igelunterstand ( also der Komposthaufen) bestückt wurde, alles per Hand. Die Hecke mit einer Rebschere zu schneiden hat auch was.


Maggies Schwester – eine ehemalige Pfadfinderin – kümmerte sich aufopferungsvoll um die Grillstelle und bald prasselte ein lustiges Feuer. Der Duft nach Gegrillten Allerlei erfüllte die Luft, aber leider nicht nur das: Wir hatten Stechmückenalarm und Maggie verwandelte sich in ein Einhorn, nachdem ihre Stirn als Landeplatz und Tankstelle für eines der geflügelten Monster gedient hatte.


Wir hatten bald nur noch Blödsinn im Kopf, es wird ja auch schon früh dunkel und dann auch frisch, Wulle wurde geköpft und wir saßen zufrieden am Feuer und zählten unsere Lieblings-Horror und Gruselfilme auf. Der Mond stand unheimlich klar und schön am Himmel, Sie Sterne funkelten und bald rollten wir zu den Autos und fuhren zurück in den Talkessel. Wir hatten den ganzen Tag im Freien verbracht, ausgelassen wie Kinder. Ich kann euch leider nicht wiedergeben wieviel wir gelacht haben.

Danke an die Gartenbesitzerinnen für diesen extrem tollen Event. Ich freu mich schon auf's Wintergrillen.

Sonntag, 2. November 2014

Großstadtpilze lernen fliegen

Man kann sie nicht pflücken, aber sammeln. Man muss aufmerksam sein, um sie zu entdecken.
Neues von der Streetart Stuttgart.



Ich finde es immer wieder lustig, was sich die Stuttgarter Kleber* einfallen lassen. Sprühen war gestern, und plötzlich sprießen die  Pilze an den Hauswänden, an den unmöglichsten Stellen:

Ich freue mich immer, wenn ddie Kreativen wieder einmal zugeschlagen haben, bzw geklebt ^^

Keine Toleranz der Intoleranz! Sonntagsgedanken 44/2014

Wo fängt die Intoleranz an?

Das frage ich mich die letzten Wochen immer mehr, bin ich doch auch nicht frei von Vorbehalten und auch Vorurteilen. Wir schwingen immer die hohe Fahne der Demokratie und der Meinungsfreiheit, aber leben wir dies auch Andersdenkenden gegenüber?
Ich glaube: Nein.
Und das aus mehreren Gründen, die gerade an solchen Tagen wie Halloween sehr deutlich zu Tage treten.
Da wird von vielen Seiten betont, dass man Halloween nicht feiert, sondern der Reformationstag oder Allerheiligen. Das man das für amerikanischen Kram hält, Geschäftemacherei etc. Das alles mag zum Teil oder Ganz stimmen, aber warum lassen wir nicht den anderen den Spaß an solchen Events? Auch bei mir haben kleine Monster und forderten: „Süßes oder Saures!“, die Tafeln Schoki wurden freudig lärmend entgegen genommen und ich hatte das Grauen abgewendet. Es bereitete mir Freude die Jungs lachend von dannen zu ziehen zu sehen. In meinen Kindertagen gingen wir während der Fastnachtstage *schlumpeln*, verkleidet zogen wir von Haus zu Haus und erbettelten Süßes. Wir brauchten Tage um die, mit verkohltem Kork Gesichter wieder sauber zu bekommen – sehr zum Ärger unserer Mütter, die die Bettwäsche nicht sauber bekamen. Hier muss ich heute noch Kichern.
aber zurück zum Thema.
Ich fasse mich da sehr wohl an der eigenen Nase. Schüttle ich doch verständnislos den Kopf, wenn das Dirndlvolk wie die Heuschrecken zweimal im Jahr in Stuttgart einfallen. Seufz. Mehr Gelassenheit tut mir da auch gut.
Wenn wir im Kleinen schon so kleinlich sind, wie können wir dann in anderen Dingen großzügig sein?
Und wie wollen wir dann die Freiheit in allen Dingen verteidigen?
Wo hört Toleranz auf und wo fängt Ignoranz an?
Mir wurde vor ein Tagen vorgeworfen, dass ich die Salafistenbewegung verharmlose – im Prinzip deshalb, weil ich den – moderat gelebten-  Islam verteidigte. Mir wurde ganz schummerig.
Wie kann man nur von dem einen auf das andere schließen?
Die radikalen Salafisten konnten nur so groß werden, weil man die Menschen mit islamischem Hintergrund links liegen ließ, man ignorierte sie mehr oder weniger und fand sich tolerant. War man nicht. Man war ignorant den Problemen junger Menschen gegenüber, die mit ihrem Migrationshintergrund alleine gelassen wurden und in vielen Punkten benachteiligt wurden. Man ignorierte sie einfach. So lange sie die eigenen Kreise nicht störten waren sie einem egal. Und fand sich tolerant. Natürlich liegt die Schuld nicht alleine bei der Gesellschaft, aber wer von uns hat schon einmal bei einer türkischen Familie das Zuckerfest gefeiert?
Genauso ignorant verhielt man sich den Rechten gegenüber. Man redete sie klein.
„Rechte gab es schon immer!“, „Ach was, die paar Hanseln!“, „Die Antifa ist schlimmer!“
Dann kam der NSU Skandal, dann die HoGeSa. Und plötzlich standen da 4500 Menschen in Köln, die zu Teil angetrunken randalierten, Polizisten verletzten, *Ausländer raus* und *Deutschland den Deutschen* brüllten, alles jagten, was ihrer Ansicht nicht deutsch aussah.
Müssen wir hier tolerant sein? Verbieten können und sollten wir diese Auftritte nicht, aber es bekannt machen, dagegen halten und aufklären. Mag sein, dass wie sie nicht wieder einfangen können, genauso wenig wie radikalisierte Salafisten, aber wir können verhindern, dass ihnen (noch) mehr Menschen folgen.
In dem wir tolerieren und akzeptieren, was zwar nicht in unser eigenes Weltbild passt, aber nicht gegen unser Grundgesetz und anderen Gesetzen verstößt und wir diese Toleranz nicht nur auf den Lippen tragen, sondern sie auch im Kleinen leben.
In dem wir differenzieren und gegen die aufstehen die unsere Grunwerte und Gesetze mit Füssen treten, egal ob es rechtsradikale Hooligans sind oder fundamentalistische Salafisten. Und unsere Justiz und Polizei dabei untersützen, Farbe bekennen und das leben, an das wir glauben.
Und wie gesagt: Ich fasse mich da sehr wohl an die eigene Nase.

Samstag, 1. November 2014

An die eigene Nase fass*

Gestern war Reformationstag. Und Halloween. Und Freitag. Die einen haben Spaß an Halloween (unter anderem ich: wenn Kinder verkleidet klingeln bekommen sie Süßes), die anderen regen sich darüber auf, dass man Halloween feiert.
Ach Leut' möchte ich da rufen: Lasst sie doch! Kurz davor mich über die *Motzer* zu erheben gucke ich kurz in den Spiegel und lache mich selbst aus - denn bin ich denn besser? Mein fragender Blick wird zurückgeworfen, die Augenbrauen im Spiegel rutschen nach oben und der zurückgeworfene Blick sagt eindeutig: *Nein, bist du nicht!*
Auch ich habe meine Vorbehalte - und da auch nicht wenige - aber ich arbeite an mir.
Wenn Menschen meinen, sie müssten sich zum Gebet an ihre Gottheit in den Staub werfen,  usw usf. dann ist das ihre Sache. Wenn sie das von mir erwarten, dann haben sie Pech.
Bin ich tolerant? Jein. Was bleibt mir den anderes übrig? Wichtiger wäre eine richtige Akzeptanz, nicht nur anderer sexueller Vorlieben, sondern eben die Akzeptanz anderer Lebensweisen. Nicht die eigene Moralvorstellungen als Maßstab für andere nutzen ( aber bitte alles im Rahmen der Gesetze).
Ich muss nicht alles gut finden was andere tun, und ich kann auch meinen Senf dazugeben, oder ich kann manchmal einfach mal die Klappe halten, um den anderen nicht den Spaß zu verderben.

Deswegen: Happy Halloween, einen schönen Reformationstag und feiert Allerheiligen. So wie ihr mögt. Meinen Segen habt ihr und die Kids bekommen Süßes von mir - solange der Vorrat reicht.

Halloween ist das Gegengewicht zur Walburgisnacht. Es ist die Nacht in der wir der anderen Seite am nächsten sein sollen. Die Nacht der Geister und der Toten. Ein uralter Glauben der es - etwas verzerrt - bis in die Neuzeit geschafft hat.