Sonntag, 2. November 2014

Keine Toleranz der Intoleranz! Sonntagsgedanken 44/2014

Wo fängt die Intoleranz an?

Das frage ich mich die letzten Wochen immer mehr, bin ich doch auch nicht frei von Vorbehalten und auch Vorurteilen. Wir schwingen immer die hohe Fahne der Demokratie und der Meinungsfreiheit, aber leben wir dies auch Andersdenkenden gegenüber?
Ich glaube: Nein.
Und das aus mehreren Gründen, die gerade an solchen Tagen wie Halloween sehr deutlich zu Tage treten.
Da wird von vielen Seiten betont, dass man Halloween nicht feiert, sondern der Reformationstag oder Allerheiligen. Das man das für amerikanischen Kram hält, Geschäftemacherei etc. Das alles mag zum Teil oder Ganz stimmen, aber warum lassen wir nicht den anderen den Spaß an solchen Events? Auch bei mir haben kleine Monster und forderten: „Süßes oder Saures!“, die Tafeln Schoki wurden freudig lärmend entgegen genommen und ich hatte das Grauen abgewendet. Es bereitete mir Freude die Jungs lachend von dannen zu ziehen zu sehen. In meinen Kindertagen gingen wir während der Fastnachtstage *schlumpeln*, verkleidet zogen wir von Haus zu Haus und erbettelten Süßes. Wir brauchten Tage um die, mit verkohltem Kork Gesichter wieder sauber zu bekommen – sehr zum Ärger unserer Mütter, die die Bettwäsche nicht sauber bekamen. Hier muss ich heute noch Kichern.
aber zurück zum Thema.
Ich fasse mich da sehr wohl an der eigenen Nase. Schüttle ich doch verständnislos den Kopf, wenn das Dirndlvolk wie die Heuschrecken zweimal im Jahr in Stuttgart einfallen. Seufz. Mehr Gelassenheit tut mir da auch gut.
Wenn wir im Kleinen schon so kleinlich sind, wie können wir dann in anderen Dingen großzügig sein?
Und wie wollen wir dann die Freiheit in allen Dingen verteidigen?
Wo hört Toleranz auf und wo fängt Ignoranz an?
Mir wurde vor ein Tagen vorgeworfen, dass ich die Salafistenbewegung verharmlose – im Prinzip deshalb, weil ich den – moderat gelebten-  Islam verteidigte. Mir wurde ganz schummerig.
Wie kann man nur von dem einen auf das andere schließen?
Die radikalen Salafisten konnten nur so groß werden, weil man die Menschen mit islamischem Hintergrund links liegen ließ, man ignorierte sie mehr oder weniger und fand sich tolerant. War man nicht. Man war ignorant den Problemen junger Menschen gegenüber, die mit ihrem Migrationshintergrund alleine gelassen wurden und in vielen Punkten benachteiligt wurden. Man ignorierte sie einfach. So lange sie die eigenen Kreise nicht störten waren sie einem egal. Und fand sich tolerant. Natürlich liegt die Schuld nicht alleine bei der Gesellschaft, aber wer von uns hat schon einmal bei einer türkischen Familie das Zuckerfest gefeiert?
Genauso ignorant verhielt man sich den Rechten gegenüber. Man redete sie klein.
„Rechte gab es schon immer!“, „Ach was, die paar Hanseln!“, „Die Antifa ist schlimmer!“
Dann kam der NSU Skandal, dann die HoGeSa. Und plötzlich standen da 4500 Menschen in Köln, die zu Teil angetrunken randalierten, Polizisten verletzten, *Ausländer raus* und *Deutschland den Deutschen* brüllten, alles jagten, was ihrer Ansicht nicht deutsch aussah.
Müssen wir hier tolerant sein? Verbieten können und sollten wir diese Auftritte nicht, aber es bekannt machen, dagegen halten und aufklären. Mag sein, dass wie sie nicht wieder einfangen können, genauso wenig wie radikalisierte Salafisten, aber wir können verhindern, dass ihnen (noch) mehr Menschen folgen.
In dem wir tolerieren und akzeptieren, was zwar nicht in unser eigenes Weltbild passt, aber nicht gegen unser Grundgesetz und anderen Gesetzen verstößt und wir diese Toleranz nicht nur auf den Lippen tragen, sondern sie auch im Kleinen leben.
In dem wir differenzieren und gegen die aufstehen die unsere Grunwerte und Gesetze mit Füssen treten, egal ob es rechtsradikale Hooligans sind oder fundamentalistische Salafisten. Und unsere Justiz und Polizei dabei untersützen, Farbe bekennen und das leben, an das wir glauben.
Und wie gesagt: Ich fasse mich da sehr wohl an die eigene Nase.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen