Montag, 10. November 2014

Nachschlag zum Lokführerstreik

Mir wurde vorgeworfen: *Es ist immer leicht, auf der Seite der Streikführer zu stehen, wenn man zentral wohnt.*
Auch wenn ich nicht zentral wohnen würde – normalerweise tue ich das ja, aber momentan nicht – würde ich auch so denken. Und im Moment käme ich von da, wo ich wohne nur sehr schwer weg, habe mich aber dafür entschieden hier zu bleiben. Dann lerne ich eben und sehe meine zwei Stinkerkater erst in einer Woche wieder. Es gibt schlimmeres.
Trotzdem wurmt mich der Vorwurf, dass es für mich leicht sei, weil ich eben nicht davon betroffen sei.
Danke für die Einschätzung
Mich macht es wütend. Stand ich wohl schon des öfteren Stunden um Stunden, zusammen gezählt handelt es sich bestimmt um Monate, auf zugigen Bahnsteigen, verdreckten Bahnhöfen, zu jeder Tages und Nachtzeit herum, OHNE das gestreikt wurde.
UND ICH HABE KEIN AUTO!
Ironie an:*Da warfen sich irgendwelche Selbstmörder vor einen Zug! Ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass ich irgendwohin wollte. Und dann auch noch auf einer vielbefahrenen Strecke! Ironie off*.
Oder:
Ironie an: *Wie konnte der Zug ausgerechnet heute entgleisen, wenn ich mal einen Zahnarzttermin habe!*
Ironie off.
Ich stand wegen Wetter, Personenschaden, Personen im Gleis, einmal hatte sogar ein Lokführer verschlafen und man fand so schnell keinen Ersatz, Schneewehen, Überfüllung eines Zuges, Brand im Zug, Brand an der Böschung, Notarzteinsatz im Zug, Randalierer im Zug, irgendwo herum und drehte Däumchen.
DA WAR KEIN STREIK.
Klar ärgerte ich mich. Und die nichtvorhandene Zuverlässigkeit führte dazu, dass ich *von der Schiene ging.* Jedenfalls als Pendler. Als Privatperson mag ich Züge und Zugfahren. Und ich bin dem gesamten Basisbahnpersonal von Herzen dankbar, dass sie ihren Job machen, den DIE hängen mit uns in den Zügen fest, fahren mit uns nachts, morgens, abends, an Sonn- und Feiertagen von Buxtehude bis was weiß ich.
Über wen regen wir uns also auf, wenn gestreikt wird?
KLAR! DER BÖSE GEWERKSCHAFTSBOSS!
So. Mir reicht es echt.
Erstens haben sich zwei namhafte Was-auch-immer-für-Blättchen sich dazu herabgelassen die Adresse, samt Fassadenansicht des Gewerkschaftschefs abzudrucken. Und dann noch ein paar hetzerische Worte.
Was soll das? Wollen die einen Mob vor dessen Haustür um einen geilen Artikel zu bekommen?

*Der Gewerkschaftschef spielt Machtspiele
1.       Mit der Bahn
2.       Mit den anderen Gewerkschaften
3.       Mit der Bundesregierung
4.       Mit den Bahnkunden

Ach Leut, wenn es nicht so traurig wäre, wäre es zum Schreien komisch.
Warum ist man nicht – zu Recht – auf die Bahnbosse sauer?
Auf die Arbeitgeber?
Warum solidarisiert man sich nicht mit den Streikenden, wie in anderen Ländern?

Nach dem Lesen vieler Kommentare wurde mir klar warum:
Es gibt keine Solidarität mehr unter den Arbeitnehmern. Jeder ist sich selbst der Nächste. Nun nicht alle. Aber viele. Das macht mir Angst. Das macht mich traurig.
Statt gemeinsam gegen niedrige Arbeitslöhne und widrige Arbeitsverträge aufzustehen hackt an auf dem rum, der den Mut hat genau dies zu tun.

Am Sonntag erschien ein lesenswerter Artikel bei Spiegel online: 
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bahnstreik-ex-ig-metall-chef-steinkuehler-verteidigt-gdl-tarifstreit-a-1001787.html





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