Sonntag, 14. Dezember 2014

Sonntagsgedanken - Mitmenschlichkeit. 51/2014

Sonntagmorgen 7:45.
Eigentlich hatte ich ein anderes Thema für heute.
Der dritte Advent. Auch wenn ich Agnostikerin bin mag ich die Vorweihnachtszeit. Trotz des Konsumterrors. Trotz des Schenkungswahns. Mache ich einfach nicht mit. Ich war dieses Jahr noch nicht einmal auf einem Weihnachtsmarkt.
Ich mag den besinnlichen Teil. Die Lichter die den frühen Abend erhellen. Die beiden Fellnasen, die sich an mich schmiegen und schnurren. Die langen Abende. Den Winterschlafmodus.
Eigentlich.
Aber sie marschieren wieder. Pegida. Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes. Klingt harmlos. Ist es nicht. Mag sein, dass es Ängste in diese Richtung gibt – Islam, aber wenn man sich dann mal mit den Menschen, die da mitmarschieren auseinandersetzt, beziehungsweise ihren Aussagen, dann bleibt einem die Spucke weg und dann graut es einem.
Die meisten kennen keine Muslime.
Vor was haben sie also Angst. Woher kommen dann die Vorurteile?
Fangen wir doch einmal bei der Presse des Springer-Verlages an. Natürlich schreiben sie nicht: Der Islam ist sch*** und und und, aber sie nutzen ein anderes  Mittel: Tendenziöse Berichterstattung. Wenn man nur negative Ereignisse in den Vordergrund stellt, dann bleibt das hängen. Auch ist nachgewiesen, dass ein negatives Ereignis 10x länger haften bleibt als ein Positives.
Aber es wäre zu einfach die Schuld ganz bei bestimmten Presseorganen zu suchen.
Es gibt Politiker die gerne zündeln und mit bestimmten Themen die Stammtischmentalität manche ihrer Wähler befriedigen wollen und damit aber das Gift weit darüber hinaus transportieren.
Die Neiddebatten über Sozialschmarotzer – und damit sind die Zuwanderer gemeint – führen, dass einem Hören und Sehen vergeht. Wenn man dann die tatsächlichen Zahlen dagegen hält, fragt man sich, wie solche Politiker dazu kommen, so einen Müll zu fabrizieren.
Es wird parallel eine Jagd auf linke Politiker gemacht. Bodo Ramelows Immunität wurde aufgehoben, weil er gegen Nazis mitblockiert hat. Die Kanzlerin ist sich nicht zu schade, die SPD als Steigbügelhalter der Sozialisten zu bezeichnen. Es wird ein Bild gemalt, als würde morgen die Mauer wieder hochgezogen und der Russe würde wieder die *Ostgebiete* besetzen.
Vor zwei Nächten brannte es dreimal in Nürnberg. Zukünftige Unterkünfte für Flüchtlinge wurden abgefackelt. Hakenkreuzschmierereien . Ausgerechnet Nürnberg.
Es brennen nicht nur die Adventskerzen, sondern gleich Häuser.
Die ersten Politiker zeigen sich bestürzt. Unter anderem Seehofer, dessen Partei kurz vorher eine Deutschsprechpflicht in Privathaushalten forderte.
Erst zündeln und dann wild mit den Händen wedeln?
Bei Facebook sprießen die rechtsradikalen Seiten und deutschnationalen Seiten ohne Ende aus dem Boden. Und die Saat geht auf.
Die Frage die sich mir immer wieder stellt: „Warum?“
Und ich finde viele Antworten. Aber keine einzige davon rechtfertigt die Pegida-Bewegung, noch irgendwelche Übergriffe.
Man erkennt Neid, Vorurteile und Ängste in den Antworten auf das Warum.
Aber keine Selbstreflektion. Kein bisschen. Keinen Willen sich mit dem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen. Argumente werden weggewischt. Statistiken angezweifelt.

Jesus war Ausländer. Jesus war Jude. Jesus war eigentlich der erste Linke. Jedenfalls legen das seine Handlungen nahe. Kein Wunder, dass man ihn kreuzigte.

Ich wünsche mir mehr Mitmenschlichkeit. Mehr Mitgefühl. Weniger Neid. Mehr Toleranz. Mehr Akzeptanz.

Zitat:
ich bin so aufgebracht, fassungslos und wütend!!!
Wir leben in einem der reichsten, sichersten und entspanntesten Länder die es auf dieser Erdkugel gibt. Niemand, aber auch absolut niemand muss dursten oder hungern. Um uns herum schlagen keine Granaten oder Bomben ein, wir haben eine gute Infrastruktur (wir duschen sogar mit unserem Trinkwasser), werden nicht gesteinigt, ermordet, gefoltert, gedemütigt "nur" weil wir halt gerade dort sind, wo wir sind!!! Ich kann kaum in Worte fassen, wie widerlich und erbärmlich ich es finde, was sich gerade hier asspielt! Es ist so niederträchtig, Asylunterkünfte anzuzünden, Menschen zu verprügeln oder zu hassen "nur" weil sie evtl. anders aussehen, eine andere Sprache sprechen oder eine andere Religion die Ihre nennen!! Es ist ab- und erschreckend das tausenden auf die Straße gehen, um gegen Flüchtlinge/Ausländer/Menschen in Not (oder glaubt wirklich irgendjemand, die verlassen alle aus lauter Lust am reisen ihre Länder?!) zu demonstrieren. Was sind wir doch nur ein Volk kleiner, egoistischer, einfältiger Ichlinge!! All denen die Angst haben ihnen wird etwas weggenommen, was sie ja eh meist nicht besitzen, wünsche ich, sollten sie je selbst in eine Notsituation kommen, das sie nicht an Menschen wie sie geraten!! So, fertig!! (B. S.)


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