Sonntag, 27. Dezember 2015

Sonntagsgedanken - 27.12.2015 Was ich immer schon mal loswerden wollte....

Das letzte Mal die Sonntagsgedanken 2015 schreiben. Wehmut? Nein. Weder wegen des Blogs noch wegen 2015. Keine Angst, hier kommt nicht der obligatorische Jahresrückblick. Weder habe ich den Weihnachtsblogwahn mitgemacht noch werde ich jetzt damit anfangen in die Hauptstraße der Blogs einzubiegen. Sollen sich die anderen um die Gunst der Mainstreamleser buhlen – was absolut keine Wertung sein soll. Wobei ich reine Produktblogs erst gar nicht mehr aufrufe: Wenn ich Werbung sehen und lesen will, schalte ich den TV ein oder lese eine Zeitschrift.
2015? Das beste Jahr seit langem – für mich persönlich, privat wie auch beruflich.
2015? Das schrecklichste Jahr seit langem – die Welt scheint den Klimawandel mit Herzenskälte ausgleichen zu wollen.

Habe ich Wünsche? Wer nicht? Nur für das neue Jahr? Nö. Habe ich Vorsätze? Immer! Irgendwas muss man ja brechen, wenn es schon keine Regeln und Gesetze sind.
Bin ich müde? Jein. Nicht mehr so wie noch letzten Winter. Eher entspannt. Tiefenentspannt. Wenn ich in einer Klausur mal nicht weiter komme stelle ich nicht mehr mein Ganzes Wissen in Frage, vor der letzten Einkommensteuerklausur wollte ich einfach nicht mehr. Eher konnte ich nicht mehr lernen. Etwas blockierte. Und ich wusste im Vorfeld: DAS geht schief. Und es ging schief. Seufz. Und jetzt? Wie sagt Putte immer? Weiter geht’s. Oder: Aufstehen, Krönchen richten, weiterlaufen.
Die letzten drei Tage sperrte ich die Welt aus, las, lernte ein wenig, entrümpelte ich mein Zimmer (naja, wirklich weit bin ich nicht gekommen) – parallel dazu entrümpelte ich mein Seelchen. Und hier kam ich weit. Wer nicht reflektiert kommt einfach nicht weiter. Ob ich an ein Karma glaube oder nicht – diese Frage stellt sich mir nicht. Aber sehr wohl wie und was ich bin.

Mich erschreckt die Kälte, die sich durch alle Gesellschaftsschichten zieht. Statt aufeinander zu zugehen, anstatt zusammen zu rücken… werden Mauern gebaut, Zäune erreichtet und Natodraht ausgerollt.
Mit der Menschlichkeit und Nächstenliebe stirbt Europa und die Nationalstaatlichkeit kommt wieder wie ein Untoter.
Mit den Nationalen kommen die Parolen, die einfachen. Oder war es umgekehrt? Erst die Parolen, dann die Nationalen?
Versteht mich nicht falsch. Nichts gegen einen gewissen *Nationalstolz*, auch wenn ich eher so ticke, dass ich auf meine eigenen Leistungen stolz bin, denn auf die anderer. Aber nichts gegen gewisse Traditionen usw. Wer es braucht, wr es mag, warum nicht? Solange es nicht von oben herab geschieht. Denn von oben fällt es sich schnell und meist auch tief. Siehe den Kaiser, den VW Konzern und und und. Selbst das Sommermärchen scheint gegen jede deutsche Tugend erkauft worden zu sein. Oder eben aufgrund deutscher Tugenden.
Kennt ihr das: Ihr kommt von a nach b und dann fahrt ihr über z nach c? So geht es meinen Gedanken. So geht es mir beim Aufräumen. Wobei -  da ist es eher so, dass ich spätestens bei c ins Detail gehe und mich verirre. Bei c.c.c. spätestens steige ich aus, schnappe mir ein Buch und gehe ins Schaumbad.

Hier sitze ich auf meinem Felsen und betrachte den Fluss der Zeit, den Strom meines Lebens. Wundere und freue mich, erschrecke, trauere, traue und misstraue ich – anderen und auch mir.
2015 stirbt. Ein Kalenderjahr. Ein Wirtschaftsjahr. Ein Neues zieht herauf. Ein irdisches Jahr. Eine menschliche Zeiteinheit. Dabei kennt die Zeit keinen Anfang und kein Ende, so wie die Unendlichkeit. Oder doch? Vielleicht leben wir doch nur in einer Matrix oder sind ein Hologramm auf der Leinwand der Mulitversen.

Was wollte ich euch eigentlich sagen? Ähm.
Ach ja, schön, dass es euch gibt.

Sonntag, 20. Dezember 2015

Sonntagsgedanken 52/2015 Reichtum

Es ist noch dunkle, auch wenn es schon halb acht ist. Schon? Es ist Sonntag. Die Stadt schläft und der gemeine Bürger (gemein im Sinn von durchschnittlich, nicht im Sinne von *fies*) denkt ja, er hätte das Recht darauf am Wochenende bis in die Puppen zu schlafen. Katzenbesitzer und viele Dienstleister schnauben nur verächtlich, wenn sie das mitbekommen.
Auch wenn ich meine beiden Plagegeister erst kurz vor Mitternacht füttere so steht der kleine, rote Teufel spätestens um fünf Uhr auf mir, schnurrt, schmust, mauzt und trappelt bis ich aufgebe und ihn erneut füttere. Belohnt werde ich danach mit zwei verschmusten Katern, die mich als Liegestatt gebrauchen und mich in den Schlaf schnurren.
Die Dienstleister haben selten das Glück, dass man sie so zärtlich weckt und sich dankbar erweist. Ihr müsstet mal die Gesichter der Menschen sehen, die samstags früh morgens in der U-Bahn sitzen.
Herabhängender Mundwinkel, mürrische Blicke. Socken strickend beobachte ich meine Mitfahrgäste und schmunzle über den seligen Gesichtsausdrucks des dösenden Mannes, den hochkonzentrierten Blick des jungen Mädchens, deren falschen Nägel das Handy umklammern, dessen Display anscheinend eines anzeigt: DU bist wach, deine Freunde nicht.
Nun heute ist Sonntag und auch heute gibt es die bewährten Helfer, die anderen das Leben leichter und angenehmer machen. Katzenbesitzer legen sich noch einmal hin, Hundebesitzer laufen die erste Runde, Bauern füttern ihren Stallbestand.
Statt Schneeflocken vor den Fenstern trillieren die Singvögel, fassungslos, dass es so warm ist. Gestern ging ich im Langarmshirt einkaufen. Im Dezember. Ich bitte euch. Leben wir in Australien?
Gestern war ich arbeiten. Während ich unter der Woche die Ausbildungsbank drücke, arbeite ich am Wochenende – unentgeltlich –in einem Steuerbüro mit. Hier kann ich ohne Druck das üben, was ich unter der Woche in der Theorie durchspiele. Praxis.
Ich weiß, dass viele das anders sehen werden. Die einen werden sagen, ich lasse mich ausnutzen, andere, dass ich jemanden den Job wegnehme und gar den Lohn senke.
Ist es so? Ich darf mir für die Fälle Zeit lassen, recherchieren, bekomme die Fahrkarte bezahlt, spätestens um neun warme Brezel vom Bäcker gebracht, wurde beim Adventskalender bedacht, kann Fragen diskutieren und wenn ich für eine Klausur lerne, dann mache ich frei.
Was ich sonst noch dafür bekommen:
Nach der Ausbildung habe ich schon einen festen Arbeitsplatz mit guten Bedingungen, Kollegen die ich schon kenne. Eine Arbeitsplatzzusage VOR den Prüfungen, wer hat das schon?
Es ist der vierte Advent, der Tag dämmert herauf, Soleil schleckt schon wieder an einer Verpackung, ich habe ein warmes zuhause, Freunde, mehr als genug zu essen, ich habe eine Zukunftsaussicht, die Schmerzen halten sich in Grenzen, Grey schmust mir um die Beine.
Ich feiere weder Weihnachten, noch die Adventssonntage, ich entziehe mich dem Konsumrausch und der Schenkorgien der anderen, und doch bin ich so glücklich wie noch nie in meinem Leben. Vielleicht weil ich nicht mehr darauf schiele, was andere mehr habe als ich, sondern, dass betrachte und bewahre was ich habe. Und das verschenke was ich erübrigen kann.

Sonntag, 13. Dezember 2015

Sonntagsgedanken - 51/2015 Europa und der Rest der Welt

Es wird gerade hell, Soleil klebt am Fenster und beobachtet die Strasse mit einer Aufmerksamkeit als würde er vor einem Mauseloch lauern. Grey döst. Beide Kater ließen heute Gnade walten und mich tatsächlich bin acht Uhr schlummern, bis ich alleine langsam das Land der Träume verließ und mich noch einmal genussvoll herumwälzte, mein Gesicht in dem warmen Kissen vergrub.
Die Welt mit ihrem Unbill ist in solchen Momenten ganz weit weg kein Gedanken gräbt sich durch Hirn und Herz.

Die Situation europa- bzw. weltweit ist zum Davonlaufen. Nur wohin? Manche kapseln sich ab, lesen keine Zeitung mehr, sehen sich die Nachrichten nicht mehr an, verweigern also einfach der Wirklichkeit den Dienst. Andere suchen die Information und durchforsten das Netz, ein Teil von ihnen glaubt dann aber auch alles was sich dort so finden lässt. Ob es nur angeblich so sein soll, dass die  Daesh (IS) von der CIA ins Leben gerufen worden sei, 9-11 von den Juden oder dass ein Flüchtling in Deutschland ein vierjähriges Kind vergewaltigt haben soll.
Als Quellen dafür sehr beliebt: Webseiten, von denen man bis dato noch nie etwas gehört hat oder der Freund eines Freundes einer Bekannten des Bruders.
Gerüchteküche eben.

Mein Kopf neigt in solchen Augenblicken dazu mit der Tischplatte bouncing zu spielen. Wobei ich den Wunsch, die Welt auszuschließen mehr als nachvollziehen kann. Geht  es mir doch genauso. Unter der Woche bleibt mein Laptop zu Hause, wir stehen kurz vor den Prüfungen, ich konzentriere mich auf die §§ der Steuergesetze und des HGB, Ablenkungen sollten vermieden werden. Ich kenne mich gut genug, dass ich weiß, dass ich NICHT diszipliniert genug bin, um der Versuchung Internet zu widerstehen. Zwar habe ich ein Fernsehgerät auf dem Zimmer im Internat, aber ….
Das Fazit ist: Der alles niederwalzende Strom der Informationen ist nur noch ein Rinnsal. Statt Face to Face mit dem Monitor stecke ich meine Nase in Fachbücher oder Romane, stricke vor dem TV Gerät. Die Nachrichten die mich auf den normalen Kanälen – TV und Radio (jawohl, ich habe ein kleines Kofferradio) reichen aus, um mich mehr als zu beunruhigen.
Der Rechtsruck in Europa wird der Staatengemeinschaft schaden, der Nationalismus ist wieder auf dem Vormarsch. Erst die Inländer, die Einheimischen,  dann die anderen.
Sie verhungern an den Grenzen? Ihr Problem, wären sie doch dort geblieben, wo sie herkommen.
Sie frieren an den Grenzen? Sie haben Angst? Ihr Problem…..

Es macht mich so wütend, so traurig.  Ich sehe die Menschen hinter den Nationalitäten. Wir sind alle Menschen. Egal wo wir herkommen, von welchem Kontinent, aus welchem Land, egal was wir glauben, wie wir aussehen.
Die Würde des Menschen ist unantastbar – jeder Mensch hat das Recht auf Unversehrtheit: das steht in unserem Grundgesetz: da steht nicht über Nationalität, Geschlecht, Hautfarbe, sexuelle Orientierung. Es gibt demokratisch gewählte Kräfte in unserem Land die gegen diesen Grundsatz unserer Verfassung agieren, versteckt oder offen. Und es gibt so viele, die diesen Kräften folgen. Langsam aber sicher wurde mir klar, wie die Nationalsozialisten im Vorkriegsdeutschland an Macht und Einfluss gewinnen konnten und zum Schluss das Ruder übernahmen.
Wer seiner Angst nachgibt verliert den Verstand, ergibt sich den Gefühlen und verlässt die Vernunft.
Wer seiner Angst vor dem Unbekannten freien Lauf gibt, anstatt sie zu erforschen, glaubt vieles und vor allem denen die dieser Angst recht geben.
Ich weiß nicht wer es sagte, aber er hatte recht:

Wer aus der Geschichte nichts lernt, ist gezwungen sie zu wiederholen. Und wer daraus lernt, ich verflucht den anderen beim Wiederholen zuzuschauen.


Europa war eine gute Idee. Ein Weg fort vom Nationaldenken. Man kann seine Herkunft pflegen, seine Traditionen – ohne national zu denken. Ein Wegbereiter für eine vereinte Menschheit.
Angst, Neid und Gier zerstören es gerade.
Auch ich habe Ängste, auch ich habe Wünsche. Aber ich möchte nichts auf dem Leid und dem Unglück anderer aufbauen.
Jeder möchte die Kuh Europa melken, aber keiner will sie füttern.

Wenn wir diese Kuh nicht bald vom Eise holen, wird sie verhungern, erfrieren und einbrechen. Aber was geht uns das an? Wäre sie doch dort geblieben wo sie war, die blöde Kuh.
Nur eins beachten die so denken nicht: Wir sind Europa. 

Sonntag, 6. Dezember 2015

Sonntagsgedanken - 49/2015

Nikolaustag. Es ist ein sonniger Wintermorgen. Es fühlt sich nicht wie Dezember an. Weihnachtsstimmung? Habe ich schon seit Jahren nicht mehr. Als Agnostiker gehen die Traditionen nicht mehr an mich, es wurde die letzten Jahre einfach immer weniger, wie eine verblassende Erinnerung. Es bleibt nicht mal mehr die Melancholie. Ich habe keine Erwartungen mehr an Feste und Termine. Dadurch bleibt mir viel erspart – jedenfalls fühlt es sich so an. Winterdepressionen – was soll das sein?
Dabei hatte ich jahrelang vor dem Fest der Freude richtig Angst. Vor Erwartungen, die wieder einmal nicht erfüllt werden würden, vor der Einsamkeit, auch wenn ich unter Menschen sein würde, die sich Familie nannten und mir fremder und ferner waren als manch anderer Bekannte.
Bitter? Nein. Bitter wäre es nur, wenn ich weiter hoffnungslosen Träumen hinterher hechten würde. Ich habe mich der Realität gestellt: Ich werde von den Menschen, von denen ich es erwartet hätte nicht geliebt. Dafür werde ich von Menschen geliebt, an die ich nie diese Erwartungshaltung hatte.
Ich habe mich dafür entschieden, das anzunehmen was mir mein Leben bietet. Was mir verwehrt blieb und bleiben wird: Nun – nur wenn ich weiter daran hängen würde, würde es mir wehtun. Diese Türe, und manche andere, habe ich die letzten Jahre hinter mir zugezogen. Allerdings nicht verschlossen. Es gibt immer ein Zurück.

Womit ich bei dem eigentlichen Thema dieses Sonntags wäre. Die letzten zwei Sonntage konnte, wollte ich nicht schreiben. Mein Herz und der Kopf waren voll, zum Bersten voll:
Wieder zurück in der normalen Ausbildung, also wieder im Internat, wieder Wochenendpendeln, wieder in zwei Welten leben.
Und jeden Tag die Nachrichten aus aller Welt:
Anschläge in Paris, im Nachhinein die Häme auf der einen Seite, das Mitgefühl auf der anderen Seite. Die Propheten, die all da haben kommen sehen, die Überraschten, die Hasserfüllten, die die Opfer für ihre Politik missbrauchten und weiterhin missbrauchen – und damit meine ich ALLE politischen Seiten, wobei sich die extreme Rechte mal wieder durch ekelhaftes Ausschlachtens der Situation für ihre fremdenfeindliche = menschenfeindlichen Ziele hervortut.
Kapiert es endlich, ihr Spacken: Die Flüchtlinge, die momentan zu uns kommen sind nicht die Ursache für solche Terroranschläge vor unserer Haustüre, sie fliehen selbst davor.
Wir – die erste Welt – hat jahrelang der Situation beigewohnt, sie für sich ausgenutzt und jetzt wird wieder zu den alt(un)bewährten Mitteln gegriffen. Die erste Welt bombt.
JA, vielleicht ist es notwendig. Aber solange man nicht an die Unterstützer des Terrors angeht, solange wird diese eine Terrorzelle nicht sterben.
Da sind Saudi Arabien und sogar die Türkei (damit sind natürlich die Regierungen gemeint). Als erstes zu nennen. Da aber die erste Welt diese Länder für irgendetwas braucht – vor allem für den Handel – lässt man die in Ruhe. Irrsinn? JA. Dreimal JA!

Europa rutscht in der Zwischenzeit nach rechts. Wir müssen und ja schließlich schützen.
Vor was eigentlich?
Vor der Armut der Flüchtlinge, die sich wie ein Mahnmal vor uns aufbaut?
Vor dem Spiegel, den sie uns vorhalten – dass unser Wohlstand auf ihrer Not basiert?

All das brodelt in meinem Hirn und vermischt sich Steuergesetzen und allgemeiner Wirtschaftslehre. Ich werde in meinem Arbeitsleben mit hohen Einkommen konfrontiert, die jenseits meiner eigenen Wünsche liegen und dann wieder mit Renten, die so gering liegen, dass man diesen Menschen gar keine Rechnung schicken möchte.
Und dazwischen der Neid, derjenigen, die meinen benachteiligt zu sein und statt sich zu wehren nach denen treten, die noch weniger haben.

Mir ist einfach die Lust am Schreiben vergangen. Und doch möchte ich nicht schweigen. Mich nicht ins Oberflächliche stürzen. Ich will nicht verzweifeln. Ich möchte lachen, die schönen Seiten meines Lebens genießen, meinen Katern das Leben in Gefangenschaft verschönern.
Ich möchte einfach die Hoffnung nicht verlieren.
Allen Christen eine besinnliche Vorweihnachtszeit.
Und uns anderen – einfach schöne Tage, voller Wärme.
Geben wir doch einfach etwas von unserem Glück ab und vermehren so das eigene.


Love

Sonntag, 15. November 2015

Sonntagsgedanken - Euer Hass ist keine Lösung

Ein ganz normales Wochenende. Ein ganz normaler Sonntag. Der Himmel trägt heute grau, einfach ein schmutziges, helles Grau. Ich bin müder als sonst. Mein Kater Soleil weckt mich zur Zeit alle drei Stunden. Aussperren mag ich ihn nicht. Er hat wohl seine Gründe.
ich habe gearbeitet, meine Einkäufe erledigt, es ist die letzte Woche vor der Rückkehr ins Internat.
Ein ganz normales Wochenende.

Nein. Als ich am Samstag, morgens,  wach wurde und gewohnheitsmäßig nach Neuigkeiten im Netz suchte war die Müdigkeit und die Wochenendfreude wie weggeblasen. Als ich heute aufwachte hoffte ich fast, alles sei nur ein Alptraum gewesen.
Auch hier nein.

Es ist wieder soweit. Paris wurde innerhalb eines Jahres das zweite Mal von einem Terroranschlag getroffen. Das zweite Mal haben fehlgeleitete Irre Leid über ihnen unbekannte Menschen gebracht, um ihre Macht zu beweisen und allen Andersdenkenden letztendlich eins klar zu machen:
Wir können euch treffen. Immer, überall und ihr könnt nichts gegen uns machen.
Sie sind barbarisch, mitleidlos, überzeugt.
Sie glauben das, was sie sagen.

Sie sind irre.
In mir streiten sich seit zwei Tagen Wut, Ohnmacht und Traurigkeit. Ich denke an die Hinterbliebenen und Verletzten. Fassungslos, wie nach jedem Anschlag. Ob 9/11, Madrid, London, Paris.
Fassungslos wie nach dem Anschlag in Oslo.
Es wird wohl jedem einzelnen von uns bewusst, dass wir jederzeit in so eine Situation kommen könnten.
Trotzdem bin ich unfähig Hass zu empfinden. Und ich bin froh darüber – denn Hass ist die Motivation der anderen.
Auch habe ich keine Idee einer Lösung. Ich weiß es einfach nicht. Zwar denke ich, dass es Ansätze gibt, aber es wurden in der Vergangenheit, auch, bzw. vor allem in den letzten Jahren, jede Menge schwerwiegende Fehler begangen.

Und jetzt?
Außer der Betroffenheit, der Ohnmacht?
Eines auf jeden Fall nicht: Hass. Oder, wie manche aus den rechten Kreisen, sofort wieder auf die Gesamtheit der Moslems und die Flüchtlinge mit den Finger zeigen und rufen: „Die da! Die da sind schuld! Weg mit ihnen!“ Viele der heutigen Flüchtlinge sind eben vor der Gewalt, dem Hass und der Barbarei des IS geflohen. Wollen wir diese Menschen dem sicheren Tod ausliefern? Zurück ins Mittelmeer treiben?
Dann hätte die IS ein Teilziel erreicht.

Jetzt erst recht! Freiheit war noch nie sicher und Überwachung wiegt uns in eine scheinbare Sicherheit.
Die Täter seien teilweise bekannt gewesen. Wirklich. Nun schön, dann kann man ihren Gräbern Namen geben, aber hat es etwas geändert? Hat es irgendetwas verhindert?
Habe ich Angst?
Eher nicht.
Als ich gestern durch meine Stadt fuhr, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, in einer Mall einkaufen ging und durch die Straßen lief, in denen der Wind Laub und Menschen umhertrieb, war nichts
von irgendeiner Angst zu spüren. Es war ein normaler Samstag. Die Leute gingen einkaufen, saßen in Cafés. Paris ist so nah und uns doch so fern. Im Moment.
Angst? Nein.
Wach? Ja.

Das wir Europäer ab und zu erleben müssen ist in anderen Ländern, Städten Alltag.
Wir haben es gesehen. Wir haben es zugelassen. Teilweise sogar forciert.
Es fällt nun auf uns zurück.

Ich denke an die Mutter, die sagte: „Ich schenkte meinem Sohn eine Konzertkarte, um ihm eine Freude zu machen. Stattdessen schickte ich ihn in den Tod.“
Keine Mutter dieser Welt sollte so denken.
Keine auf der ganzen Welt.
Keine.

Sonntag, 8. November 2015

Sonntagsgedanken - Frühling im November

November. 
Ich träume von kalten Morgennebeln, von grauen Tagen, Raureif in den Morgenstunden, der Gras und gefallene Blätter mit funkelnden Eiskristallen überzieht.
Oder einfach nur Tau. 
Tau wäre schon ausreichend. Schön wäre das.



Stattdessen laufen wir in T-Shirts in der Mittagssonne herum und der Himmel scheint nur noch eine Farbe zu kennen: azurblau.
Das was ich im Sommer schon nicht am Stück ertrage verfolgt mich jetzt bis in den Herbst: Trockenheit. Im Oktober gab es ein paar frische Tage, an denen ich morgens tief durchatmen konnte.
Wann habt ihr den euren letzten Schmetterling im November gesehen?
Meine beiden Kater haben schon ihr Winterfell. Ihr Pelz ist weich und dicht, sie liegen mittags am geöffneten Badezimmerfenster.
Ja, am geöffneten Fenster. Nicht nur 5 Minuten zum Lüften. Das Fenster steht den halben Tag offen. Mir hagelt es den Kreislauf zusammen. Andere genießen das frühlingshafte Wetter. Eher schon Frühsommer. Und wie ich meine Stuttgarter kenne – solange die Temperaturen über 0°C liegen wird gnadenlos der Frischluft gefrönt – Die Straßencafés sind voll mit Menschen, die fellbesetzte Parkas und Stiefel tragen und eisgekühlte Getränke und Eis konsumieren.
Was ich zu motzen habe, an diesem Wetter? Ich mag eben Jahreszeiten. Ich bin im Wintermodus. Irgendwie weiß mein Körper nicht was los ist.

Kokelores heisst auf Instagram Mianek65
Gestern sah ich einen Admiral, also einen Schmetterling. Am 7.11.2015. Farbenfroh saß er da, aber sein Flattern wirkte müde. Als wüsste er, dass seine Zeit schon längst gekommen sein müsste und nur die Wetterkapriole ihm ein paar weitere Tage schenkte.
Seine Vergänglichkeit, sein Leben, das schon vergangen sein sollte, stimmte mich melancholisch. Erinnerte mich sein baldiges Vergehen doch mich an das meine Zukünftige.


November,
Die Bäume lassen ihre Hüllen fallen,
werfen Blätter wie Konfetti,
nacktes Geäst steht mir Spalier,
raschelnd meine Schritte tönen…

Vielleicht verschieben sich auch nur die Jahreszeiten wieder einmal ein Stück. Wobei der Sommer auch mit Temperaturrekorde glänzte.
Ich wünsche mir Schnee. Viel Schnee. Als Daunendecke für die Natur zum Jahreswechsel.

Sonntag, 1. November 2015

Ansprache Sonntagsgedanken 47/2015e

 Eines Abends  auf FB, kam mir folgende Statusmeldung unter:
Julchen Blubb schrieb:

Mein Gott, wo kommt sie plötzlich überall aus den Löchern gequollen, diese Bosheit, Missgunst, Ignoranz, Selbstsucht, Frust, Unzufriedenheit, bis hin zur wirklich pathologischen Symptomatik,
.... der allgemeine Menschenhass!
Überall quillt diese pechartige, stinkende, kackbraune Soße hervor. Sie beschmutzt alles, klebt überall fest und zieht Fäden. Es stinkt und klebt und lässt sich kaum mehr lösen.
Jetzt verstehe ich, wie es 1933 zu diesem geschichtlichen Desaster kommen konnte.
Jetzt begreife ich, wie dieser Virus wütet, infiziert, um sich greift und zur Epidemie werden will.
Und ich sehe jetzt auch, wie Menschen von heute auf morgen nichts gewusst haben wollen.
Wie Menschen sich die Welt hindrehen, wie es günstig scheint, ohne jede Not.
Ich sehe jetzt, wie wenig weit man mit Vernunft kommt, wenn das Gegenüber dafür nicht zugänglich ist.
Ich sehe, dass Empathie nur selektiv Anwendung finden kann.
Ich sehe, wie die These "Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf" zu Stande gekommen sein muss.
Ich sehe, wie es möglich wird, dass von jetzt auf gleich Krieg entstehen kann.
Ich fühle, wie unerfassbar wertvoll Frieden ist und wie zerbrechlich das Netz, an dem er hängt.
Ich ahne die Hintergründe zu Einsteins Zitat: Ich kenne zwei Dinge, die unendlich sind. Das eine ist das Universum, das andere die menschliche Dummheit - beim Universum bin ich mir aber nicht ganz sicher."


Ich fragte sie, ob ich ihre Statusmeldung als Gastbeitrag bei den Sonntagsgedanken veröffentlichen dürfe. Sie hatte nichts dagegen. Aber gegen ihre Gedanken haben manche Andersdenkende etwas. Sie bekommt Hassmails und schäbige Fotos. Die Sender verstecken sich hinter Pseudonymen.
Sie ist nicht die einzige.
Die Hasser und die Neider, die rechten Besserwisser schicken vielen von uns solche Mails. Manchmal gespickt mit diffamierenden Inhalten, sie sprechen uns Intelligenz und Wissen ab, wünsche oder drohen uns rohe Gewalt an, durch sich selbst oder ihren Freunden oder den, von uns supporteten, Refugees.
Sie zitieren die AfD, den dritten Weg.
Sie nennen uns linke Spinner, Terrorosten, behindert, und und und.
Sie machen uns müde.
Und trotzig.
Den Trotz sollte man nicht unterschätzen: er macht wach, hält wach.

Lasst euch nicht von den Hassern, den Neidern, den *die anderen sind Schuld* einwickeln, bleibt nicht an ihren klebrigen Tentakeln hängen.
Wir sind alle Menschen. Egal, wer uns geboren hat, wo wir gegoren wurden und welchem Stern wir folgen. Wir leben nun mal in der Bundesrepublik Deutschland. Unsere Farben sind schwarz-rot-gold. n unserem Grundgesetz stehen tolle Sachen.
Lasst nicht zu, dass sie - unsere Farben und unser Grundgesetz, von Menschenhassern benutzt, beschmutzt und verhöhnt werden.

Woher kommt dieser Hass? Ich glaube er wird aus der Paarung Neid und Angst geboren, die Angst hat ihre Wurzeln in Unwissenheit, dem Unwissen wird teilweise aus Borniertheit, Unfähigkeit oder Faulheit nicht entgegengewirkt.
Es gibt so etwas wie eine Holschuld.
Ich hole mir die Informationen. Es ist natürlich leichter, dem lautesten zuzuhören und dem zu folgen, der ins eigene Weltbild passt. Geht uns allen so. Aber ein Teil informiert sich eben auch weiter und bleibt nicht beim ersten *Alternativstand* stehen.
gerade wenn es unbequem für einen selbst wird, sollte man darüber nachdenken. Jeden Stein wenden.
Es geht nicht um schwarz oder weiß.
Es geht um grau.

Beispiel dazu:
Pro: Impfen hilft!
Contra: Impfen tötet.
Schattierung: Es gibt Impfschäden. Ja. Impfen hilft Epidemien zu verhindern.
Und so muss man - oder sollte es zumindest - jedes Thema aufbröseln. Und nicht gleich wieder die Keule raus holen.

Es brennen schon Häuser.
Und wenn Menschen in Deutschland einen Halbmond tragen müssen, dann haben wir die letzte Ausfahrt verpasst.

Think about it.


Sonntag, 25. Oktober 2015

Rechts-Links - Bäumchen wechsel dich: die Sonntagsgedanken 25.10.2015

Es ist ein milder Herbsttag. Soleil alias Ginger turnte ab halb vier auf mir herum und bettelte um Futter. Dann nervte er noch bis morgens um 5. Das wiederum hatte zur Folge, dass er Flugunterricht bekam, ich ihn aus dem Zimmer – samt Bruder – aussperrte, was beide zum Anlass nahmen, solange an der Türe meiner Mitbewohnerin zu scharren bis diese auch wach wurde.
Also ein ganz normaler Sonntag in unserer WG.
Trotz aller Widrigkeiten wegen meiner Miniraubtiere geht es uns gut, es gibt keine größeren Katastrophen. Zwar habe ich diese Woche einiges im Beruf *verbockt*, aber  noch habe ich Praktikantenstatus und löffle meine, mir selbst eingebrockten, Suppen selbst aus.
Und trotzdem bin ich müde. So müde. 

So müde all der Häme und der Hetze und der emotionsgeladenen, hitzigen Atmosphäre, die die Diskussion und die derzeitige *Lage der Nation* von Anfang beherrschte und eine sachliche Auseinandersetzung fast unmöglich macht.
Was ist links, was ist rechts? Querfrontler und Verschwörungstheoretiker stürmen das Spielfeld. Rechtsaußen Spieler betiteln Meinungsgegner als *Nazis*, ein deutsch-türkische Autor – dreimal dürft ihr raten wer es ist – verstieg sich sogar in die Annahme, dass die jetzige deutsche Regierung KZ einsetzen würden, wenn sie könnten. Gegen Flüchtlinge? Nein, aber gegen „aufrechte Widerständler und Kritiker“ der Regierung. Nein, in den Anführungszeichen steht kein Zitat von ihm, sondern so denke ich sieht er sich selbst. Nun, die Rache des Mainstreams hat ihn schon getroffen: seine bürgerlichen Verlage haben seine Verträge gekündigt und ziehen seine Werke aus dem Handel.
Zensur? Nein.
Es werden sich andere Verlage für seine Werke finden. Solange es kein Leseverbot von Seiten des Staates gibt ist es keine Zensur. Er ergeht sich gerade in einem *Mimimimi*- Gesang, wie ein Kind, dem mal x-mal eine Backpfeife prophezeite und das dann weint, wenn es tatsächlich einmal eine bekommt. (Nicht falsch verstehen: Kindern schlägt man nicht!!!!).

Von ihm erwartete man ja schon fast so eine Entgleisung, aber von Linken oder Grünen? Und auch die gibt es. Es gibt CSU'ler die Flüchtlinge bei sich aufnehmen, CDU Politiker, die Pro Asyl und Flüchtlinge werben, SPD'ler, die finden, dass wir das nicht schaffen, Grüne die dazu auffordern, Europas Außengrenzen mit Waffen zu sichern. Wir haben eine Kanzlerin, die von den syrischen Flüchtlingen fast wie eine Heilige verehren, weil sie das sagte vor dem viele Deutsche Angst haben. *Kommt zu uns*.
Und hier explodiert dann die nicht vorhandene Diskussion. Es wird nämlich nicht diskutiert, es wird gestritten, behauptet, verleumdet, unterstellt, missverstanden.
Dadurch, dass meist nur die Lauten gehört werden gehen die leisen Stimmen unter. Ich flippte auch vor ein paar Wochen in der U-Bahn aus, weil eine Alte die ganze Zeit gegen Ausländer und Deutsche mit Migrationshintergrund hetzte. Ich schrie sie an. Mir riss der Faden, der berühmte. Und es kam zu einer lautstarken Auseinandersetzung in der Bahn. Nicht der richtige Weg, ich weiß. Diskussion geht anders.

In einer Diskussion mit einer Bekannten, die sich mir gegenüber nicht scheute, ihre Bedenken zu äußern, in ruhiger Form entspann sich eine feine Diskussion. Wir klopften erst vorsichtig unsere Standpunkte ab du ich bestätigte ihr manche Position. Als ich dann sagte: „Klar gibt es Probleme. Das alles ist eine enorme Herausforderung und nein, wir werden nicht unsere demokratischen Grundsätze über Bord werfen“, sah sie mich erstaunt an und erwiderte, dass wir gar nicht so weit auseinander lägen mit unseren Meinungen. Nein. Wir hatten es nur nie sauber formuliert. Und auch sie ist erschrocken über den aufkeimenden, nein auflodernden Hass mancher Menschen hier in unserem Land.

Eine Versachlichung der Diskussion tut not. Klare Positionsbestimmungen. Nicht jeder, dem die schiere Masse der zu flüchtenden Menschen Angst macht ist ein *Rechter*, ein *Nazi*, ein *fremdenfeindliches Arschloch* oder/und ein sogenannter *besorgter Bürger*.
Wer sich allerdings entschließt bei der Pegida mitzumachen, der keine Bedenken hat einem Höcke von der AfD zuzujubeln, dem egal ist, dass er mit Gruppierungen wie den Pforzheimer Berserkern auf einer Kundgebung Seite an Seite steht, oder wer, wie ein Stuttgarter Gemeinderat das Wort *Eindringliche* für Menschen in Not nutzt – wer sich unbedacht und unkritisch an die Seite solcher Menschen und Parteien stellt, der dient einer sachlichen Diskussion nicht.
Das gilt auch für die Menschen, die bei jeder Gelegenheit *Lügenpresse*, *Wir sind das Volk* schreien.
Als einmal beim Stuttgarter Protest um den Bahnhof ein paar anfingen *wir sind das Volk* zu skandieren wandte ich mich gruselnd ab. Weder sie waren das Volk, noch sind es die Pegidaspaziergänger. Und selbst wenn sie es wären – hat das Volk immer Recht?

Auf der anderen Seite gibt es die Gesinnungswächter: Sobald man nicht 100% auf Kurs ist, wird man hier genauso niedergemacht, wie wenn man gegen das rechte Hasspotential den Mund aufmacht. Auch das macht eine sachliche Diskussion schnell unmöglich.
Was ich immer mit einer sachlichen Diskussion habe? Weil eine sachliche Diskussion dem Sammeln von Argumenten dient, eine Sache von allen Seiten zu beleuchten, neue Perspektiven zu gewinnen. Diskussionen sind Mittel zum Zweck: Probleme klar erkennen, analysieren. Verschiedene Lösungsansätze zu finden und diverse verwerfen.
Sachlich.
Es macht mich müde.

Immer wieder Argumente zu hören, die gar keine sind, sondern schlecht getarnte Vorurteile.
Immer wieder Geschichten zu hören, die sich dann als unwahr entpuppen.
Immer wieder beleidigt zu werden.
Immer wieder gesagt zu bekommen, ich würde schon sehen, wenn die *Horden* auch über mich herfallen würden.
Immer wieder zu hören, dass alle Menschen die zu uns kämen Engel seien.
Immer wieder zu hören, es gäbe doch gar keine Probleme.
Können wir mal zu Thema kommen? Lösungsansätze für unsere momentane Situation zu suchen, zu prüfen und vielleicht neu zu suchen? Und das ganze sachlich?

Dienstag, 20. Oktober 2015

Großprojekte

Jeder möchte etwas besitzen, was einzigartig ist. Ich auch. Außerdem arbeite ich gerne mit den Händen. Und manchmal spinne ich herum. Nicht umsonst habe ich eine Modestylisten Ausbildung. Allerdings war das nicht unbedingt die richtige Ausbildung für mich.
Aber ein Teil von mir ist und bleibt kreativ. Ob es ums Zeichnen, fotografieren oder handarbeiten geht. Ich kann nicht still sitzen und nur fernsehen oder Musik hören. Meine Hände möchten sich bewegen. Und ich kaufe immer wieder Wolle, oder bekomme sie geschenkt. manchmal bleibt etwas über, ein halber Knäul, ein ganzer, manchmal mehrere. Oder ich plane etwas und verwerfe es wieder.

Und so entstand die Idee für einen Teppich:


Das schöne bei solchen Patchworkarbeiten, wenn man keinen Bock hat, kann man das ganze erst einmal zur Seite legen. Der angefangene Teppich lag über ein halbes Jahr im Schrank:



Als ich dann von einer Klassenkameradin einen arton mit grauem Baumwollgarn geschenkt bekommen hatte - und dann auch noch die Wolle einer älteren Dame, die nicht mehr handarbeiten kann, fing ich wieder an ( nachdem ich die Babydecke, diverse Socken und noch anderes fertiggestellt hatte), unter der Mithilfe meines Katers Grey




Jetzt arbeite ich nach einem Muster/Schema: immer eine Seitenreihe wird fertiggestellt und das *Zwischenstandwerk* kann schon auf den Boden. Sehr zur Freude meiner beiden Kater. Soleil klaut regelmäßig einen Wollknäul und vernichtet ihn heroisch - ich finde dann die zerfetzten und durchgekauten Überreste und Grey macht es sich darauf gemütlich. Wärend ich hier schreibe sitzt Soleil vor meiner Tastatur und hangelt nach meinen, über die Tastatur huschenden Finger.

Love it

Sonntag, 18. Oktober 2015

Instagram & Co





Ich fotografiere gerne. Aber ich möchte nicht immer eine Kamera mit mir herum schleppen. Ich habe nicht den Anspruch den Großen Fotokünstlern der Welt hinter her zu eifern. Gilt übrigens auch für meinen Blog. Ich bin kein Reporter oder Journalist. Ich bin eine Privatperson, die ihre Gedanken ins Netz stellt.


Und das mache ich eben *nur* aus *Spaß*. Der Spaß besteht auch darin, die Gedanken und Bilder mit Menschen zu teilen. Mit mir bekannten und auch unbekannten Personen. Feedback freut mich immer, auch wenn ich auf meinem Blog die Kommentare nicht mehr frei zulasse. Zensur? Vielleicht. Aber vor allem Abwehr von Spamkommentaren. Mit Link. Und wenn man auf dem Link tippt ist man gearscht. Deswegen. Auch, weil ich es nicht einsehe mich auf meiner eigenen Website und Pinnwand beleidigen zu lassen.



Wenn man jetzt also gerne fotografiert, Stimmungen einfängt, es gerne mit anderen teilt und das schnell, dann kommt man kaum an einer guten Handykamera vorbei. Und ich muss sagen:
Ich liebe mein Galaxy/Note 4 von Samsung. Und klar – viele denken sofort an FB und google+ wenn es ums teilen von Inhalten geht.
Dann gibt es Twitter, flickr. Instagram.
Ich habe mich für Instagram entschieden. Und die beiden, mein Handy und Instagram harmonieren sehr gut.

Finde ich jedenfalls. Und auch einige *Fans*. Auf Instagram habe ich Follower, die ich nicht kenne, weder über FB noch über Google oder gar persönlich. Aber ich teile die Bilder dann auch auf FB.
eines meiner Hauptthemen ist Licht.
Das Licht jeder Jahreszeit hat seinen eigenen Charme.


Wenn ihr die Bilder mögt, dann folgt mir auf instagram. Unter mianek65 findet ihr meine Bilder.  Freue mich auf euch.

.Stolz und Vorurteil - die Sonntagsgedanken 18.10.2015

Es ist ein Morgen wie er typisch für den November wäre, aber es ist erst Mitte Oktober. Erst? Dieses Jahr scheint an uns vorbei zu rasen, und jeder Tag bringt neue, erschreckende Nachrichten. Es ist nicht nur das Wetter des heutigen Tages, das im mir den Wunsch weckt eine Kerze in ein Fenster zu stellen.

Wir Menschen scheinen nicht zu lernen, nicht bereit zu sein zu lernen. Zu nah sind unsere Vorurteile, unser Egoismus in allen Lebenslagen, unser Neid. Ich schreibe bewusst „wir“, denn auch ich bin nicht fehlerfrei. Wer ganz ohne Vorurteile ist  soll sich doch bitte bei mir melden. Ich wäre erfreut einen solchen Menschen zu treffen.
Vorurteile sind nicht auf eine Nation, auf ein politisches Lager begrenzt. Es ist weltumspannend, partei- und auch religionsübergreifend. Ich werde die Vorurteile jetzt nicht aufgreifen. Mich interessiert das Warum.
Warum sind wir so vorurteilbehaftet? Klar habe ich auch Vorurteile, aber oft merke ich, dass ich viel neugieriger bin, offener als andere. Und was manchmal als frech empfunden wird: Ich bin sehr direkt und frage nach. Nehmen wir das Kopftuch. Ich frage nach: Warum trägst Du es? Und wenn die Antwort kommt: Weil es mein Glaube so will, dann frage ich nach. Auch bei Antworten wie Tradition. Umgekehrt mache ich das in anderen Punkten bei Christen, Juden, Buddhisten.
Irgendwie sind mir die Buddhisten am liebsten, aus vielerlei Gründen. Aber es geht heute nur nebensächlich um Religion. Oder um die politische Richtung, den aufkeimenden Nationalismus und die neu erwachte Fremdenfeindlichkeit.

Warum? Es geht mir um das Warum. Und ob es tatsächlich so ist.
Warum haben wir Angst vor dem moslemischen Glauben, den Islam? Oder ist es wirklich der Islam, oder nur die fundamentalistische Auslegung mancher Ewiggestriger? Was für ein Problem haben wir mit dem Kopftuch? Wegen seiner religiösen Aussage? Oder als Zeichen der Unterdrückung der Frauenrechte? Der Gleichberechtigung? Ich könnte jedes Mal anfangen zu schreihen, wenn gewisse AfDler, die auf der anderseits vom Genderterrorismus schwafeln, genau diesen Grund anbringen.
Ich persönlich stehe allen Religionen kritisch gegenüber, aber ich sehe es wie die Schreiber des Grundgesetzes: Wer will, der soll. Wer glaubt, der soll. Solange er nicht anfängt zu missionieren.
Ich war bei Vorurteilen. Wenn man sich das Wort einmal näher betrachtet und es in seine Einzelteile aufdröselt, dann bekommt man zwei Wörter: VOR und URTEIL. 

Ein Urteil wird normalerweise nach der Beweisaufnahme und einem Verfahren, mit Anklägern, Verteidigern und einer modere mehreren Richtern.
Vorurteil. Bedeutet es doch nichts anderes als ohne wirkliche Fakten sich ein Urteil zu erlauben. Vom Hörensagen. Aus sicheren Quellen. Man habe gelesen. Das weiß man doch. Hat meine Oma schon gesagt.
Es macht mich müde. Traurig. Für Wut habe ich schon lange keine Kraft mehr.
Da sind welche stolz darauf deutsch zu sein, dabei ist ihr Stammbaum alles andere als deutsch. Was ist denn deutsch sein schon? Einer meiner Cousins, der einen beneidenswerten hellbraunen Teint hat, ist typisch deutsch, auch noch studiert usw. usf. Der Papa war ein Amerikaner, der eine sehr schöne dunkle Haut hatte.
Was ist deutsch? Mir wurde auf meinen Arbeitseinsätzen im Ausland mehrmals gesagt ich sei nicht typisch deutsch. Vom Aussehen (rote Haare, blaue Augen, Sommersprossen) sehe ich sehr wohl mittel-/nordeuropäisch aus. Es ging um meine Art. Ich sei so offen, frech, witzig. So gar nicht *Kraut*, *Jawohl*. Nur einmal wurde ich gedisst: *Little Misses perfekt*. Ein Seitenhieb auf den Ruf von uns Deutschen Perfektionisten zu sein. Es war NICHT nett gemeint.
Ich habe kein Problem deutsch zu sein. Ich sehe aber auch keinen Sinn darin stolz darauf zu sein. Ich freue mich über meine Landsleute, die offen sind, Herz beweisen und sich der vielen Flüchtlinge annehmen. Ich schäme mich für die Deutschen, die stolz darauf sind, wenn sie es schaffen ihre Gemeinde *flüchtlingsfrei* zu halten.


Auch ich habe Vorurteile. Ich bin nicht frei davon. Aber ich arbeite dran.









Sonntag, 4. Oktober 2015

Sonntagsgedanken - 41/2015 Wiedervereinigt

Tag der deutschen Einheit. Hm.
Als vor über 25 Jahren die Vereinigung des geteilten Deutschlands vorbereitet wurde gab es auch Gegenstimmen im Freudentaumel. Ich stand der gesamten Sache etwas kritisch gegenüber.
Warum?.
Lasst mich überlegen. Nicht über die Gründe, sondern wie ich es so formuliere, dass es ganz klar rüberkommt, dass ich nichts gegen fallende Grenzen habe oder gegen die *von drüben*.
40 Jahre. 40 Jahre in zwei unterschiedlichen Systemen. 40 Jahre getrennt. 40 Jahre unterschiedliche Entwicklung. Und dann plötzlich: Juhu, wir sind eines? Dann das andere: *wir* Wessis haben doch von vorne herein auf die *Ossis* runtergesehen. Und tun es auf eine gewisse Weise heute noch.
Demokratie will gelernt sein. Und selbst die, die in einem demokratischen Umfeld aufwachsen, ist Demokratie nicht gleich selbstverständlich. Wie ist es, wenn man 40 Jahre in einer Diktatur groß wurde? Ich kann es mir nicht wirklich vorstellen. Aber wir erlebten es als diese unterschiedliche Welten aufeinander traf. Der Westen war als Paradies verklärt. Da trafen dann manche Träume auf die Realität und zerbrachen daran.
Während Lafontaine von der SPD von Anfang sagte, dass es nicht ohne Steuererhebungen abwickeln lassen würde so war das für Kohl keine Debatte wert. Im Freudentaumel (weswegen eigentlich?) wurden alle Bedenken weggewischt und die CDU gewann haushoch. Dann kam der Soli. Dann kam der Ausverkauf der DDR – ihre positiven Errungenschaften und die wenigen erfolgreichen Unternehmen – alles wurde verscherbelt und dem wesentlichen Hochmut geopfert. Rotkäppchensekt ist eine der wenigen Ausnahmen.
Dafür wurde Geld in die Infrastruktur gesteckt – in Gegenden in denen es absolut nicht nötig gewesen wäre. Während im Osten Straßen erneuert wurden fing das Murren im Westen an lauter zu werden.
Die Ossis hatten relativ schnelle einen schlechten Ruf – manches erlebte ich direkt mit. Und ich kann euch sagen: es gab natürlich solche und solche, aber wie das Leben so spielt: es bleiben meistens die schlechten Geschehnisse in Erinnerung.
Nun, wir sind wiedervereinig. Und mit der Wiedervereinigung bekamen wir auch noch andere Dinge mitgeliefert – was man dann an Hoyerswerda in den 90igern miterleben musste und jetzt, in Echtzeit das Entstehen der Pegida Bewegung und fremdenfeindliche Übergriffe.
Klar, beides gibt es auch im westlichen Teil der BRD, wer sich aber mit der Statistiken befasst und nicht blind ist, sieht, dass es hier ein West-Ost-Gefälle gibt. Leider.
Ist der Osten jetzt schlechter als der Westen? Wohl kaum. Aber er ist anders. Auch nach 25 Jahren noch. Ich kann Nationaldenken und Patriotismus so oder so nichts abgewinnen, aber der weinerlich-gefühlvollen Stimmung kann ich erst recht nichts anfangen.
Ich habe Freunde, Kollegen aus den neuen Bundesländern, die mir genauso lieb oder unlieb sind wie die aus dem Westen. Und das gilt nicht nur für Deutsche: Es gilt für alle Menschen.
Der einzige Grund den 3. Oktober zu feiern ist, dass die dort lebenden Menschen sich endlich frei bewegen und äußern können. Ungewöhnlich in einer Zeit, in der wieder Mauern und Zäune gebaut werden. Allerdings nicht mehr um Menschen am Ausreisen zu hindern, sondern am Einreisen.
Vor 25  Jahren wurde der Mauerfall gefeiert. Heute auch noch. Aber in einer anderen Stimmung. Der Freudentaumel ist schon lange der Ernüchterung gewichen. Die Entlohnung ist noch nicht gleich, Die Renten sind noch nicht vollständig angepasst. Im Osten sterben die Gemeinden. Im Westen platzen sie aus allen Nähten. Klar gibt es Metropolen wie Dresden, Leipzig. Aber wenn man ins Hinterland fährt – wird es leer. Sehr zur Freude der Natur.

Die deutsche Einheit. Ein Volk. Wirklich?
Was ist denn *Das Volk*?

p.S. ich habe gestern nicht gefeiert. Ich habe gearbeitet. Mich mit meiner Mitbewohnerin und den Katern in der Küche bei einer Pizza unterhalten, den Haushalt gemacht und die Sonne genossen. Heute regnet es. Ob das eine Bedeutung hat? Ja. Es regnet und die welt wird nass... ich glaube einfach, wir nehmen manche Dige zu ernst.
in diesem Sinne:
Schönen Sonntag noch 

Mittwoch, 30. September 2015

Stuttgarter Schönheiten - der Rohrer See

Wer geht schon wirklich gerne zur Arbeit? Nun ja, ich zum Beispiel. Nicht (nur) das mir die Arbeit an sich Spaß macht, der Abschluss meines Weges versöhnt mich im Voraus schon mit allem was der Tag so bringen mag.
Egal welches Wetter, an Regentagen spanne ich mir meinen roten Schirm, weiß gepunktet, auf.
Der kleine Park wartet immer wieder mit Überraschungen und Schönheiten auf.
 


In Rohr, nicht weit von der Schnittstelle der Bushaltestellen der Linien 81/82/86, kann man mitten in einem kleinen Vorort einen märchenhaften  Ort besuchen. Hier findet auch das Rohrer Seefest statt.

Rohrer See. Nun ja, es sind eher zwei Teiche, aber diese, vor allem der Obere, sind wunderschön.
Man muss die Augen schon aufmachen und bereit sein die Schönheiten zu sehen.
In der Zwischenzeit kennen mich die Rallen und die verschiedenen Entenarten und vor allem die vorwitzigen – und lauten! – Rallen strömen mir morgens entgegen. Wenn ich es wage ohne zu füttern weiterzugehen dann verfolgen sie mich.

Was? Du fütterst Enten? Das soll man doch nicht. Ja. Man soll sie nicht mit BROT füttern und vor allem nicht überfüttern. Sie bekommen nicht viel und dann das Richtige. Kostet mich zwar etwas, aber ich füttere ja auch die Meisen, Spatzen, Rotkelchen und Rotschwänzchen in meinem Hinterhof – sehr zur Freude meiner Kater, die im Winter am Badezimmerfenster festgewachsen zu sein scheinen und deren Mauzen dann mehr dem Keckern eines Vogels ähneln.



Oft bleibe ich stehen, mal unter der Trauerweide, deren Äste bis an die Wasseroberfläche hängen, dem Schilf, in dem der Wind und die Enten rascheln. Manchmal gibt sich der Graureiher die Ehre und lässt mich bis auf Armlänge an sich herankommen während er nach den Karpfen äugt, die die Gefahr sehr wohl kennen. Man sieht sie fast nicht im schlammigen Grün des Teiches, erahnt sie mehr, nur wenn sie sich durch einen Flossenschlag oder durch einen Oberflächenkuss verraten.
Zwischen den Teichen stehend wende ich mich nach Osten und von dort beleuchtet die Sonne, je nach Wetterlage, den Park und taucht ihn in helles, diffuses, mystisches Licht. Jeder Tag entfaltet hier seine natürliche Schönheit. Morgens. Sehr früh (für meine Verhältnisse). Zwischen sieben und neun Uhr. Wenn ich den Park durch einen, von Hecken gesäumten, steilen Weg verlasse, raschelt es in den Nussbäumen über mir und wenn ich Glück habe beäugt mich ein scheuer, rotbrauner Kobold lange genug, dass ich ihn entdecke: ein Eichhörnchen. 


Ein paar Schritte weiter erwartet schon eine schlanke, schwarze Katze mit goldfarbenen Augen ihre morgendliche Streicheleinheit und selbst, wenn ich auf den letzten Metern zum Büro bin: einer der Anwohner hat das ganze Jahr über für die Wildvögel Futterstationen aufgebaut – hier tummeln sich sämtliche Meisen der Umgebung.

Ich komme ruhig und erholt im Büro an. Jeden Arbeitstag.

Love it.

Sonntag, 27. September 2015

Sonntagsgedanken, 40/2015


Es herbstet. Es herbstet ganz gewaltig. Die Nächte werden länger und kühler und wenn auch mancher Sonnentag uns einen Ausflug in den längst vergangenen Sommer vorgaukelt.
Und doch: kein schöneres Licht als Mitte, Ende September. Die Luft schmeckt nach Kühle und feuchtem Laub, an manchem Morgen überzieht Tau Halme, Blätter und Blüten mit einer Million funkelnder Diamanten, die dann im Tageslicht vergehen wie Feengold.
Dieser Herbst ist nicht anders und doch. Man sagt so leicht: Es ist eine Frage der Perspektive. Stimmt.
Die Metapher, ob ein Glas halb voll oder leer ist, bekommt dieser Tage immer mehr Bedeutung.
Wie haben genug. Trotzdem bekommen manche Menschen schon beim ersten Schluck Panikanfälle, wenn sich das erste Viertel verflüchtigt.
Eine andere Metapher: Das Boot ist voll.
Heute sagen viele Menschen, dass das Boot ist. Andere sagen, es ist noch nicht voll. Manche meinen Deutschland, manche meinen Europa, einige meinen sogar die ganze Welt.
Ist es so?
Oder geht es um ein Verteilungs*problem*?
Manche Quellen zeigen auf, dass es genug Platz und Lebensmittel auf dieser Welt für alle Menschen gibt. Nicht nur für die ersten Welt Staaten.
Es ist nur nicht *gerecht* verteilt. Für einige wäre die Umverteilung Verlust ihres Wohlstands, für viele würde es der Weg aus Not und Elend sein.
Rufe ich hier jetzt die Revolution aus?
Nein.
In der Zwischenzeit ist es mir klar geworden, dass jeder von uns sein Sein verteidigt. Ich auch. Ich lebe ja auch in einem relativen Wohlstand, der für sehr viele Menschen auf diesem Planeten das Paradise wäre. Das ist mir bewusst. Und deswegen gebe ich einen Teil dieses Wohlstandes ab, manchmal mehr, manchmal weniger, manchmal Geld, manchmal Zeit, manchmal Sachgegenstände, Geschichten, Bilder. Was gerade verfügbar ist und nicht mehr unbedingt benötigt wird. Aber nie mehr als ich mir wirklich leisten kann.
Andere geben mehr: Mehr Geld, mehr Zeit mehr Herzblut. Manche weniger. Manche gar nichts.
Verurteile ich sie? Nein, nicht mehr. Jeder lebt sein Leben, jeder ist für sich selbst verantwortlich.
Auch sollte man sich nie mit anderen vergleichen. Jeder geht seinen Weg.
Manche vergessen bei allem auf sich selbst zu achten und brennen zu schnell aus, brauchen dann selbst Hilfe. Andere verhärten und sagen:*Ich war immer nett, aber bekam ich es gedankt? Nein! Jetzt bin ich eben auch Arschloch!*, auch das kann ich verstehen, nachvollziehen. Verurteile ich es?
Ja manchmal. Es schreckt mich. War ich doch auch schon an diesem Punkt. Wenn man diesen Weg weitergeht erwartet einen Verbitterung und Neid.
Ich mag kein Richter sein. Und doch richte ich manchmal und dann schäme ich wegen meinem Snobismus.
Jeder wie er kann, jeder wie er will. Meine Veränderung kam auch nicht durch Vorhaltungen zustande. Menschen kreuzten meinen weg, die einfach etwas vorlebten, das mich beeindruckte. In allen Lebensbereichen. Und als es mir schlecht ging und ich fast die Hoffnung verloren hatte, ausgebrannt und schmerzerfüllt, an Körper und Seele verletzt, wurde mir immer wieder eine Hand geboten, ein Moment des Zuhörens, aber auch des Ermahnens und der Aufforderungen.
Die Wahl lag bei mir.
Nur bei mir.
Es war meine Entscheidung.
Seitdem mache ich nicht mehr die anderen für mein Verhalten und mein Tun verantwortlich.
Wir haben immer die Wahl.
Auch jetzt.
Es ist unsere Entscheidung dem Elend zuzusehen oder das, was wir tun können um es zu ändern, zu tun. Ob für Mensch oder Tier.

Think about it.

Sonntag, 20. September 2015

Sonntagsgedanken 39/2015, Deutsche Leitkultur

Was ist Kultur?
Wir sprechen von Essenskultur, Trinkkultur, Leitkultur.
Im Moment sorgen sich einige seltsame Gestalten um die deutsche Kultur.
Bitte was ist die *deutsche Kultur*? Ein Schnitzel an einem Eichentisch mit einem Bier zu sich zu nehmen?

Wir Deutsche stehen für vieles:
Das Land der Dichter und Denker.
Unglaublich schöne Musik.
Aber wenn wir uns umsehen, dann ist das … ja was ist es? Die Leistung eines Volkes oder einzelner, genialer Menschen?
Ist Kultur unveränderlich, oder immer im Wandel?
Wir nutzen arabische Zahlen, wir trinken Kaffee, essen Kartoffeln und Schokolade, Popcorn….
UNSERE deutsche Kultur bediente und bedient sich immer aus anderen Kulturen. Es ist ein Wechselspiel. Ein Austausch. Kulturen wandeln sich, die Kultur wandelt sich.
Kultur umfasst so vieles: Wie kann ich auf eine *deutsche Leitkultur* stolz sein, wenn ich sie nicht lebe. Und um das geht es bei den *besorgten „teutschen“ Bürgern*, die die abendländische Kultur in Gefahr sehen, ihre eigene Identität…. Und dann sieht man sie, die Parolen rufen, unfreundlich und fremdenfeindlich sind. Lügenpresse brüllend versuchen Berichterstattern die Kameras aus den Händen zu reißen. Das Gesicht des hässlichen Deutschen.
Deutsche Kultur?
Ja, „wir“ sind ein emsiges Völkchen. Ingenieure perfektionieren alles was technisch machbar ist.
Egal um was es geht – es wird perfektioniert:
Ob es um Waffen geht, um die Optimierung der Massentierhaltung geht, um Effizienz beim *Nutzen* der Arbeitskraft…. alles wird optimiert, bis zum geht nicht mehr. Eines der traurigsten Beispiele davon war die Optimierung des geplanten Massenmordes im dritten Reich.
Deutsche Kultur?
Was ist Kultur? Ist das was Feststehendes, in Stein gemeißelt, unveränderlich?
Ich bin internationalisiert:
In meiner Sprache verwende ich eingedeutschte Worte die aus dem lateinischen, französischen, englischen und italienischen Sprachen entnommen sind. Ich nutze arabische Ziffern, das Papier wurde wo erfunden? Woher kommen unsere Feiertagsriten? Unsere Sprichwörter, unsere Redewendungen? Woher kommen unsere Waschkultur, unsere Stoffe – Seide, Baumwolle?

Was ist die deutsche Kultur? Wagner, Sauerkraut, Bier, Schnitzel und Lederhose? Goethe, Schiller, Brahms? Bestimmt nicht.
Kultur wandelt sich durch Bereicherung. Schließt sie sich ab, mauert sie sich ein, verdirbt und verarmt sie.

Deutsche Kultur?

Die, die ihren Untergang beschwören sind oft noch nicht einmal der deutschen Sprache wirklich mächtig, jedenfalls nicht deren Rechtschreibung und Grammatik. Was ich nicht weiter nicht schlimm finde. Kein Mensch ist perfekt.
Was ich ihnen aber übel nehme, dass sie ihren Kleingeist als Kulturschutz verkaufen, ihre Ängste nicht sauber artikulieren und verallgemeinern was das Zeugs hält, unbedarft Fahnen schwenken und ihr Gartenzwergidyll mit Sprechchören verteidigen, die weder den Kern des Pudels treffen noch wirklich etwas mit Kulturverteidigung zu tun hat.

Um etwas zu verstehen muss man es kennen lernen. Um etwas kennen zu lernen muss man sich erst einmal darauf einlassen.

Think about it.

Sonntag, 13. September 2015

Sonntagsgedanken - 38/2005

Was würdest du mitnehmen, wenn du flüchten müsstest?
Wie bitte?
Was ich mitnehmen würde?
Im ersten Moment bin ich berblüfft über die Frage, dann überfordert.
Dies Frage beschäftigt mich seit Tagen.
Was ich alles zurück lassen müsste, um ins Ungewisse zu gehen.
Was würde ich mit meinen beiden, neben mir friedlich dösende, Katern machen?
Was?
Allein der Gedanke, sie vielleicht zurücklassen zu müssen bricht mir schier das Herz.
Hätte ich Zeit, Freunde und Familie zu ereichen , um gemeinsam in das Ungewisse zu gehen, oder müsste ich Hals über Kopf um mein Leben laufen?
Reisepass, Smartphone und Ladegerät, Geld...
und dann? Dann?

Was würdest du mitnehmen, wenn du flüchten müsstest?
Ich weiß es - ehrlich gesagt - immer noch nicht genau.

Und du?

Sonntag, 6. September 2015

Sonntagsgedanken - Umbruch - 37/2015

Immer wieder Sonntags… ausschlafen (soweit es mit zwei hungrigen Stubentigern, deren Essensuhr auf 5 Uhr morgens geeicht ist, möglich ist), frühstücken (Kaffee und meine Pillen, die ich täglich einwerfen mus – aber leider sind sie nicht rosa), in den Morgen bummeln und den Gedanken freien Lauf lassen. Das letztere mache ich eigentlich jeden Tag, nein, bis auf das in den Morgen hineinbummeln mache ich das Alles jeden Tag. 
Selbst das in den Morgen hineinbummeln gelingt mir unter der Woche – ich trabe zur U-Bahnstation und erwische mich dann immer dabei, wie ich manche meiner Mitfahrer mit Zombies vergleiche, so mürrisch, müde und scheintot sehen manche aus. Ich höre Musik, beobachte, durch die verdreckten Fenster, wie die Stadt und die umliegende Natur erwacht, stricke an der Babydecke für Lilly und Andreas und hänge meinen Gedanken nach.

Im Prinzip denke ich in Schreibform. Ich weiß nicht, wie ich es anders formulieren soll. Ich formuliere im Kopf meine Gedanken aus, als würde ich sie zu Papier, bzw. auf den Bildschirm und in den PC bringen wollen. Also wenn ich bewusst denke. Dieses Thema finde ich spannend. Wie denken andere? Wenn ich Musik höre, laufen in meinem Kopf Videos. Je nachdem, was es für Musik ist, sind es *Spielfilme*, *Naturbilder*, Farbenspiele*.
Und dann habe ich mein Social Network immer dabei. Während ich zuhause, bevor ich in den Tag starte und das Haus verlasse, checke ich noch die Nachrichten. Das MoMa von ARD/ZDF laufen die erste halbe Stunde. Ich will wissen, was gerade aktuell passiert. Und dann setze ich es in der Bahn fort.
Ud ich fotografiere unentwegt. Wenn mir gute Bilder gelingen poste ich sie über Instagramm, manchmal sind es so viele Bilder, dass ich sie direkt in ein Album auf Facebook setze. Manche Bilder überlasse ich den Stadtisten, deren Mitglied ich bin. Vom Österreichischen Platz in Stuttgart bis Vaihingen sind es vielleicht 17 Minuten, durch das wunderschöne Stuttgart Süd, dann das angestaubte, mürrische Kaltental, mit seinen versteckten und verschreckten Schönheiten. In Vaihingen mache ich einen Abstecher beim Kiosk, die haben die leckeren Laugenbrötchen des Rohrers Bäckers Bausch. Anschließend hechte ich über die Straße und entere mit einem fröhlichen *Guten Morgen!“ den 81er Bus nach Rohr. Ich freue mich jeden Morgen darauf die letzte Teilstrecke durch den Park zu laufen. Entenfutter im Gepäck, werde ich schon erwartet, von den Rallen, den schwarzen Enten, deren Gefieder je nach Licht violett oder moosgrün-metallisch glänzt, die normalen Enten schnattern auch schon, nur die Karpfen ruhen noch am Grund. Jeden zweiten Tag füttere ich sie und die kleinen, vorwitzigen Rallen sind immer die ersten, die mich erspähen und zu mir eilen. Ich muss nicht rufen. Nur still stehen bleiben und sie kommen. Die letzte Teilstrecke geht steil den Berg hoch und der Arbeitstag empfängt mich.

Vielleicht fragt ihr euch  warum ich das gerade schreibe. Das kann ich euch genau sagen. Ich bin manchmal überwältigt vom Glück dieser Normalität und flüchte mich auch in sie. Denn das Grauen flutet manchmal aus dem Display meines Smartphones, springt mich ohne Vorwarnung an, mit einem Bild, einem Video, einer Nachricht.
Auch so vergangene Woche, als das Bild des kleinen, ertrunkenen Jungen auf dem Display auftauchte und ich weinend in der U-Bahn saß. Mit ihm drängte sich all die Kinder in Syrien in meine Gedanken, die seit Jahren keine normale Kindheit haben, deren Leben und dass ihrer Eltern, aller Syierer, nur noch von einem bestimmt werden: Angst um das nackte Leben. Die all ihren verbliebenden Mut und das wenige was sie tragen können, zusammenraffen um sich auf einen ungewissen Weg zumachen an dessen Ende das verheißene Land steht: Germany.
Mein Heimatland ist zum Ziel, zum Zeichen der Hoffnung für ein Volk geworden. Millionen sind aufgebrochen und ziehen gegen Norden, aller Umstände und Widrigkeiten zum Trotz. Manche versuchen es über das Mittelmeer, andere über den Landweg. Sie sind Schleppern und gnadenlosen Politikern (wenn ich an Ungarn denke schäume ich vor Wut) ausgeliefert.
In Ungarn sind jetzt einige Tausende einfach zu Fuß weitermarschiert um nicht interniert zu werden. Das Bild von Menschen in Käfigen, wie in einem Tierheimen, geistern durchs Netz.
Das Grauen immer dabei. Live immer dabei per Smartphone – ich. Aufgerüttelt aus meiner morgendlichen Idylle.

Und doch gibt es Zeichen der Hoffnung: Österreicher tankten einfach ihre Autos voll, fuhren und fahren nach Ungarn und transportieren Menschen zurück nach Österreich, von wo diese Menschen zu uns kommen können. In München begrüßen Bürger die Ankommenden mit Beifall, etwas zu essen, Süßigkeiten und Kuscheltier für die Kinder.
In Stuttgart war die die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, als die Nebenräume der Schleyer-Halle umfunktioniert wurden, so groß, dass die Verantwortlichen bald nicht mehr wussten, wo ihnen der Kopf steht. Und das sind nur zwei Beispiele von vielen.

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Hier in Deutschland. Dieses Land erfährt gerade eine Revolution der anderen Art. Trotz vieler fremdenfeindlicher Übergriffe, terroristischer Brandanschläge auf Flüchtlingsheimen, Freital und Pegida – die *schweigende Masse* demonstriert auf eine andere Art: sie hilft. Spendet Geld, Sachen und Zeit. Man übersieht sie gerne, kann sie kaum hören, denn das Gebrüll der Freitaler Nazis, getarnt als besorgte Bürger, deren Hass und Neid so laut durch das Land hallt, übertönt so leicht das andere Deutschland.
Aber es werden mehr. Die meisten demonstrieren nicht auf der Straße. Sie gehen zu den Flüchtlingen, nehmen sich Zeit, lehren, trösten, lächeln, spielen mit den Kindern.

Es wird viel geschrieben über dieses Thema. Und ich bin kein Traumtänzer. Es gibt Probleme, es wird nicht einfach. Aber wir werden es schaffen. Wir müssen es schaffen. Wir müssen verhindern, dass  das Morden in Syrien und nicht nur dort, es den Menschen unmöglich macht dort zu bleiben. Und denen die geflohen sind müssen wir helfen. Und auch denen, die dies nicht konnten.
Denn sie sind wie wir: Menschen.

Sonntag, 30. August 2015

Sonntagsgedanken - die Seele baumeln lassen 36/2015

Die Anker in meinem Leben sind meine Freunde, meine zwei Kater und der wiedergefundene Glaube daran, dass alle gut werden kann. Ich glaube nicht daran, dass alles von alleine gut wird. Es muss etwas dafür getan werden. Jeder für sich alleine reicht aber auch nicht. Wir müssen füreinander etwas tun.
Manchmal reichen kleine Gesten, ein Lächeln, ein Zuhörer, ein Gespräch.
Manchmal muss es etwas mehr sein. Mit materieller und psychologischer Unterstützung.
Manchmal reicht es im Freundeskreis, manchmal braucht es Unterstützung von oben, außen. Manchmal länderübergreifend.
Was für Glück ich hatte, erfahre ich momentan fast täglich, wenn ich mitbekomme was für Schwierigkeiten Freunde und Bekannte mit ihren Krankenkassen, mit der Rentenversicherung und anderen Dingen haben.
Der erste Schritt raus aus der Misere ist darüber zu sprechen.
Mit wem auch immer.
Wenn das nicht reicht: Hilfe anfordern. Auch hier die Schritte:
Familie, Freunde, Ärzte, staatliche Stellen.
Man sagt: In der Not zeigt sich wer deine wahren Freunde sind. Ja kann sein. Aber wer vor der Not sich nicht um seine Freunde gekümmert hat muss sich nicht wundern, wenn er dann alleine da steht. Die meisten guten Freundschaften haben sich bei mir erst in der Zeit der Not gebildet. Nicht weil mir Menschen helfend unter die Arme griffen. Sondern weil sie mich da kennenlernten und mich so akzeptierten wie ich war/bin.
Wer mich akzeptiert wie ich bin,  dem begegne ich mit dem gleichen Respekt. Natürlich gehören noch andere Dinge dazu, aber das ist die Grundvoraussetzung wäre damit vorhanden.
Wenn vor drei Jahren noch jede zusätzliche Begegnung Stress war, ich kaum angekommen war, ich schon wieder weg wollte, weil ich alles außerhalb meiner eigenen vier Wänden als Belastung empfand. Ich mich schlaflos nach Schlaf sehnte und ihn nicht fand. Ich sehnte mich nach *Zusammensein* und ertrug dieses nicht, sehnte mich dann sofort wieder nach dem Alleinsein. Ich war nur zufrieden, wenn ich in Bewegung war, auf Reisen, auf dem Weg. Rastlos, ohne Ruhe, raste ich durch meine Lebenszeit und verpasste das Leben.

Wie unglücklich ich war, erkannten nur wenige. Und es suchte keiner meine Nähe, denn ich strahlte eine Rastlosigkeit aus, die jeden schreckte.
Mein Körper und auch meine Psyche zogen die Reißleine und zwangen mein Herz zur Ruhe. Das wollte aber nicht. Was man jahrelang aushält, erträgt, auf sich nimmt, obwohl man Angst hat, Zorn und Wut in sich trägt, aber alles verbirgt oder leugnet, bricht sich irgendwann die Bahn, wie ein Fluss bei einem Hochwasser. Was nicht fest verankert ist wird hinweggerissen, und wenn man zu lange gewartet hat, wird man selbst, dass eigenen Ich, hinweggespült.



Gestern besuchte ich Freunde. Gurkte mit Nahverkehrszügen und Schienenersatzverkehr übers Land, in überhitzten Zügen oder eisgekühlten Abteilen, nicht genau wissend wo und wann ich wie weiter kommen würde. Der Lohn war ein entspannter Nachmittag mit Freunden, Kindern und Katzen, einem herrlichen alten Kirschbaum im Garten, der vor uns aufragte. Und einen der schönsten Sonnenuntergänge dieses Jahres und dieses Jahr schenkte uns schon viele schöne Sonnenuntergänge.

Ich bin im Jetzt angekommen. Die Sorgen und Nöte, die unterdrückten Gefühle und die Angst der letzten Jahre sind vergangen, die Schmerzen – sowohl die körperlichen als auch die der Seele, existieren nur noch als leises Echo, kaum wahrnehmbar.
Unausgesprochene Konflikte sind geklärt. Und was morgen ist werde ich sehen, wenn es so weit ist.
Ich gebe es zurück, an die die es brauchen. Und ich tue es gerne.
Und ich lächle die junge Frau mit dem farbenfrohen Kopftuch an, die so verloren in der U-Bahn steht, wasche die Wäsche der Mutter eines Freundes, gebe betroffenen Freunden Tipps für den Umgang mit der Rentenversicherung oder einfache Auskünfte was man tun muss, wenn man mit dem Alltag nicht mehr zurechtkommt und sich ein Abgrund vor einem auftut.


Wenn es aber dann Zeit ist die Seele baumeln zu lassen mit Freunden, dann streckt sich meine Seele in der angebotenen Hängematte aus, schaukelt in den Tag hinein. Denn das ist ein weiterer Anker in meinem jetzigen Leben:
Ruhepausen. Voller Ruhe und Frieden. Und dies dann auch genießen. 


Sonntag, 23. August 2015

Sonntagsgedanken - 34/2025- HELFT!


Die letzten Sonntage, den letzten ließ ich sogar ganz unter den Tisch fallen, hat das Bloggen nicht wirklich Spaß gemacht. Die Angriffe auf den Blogger Heinrich Schmitz, das hochkochen der rechten Brut, die Hetze und Häme in den sozialen Netzwerke von den Rechten war einfach nicht mehr zu ertragen.

Deswegen heute etwas Positives und nur weniges Negatives.
Meine Helden:

Klaus S.:
Ein Facebook  Buddie von mir ist mit der Seenotrettung im Mittelmeer unterwegs. Klaus hat auf dem Schiff der Sea-watch.org angeheuert. Ich kenne ihn aus der Kein S21 Bewegung und neige mein Haupt. Danke

Patricia S. und Karin B.:
Meine beiden MitstadtistInnen haben sich früh für die Flüchtlingshilfe vor Ort engagiert und haben in der Zwischenzeit die Internetseite *Refugees welcome to Stuttgart* gegründet. Sie haben Mitstreiter gewonnen, die nichts mit Politik am Hut haben, und sind unermüdlich am Organisieren, Kontakte vermitteln.
Danke.

Viele andere aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis tun ihres dazu, dass die Welt menschlich bleibt, sie stehen im Netz und im Real live den Hetzern und Hater entgegen, nehmen es ernst und die Hand.
Danke.

Das ein Stuttgarter Stadtrat meinte unangemeldet sich Zugang zu einem Heim für traumatisierte Flüchtlingskinder und Jugendliche verschaffen zu müssen, mit der Begründung er sei ja Stadtrat ist eine der unschöneren Geschichten. Was sein Besuch gebracht hat? Nichts. Die Missstände die *aufgedeckt* hat waren schon bekannt. Abhilfe zu schaffen ist zurzeit nicht so einfach: es fehlt an allem, vor allem an geeigneten Wohnraum.
Hätte er den vermittelt, hätte ich seine *Besorgnis* ernst genommen. So sortiere ich diesen Vorfall unter einem weiteren Versuch der Eigenwerbung, bei einer gewissen Klientel, ein. Bei denen kommt die Aktion ja auch sicher gut an.

Wer helfen will kann es an vielen Stellen.
In Stuttgart könnt ihr euch an die Freundeskreise wenden oder aber einfach auf die Facebookseite der Refugees gehen.: https://www.facebook.com/refugees.welcome.to.stuttgart?fref=ts

Wer die tapferen Seefahrer unterstützen möchte:
Sea Watch Org.

Und noch etwas:
schreibt!
Schreibt an eure Abgeordneten, an eure Landräte, Bundestagsabgeordneten, an die Kanzlerin. Sagt, dass ihr nicht einverstanden seid mit Meinungsmache und unterlassener Hilfeleistungen.
Lasst nicht länger zu, dass die schreilustige rechte Minderheit so tut als sei sie des Volkes Stimme.

Danke.

Sonntag, 9. August 2015

Rückzug? - Sonntagsgedanken 32/2015

   Es ist schwül. Es ist heiß. Es ist Sommer.
Nicht nur die Luft kocht. Auch die Volksseele.
Wie oft hatte ich dieses Thema schon? Unzählige Male und viel zu oft. Weil es notwendig ist. Auch wenn das Bloggen über dieses Thema nun wirklich keinen Spaß macht.
Zu viele fremdenfeindliche *Volks*deutsche, zu viele rassistische Menschen, zu viele Rechtsradikale.
Sie als Dumpfbacken hinzustellen ist falsch.
Sie zu verharmlosen ist gefährlich.
Sie sind unter uns. Sie sind unsere Nachbarn, Kollegen, wir sind mit ihnen befreundet und wissen teilweise nicht wie sie ticken.
Irgendwann outen sie sich und dann ist man meistens im ersten Moment überfordert, möchte ihnen am Liebsten….
Aber mit Beleidigungen darauf zu reagieren ist nicht sinnvoll.
Also diskutiert man, stellt Fragen, stellt in Frage, stellt die Rechtslage.
Man trifft in den sogenannten Social Medias Gleichgesinnt, man lernt sich ein klein wenig kennen und schätzen.
Man trifft auch die anderen. Die Haters. Die mit Beleidigungen und Geschichten vom Hörensagen reagieren. Die die einem alles absprechen was in einer Diskussion von Nöten ist und die selbst nichts liefern – außer Ängsten, Vorurteilen und ganz viel Hass.
Nicht jeder der Angst hat, dass wir das Problem mit den Flüchtlingen in Griff bekommen ist automatisch ein Nazi, ein schlechter Mensch. Nein. Bestimmt nicht.
Die Grenze ist fließend. Und wer sich aber der Flut entgegenstellt lernt deren Mobilität und Wucht kennen. Aus dieser Masse heraus agieren einzelne gezielt, kalkuliert und kaltblütig.
Ich rede nicht von den Schlägern. Sondern von den Agitatoren.
Sie zielen auf das was uns am Liebsten ist – unsere Freunde, unsere Familien.
Eine Tages stolperte ich im Netz über Heinrich Schmitz. Ein gestandener Mann, Rechtsanwalt, schreib- und redegewandt, mit Wortwitz, Herz und ein – Faschingfan.
Kölner? Düsseldorfer? Keine Ahnung, aber ich mag seine Art. Und seinen Kampfgeist. Seinen Mut sich den Hetzern entgegen zu stellen, den wunden Punkt zu finden und gekonnt den Finger darauf zu legen. Und das Ganze mit einem bissigen Humor der seiner Intelligenz in nichts nachsteht.
Und dann kam der Anruf. Der Polizei bei seiner Tochter, er hätte ihre Mutter, seine Ehefrau ermordet und das der Polizei gemeldet. Auch rief die Polizei bei seiner Frau an.
Dass er und seine Familie fassungslos waren kann sich ja wohl jeder denken.
Die Gegenangriffe hatten ein Maß erreicht, die das Erträgliche in jedem Rahmen sprengten.
Heinrich ist kein Typ der sich leicht einschüchtern lässt. Ich habe s oft miterlebt, wie gekonnt er darauf reagierte.
Wahrscheinlich versucht einer oder eine Gruppe, die schon den Petitionsersteller *Heime ohne Hass* einschüchterte eben diese Petition zu stoppen. Heinrichs Einsatz für diese Petition scheint dann die Täter auf die Spur gelockt zu haben.
Heinrich reagierte auf die einzig logische Weise – er zog sich zurück. Seine Begründung könnt ihr hier lesen:
Heime ohne Hass:
Ist dies eine Niederlage? Wäre es wohl gewesen, wenn er sich wortlos geduckt hätte. Tat er aber nicht. Er trat ins Licht und erklärte öffentlich warum, und das die Petition und die Idee dahinter nicht sterben dürfe.
Und sein Anliegen wurde erhört – eine Sympathiewelle brandete auf und die Petition wird geteilt, beworben.
Für ihn treten andere in die erste Reihe.
Zusammen sind wir stark, auch wenn man einzelne Steine aus unserer Mauer herausbricht. Die fangen wir auf und lassen sie nicht alleine.


Keinen Zentimeter dem rechten Terror und Gewalt!

Freitag, 7. August 2015

Fleisch!



Gott schuf die Erde am 12. Tag – sagen die Christen. Ähm. Am siebten Tag. ‚Am zwölften Tag‘ ist der Titel des Spiegelbestellers von Wolfgang Schorlau, der hat seinen Antihelden Dengler wieder ins Rennen geschickt, diesmal samt Sohnemann und Exfrau. Seiner Freundin und Exkollegen.

Ich lese momentan nicht viel bzw. nur Fachbücher. Die Prüfung nächstes Jahr im Januar macht mich schon ein klein wenig nervös, aber diesen Thriller hatte ich in zwei Tagen durch. Eines Abends angefangen signalisierte mir nach drei Stunden das Augenbrennen – Fehler. Ab ins Bett! Aber da lag ich doch schon, die Augen an die Seiten geheftet – ja ich lese noch Papierbücher, ich liebe den Geruch (wenn meine dauerverstopfte Nase mal frei macht) und das Gefühl unter den Fingern.
Irgendwann gab ich auf. Auber kaum klingelte der Wecker und war der erste Kaffee fertig steckte ich meine Nase wieder zwischen die Seiten. Nach dem Unterricht ging es weiter. Diesmal die halbe Nacht.
Der Roman hat mich seltsam persönlich berührt. Wie einige wissen versuche ich seit Jahren vegan zu leben. meist gelingt es. Mal mehr Mal weniger. Dabei ist es gar nicht schwer, wenn ma selbst koch und tsich selbst versorgt. Internat habe ich angefangen zu *sündigen*, hier einmal Butter, da etwas Käse und so führte das eine zum anderen.
Warum ich jetzt damit anfange?
Nun in diesem Buch geht es um den Grund, warum viele Deutsche vegan, zumindest Vegetarier werden -und warum auch ich es wurde.

Die Machenschaften der Fleischindustrie. Einer der Darsteller – Laura – ist eine junge Frau, die den Weg des Veganismus beschritten hat und andere bekehrt hat. 
Obwohl sie Fleisch mag. Steak, Schmorbraten, Rouladen.
Sie lernt Denglers Sohn kennen und *bekehrt* ihn und andere. Und sie werden aktiv. Sie sind „Ermittler“ in Sachen „Fleischproduktion“. Und das dies nicht ohne ist erfahren sie bald am eigenen Leib.

Das nicht nur mich das Buch nicht mehr losließ erfuhr ich durch Zufall – mein Umsatzsteuerdozent (ein Finanzbeamter durch und durch) erwähnte es, dass ihm Pute essen nach der Lektüre vergangen sei. Da lag das Buch noch unberührt auf meinem Nachttisch. Aber eben nur bis zu diesem Tag.
Walter Schorlau schafft es uneitel, geradlinige verschiedene Erzählstränge – spannend – parallel bis kurz zum Schluss parallel laufen zu lassen, man hechtet auf den letzten Seiten den Worten hinterher, möchte die Geschichte überholen und die Spannung würde einen an den Nägeln kauen lassen, wenn man nicht die Buchseiten umblättern müsste.

Es geht *nur* um Tiere? weitgefehlt. Ein wichtiger Aspekt ist die Ausbeutung der Menschen, die in so einem System arbeiten. Nein, nicht die deutschen Metzgermeister. Die Billiglohnarbeiter. Die die in keiner Statistik des Arbeitsmarktes auftauchen. Die Menschen *zweiter Wahl/Klasse*. Die, die jeden Job für wenig oder gar kein Geld machen, weil die Not sie zwingt.
Die, gegen die gerade so viel gehetzt wird.
Die Ausländer, vor allem die Rumänen.

Fakten und Fiktion mischt der Autor zu einem Erzählstrang, der einen immer weiter in die Geschichte zieht, bis man alles um sich vergisst.
Geldgier, Korruption, persönlicher Einsatz, Idealismus, Kaltschnäuzigkeit, Mitgefühl – das alles wirbelt zusammen und bleibt doch so klar. Es graust einen, da trotz der ganzen Fiktion doch so viel Wahrheit und bekannte Fakten einen von den Seiten förmlich anspringen. und rufen "Jetzt tu' nicht so, als hättest du keine Ahnung gehabt!'.





Absolute Buchempfehlung
Wolfang Schorlau
Am zwölften Tag (Denglers siebter Fall)
erschienen im Kiwi Verlag
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€9.99

Sonntag, 2. August 2015

Sonntagsgedanken - 31/2015 Das Netz


Im Moment scheint es ja in Deutschland mal wieder so weit zu sein.
Nazis, Neonazis und Möchtegernpatrioten werden frech und machen vor Polizisten den Hitlergruß und gegen alles, was ihrem Weltbild nicht passt, mobil. In Jeder Abstufung der Gewalt. Vom gesprochenen, geschriebenen Wort, von Pöbeleien über Handgreiflichkeiten zu handfesten Gewalttaten und Schüssen, Drohungen, Brandanschlägen auf unbewohnte und bewohnte Häuser und Wohnungen.

Dann schreitet die Staatsanwaltschaft ein. Aber gegen die Nazis? Nö. Man geht gegen ein Presseorgan vor, wegen dem *Verdacht auf Landesverrat*. Die kleine Denkfabrik der Blogger Netzpolitik.org – sie ist in die Schusslinie des Bundesanwalts geraten:
Bei der gesamten Abhörgeschichte mit Mutti Merkel & co hat er keinen Handlungsbedarf gesehen, aber hier will er – oder wollt er hart durchgreifen. Nun ja, ist ja auch nicht so ein mächtiger Gegner wie der Spiegel, an dem hatte sich ja schon der CSUler Strauß die Zähne ausgebissen.
Nach dem Sturm der Entrüstung im Netz hat sich auch der Generalbundesanwalt – nun, sagen wir mal, etwas kleinlaut, zurückgezogen.

Also nicht das ihr denkt, dass da ein Zusammenhang besteht – also zwischen Nazis, Generalbundesanwalt, versuchte Einschüchterung der Presse, auch wenn es *nur* gegen Blogger geht, und das runterspielen der Abhöraktionen durch die NSA. Nein, nein, nein.
Es wird nicht versucht, die Bürgerechte einzuschränken, nein, man ist nicht auf dem rechten Auge blind, nein, die NSA hat nie, aber nein…...

Womit wir beim eigentlichen Thema wären – das Netz.
Das Netz ist kein rechtsfreier Raum. Egal für wen. Auch nicht für mich. Man sollte sich genau überlegen was man bei wem und wo äußert. Mal davon abgesehen, dass das ja nur der sichtbare Teil des eigenen Charakters ist.
Als ein Azubi von einem großen Automobilbauer in einem Social Network Flammenwerfer statt Wasserspiele für fröhliche Flüchtlingskinder forderte gab es Leute dich sich nicht nur darüber aufregten, sondern handelten. Sie machten Screenshots und schickten diese zu Porsche. Das Unternehmen handelte und entließ den jungen Mann.
Porsche stand dann in der Kritik: Wie könne man, der verdiene eine zweite Chance... etc.
Kleine Frage: wo sind diese Leute bei den ganzen Hasspostings gegen andere Menschen.
Der Azubi ist in der Zwischenzeit kein Einzelfall mehr. Unternehmen wehren sich gegen solche Mitarbeiter.
Die verlieren ihren Job.
Wer ist daran schuld? Die Unternehmen, die Flüchtlinge? Nein, nur der, der den Hass verbreitet.

Auch hatte ich ihm Bekanntenkreis mitbekommen, wie jemand den Holocaust leugnete –bzw. *wissenschaftlich gesehen die Fakten* anzweifelte. Diese Person tat das öffentlich. Nun, jemand zeigte ihn an und das Verfahren läuft. Nein, der jemand war nicht ich, was ich zu meiner Schande gestehen muss.
Es gab den Holocaust. Und wer versucht ihn zu relativieren, zu leugnen oder *wissenschaftlich gesehen ihn anzweifelt* macht sich nach deutschen Recht strafbar. Zu Recht. An sechs Millionen getöteter Juden und an dem Mord an politischen Häftlingen, geistig und körperlich behinderter Menschen, Massenmord an Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern aus anderen Ländern gibt es nichts zu relativieren.
Man muss die Vergangenheit nicht *anzweifeln*, um sich nicht schuldig zu sehen.
Aber man sollte sie anerkennen, damit sich ähnliches nicht wiederholt.

Freital. Freital ist nur die Spitze des Eisberges und nach und nach wird klar: im Osten der Republik läuft einiger schief. Im Westen auch. Das Problem im Osten ist das *Wegsehen* der öffentlichen Dienstes, bzw. das zeitverzögerte Handeln. Zumindest sieht es so aus. Es hat den Anschein, dass es so ist. (Rum-Geeiere, damit mi keiner eine Verleumdungsklage an den Hals hängen kann.)
Freital ist überall und ich habe gestern gerade den Satz gelesen, dass die Brandsätze aus der Mitte geworfen werden.
Oh ja. Die geistigen Brandstifter tragen Krawatte und Anzug und nennen sich christlich-sozial, oder christlich-demokratisch. Ob sie das sind, sozial, christlich und demokratisch darf gerne angezweifelt werden.
Dagegen ziehen andere Menschen ins Feld. Überrascht war ich, dass Till Schweiger, der deutsche Vorzeige Machomann, sehr deutliche Worte für die Hetzer gefunden hat. Daumen hoch Till, auch wenn ich ihn als Schauspieler furchtbar finde. 

Hier ein paar Fakten, damit ihr euch selbst orientieren könnt:
https://netzpolitik.org/2015/podcast-zum-landesverrat/

Die Rechtslage


§ 94  STGB Landesverrat
(1) Wer ein Staatsgeheimnis
1. einer fremden Macht oder einem ihrer Mittelsmänner mitteilt oder
2. sonst an einen Unbefugten gelangen lässt oder öffentlich bekanntmacht, um die Bundesrepublik Deutschland zu benachteiligen oder eine fremde Macht zu begünstigen,
und dadurch die Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.
(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe lebenslange Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter
1. eine verantwortliche Stellung missbraucht, die ihn zur Wahrung von Staatsgeheimnissen besonders verpflichtet, oder
2. durch die Tat die Gefahr eines besonders schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland herbeiführt.
Ihre schlimme Tat liegt in der Veröffentlichung eines als „vertraulich“ eingestuften Haushaltsplans des Bundesamts für Verfassungsschutz, aus dem hervorgeht, dass dieser 2,75 Millionen Euro für die massenhafte Erfassung von Daten aus sozialen Netzwerken erhalten hat.
§ 130 Volksverhetzung
(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,
1.gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder
2.die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,
wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
1.eine Schrift (§ 11 Absatz 3) verbreitet oder der Öffentlichkeit zugänglich macht oder einer Person unter achtzehn Jahren eine Schrift (§ 11 Absatz 3) anbietet, überlässt oder zugänglich macht, die
a)zum Hass gegen eine in Absatz 1 Nummer 1 bezeichnete Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer in Absatz 1 Nummer 1 bezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung aufstachelt,
b) zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen in Buchstabe a genannte Personen oder Personenmehrheiten auffordert oder
c) die Menschenwürde von in Buchstabe a genannten Personen oder Personenmehrheiten dadurch angreift, dass diese beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,
2. einen in Nummer 1 Buchstabe a bis c bezeichneten Inhalt mittels Rundfunk oder Telemedien einer Person unter achtzehn Jahren oder der Öffentlichkeit zugänglich macht oder
3. eine Schrift (§ 11 Absatz 3) des in Nummer 1 Buchstabe a bis c bezeichneten Inhalts herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, bewirbt oder es unternimmt, diese Schrift ein- oder auszuführen, um sie oder aus ihr gewonnene Stücke im Sinne der Nummer 1 oder Nummer 2 zu verwenden oder einer anderen Person eine solche Verwendung zu ermöglichen.
(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.
(4) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stört, dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt.
(5) Absatz 2 Nummer 1 und 3 gilt auch für eine Schrift (§ 11 Absatz 3) des in den Absätzen 3 und 4 bezeichneten Inhalts. Nach Absatz 2 Nummer 2 wird auch bestraft, wer einen in den Absätzen 3 und 4 bezeichneten Inhalt mittels Rundfunk oder Telemedien einer Person unter achtzehn Jahren oder der Öffentlichkeit zugänglich macht.
(6) In den Fällen des Absatzes 2 Nummer 1 und 2, auch in Verbindung mit Absatz 5, ist der Versuch strafbar.
(7) In den Fällen des Absatzes 2, auch in Verbindung mit Absatz 5, und in den Fällen der Absätze 3 und 4 gilt § 86 Abs. 3 entsprechend.

Gesetze sind nicht uncool. Gesetze sind notwendig, um unser Zusammenleben zu regeln. Und unsere Gesetze sind gar nicht so schlecht.
Also haltet euch dran und notfalls handelt:
Anzeigen ist kein Petzen.
Es ist unser Staat. Helft mit ihn zu schützen.