Sonntag, 18. Januar 2015

Sonntagsgedanken 3/2015 - Normalität

Es ist noch dunkel vor dem Fenster. Ich weiß nicht wann es heute hell wird. Gestern hatten wir keinen Sonnenaufgang. Der Himmel war grau und hing tief. Grieseliger Nieselregen befeuchtete die Luft auf das unangenehmste. Eigentlich das perfekte Lernwetter. Nach draußen zog mich nichts. Und tatsächlich brachte ich die Willensstärke auf mich mit AWL (allgemeine Wirtschaftslehre) auseinanderzusetzen. Immerhin drei Stunden. Aber heute muss ich mich noch mal auf den Hosenboden setzen. Wir schreiben morgen eine Klausur. Montags. Wenn man uns das Wochenende versauen möchte, dann setzt man montags eine Klausur an. Unglücklich an der Sache: Wir hatten die Ausbilderin das letzte Mal Ende September. Etwas unglücklich, aber überlebbar.

Wenn ich jetzt schreiben würde, dass ich manche Kommentare unter den Veröffentlichungen von online-Zeitungen lese, dann weiß ich, dass es eine mehr als unglückliche Zeit ist, in der Neid, Angst und Vorurteile gegen die Humanität anbranden.
Für mich stellt sich nicht die Frage, ob es schon immer so war. Ich lebe im Jetzt und das Jetzt interessiert mich. Das Gestern ist „nur“ wichtig, um daraus zu lernen und Kausalitäten zu erkennen.
Es herrschen „Meinungen“, aber Meinungen sind selten mit Fakten unterlegt.
Wenn Menschen mit dem „Argument“: „Das ist nicht normal, das ist nicht natürlich“ ihre Meinung begründen wollen, mit Quellenangaben  wie: „Das habe ich aber so gehört! Das war schon immer so!“, um sich werfen, dann steige ich innerlich auf die Barrikaden und mein Blutdruck steigt trotz Betablocker in astronomische Höhen.
Auch die Reaktion auf eine passende Antwort ist oft interessant: „Du kannst andere Meinungen nicht stehen lassen!“. Ja, wenn ich wissenschaftliche Gründe habe, diese Meinung zu widerlegen, nun ja, dann halte ich nicht die Klappe.
Was ist denn schon normal? (Das *natürlich* spare ich dann mal aus, denn alles was geschieht ist *natürlich*, sonst würde es nicht geschehen.)

Normal ist das, was sich innerhalb unserer Normen abspielt. Aber wer legt diese Normen fest?
Das Umfeld in dem wir leben.
Dieses Umfeld wird gebildet aus Religion, Gesetze, Erfahrungen aus dem Zusammenleben und Ängsten vor dem Unbekannten.
Ein gutes Beispiel dafür ist die „Normalität“ der Lustknaben in der Antike. Heute wird dies als Verbrechen angesehen. Ich schreibe dies komplett ohne Wertung, denn wenn ich es nach meinem Befinden bewerten würde, wäre ich vollkommen in der Neuzeit.
Aber hier fängt das Problem unserer „Zivilisation“ an. Muss das, was nicht der Norm der Mehrheit entspricht abnorm sein, oder gar ein Verbrechen?
Bevor jetzt irgendwer auf die Idee kommt, dass ich Sexualstraftaten in irgendeiner Form verteidigen möchte: NEIN! AUF GAR KEINEN FALL!
Es folgt auch keine Aber. Was gegen den Willen eines Lebewesens geschieht ist in meinen Augen nicht akzeptabel.
Und hiermit bin ich bei einem der vielen Dilemmas in dem unsere, ach so zivilisierte Gesellschaft steckt: Der eine möchte überleben, riskiert es auf einem überfüllten, führerlosen Schiff, in den Tod zu schippern, landet vor einer Mauer und die Menschen dahinter rufen:
*Du bist nicht politisch verfolgt? Du flüchtest vor dem Hunger? Also bist du aus wirtschaftlichen Gründen geflüchtet? Dann musst du zurück!*
Frage: Ist es nicht egal, womit ich einen Menschen zum Tod verurteile? Durch einen Krieg, eine Hungersnot?
Ein anderes Beispiel. Homosexualität. Ist sie gegen die Norm? Oder widernatürlich? Wenn man sich ein klein wenig im Tierreich umsieht, dann geht es hier um: Lust.
Erst Religionen legten fest, dass Sexualität nur in  Verbindung mit – ähm – Nachwuchs verbunden sein sollte, muss.
Ist das so? Ist es tatsächlich die Norm, also normal, nur nach Geschlecht  lieben zu können?
wenn man diesen Gedanken weiterdenkt kommt man wieder zu den Moralvorstellungen, die durch Religionen geprägt sind. Und durch Meinungen. Aber Meinungen werden selten durch Fakten begründet.
Das Letztere sieht man sehr schön an der Phänomen PEGIDA. Gegen alle Fakten werden Ängste beschworen, die mir den Magen umdrehen.
Lösungen? Ihr fragt mich nach Lösungen.

Dazu habe ich nur zwei Dinge zu sagen:
1.       Toleranz und/oder Akzeptanz des Anderen, solange dieser meine/eure Lebensweise akzeptiert oder toleriert – in einem Umfeld in dem niemand zu Schaden kommt. Dies erreicht man durch Erziehung und Bildung.
2.       Keine Toleranz denen gegenüber die Intolerant sind und dies mit Gewalt und Terror durchsetzen wollen.

Think about it 

Kommentare:

  1. Das Schlimme an PEGIDA ist ja, dass ihnen die Islamisten Recht geben. Irgendwie pervers, wie die sich durch die Hintertür unterstützen.
    LG
    Sabienes

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