Mittwoch, 25. Februar 2015

Die alte Jungfer als Mörderfängerin

Als ich Kind war, gab es die Schwarzweißfilme mit Mrs. Rutherford. Ich gehöre wohl zu den wenigen, die diese Verfilmungen der Agatha Christie Romane und ihrer Heldin Miss Marple nicht mochten. Ich fand das Auftreten der ulkigen alten Frau als peinlich.
Wenn ich die Filme heute ansehe hat sich nicht viel an meinem Empfinden geändert.
Aber… 
extrem liebevoll gestaltet ist auch der Vorspann
Dank der BBC gab es neue Verfilmungen der Miss Marple Romane und ich liebe sie. Es ist als wären die Romanfiguren den Büchern der großen Krimiautorin entstiegen und würden unter uns wandeln. Detailverliebt und unglaublich authentisch – nun ja, so wie wir uns das England in den früher 50er Jahren wohl vorstellen.


Eine neugierige, alte Jungfer, die ihre Nase in Sachen steckt, die sie eigentlich nichts angehen und ihre Schlüsse zieht. Sie vergleicht, wägt ab und findet immer ziemlich treffsicher den Mörder. Aber wahrscheinlich findet sie mit der genau selben peniblen Art auch heraus wer mit wem in ihrem geliebten St. Marymead (richtig geschrieben?) was mit wem am Laufen hat, wer die Kollekte in der Kirche klaut und wer wem in den Vorgarten pinkelt.
Dabei gibt uns die Autorin einen fantastischen Einblick in die Untiefen des menschlichen Zusammenlebens, frei nach dem Motto: Egal wie idyllisch ein Dorf, ein Mörder kann hinter jeder Hecke stecken. Liebe, Neid, Gier - alles ist vertreten, aber auch Unschuld und Güte.


Wer auf altmodische Krimis steht, die eine leicht verstaubte Atmosphäre transportieren, aber nicht ohne Witz und Spannung sind, der ist bei Agatha Christie und ihrer Miss Marple gut aufgehoben. Wer dann auch noch das alte England mag – noch besser.
Die Geschichten sind nicht einfach gestrickt, sondern fein verwoben, fein gesponnen, ie ein Spinnennetz.
Wenn man, wie ich momentan, dann eine Erkältung im Bett auskurieren muss, der ist sogar ein klein wenig glücklich.

- love it -

Montag, 23. Februar 2015

Lieblingsstück - oder die Ehre des schwarzen Schafes


Schon als Kind merkte ich, dass ich anders als meine Geschwister bin. Allerdings hatte ich da noch den Niedlichkeitsfaktor des Nesthäckchens. Die meiste Zeit lebte ich in meiner eigenen Welt und der Rest interessierte mich nicht wirklich.
Als ich älter wurde stellte sich mehr und mehr heraus, dass ich nicht nur anders in der Familie war, sondern auch anders als die Mädchen in meinem Umfeld. Damals dachte ich: Vielleicht bin ich so etwas wie ein Kuckuckskind? Heute weiß ich: Durch eine Variable bin ich aus einem Paralleluniversum in dieses gelangt und mein Gegenstück befindet sich dort, wo ich eigentlich sein sollte. Die Arme!
Irgendwann arangiert man sich mit seiner Stellung in der Gesellschaft und - in meinem Fall war es so - freundet sich damit an und formiert es auch noch, erklärt es für sich selbst als ein Kunstwerk
Nun, ich muss dafür nichts tun, ich bin wie ich bin. 


Als ich die Chucks geschenkt bekam, dachte ich:

  1. hellblau?
  2. Schäfchen?
  3. määääääääääh 
Aber dann entdeckte ich dieses eine, kleine, schwarze Schaf und ich war hin und weg. Und auf eine Dark Denim sehen die Chucks echt gut aus. Und sie sind sehr liebevoll gestaltet. Eigentlich gibt es kein passenderes Geschenk für mich.



In der Zwischenzeit sind diese Cucks nicht mehr von meinen Füßen wegzudenken, Im wechsel mit den Schwarzen, die so verratzt sind, dass sie nur noch von den Schnürsenkeln zusammengehalten werden.
Oder die Bikerboots.
Oder die Specialedition Chucks aus England...
Oder die anderen Specialedition Chucks aus London....
Oder die Fellgefütterten (dafür musste nur ein Teddy sein Leben lassen).
Cucks are the love of my feets ...
.

In der Zwischenzeit haben auch Soleil und Grey ihr Fell an ihnen gerieben, so habe ich immer die beiden bei mir, wenn ich die Schuhe anhabe.
Chucks = the never ending lovestory of my life

Sonntag, 22. Februar 2015

Fasten oder nicht? Sonntagsgedanken 8/2015

Etwas müde und moralisch verkatert und mal wieder war der Sonntagmorgen grau. In der Zwischenzeit hat sich die Sonne durch den Morgennebel durchgekämpft.
Der Aschermittwoch liegt ein paar Tage zurück, für mich aus mehreren Gründen bedeutungslos:
weder feiere ich Fasching noch bedeutet mir dieses alte Brauchtum etwas, weder aus Tradition noch aus religiösen Gründen.
Allerdings hat die Fastenzeit nach dem Fasching etwas. Aus welchen Gründen Menschen fasten sind sehr unterschiedlich. Die religiösen oder traditionellen Gründe habe ich bereits angeführt. Aber es gibt auch gesundheitlicheGründe und das Fasten muss sich nicht auf das Essen beziehen.
Die Fastenzeit fällt ja in den zeitlichen Bereich des Jahres in denen es vor der professionellen Vorratshaltung kaum noch Lebensmittel gab. Die Menschen hungerten bis zu den ersten Ernten.
Wir leben heute in Zeiten, in denen es in den Industriestaaten kaum noch Hunger gibt, und wenn dann nicht aus natürlichen Umständen.
Fasten ist nicht schädlich, wenn man es richtig macht, aber man kann auch anders fasten. Man muss nicht seinen Körper kasteien. Wenn man nicht Völlerein betreibt muss man auch Nichts bereuen. Die unfreiwillige Fastenzeit der grauen Vorzeit war ja nicht die Folge der Fresserei der Tage davor, die Leute aßen, wenn sie etwas zu essen hatten und hungerten, wenn sie nichts hatten. Unsere Körper sind so angelegt, dass sie unverbrauchte Kalorien für bessere Zeiten zurücklegen, praktisch als Sparprogramm. Und in der heutigen Zeit haben einige von uns ganz schön dicke Sparkonten. Das meinige ist auch nicht gerade dünn. Aber es stört mich nicht (mehr) und da es kaum gesundheitliche Auswirkungen hat, sehe ich auch keinen Grund mich dem Modediktat der modernen Gesellschaft zu beugen.
Also warum schreibe ich über das Fasten, wenn ich es a) weder notwendig, b) nicht unangebracht finde etc. etc.?
Nun ich faste auch, aber anders. Auch Freunde von mir fasten – anders. Ein Teil raucht in diesen Tagen nicht, andere verzichten auf Alkohol und… ich verzichte auf Unterhaltung der elektronischen Art.
Wie kommt es? Zuerst hatte ich Facebook aufgrund der geänderten Nutzungsbedingungen vom Handy gekickt, dann hat man uns im Internat den Internetzugang gedrosselt. Da ich alles über den PC mache: Fernsehen und Radiohören, Youtuben etc. war und bin ich ziemlich aufgeschmissen. Jetzt kann man jammern, losrennen und ein TV Gerät kaufen oder man lässt sich auf die Internet- und Flimmerkistenfreie Zeit ein. Ich versuchte/versuche das Letztere. Erst mal. Von einem Freund kaufe ich einen gebrauchten Flat-TV, aber erst zu Ostern, bzw. nach Ostern.
Dass ich kein FB mehr auf den Handy habe wirkt sich schon aus: als erstes fielen mir die Menschen auf die mit gesenkten Kopf gegen andere Menschen, Türen, Pfosten laufen oder erst im letzten Moment ausweichen Ich habe meinen Spaß. Und ich habe mehr Zeit.
Für alles Mögliche: lesen, lernen, laufen.
Zuhause kann ich streamen, aber irgendwie habe ich da keine Lust drauf.


In diesem Sinne: einen schönen, sonnigen Sontag

Mittwoch, 18. Februar 2015

Steinzeit - oder Neuland?

OH Gott, über was wollte ich denn heute schreiben? Ist schon wieder Mittwoch? Hilfe!
Mein Fotoalbum birst fast und sprengt die Speicher, aber ich komme zu nix.
*Sich mal kurz die Haare rauf*.
Ne, stimmt nicht ganz, aber meine Motivation und mein Zeitmanagement ist gerade nicht das Beste. Zudem kommt auch noch die Drosselung des Internetzugangs auf den Internatszimmern: wir können noch nicht einmal mehr streamen. Den Text für den Blog schreibe ich auf Word vor – und korrigiere ihn auch hier – bevor ich ihn in den Blog kopiere und dort die Fotos reinstelle. Alles dauert. Die Tischkante meines Schreibtisches zeigt schon die ersten Ermüdungsanzeichen – und gibt den Bissen nach.
Fotos hochladen und online bearbeiten – eigentlich Normalität heutzutage – kostet mich Zeit und Nerven. Noch nicht einmal mehr Radio hören geht über das Netz.
*Warum nur?*, hallte der Schrei aus vielen Kehlen über die kahlen Wipfel der Bäume auf den Hängen und in den Tälern. (Okay, etwas melodramatisch, aber was für unsere allseits beliebte Merkel Neuland ist, ist für andere, und auch mich, überlebenswichtig).
Was ist passiert? Nun wir haben einen ganzen Haufen Leute hier, es ist wie ein kleines Dorf, aber die Datenmenge die hier über die Leitungen schoss waren die einer Kleinstadt. Zwar einer ganz, ganz, kleinen Stadt, aber immerhin. Als dann die Mitarbeiter des Internats noch nicht mal mehr ihre Order und Bestellungen via Netz tätigen konnten gab es einen Aufstand der Gerechten.
Der Internetzugang für uns Teilnehmer ist eine FREIWILLIGE Leistung. Man hat uns gebeten Unfug zu unterlassen.
Wer uns Menschen ein wenig kennt, weiß was kommt. Die Masse der Herde hielt sich dran, aber Ausreißer gibt es immer. Dass die allerdings dann dermaßen übertrieben haben hat nun FÜR ALLE zur Folge, dass wir internetmäßig uns wieder in grauer Vorzeit befinden. (Wo habe ich nur meine Tontafel hingelegt?)
Soll ich mich jetzt aus dem Fenster stürzen? Nö, das hätten vielleicht einige gerne, aber das werde ich auf keinen Fall tun.
Da heute die Fastenzeit anfängt, dachte ich mir: Hm, man könnte ja auch mal auf die Klotze verzichten!
Denn beim Fasten geht es in erster Linie um den Verzicht. Ich bin zwar alles andere als Gläubig, aber sich ab und zu etwas einzuschränken hat was (wenn man es nicht ständig tun muss).
Also werde ich

  1.     Keinen Fernseher kaufen
  2.   Nur das kleine Kofferradio von zuhause mitbringen – ganz möchte ich ja auch nicht vom Tagesgeschehen abhängig sein
  3. Und einfach auch viel weniger im Netz sein.


Hat was, und bestimmt nicht nur Nachteile.
Aber Bloggen werde ich weiter regel-/unregelmäßig. Die nächste Zeit stehen einige heftige Klausuren an und vielleicht – nein ganz bestimmt – ist es da gut, dass keine Ablenkung da ist.

Sonntag, 15. Februar 2015

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold? Sonntagsgedanken 8/2015

*Warum legst du dich immer mit denen an?*
Mit wem lege ich mich denn ständig an?
*Mit denen die ständig rechten Müll posten!*

Nun, ich lege mich nicht ständig mit denen an, die rechten Müll posten, denn von denen habe ich mich, teilweise nach langer Bedenkzeit , getrennt. Manche flogen sofort in hohem Bogen aus der sogenannten Freundesliste bei FB, bei anderen ließ mich eine gute, gemeinsam verbrachte Zeit, zögern. Aber auch hier hat es mir irgendwann gereicht und ich trennte mich, nach Ansage, von diesen Menschen virtuell. Da ich mit den meisten auf FB nur virtuell Kontakt haben, auch wenn ich sie persönlich kenne, ist es auch im wirklichen Leben kein wirklicher Verlust.
Einigen von den ehemaligen FB_Buddies begegne ich immer wieder in politischen Foren und denke dann immer: Gut, dass ich den nicht mehr in der Liste habe.
Aber ist es wirklich gut?
Oder hätte ich bleiben sollen um Argumente anzuführen?
NEIN!
Denn gerade jetzt gab es wieder ein Fall: Eine dieser Personen postete ein auf der FB-Seite „Ich bin Patriot, aber kein Nazi“  gepostetes Foto einmal in einem politischen Forum und auf seiner – Öffentlichen Pinnwand.
Auf dem Foto sind zwei Artikel einer Zeitung abgebildet:
Artikel eins: Sanierung einer Kita zu teuer: Kita geschlossen.
Artikel zwei: Asylsuchende bekommen eine neue Unterkunft.
Dass für die eine Kita, die geschlossen wird, SECHS neue Kitas gebaut werden wird in dem Artikel über die Kita eine geschlossene Kita nicht erwähnt. Okay, jetzt kann man sagen: Polemik. Ist es ja auch. Dem bewussten Poster wurde das in der Gruppe genauso vermittelt. Es kam nichts mehr von ihm. Da seine Pinnwand öffentlich ist konnte ich hier nachlesen, ob er die Infos, die er im politischen Forum erhalten hat weitergegeben hat. Hat er nicht.
Es geht mich gar nicht darum diese eine Person bloß zu stellen, sondern es geht mir um die schweigende Toleranz eines solchen Verhaltens gegenüber. Noch haben wir einen relativ großen gemeinsamen Freundeskreis, der ähnlich denkt wie ich – die aber so etwas unkommentiert stehen lassen. OBWOHL sie es mitbekommen. Nur ein kleiner Teil begehrt auf und versucht die verfälschende Aussage der Artikel zu verbessern.

Was ich dazu denke? Ignorieren ist keinen Deut besser als mitzumachen. Klingt hart? Ja, mag sein. Ist aber so. Wer schweigt *stimmt zu*.
Für diese Haltung werde ich gerne abgestraft. Aber damit kann ich leben. Wer lieber mit Polemikern, die sich rechts positionieren, zusammen ist auf den kann ich geren in meinem Leben verzichten.
Für die Freunde meiner Freunde bin ich nicht verantwortlich, aber für die Aussagen meiner Freunde sehr wohl. Wenn ich da den Mund halte (wenn man so etwas mitbekommt) dann ist das falsch verstandene Toleranz.
*Aber sonst ist er/sie ja so nett!*
Wirklich?

Think about it.

Mittwoch, 11. Februar 2015

Früh übt sich

Kleine Menschen. Kinder sind für mich kleine Menschen. Aber eben diese kleineren Menschen machen manchmal ganz große Sachen. Malen zum Beispiel.
Ich selbst zeichne und male seit ich denken kann. Als Kind malte ich stundenlang große bunte Vögel. Vielleicht malte ich damals gegen den grauen Alltag an, ich weiß es nicht.
Nun hat ein Freund von mir zwei wirklich entzückende Kinder. Kein Wunder bei dem Vater. 
 Zum Beispiel: Als  sich eine Katze an ihn ran schlich – er wollte sie nicht: Sie blieb.
Das entspricht so mancher Adoption. Katzen adoptieren ihre Menschen. Und diese Katze ist auch noch eine Vielfarb-, eine Feuer-, also eine Glückskatze. Die Kinder verliebten sich natürlich in das *Katzenvieh* und das Katzentier eroberte nicht nur die Herzen, sondern auch die Couch und eines Tages das Bett.

Was aber noch schöner für mich ist: Seine Tochter Selma malt die Katze. Selma ist elf Jahre alt und malt auf Holzplatten, 26x32 cm. Welche Farben sie nutzt weiß ich nicht, aber als Ihr Vater die Bilder postete und mich markierte war ich beeindruckt. Solche Bilder habe ich mit elf noch nicht gemalt!
Und da Kokelores über Kunst, Kitsch und Katzen berichtet, berichte ich auch gerne über Selma. Sie hat  absolut Talent:
Seht selbst:





Alle Bilder sind von Selma Klotz, 11 Jahre, Korb,

Sonntag, 8. Februar 2015

Stolpersteine - Sonntagsgedanken 7/2015


Als ich das erste Mal eines dieser Messingschilder am Boden gesehen habe, beugte ich mich hinunter, von Neugier getrieben, und es dämmerte mir, dass es mehr als nur ein Namensschild war. Nachdenklich ging ich meiner Wege und ab dem Tag bemerkte ich immer mehr von diesen, *Stolpersteine* genannten, Namenschilder, beugte mich nach vorne, verbeugte mich praktisch, las die Namen, manchmal ein ganzer Familienverband, manchmal ganz *normale* deutsche Namen, die Daten endete alle vor 1945. Alle Namen gehörten Stuttgartern. Nachbarn, Eltern, Kindern, Freunden.
Verscheucht, verschleppt, getötet, weil sie einen bestimmten Glaube hatten.


Es sind Mahnmale. Und wenn ich heute durch meine Stadt laufe, so sehe ich viele, viel zu viele, dieser Messingschilder. Und jedes einzeln erinnert mich an einen mir unbekannten Menschen.
Nein, ich fühle mich nicht schuldig an den Dingen die damals geschahen. An den Morden, an dem Wegsehen. Ich bin nicht verantwortlich für das Grauen, das zugelassen wurde. Mich trifft die Gnade der späten Geburt. 20 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges erblickte ich das Licht der Welt-
Wie gesagt: ich trage weder die Verantwortung noch die Schuld an dem Vergangenen, aber ich trage heute MITVERANTWORTUNG, dass so etwas nicht mehr geschieht.
Und während ich stolz auf meinen Großvater väterlicherseits bin, der den Nazis die Stirn bot (er war ein sturer Bock und ein Sozialist), sich auch nicht beugte als ihn die Gestapo mehrmals abholte, so schäme ich mich ein Stück weit für meine Mutter, die sich nie dem Geschehenen stellte und mir vom BDM (Bund deutscher Mädchen) vorschwärmte und mir das Horst Wesel Lied vorsang. Bei der Strophe „wenn das Judenblut vom Messer spritzt“ schrie ich sie an, konnte es nicht glauben, dass diese Frau, die ich liebte, so gefühlskalt anderen Menschen gegenüber sein konnte. Es wurden ja auch Kinder vertrieben, verfrachtet, deportiert, ermordert.


In Stuttgart Süd hat ein älteres Ehepaar gegen die Stolpersteine auf dem Gehweg vor ihrer Wohnung geklagt – sie würden eine Gefahr darstellen. Das Ehepaar verlor und zog in die zweite Instanz. Was daraus wurde weiß ich bis heute nicht.

Ich nehme mir die Zeit die Schilder zu lesen. Ich erinnere mich an fremde Menschen und trauere um sie, unbekannterweise, denn man stirbt erst, wenn sich niemand mehr an erinnert. Selbst wenn ich an den Schildern nur vorbeieile, so sind sie mir immer bewusst und ein Gedanke verweilt bei den Schicksalen.

Ich werde wütend und traurig, wenn sich Stimmen erheben, die sa sagen: Es muss einmal gut sein. Dann frage ich mich: Ja was denn? Ja wieso denn? Jetzt wo HoGeSa und Pegida aufmarschieren?



Nein, ich weiß nicht, wer in Stuttgart sich um die Stolpersteine kümmert. Aber ich bin dankbar, dass jemand diese Idee hatte und sie umsetzte.
Danke.



Samstag, 7. Februar 2015

Bewerben - Werben

Wie? Wir müssen einen Teil unserer Ausbildung in einem Praktikum absolvieren und den Praktikumsplatz müssen wir uns selbst suchen?
In der Ausbildungsgruppe herrschte Schwiegen. Was für Studenten ganz normal ist, ist für uns *Rehabilitanden eine enorme Herausforderung und der erste Schritt zurück ins Berufsleben.
Viele von uns haben sehr lange für ein und denselben Arbeitgeber gearbeitet bevor wir aus gesundheitlichen Gründen oder aus anderen unsere Jobs nicht mehr ausüben konnten.
In meinem Fall waren es 23 Jahre, Rücken und Knie brachen mir praktisch das Genick.

Nach 23 Jahren wieder Bewerbungen zu schreiben  ist seltsam, für ein Praktikum noch seltsamer. Mit Anfang 50? Als Praktikantin?
Die Suche begann. Steuerberaterkanzleien suchen, die Webseiten durchforsten, Anschreiben verfassen. Falscher Stolz ist nicht angebracht, aber auch nicht nur Bescheidenheit. Es muss passen, von beiden Seiten. So Stecker-Steckdosen –mäßig.
Ich bin ein *Wildfang*, in einer steifen Kanzlei würde ich unglücklich.

Das Suchen ist anstrengend, Webseite um Webseite.
Da kam ich auf Idee mein soziales Netzwerk zu nutzen. Ich  streute die Info in meinem Bekanntenkreis, und bekam auch Reaktionen, aber eher enttäuschende.
Der nächste Schritt war dann etwas krasser: Ich postete es auf meiner Pinnwand bei Facebook.
Und hier bekam ich tatsächlich eine positive Rückmeldung und eine Telefonnummer. Auch die ersten Informationen über die Kanzlei. Ich forschte etwas nach, aber leider gab es keine Webseite.
Ein Anruf, gegenseitige Sympathie schwappte über den Äther, und ein Termin für ein Vorstellungsgespräch waren eins.
Am Freitag stand ich pünktlich vor der Kanzlei, aber niemand war da. Hatte ich den Termin irgendwie missverstanden? Unsicherheit befiel mich. Dann kam ein kleiner Junge um die Ecke, der auch umsonst läutete. Da standen wir beide, ziemlich ratlos und in der Kälte vereint.
*Sie wollen zu meiner Mutter?*, fragte mich der Pimpf. Das konnte ja lustig werden, dachte ich und grinste in mich hinein.
Der junge Mann schleppte mich förmlich ab und brachte mich zu einer Kanzlei, die mit seiner Mutter zusammenarbeitet. Dort wurde ich praktisch schon erwartet und die Verspätung klärte sich auf. Nicht viel später wirbelte die Steuerberaterin herein, entschuldigte sich herzlich und dann wurde es doch ein noch richtiges Vorstellungsgespräch.
Wir waren uns schnell einig. Trotz aller Sympathie sprachen wir sachlich über die geforderten Rahmenbedingungen.

Irgendwie kann  ich es nicht fassen. Es war erst die dritte Bewerbung und ich habe den Praktikumsplatz.
Seit ich mich dazu durchgerungen habe meine alten Job an den Nagel zu hängen und das Wagnis einer ungewissen Zukunft einzugehen scheint ein Schutzengel mich zu begleiten, bzw. hat sich das Glück an meine Ferse geheftet

Wie sagen meine Freunde immer:
Am Ende wird alles gut, und ist es noch nicht gut, dann ist es noch nicht zu Ende.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Eisige Blumen und gläserene Zapfen

Nein, es geht heute nicht um Vanille- oder Erdbeer.
Wir - das heißt die BFW-Teilnehmer leben auf der Bergspitze. Nach tagelangen Schnee- und Windorgien haben wir endlich ruhigeres Wetter, allerdings hängen wir jetzt wieder in den Wolken fest - es ist nebelig und SAUKALT.
Nachts -14°C, tagsüber so um -3°C, aber auch das hat seine schöne Seiten:
Eiszapfen und Eisblumen:



Sonntag, 1. Februar 2015

Sonntagsgedanken 6/2015: Die Abkehr von Zuckerberg - oder der nichtvorhandene Aufstand gegen Facebook

Normalerweise sind um diese Uhrzeit die Sonntagsgedanken längst on, aber eine  unruhige Nacht mit zwei  schmusebedürftigen  Felltigern verhinderten eine frühere Denkfähigkeit – ich schlief noch einmal ein und die beiden mit, Friede in der Hütte bis kurz vor elf Uhr. Und irgendwie bin ich immer noch nicht wach?


Wir sind oft nicht richtig wach, wenn es um die Privatsphäre unserer Daten geht. Ich finde es allerdings lustig, welche Stilblüten es in beiden Richtungen treibt.
Auf der eine Seite die, die sich auf Facebook
  • wegen Facebook aufregen
  • sinnlose Bildchen posten
  • sich über den Datenklau beklagen (egal ob FB oder NSA)
  • dann aber eine Payback-Karte und sonstige Kundenkarten haben
  • alles mit Karte bezahlen
  • alles mit demselben Browser im Internet machen
  • mit Handy oder Tablett überall on gehen
  • keine Cookies löschen.
Auf der anderen Seite die Menschen, denen alles egal ist, die sagen
  • wir sind denen eh hilflos ausgeliefert
  • wir werden eh überwacht
  • Lügenpresse
  • Diktatur des Kapitalismus

(Das letztere  finde ich extrem lustig, denn diese "Schreier" machen nichts au0ßer zu schreien und nutzen dann auch noch das kapitalistische System des Herrn Zuckerbergs - ist ja auch bequem, so von der Couch aus über die Tastatur des Laptops zur *Revu-lu-sión* aufzurufen.


Dabei gibt es gute Möglichkeiten den Datenklau ein klein wenig einhalt zu bieten. Wie das geht steht hier: einfach dem Link folgen. Mimikama.
Aber auch hier gilt: Von nix kommt nix, nix mit nur downloaden und installieren.

Ob ich Konsequenzen gezogen habe? Ich bin ja bequem und relativ pragmatisch, finde Facebook praktisch etc. Aber selbst mir reicht es jetzt. Nein ich werde Facebook nicht verlassen, auch Google plus nicht.


Aaaaaaaaaaaaaaaaaaber: ich habe die Apps von FB vom Handy runter. Hier habe ich auch den GPS nur an, wenn ich Google Maps nutze (weil ich mich mal wieder verlaufen habe).
Der allgemeinen Hysterie kann ich aus, den oben genannten, Gründen nicht folgen. Aber ich habe Freunde die sich seit Jahren standhaft weigern FB oder eine andere Social Media Plattform zu nutzen.
So konsequent bin ich nicht, möchte ich es aber auch nicht sein.
Wie gesagt, man ist eh *gläsern*, aber man muss Herrn Sugarhill ja nicht noch die Kohle durch Werbeeinnahmen hinterhertragen, auch wenn es nur ein paar Nadelstiche sind – es macht Spaß zu piksen. Man muss nur etwas von seiner Bequemlichkeit aufgeben.
Positiver Nebeneffekt: Man starrt nicht die ganze Zeit auf sein Handy J