Samstag, 7. Februar 2015

Bewerben - Werben

Wie? Wir müssen einen Teil unserer Ausbildung in einem Praktikum absolvieren und den Praktikumsplatz müssen wir uns selbst suchen?
In der Ausbildungsgruppe herrschte Schwiegen. Was für Studenten ganz normal ist, ist für uns *Rehabilitanden eine enorme Herausforderung und der erste Schritt zurück ins Berufsleben.
Viele von uns haben sehr lange für ein und denselben Arbeitgeber gearbeitet bevor wir aus gesundheitlichen Gründen oder aus anderen unsere Jobs nicht mehr ausüben konnten.
In meinem Fall waren es 23 Jahre, Rücken und Knie brachen mir praktisch das Genick.

Nach 23 Jahren wieder Bewerbungen zu schreiben  ist seltsam, für ein Praktikum noch seltsamer. Mit Anfang 50? Als Praktikantin?
Die Suche begann. Steuerberaterkanzleien suchen, die Webseiten durchforsten, Anschreiben verfassen. Falscher Stolz ist nicht angebracht, aber auch nicht nur Bescheidenheit. Es muss passen, von beiden Seiten. So Stecker-Steckdosen –mäßig.
Ich bin ein *Wildfang*, in einer steifen Kanzlei würde ich unglücklich.

Das Suchen ist anstrengend, Webseite um Webseite.
Da kam ich auf Idee mein soziales Netzwerk zu nutzen. Ich  streute die Info in meinem Bekanntenkreis, und bekam auch Reaktionen, aber eher enttäuschende.
Der nächste Schritt war dann etwas krasser: Ich postete es auf meiner Pinnwand bei Facebook.
Und hier bekam ich tatsächlich eine positive Rückmeldung und eine Telefonnummer. Auch die ersten Informationen über die Kanzlei. Ich forschte etwas nach, aber leider gab es keine Webseite.
Ein Anruf, gegenseitige Sympathie schwappte über den Äther, und ein Termin für ein Vorstellungsgespräch waren eins.
Am Freitag stand ich pünktlich vor der Kanzlei, aber niemand war da. Hatte ich den Termin irgendwie missverstanden? Unsicherheit befiel mich. Dann kam ein kleiner Junge um die Ecke, der auch umsonst läutete. Da standen wir beide, ziemlich ratlos und in der Kälte vereint.
*Sie wollen zu meiner Mutter?*, fragte mich der Pimpf. Das konnte ja lustig werden, dachte ich und grinste in mich hinein.
Der junge Mann schleppte mich förmlich ab und brachte mich zu einer Kanzlei, die mit seiner Mutter zusammenarbeitet. Dort wurde ich praktisch schon erwartet und die Verspätung klärte sich auf. Nicht viel später wirbelte die Steuerberaterin herein, entschuldigte sich herzlich und dann wurde es doch ein noch richtiges Vorstellungsgespräch.
Wir waren uns schnell einig. Trotz aller Sympathie sprachen wir sachlich über die geforderten Rahmenbedingungen.

Irgendwie kann  ich es nicht fassen. Es war erst die dritte Bewerbung und ich habe den Praktikumsplatz.
Seit ich mich dazu durchgerungen habe meine alten Job an den Nagel zu hängen und das Wagnis einer ungewissen Zukunft einzugehen scheint ein Schutzengel mich zu begleiten, bzw. hat sich das Glück an meine Ferse geheftet

Wie sagen meine Freunde immer:
Am Ende wird alles gut, und ist es noch nicht gut, dann ist es noch nicht zu Ende.

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