Sonntag, 22. März 2015

Der Genderstreit - Sonntagsgedanken 13/2015

Die Befürworter des Bildungsplan sprechen von Liebe...

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Auch das Demonstrationsrecht.
Ob uns das in manchen Diskussionen noch bewusst ist? Und das wir in D auf einem hohen Niveau jammern, was das angeht.

Gestern haben sich wieder einmal die Gegner der Genderpolitik der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg versammelt. Mit tatkräftiger Unterstützung von Frau Kelle. Sie schreibt ja auch unter anderen für den European. Aber sie steht nicht für den European, sie ist nur eine seiner Autoren. Ob ich sie schätze? Kann ich nicht sagen, ich kenne sie nicht wirklich. Aber ihre Meinung, die kenne ich und teile ich – NICHT.

Letztes Jahr im März begegnete ich den Bildungplangegnern zum ersten mal live: http://www.kokelores.com/2014/04/its-all-about-love-sonntagsgedanken.html
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Die Bildungsplangegner sprechen von ... nun....

So wie ich auch nicht die Meinung der Besucher dieser Demonstranten teile. Aber sie haben das Recht sich zu versammeln und ihre Meinung kund zu tun. Sie haben sogar das Recht gehört zu werden. Die AfD und die NPD haben die Versammlung beworben - trotzdem darf und kann jeder dem Aufruf folgen. Und sie folgten: Unter der Flage der heiligen Ursula zum Beispiel.
Damit ist es auch schon gelaufen, d.h. sie liefen dann auch noch unter Polizeischutz.
Seufz.
Ich wünschte mir die jungen Menschen der Antifa würden einfach bei solchen Demos wegbleiben und die machen lassen. Zuviel Aufmerksamkeit für dieses Trüppchen. Zuviel Zuwendung. Dadurch fühlen sie sich wichtiger als sie sind. Damit meine ich nicht die Antifa. Und dann müssten sie auch nicht von 8 Hundertschaften der Polizei *geschützt* werden, die Jungs und Mädel der Polizei hätten mal wieder ein freies Wochenende.
Auf der anderen Seite – bei der *normalen* Gegendemo sprachen die Redner den dritten Artikel des Grundgesetzes an,

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Was da fehlt: die sexuelle Orientierung. Aber das kommt vielleicht noch.
Und: Es wurde von Respekt gesprochen. Von den gleichen Rechten aller Menschen. Aber es gibt immer noch welche die das anzweifeln. Auf allen Seiten.


Haben denn beide Seiten Respekt vor einander? Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass es bei einigen auf beiden Seiten eben an diesem Respekt mangelt. Und deswegen muss die Polizei beide Seiten trennen. Ich hätte mir gerne Frau Kelle angehört, kam aber leider zu spät, auch wenn mich die Polizei durchgelassen hätte. Die fand ich teilweise sehr entspannt. Andere wiederum nicht. Es gab das ewige Katz-Mausspiel zwischen Polizisten und Antifa. Wie immer. Auch nix Neues.

Die jungen Leute riefen:
*Liebe ist ein Menschenrecht*, worauf ihnen sofort abgesprochen wurde zu wissen, was Liebe sei.Wie hochmütig muss man sein, dass man denkt, zu wissen was andere wissen?
Wie sehr von sich eingenommen muss so jemand sein?
Vermehren ohne Liebe geht. Aber leben ohne Liebe?
Mir ist es so was von egal wen oder was oder wie jemand liebt, wenn es für beide passt und es beiden - oder mehreren - Erfüllung, Spaß und Freude bringt? So what?
Und trotzdem - auch wenn ich mit den Gegnern des Bildungsplans nicht einer Meinung bin möchte ich verstehen, wie sie zu ihren Meinungen kommen - siehe das Flugblatt weiter oben im Artikel, oder die Artikel der Frau Kelle. Ich habe mich mit ihren Ängsten und Befürchtungen auseinander gesetzt und kam zum Schluß: sie vestehen nicht, um was es beim Bildungsplan zum Gender geht.
Es geht nicht darum, andere zu zwingen so zu sein wie man selbst ist, aber es zumindest zu tolerieren wie andere ihren Lebensentwurf gestalten.
Wenn andere denken sie müssten beim Sex das Licht auslassen, nur miteinander schlafen um Kinder zu zeugen, nicht zu verhüten: bitte schön, dann sollen sie es so machen. Aber verlangt es nicht von uns anderen.
Verlangt nicht, dass Minderheiten auf das Wohlwollen der Mehrheiten angewiesen sind, sondern dass die Toleranz und Akzeptanz zum Normalfall wird.
Das jede Form des Beziehungslebens gleichgestellt wird, ob Mann-Mann-Kind, Frau-Frau-Kind, Mann-Frau-Kind.
Verlangt nicht von mir und anderen Frauen uns zu Gebärmüttern zu reduzieren.
Ich wollte nie Kinder. Also nie eine Beziehung? Nie Liebe? Nie Sex?
Und wenn sich zwei Männer lieben? So what? Oder zwei Frauen? Und wenn sich ein Mann als Frau fühlt -WAS GEHT ES EUCH AN?
Wohl nur in dem Sinn, dass ihr eure Kinder zu tolerante Menschen erziehen sollt. Und das versucht die Landesregierung - sie übernimmt Verantwortung.


und immer mit dabei, die Polizei 

Gut das wir in einer repräsentativen Demokratie leben. Gut, dass das Grundgesetz die Rechte von Minderheiten schützt. Und Aufklärung tut Not. Gegen alle Widerstände.
Wenn die Landesregierung einen anderen Weg einschlagen würde - nun, dann müsste ich es auch akzeptieren. Ich dürfte demonstrieren usw usf.
Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass bei dieser Demo Menschen dabei waren, die anderen genau dieses Recht absprechen, unter anderen einen Pfarrer, der die S-21 Gegner aus der Stadt jagen wollte.... Oder man versucht die Gegendemonstranten zu diskreditieren....
Grundrechte einfordern nur für den eigenen Standpunkt?
Was mich immer wieder verblüfft an der ganzen Geschichte ist, dass anscheinend Toleranz und Akzeptanz für sehr gläubige Menschen ein Fremdwort zu bleiben scheint. Ob dies nur mein persönlicher Eindruck ist kann ich nicht sagen, es erscheint mir nur so….

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, wurde mir als Kind im Religionsunterricht beigebracht.
Es scheint nicht viel Selbstliebe bei vielen Menschen zu geben. Aber das ist auch nur mein persönlicher Eindruck.

Think about it.



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