Sonntag, 15. März 2015

Kopftuchgeschwader - Sonntagsgedanken 12/2015

So nannten wir in der Mittelstufe unsere Putztruppe an der Mittelschule und im Gymnasium. Uns war es nicht bewusst, dass wir ziemlich rassistisch unterwegs waren Unabsichtlich. Unbewusst. Scheint den Menschen im Blut zu liegen.
in der Grundschule waren die Putzfrauen noch deutsche Frauen, danach – nun nicht mehr. Die Jobs wurden an *billigere* Arbeitskräfte vergeben.
Wenn Schlussverkauf war standen sie in der ersten Reihe, die Frauen mit den Kopftüchern und stürmten los.
20 Jahre danach ergingen in Folge zwei Urteile:
Erst wurde das Tragen des Kopftuches an Schulen untersagt, dann wurde das Urteil wieder aufgehoben, da es eine Einschränkung der Religionsfreiheit darstellt.
Der Bundesgerichtshof hat gesprochen.
Das Kopftuch. Der Stein des Anstoßes. Der Zankapfel. Ein Stück Stoff wird zum Symbol einer Diskussion um … Ja um was denn eigentlich?
Weder ist ein Kopftuch eine Waffe, noch ist es ein Tschador.
Junge Frauen tragen sie in bunten Farben, kunstvoll verschlungen, die jungen Gesichter gepflegt, geschminkt, teilweise mit der neusten Brillenmode bestückt.
Ältere Frauen tragen sie eher schlicht und in gedeckten Farben.
In den 70igern trugen deutsche Bäuerinnen noch ganz selbstverständlich Kopftücher.
In den Kirchen sieht man heute noch die *alten Weiberln* mit Kopftüchern.
Besucht man Länder wie Griechenland, sieht man alte Frauen ganz in schwarz – mit Kopftuch. Versucht mal als Frau in strenggläubigen, christlichen Ländern Schulterfrei eine Kirche zu betreten – no Chance.
Ich sehe des Öfteren Nonnen – mit Kopftuch!
Mein Tuch um den Hals verwende ich, wenn ich vom Regen überrascht werde, als Kopftuch.
Grace Kelly trug es, wenn sie in ihrem Cabrio über ihre Insel flitze.
und heute?
Ein Symbol des Islams, der Unterdrückung der Frau, und so weiter…
Ich muss daran immer denken, wenn mir die junge, hübsche Frau die bei uns im Internat putzt, zulächelt. Oder ihre fröhliche, ältere Kollegin mit der ich manchen derben Spaß wechsle. Beide tragen Kopftuch.
Ich fühle mich von ihnen nicht bedroht. Nicht bedrängt.
Eine frühere Kollegin, Filialleitung, hatte den Mut eine junge Muslima einzustellen, die Kopftuch trägt. Die junge Frau ließ sich gerade von ihrem Mann scheiden und war ratzfatz im Kollegenkreis integriert und beliebt.
Nur die Kunden guckten etwas irritiert – in einem Youngfashion Laden haben sie so etwas wohl nicht erwartet.
Bei meiner Rentenversicherung arbeitet eine freundliche , junge Dame am Empfang -mit Kopftuch. Ihr Lächeln läßt Mona Lisa vor Neid erblassen.
Und ihm öffentlichen Raum? Warum nicht? Warum soll eine Mathelehrerin kein Kopftuch tragen, oder nicht gepierct sein, oder ohne Kopftuch kommen, oder nicht tätowiert sein.
Schon mal was von Toleranz gehört? Von Religionsfreiheit?
Ja? Echt?

Kommentare:

  1. Ich bin in der Kopftuchfrage einfach hin- und hergerissen. Mit Kopftuchträgerinnen im öffentlichen Leben kann ich mich abfinden. Aber als Lehrerin in einer Schule? Ich weiß nicht, ob man damit den Muslimas einen großen Gefallen tut.
    LG
    Sabienes

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  2. Warum? Sie müsssen es ja nicht tragen, wenn sie es nicht wollen, aber sie dürfen es tragen, wenn sie es wollen. Verlangen wird den von anderen das kreuuz abzunehmen? Und wer weiß schon, dass gläubige Jüdinnen oft Perücken tragen, da auch sie ihr Haupt bedecken sollen? Nur da sieht man es nicht.
    Ich würde es gerne den Frauen überlassen ob sie es tragen oder nicht.
    Und das Urteil des BGH ist - nun - rectsgültig, egal ob wir es gut finden oder nicht.
    LG Marianne

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  3. Eine Freundin von mir meinte, sie würde sich ungern von einer Schwester mit Kopftuch pflegen lassen. Komplett irrational, sowas... schließlich trugen die Damen früher Häubchen. Und sich vor einem Kopftuch fürchten, weil man eine rigide Religion damit verbindet, finde ich albern... zumal viele Muslimas ihren Hijab durchaus freiwillig tragen.

    Simone Dorra

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