Montag, 27. April 2015

und ist das Kind auch noch so klein, es könnte Unternehmer sein .............

Als ich diesen Satz zum ersten Mal hörte musste ich laut lachen. Aber was vielen, auch uns Bloggern, oft nicht bewusst ist:
Sobald man geboren ist, ist man in Deutschland – falls man hier lebt – mit allen seinen Einkünften unbegrenzt steuerpflichtig. Das letztere gilt für das

WELTEINKOMMEN.
WIE BITTE?
Ja, richtig gelesen. Egal wo ihr was verdient: sobald ihr euren festen Wohnsitz in Deutschland habt hält euch Mr. Schäuble, der oberste Steuer***** euch die Knarre, ähm, hat er euer Wohl im Sinn, bzw den der Bundesrepublik.

Jepp. Zwar gibt es Freigrenzen, und so weiter und so fort. Aber....
Da verkauft man am Wegesrand seine Erdbeeren und zack hat man die Steuerfahndung am Hals.
Nein, ganz so schlimm ist es nicht, es muss sich um eine *anhaltende* Einnahmenerzielung dahinter *verstecken*. Wer also einmal alle zehn Jahre seine Klamotten auf dem Flohmarkt verkauft, oder sein Fahrrad über Ebay vertickt, muss  - noch – nichts befürchten.
Wer aber regelmäßig auf Ebay seine Klamotten, Bücher etc. weiterverscherbelt ist Ratz Fatz ein Gewerbetreibender. Und da geht es schon los.
Bandenwerbung: Gewerbetreibender. Auftragsbloggen - Einkünfte nach §18...., usw. usf. und dann stehen sie vor einem. Zwar nicht im Trenchcoat, dunklen Sonnenbrillen und dicken Knarren. Nein. Kein GSG 9 Team wird eure Türen eintreten und euch verschleppen.
Sie kommen ganz harmlos daher. In Papierform. Dann flattert euch ein Briefchen ins Haus. Und wenn ihr dann nicht schnell und richtig reagiert, dann habt ihr den Salat.
Grundregel Nr. 1:
Antwortet. Am besten persönlich. Lasst euch einen Termin bei dem zuständigen Finanzbeamten geben und seid NETT, HÖFLICH und auf keinen Fall patzig und trotzig!
Die Finanzbeamten sind dazu angehalten euch zu helfen. Grundsätzlich gilt: Ihr habt wahrscheinlich was verbockt. Und Unwissenheit schützt eben nicht vor Strafe.
Auch denkt man es manchmal nicht, aber unsere Finanzbeamten sind dazu angehalten das Gute im Steuerzahler zu sehen und nicht nur die Dukaten.

Vielleicht seid ihr ja steuerbefreit, oder liegt unter dem Grenzbetrag und und und… aber wenn ihr euch informiert – im VORFELD – dann seid ihr auf der sicheren Seite. Habt ihr schon den Brief, dann heisst es handeln. Schnell, aber ohne Panik.
Ist man ihnen mal aufgefallen, dann lassen sie einen selten wieder aus den Fängen. Es lohnt sich nicht.
Wenn man mal den Katalog an Zuschlägen betrachtet, dann denkt man sich: Hm, das schenke ich denen doch nicht:
Säumniszuschläge, Stundungszinsen, Verspätungszuschläge, Strafgelder …. Kein Witz.

Es rettet euch auch nicht, wenn ihr folgende Rechtfertigungen zur Hand habt:


  1. -also ein Freund hat mir das aber anders erzählt
  2. -ich kenne da jemanden, der kennt jemanden, der jemanden kennt…
  3. -aber das machen doch alle so!
  4. -echt, wusste ich nicht.
  5. -ich habe das aber schon immer so gemacht und nie ist was passiert. (Ganz ganz falsche Aussage)


Alles, aber auch alles was euch Geld bringt unterliegt einem einzigen Gesetz: der Staat möchte etwas davon…. und auch Kinder sind nicht davor gefeit.
Vielleicht haben sie geerbt. Das sie von jemanden gesetzlich vertreten werden der über 18 ist steht auf einem anderen Blatt.
Also denkt dran: und ist das Kind auch noch so klein, es …….

Sonntag, 26. April 2015

Aufarbeitung? Sonntagsgedanken 17/2015

70 Jahre.
Die einen Leugnen es, die anderen erdrückt fast die ererbte Schuld und erheben bei jeder Gelegenheit den mahnenden Finger-
70 Jahre.
1945-2015.
70 Jahre ist es her, dass am 8.Mai 1945 eines der schrecklichsten Regime der Welt sein Ende fand. Ihm folgten andere Regime, manche dauern bis heute an. Nordkorea zum Beispiel.
Haben die Menschen daraus etwas gelernt? Haben wir Deutsche etwas daraus gelernt?
Zu groß das Grauen, um es wirklich erfassen zu können.
Aber wenn man sich darauf einlässt und es als Teil der Geschichte der eigenen Nation anerkennt, wenn alles mit dem nötigen Abstand betrachtet, dann merkt man schnell:
Es kann jederzeit und überall auf der Welt wieder geschehen.
Manche leugnen die Verbrechen des NS Regimes, die Frage wieso ist müßig.
Ob es einfach aus dem Wunsch einer unbefleckten Vergangenheit des eigenen *Volkes* ist, oder einfach Verdrängung, weil man es sich nicht vorstellen kann, wenn man selbst so in den Ängsten anderen gegenüber gefangen ist… Nun es gibt viele Gründe. Aber ich kann keinen gelten lassen.
Nur wer sich mit der Vergangenheit aussöhnt verfällt nicht in den Schuldkomplex und sagt nicht:
*Jetzt muss aber auch einmal gut sein*
oder
*Was habe ich denn damit zu tun?*
Da meine Mutter ein spätes Mädchen war wurde ich erst 1965 geboren – sie war damals schon vierzig. Sie hatte den Krieg und die Jahre davor miterlebt. So wie mein Vater und all meine Tanten und Onkels.
Obwohl ich der zweiten Nachkriegsgeneration angehörte wuchs ich mit Kriegsgeschichten auf.
Aber vieles erfuhr ich erst nachdem meine Eltern und Tanten und Onkel schon zu Grabe getragen waren.
Während die eine Seite meiner Familie gegen die Nazis war, bestand die andere Seite aus Mitläufern.
Weder fühle ich mich mitschuldig, an dem was damals geschah, noch trage ich eine Erbschuld.
Wie wären wir gewesen? Kann das einer von uns wirklich beantworten?
Es geht nicht um Schuld. Es geht um Verantwortung. Mitverantwortung.
Es geht darum, nicht mehr zu sagen:
*Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber…..*. Damals waren die Feinde des *Volkes* der Jude, heute ist es die zionistische Weltverschwörung und/oder der Islam.
Die Buhmänner sind austauschbar.
Und sie werden ausgetauscht. Und es werden Ängste geschürt und Vorurteile geteilt.
 
Eines der kleinen Rädchen des nationalsozialistischen Reiches steht 70 Jahre danach vor Gericht. Er trägt Mitschuld. Ohne Frage. Aber warum 70 Jahre danach? Warum nicht vor 10-20-30-40-50 Jahren?
Aufarbeitung? Fehlanzeige.
Vielleicht sollte man mal die Kader an den Gerichten und den Ermittlungsbehörden durchleuchten.
Schlagwort. NSU.


Leider.

Mittwoch, 22. April 2015

Junges Gemüse und freche Früchtchen, wenn Träume wahr werden


Es fing vor etwas über zwei Jahren an. Ein Freund von mir, der sich längst in Portugal verliebt hatte, also in das Land, konnte es einfach nicht fassen, dass seine dort ansässigen Freunde von ihrer Ackererträgen nicht mehr leben konnten, oder wenn, dann nur sehr sehr schwer. 


Das kennen wir auch in Deutschland. Großkonzerne und Großabnehmer diktieren Preise, die das Überleben der Erzeuger von Subventionen abhängig werden lässt. Gibt es dieses Subventionen nicht, dann machen Kleinbetriebe, trotz guter Erzeugnisse zu.
Es ärgerte ihn auch, dass man für eine gute Qualität bei uns in Deutschland extreme Preise bezahlen muss, aber bei den Erzeugern nichts davon ankommt.
Er packte seinen Transporter mit Orangen aus Portugal voll, verkaufte diese in Deutschland. Faire Preise für die Erzeuger, ein bisschen Verdienst für ihn und die Abnehmer leckten sich die Finger nach den erntefrischen Zitrusfrüchten.
Die Idee bekam Volumen, es wurde nach einem Namen gesucht – Poìs wurde geboren.
Wie gesagt: das war vor über zwei Jahren. 


In der Zwischenzeit haben er und seine Frau zusammen ein Lager, einen Hofladen – nur leider etwas ab vom Schuss, wobei der Hofladen direkt an einer S-Bahnhaltestelle ist.
Allerdings ist bekannt, dass der Mensch an für sich eine faule Socke ist und kommt die Socke nicht zum Fuß, dann muss eben der Fuß zur Socke.
Und jetzt gibt es einen kleinen Laden in Stuttgart, in der Calwer Passage, die ja auch schon dafür bekannt ist, dass hier die Uhren anders ticken. Aber dies ist eine andere Geschichte.
Letzten Samstag war es dann soweit:
Poís eröffnete pünktlich um zehn Uhr, als ich vorbeischneite war es schon voll und ich traf alte Bekannte: Eben Matthias und seine Frau Christine, die Ureltern von Poís, ihr neuer Teilhaber und auch noch die Küchenfee, die vegane Leckereien zaubert. Und viele Kunden.


Was mit ein paar Kisten Orangen begann kann sich seit einiger Zeit wirklich sehen lassen:
Frische Früchte und Gemüse, Weine, Mandel- und Erdnussmus, selbst hergestellte Marmeladen und Limonadenkonzentrat, Wein, Olivenöl, Meersalz, Käse, Oliven und und und …. Alles aus Portugal, alles von kleinen Erzeugern, die endlich einen anständigen Lohn für ihre Arbeit bekommen, weiterverkauft zu fairen Preisen für den Abnehmer.
Und eines kann ich euch sagen: wer einmal eine Tomate von Poís hatte, oder anderes Gemüse oder Früchte, der mag das Supermarktzeugs nicht mehr essen.




Also, wenn ihr in Stuttgart seid, oder der Umgebung: Schwingt euren Hintern in den Laden.
Hier bekommt ihr alles zu der richtigen Zeit – ist keine Saison gibt es eben die Sachen nicht.

Die Calver Passage befindet sich direkt an der S-Bahnstation Stadtmitte/Rothebühlplatz, man kommt auch gut mit der U-Bahn oder Bussen hier an, oder einfach zu Fuß - als Stuttgarter, der in der Mitte wohnt.


Montag, 20. April 2015

geflügelte Pelzärsch-chen


Was da jedes Frühjahr um meine Wohnung herum kreucht und fleucht ist der helle Wahnsinn. Seit Jahren nistet ein Rotschwänzchen Paar über meinem Küchenfenster. Als die zum ersten Mal im Sturzflug am Fenster vorbeiflitzten hatte ich fast einen Herzinfarkt.
Aber sie sind nicht die einzigen Nutznießer des alten Gemäuers, aber gern gesehene. Anders im Herbst, wenn Mäuse meinen in meiner Wohnung überwintern zu wollen. Aber seit meine beiden Musterminatoren meine Mitbewohner sind hält sich der Zuwanderungsdrang der örtlichen Nager Population in Grenzen.
Viel kleiner, aber genauso niedlich sind die Hummeln, die seit Jahren in den Abgesägten Aufhängungen der alten Klapprollos nisten.
Heute war ein unglaublicher Glückstag: ich bekam zum ersten Mal mit, wie eine Hummel sich das Nest vorbereitet – und natürlich live dabei: meine Kater. So lange die um mich rumschwänzeln ist filmen praktisch unmöglich.
Trotzdem gelangen mir ein paar Sekunden Film


Mich freut es, wenn ich in der Stadt den Tieren Niest und Lebensqualität bieten kann. Ich füttere auch im Sommer die Kleinen Meisen, Spatzen und Amseln, die sich in meinem Hinterhof ganz heimisch fühlen. Vor allem die Amseln sind in der Zwischenzeit relativ zutraulich.
Die Aufregung steigt, wenn die Kohlmeisen von der Kübelkastanie aus die Kater, die im offenen Fenster sitzen, necken. Ich habe meinen Spaß, die Kater ihre Aufregung, die Hummeln ihre Ruhe.
Ach ja, wenn sie nicht gerade nisten, kann man sie sogar streicheln - die haben einen pelzigen Hintern, diese Hummeln ....


I

Sonntag, 19. April 2015

400 -Sonntagsgedanken 16/2015

Klar sind mir meine Freunde näher als Fremde. Klar sind mir meine direkten Nachbarn näher als Menschen die am anderen Ende der Stadt wohnen. Klar sind mir meine Stadtisten lieber als CDU‘ler – jetzt rein politisch gesehen.
Und dann hört mein Verständnis schon auf.
Ich bin auch nicht empört. Ich bin des Empörens müde. Wie lange kann man sich empören bevor einen die Gleichgültigkeit erwischt? Wie lange dauert es bis der Schrecken nicht mehr schreckt,  das Leid anderer und kalt lässt während das Leid einiger Europa in einen fast hysterischen Trauertaumel jagt?
Bitter ist der Geschmack auf der Zunge, bitter ist der Nachgeschmack der Wahrheit.
Alle Menschen sind gleich – oder doch nicht?
Wo bleibt denn die ach so viel beschworene Nächstenliebe, eines Christen Pflicht, wenn ein deutscher Politiker wie de Maizière solche Worte äußert?

"Bundesinnenminister Thomas de Maizière sperrt sich gegen eine EU-Seenotrettung; damit arbeite man, sagt er, den Schleppern in die Hände. Das ist Zynismus. So werden Menschen verzweckt: Sie müssen sterben, um eine Kriminalität zu bekämpfen, die durch eine falsche EU-Politik produziert wird. Das Schlepperunwesen kann ja nur deswegen grassieren, weil Europa die Schotten dichtgemacht hat - weil es die Flüchtlinge mit allen, auch völkerrechtswidrigen Mitteln fernhält." Quelle: Süddeutsche Zeitung

Es ist mehr als Zynismus, was da aus diesen Worten klingt. Es ist pure Menschenverachtung und – in meinen Augen – auch Rassismus, was hier seinen Weg ans Licht sucht.
Als 150 Menschen in den Tod gerissen wurden trauerte Europa.
Als 12 Journalisten ermordet wurden trauerte Europa.
Wenn 400 Menschen elendig ertrinken, auf dem Weg aus einem hoffnungslosen Leben zu mehr Menschlichkeit, rechtfertigt sich Europa.
Für sein Wegsehen.
Sind diese 400 Menschen, die symbolisch für alle Menschen stehen, die ihre versuchte Flucht über das Mittelmeer mit dem Leben bezahlten, weniger wert als die 150 europäischen Urlauber oder die Redaktionsmitglieder in Paris?

In Tröglitz zünden irgendwelche Idioten ein Flüchtlingsheim an und die halbe Gemeinde steht hinter den Idioten. Sie sind nur die Spitze des Eisbergs. Europa rafft die Röcke, aber der Schmutz und das Blut klebt schon an seinem Saum.
Es wird vor Überfremdung und Islamisierung gewarnt – nun, die 400 Menschen werden nichts mehr überfremden und islamisieren. Sie werden von wenigen betrauert und schnell vergessen werden.
Ich bin nicht schockiert, nicht erschreckt über die Doppelmoral in unserer, ach so zivilisierten, Welt. Ich wundere mich nicht mehr, wieso die Retter des *christlichen* Abendlandes den Zynismus auf die Spitze treiben und gegen jeden christlichen Wert verstoßen, gegen den man verstoßen kann.

Ich bin müde. Und ich bin traurig.
Und ich denke an 400 Menschen, die nie wieder lachen werden.

Samstag, 18. April 2015

Die fliegenden Holländer.


Wenn mann an Holländer denkt, denkt man wohl eher an:
  1. Frau Antje und ihrem Käse
  2. Fritten
  3. Nordsee
  4. Sturmfluten
  5. Wohnwagenkolonnen auf deutschen Autobahnen
 und und und, aber man denkt wahrscheinlich weniger an Stoffe und Kurzwaren. Dabei vergisst man ganz gerne, dass die Holländer einst eine Händlernation waren, die die welt bereiste und die schönsten Stoffe, wertvollsten Schmuck und edelste Gewürze nach Europa schafften.


Der Frühling bringt die Farben wieder in unser Leben zurück. Das erste grelle Grün der Bäume kündet vom nicht so fernen Mai. Nicht umsonst heisst es Maigrün.
Farbenfroh ging es auch auf dem Holländischen Stoffmarkt zu – Der komplette Karlsplatz in Stuttgart war bevölkert von Stoffhändlern und kaufwütigen Hobbynäherinnen. 
Nach einer Stunde gaben wir auf: Zum x-ten Mal von einer fahrunfähigen, von den bunten Stoffen abgelenkten Vollzeitmüttern angefahren, reichte es. An manche Stände kam man erst gar nicht ran, weil wildgewordene Frauen wie wütende Bienen diesen Stand eingenommen hatten. Da hätte keine Briefmarke mehr dazwischen gepasst. Nichts desto trotz wurden Kinderwagen und Trolleys in die Menge gefahren, gerammt, schoben, gezogen.


Wo, um Himmelswillen, kamen all diese Mütter her?
Trotzdem schafften wir es Stoffe zu bewundern, befühlen und zu bestaunen. Fleece, Filz, Spitze, Baumwolle, bedruckt, bunt gewebt, wunderbare Seidenstoffe- zu Preisen, die jedes Hobbynäherinnenherz höher schlagen lässt. Wenn es nicht vorher wegen einer Kinderwagenattacke ausgesetzt hatte.
Bündchen, Sweatshirt Stoffe, Singlejersey, Kurzwaren aller Art: Knöpfe, Borten, Gürtelschnallen, Taschenband, Reißverschlüsse.


Und über allem wachte das olle Denkmal mit finsterer Miene. Als wir seine Plattform erklommen sahen wir auch warum: jemand hatte eine Ecke seines Reichs in eine öffentliche Toilette verwandelt und feste Hinterlassenschaften hinterlegt.


Wie gesagt: nach einer Stunde hatte wir von dem hysterischen Gedränge die Nase gestrichen voll und schlenderten von dannen, ohne Stoffe und mit vollem Geldbeutel. Das Angebot hatte mich schlichtweg überfordert.
Aber im September kommen sie wieder: die fliegenden Holländer mit den bunten Stoffen.

Mittwoch, 15. April 2015

Super Jami, super lecker


Gesund essen kann Spaß machen. Ohne dass jemand mit erhobenen Zeigefinger mahnt und auf Leid, Ausbeutung und sonstiges hinweist.
Das Super Jami ist so ein Platz, überschaubar, schlicht, aber nett eingerichtet. Hinter dem Thresen stehen drei freundliche Menschen mit buntem Haar und einem freundlichen Lächeln.
Wenn man sich die Karte ansieht und es überlesen hat, dass man sich in einem veganen *Imbiss* befindet fällt es einem erst mal gar nicht auf – alles ist rein pflanzlich.


Wer sich auf das *Abenteuer* einlässt kann erleben, dass veganes Essen eben besser schmeckt als sein Ruf. Zwar haben das schon das Cook&Candys, aber auch Adam&Körle bewiesen, aber dass jetzt so etwas bei mir im Viertel, keine 50m vor meiner Haustür aufmachte freut mich eben besonders.
Und es ist lecker.


Selbstgemachter Eistee, belgische Waffeln, fruchtiges und deftiges lockt. Die Preise sind im Stuttgarter Mittel angesetzt, das Angebot klein, aber fein.
Es lohnt sich. 


Schade allerdings, dass man nicht draußen sitzen kann, aber dafür geht es dann eben ins Zimt und Zucker.

Das Konzept ist schön durchgezogen, die Macher des Super Jamis arbeiten mit den Betreibern des ersten veganen Supermarktes in Stuttgart zusammen: der Kichererbse. Es macht Spaß hier zu sein.

Also, wenn ihr Lust auf etwas anderes habt, dann besucht das
Super Jami
Bopserstr 10, Ecke Heusteigstrasse
70180 Stuttgart



Mama, Mama! Er hat gar nicht gebohrt!



Wer kennt die Werbung noch?  Oder folgende? Damit Sie morgen noch kraftvoll zubeißen können! Gegen Karies, Zahnfleischbluten oder Paradentose.
Heute wissen wir, dass Karies eine Bakterieninfektion ist, dass schlechte Zähne nicht unbedingt von schlechtem Putzverhalten kommt. Aber wir können nicht alles auf die schlechten Gene schieben.
Die Werbung und der Markt bietet eine Überfülle an Zahnpasten, -wässerchen und sonstigen Putzzubehör. Und wir kaufen es, malträtieren unser Gebiss, in der Hoffnung dem Mann in weiß nicht zu begegnen. Ob er nun Dr. Best (dieser Zahnzombie aus der Werbung) oder Dr. M**** heisst.
Dr. M**** ist mein Zahnarzt im Schwarzwald. Ich habe seit Jahren kein Kariesloch mehr – kein neues, Trotzdem sieht mein Gebiss aus wie eine Almaganmine. Jedenfalls die hinteren Backenzähne.
Ich bin weder ein Putz Held oder noch ein Putzmuffel, habe noch alle meine, auch nur Beisserchen eine Krone, weit hinten, in Gold.
Alles okay jetzt? Ne. Mich hat das erwischt, was viele erwischt, ohne Vorwarnung, ohne Zahnfleischbluten. Mein Zahnfleisch zieht sich zurück.
Aufgrund der Tatsache, dass sich mehrere Freunde schmerzhaften Knochenaufbaubehandlungen unterziehen mussten, arschteure Implantate eingesetzt bekamen und bekommen, teilweise im Ausland, weil sie es sich in Deutschland nicht leisten können…. Den Rest kann man sich denken: Panik!
Es tut weh. Es ist teuer. Es steht mir bevor. Wobei mein Zahnarzt mir freundlich zur Seite steht. Er redet nicht drum herum, aber er wählt die Worte so, dass man nicht sofort die Flucht antritt. Auch während der Untersuchung geht er so vorsichtig und sanft vor, wie er seine Worte wählt.
Balsam auf meine wunde Seele und meine Angst vor dem Mann in weiß ist zwar nicht ganz weg, aber sie – nun sagen wir mal – sie schläft gerade.
Ich sah mich schon: mit schmerzverzerrten Gesicht und aus dem Mund blutend in seinem Behandlungsstuhl sitzend. Aber nicht lange. Er ist einer der Ärzte, die es erst einmal mit sanften Mittel versuchen. Was in meinem Fall aber nicht bedeutet, dass ich um die Paradentose Behandlung ganz herum komme.


Aber erst einmal Zahnreinigung und eine gute, eigene Zahnhygiene:
Nach JEDEM Essen Zähneputzen. (Zwischendurch Snacks sind damit gestorben)
Am besten mit einer elektrischen Zahnbürste. (Muss aber nicht)
Immer die Zahnzwischenräume säubern, mit kleinen Bürstchen und Zahnseide. (Munddusche ist nicht notwendig)
Zum Abschluss dann mit einem Mundwasser spülen.

Damit wir auch morgen noch kraftvoll zubeißen können. (Auch ohne OP und Tralala...) 

Sonntag, 12. April 2015

Es lebe die Freundschaft!!!! Sonntagsgedanken - 16/2015

Sind Freundschaften ein Geschenk? Sind sie. Aber nicht jedes Geschenk wird angenommen oder passt für den Beschenkten.
Als ich nach Schömberg ins Internat zog stand bei mir eines von vorne herein fest: du verbringst dort zwei Jahre, auch nur unter der Woche, da ist alles auf Zeit.
An Freundschaften habe ich da nicht gedacht. Der Gedanke war eher: Zwei Jahre relativ gut abgesichert den Start ins neue Leben bewerkstelligen.
Klar gibt es immer wieder Menschen die man mag und denen man zugeneigt ist, aber Freundschaft ist mehr. Und Freundschaft ist kostbar. Das habe ich im Laufe meines Lebens gelernt. Viele Menschen trifft man, mit einigen verbringt man eine gute Zeit und dann, wenn es hart auf hart kommt, dann bleiben wenige über.
Und es muss passen. Der Spruch: Gegensätze ziehen sich an, stimmt zwar, aber nur wenn beide Seiten nicht nur tolerant sind, sondern eine gewisse Akzeptanz leben. Die scheitert aber meistens daran, dass man dem anderen unbewusst den eigenen Lebensentwurf *aufdrücken* möchte.
Es fängt schon damit an, wenn man erwartet, dass sich alle Freunde untereinander verstehen. Wer glaubt, dass dies klappt glaubt auch an den Weihnachtsmann.
Selbst in gut zusammengefügten Cliquen lieben sich nicht alle gleich.
Wie gesagt, ich habe da – gerade die letzten zwei Jahre, meine Erfahrungen gemacht.
Auch davor schon einmal und das ganz dramatisch. Damals entschied ich mich, der mangelnden Akzeptanz mir gegenüber den Rücken zu kehren und zu anderen Ufern zu schwimmen.
Ich habe es nie bereut. Es tat weh, erkennen zu müssen, dass man zwar toleriert wird, aber nicht akzeptiert.
Der Satz: *Wir mögen dich, obwohl du bist wie du bist*, war dann einfach zu viel, ich hatte genug und ging: im Streit. Zuerst tat es weh, dann fühlte ich mich seltsam frei.
Wenn ich jemanden mag, dann weil er ist wie er ist und nicht obwohl er ist wie er ist. Ich war das berühmte schwarze Schaf in der so wohlbekannten weißen Herde.
Nun in Schömberg bin ich eher das gefleckte Schaf, es gibt bunte Hunde, Böcke, Zicklein und das übliche Herdenvolk.
Ich bleibe meist für mich, habe ein paar Menschen die ich mehr mag als andere und ein paar die ich weniger mag. Manche schätze ich, mache sind mir suspekt. Wie im normalen Leben.
Und hier ist ganz unbemerkt ein zartes Pflänzchen gewachsen, dieses Pflänzchen Freundschaft.
Ausgerechnet zwischen zwei Menschen die nicht gegensätzlicher sein könnten, in ihrem Lebensentwurf, in ihrem Werdegang und so weiter und sofort – aber:
Es gibt auch viele Parallelen im Lebensverlauf. Auch ein paar gemeinsame Interessen außerhalb der Ausbildung. Aber viel wichtiger – und verbindender ist der Gleichklang in zwei Werten: Akzeptanz und Solidarität.
Die Agnostikerin und die Christin, der überzeugte Single und der Familienmensch, sie steht viel fester mit beiden Beinen auf dem Boden als ich, sie ist jünger, ruhiger, bedachter.
Aber stille Wasser sind tief. Sie steckt voller Überraschungen und Witz, Ich konnte einfach nicht glauben, dass sie Horrorfilme mag! Ich ja auch….
Sie kam unerwartet, diese Freundschaft. Unverhofft. Nicht erwartet, nicht gesucht. Sie entstand einfach.
Freundschaften definieren sich auch über unsere Erwartungen an den anderen. Wichtig ist, dass wir nicht erwarten, dass der andere automatisch dasselbe von uns erwartet wie wir von ihm.
Eine klare Sprache, Verständnis, aber auch Abgrenzung und Ehrlichkeit.
Freundschaft bedeutet auch Arbeit -  nicht am anderen, sondern an sich selbst. Die Bereitschaft Kompromisse einzugehen, ohne diese dem anderen dann vorzuhalten, Abstriche zu machen, Verständnis aufzubringen, Mitgefühl haben.
Da steht sie vor mir und ich frage sie nach den Hausaufgaben für AWL, sie lacht und sagt, sie hätte sie mir schon geschickt, via Outlock, sie sei ja nicht da und ich solle überprüfen, ob sie die Aufgaben richtig gelöst hätte.
So ein liebenswertes Aas. Sie weiß ganz genau, dass ich die Aufgaben nicht gemacht habe, auch ohne zu fragen. Ich muss lachen.
Freunde kennen und erkennen sich und legen einem dieses Wissen wie einen weichen Schal um, statt sie einem wie ein nasses Handtuch ins Gesicht zu schlagen.

Danke *Tschäj* das es dich gibt.

Mittwoch, 8. April 2015

Frühlingserwachen

Der Falke ruft über meinem Kopf und die Gänse brechen in Panik aus. Der Himmel ist himmelblau und die Sonne strahlt als wäre sie kurz vor dem Verglühen.
Wir drehen unsere Gesichter in Richtung Sonne wie auch manche Blume.


In der Sonne lässt es sich gut aushalten - wenn wir windgeschützt stehen.
825m über dem Meeresspiegel ist die Luft kalt. Sehr kalt. Jeden Morgen bedeckt weißer Reif das neu auskeimenden Rasen. Aber die Morgensonne verwandelt ihn gnadenlos zurück . . ,


Wir sind alle erschöpft und an manchem Morgen sind unsere Reihen sehr gelichtet. Aber es hilft nichts. Die Steuer ruft. Und bis zu unserem Praktikum ist es nicht mehr lange. Die Zeit rennt. Wir sind bald ein Jahr hier im *Lernknast*.
Aber in den Pausen sind wir draußen, den dampfenden Kaffee in der Hand, viele mit Zigarette in der Hand.
Das Wetter ist ein Traum. Und es ist schön der Natur beim Aufwachen zuzusehen. Stuttgart ist viel weiter, also die Natur in Stuttgart, aber hier ist man näher an ihr dran.
Morgens lärmen die Singvögel im Baum vor meinem Fenster. Wenn meine beiden Kater hier wären wäre was los. So liege ich morgens im Halbschlaf und überlege mir ob ich frühstücken gehe oder die letzten Minuten im herrlich warmen Bett verbringe.


Meistens hält die Decke mich fest und ich schaffe es gerade noch mir einen Kaffee zu machen, die Zähne zu putzen und ganz schnell in den Gruppenraum zu eilen.
Das Wetter lockt seit Dienstag und unsere sehnsuchtsvollen Blicke suchen ihren Weg zwischen den Lamellen des Sichtschutzes um ein Stück Himmel zu erhaschen.
Es ist Frühling, ganz sicher, auch wenn der Rauhreif noch nächtliche Attacken reitet.
Frühling. Auch wenn manchmal kalter Regen über die Berge peitscht. Es sind die letzten Zuckungen eines dreisten Gesellen, der sich Winter nennt.


Die Sonnenbrillen harren aus und warten geduldig auf ihren Einsatz, das Lachen in den Pausen ist lauter, es wird mehr gelächelt.
Und schon rufen manche nach dem Sommer.
Ich überhöre sie geflissentlich und lausche lieber den Kröten im Teich, die gerade wild am ... ähm an den Dingen dran sind, die Köten eben so tun, wenn die Frühlingssonne sie kitzelt.

Sonntag, 5. April 2015

Osterbräuche und so - Sonntagsgedanken 15/2015

Heuer bin ich sehr spät mit den Sonntaggedanken dran. Und ich habe kein bestimmtes Thema. Die letzten Wochen waren im Netz wieder mit Hysterie gefüllt, unter anderem wegen dem German Wings Absturz und der Hetzjagd auf den Schuldigen.
Ich stehe der ganzen Sache etwas fatalistische gegenüber: wenn es mich erwischen soll erwischt es mich. Allerdings widern mich die Randerscheinungen dieser Aufklärungsjagd ziemlich an.
Es ist Ostersonntag, die Christen feiern die Auferstehung ihre Helden, Gottes oder wie immer man das nennen mag. Nein ich habe kein Problem mit religiösen Menschen. Aber ich habe ein Problem mit religiösen Eiferern, die meinen dass sie ihre Gebote auf alle übertragen müssen und dürfen, egal ob sie an denselben Krimskrams glauben wie sie selbst.
Ich werde wohl der Kirche des fliegenden Spaghettimonsters beitreten, nur um manchen der geifernden Eiferer eines vor den Latz zu hauen. Versteht mich bitte nicht falsch:
Jeder soll seinen Glauben oder seinen Nichtglauben so leben wie er /sie/es für richtig hält, solange er/sie/ es nicht Menschrechte oder weltliche Gesetze missachtet.
Aber das paellt vor allem an strenggläubigen Katholiken ab.
Tanzverbot an Karfreitag. Mich macht es nicht wild, finde es aber extrem überholt, wie manch anderen Brauch. Vor allem, wenn diese Bräuche aus nichtchristlichen Religionen übernommen wurden, damit man die Heiden besser in die Kirche integrieren kann.
Die Kirchen und auch die Institutionen anderer Religionen haben sehr lange eine sehr wichtige Aufgabe erfüllt: sie haben das soziale Zusammenleben von Menschen geregelt. Aber wie in vielen solcher Situationen gab und gibt es Menschen die gleicher als gleich sind und die Situation ausnutzen. Und wenn man sich die Geschichte gerade der katholischen Kirche betrachtet tun sich Abgründe auf.
Es würde den Rahmen der Sonntagsgedanken sprengen, auf das alles einzugehen. Den Verfehlungen liegt immer derselbe Anlass zu Grunde: der Mensch mit seinen Begierden.
Ich wünsche meinen christlichen Freunden auch schöne Ostern, verschenke Schokohasen und intergiere mich auf diese Art in die Gesellschaft. Aber ich wünsche auch meinen jüdischen Freunden und moslemischen Freunden zu ihren Festen schöne Tage.
Ich respektiere ihren Glauben. Und sie meinen Nichtglauben.

Feste Regeln und Gebote sind für Menschen, die diesen Halt brauchen. Er sei ihnen gegönnt.
Wir leben in der BRD in einem Staat, der Kirche und Staat angeblich trennt. Vieles in unserer Gesetzgebung geht auf Christliche Grundwerte zurück. Dagegen wehre ich mich auch nicht. Viele dieser Werte sind grundlegend gut. Warum sich gegen etwas stellen, was gut ist, nur weil es aus einer Tradition kommt, die mir fremd wurde?
Was mich aber bläht, wenn es eben eine Gruppe gibt, die meint für alle anderen gültige Regeln erlassen zu müssen. Weder werde ich mir ein Kopftuch anziehen, weil es manche strenggläubige Moslems als wünschenswert empfinden noch werde ich mir von einigen verbohrten Katholiken sagen lassen, wie ich mich an bestimmten Tagen zu verhalten habe.
Denn: Ihre Freiheit zu glauben was sie wollen und wie sie wollen gilt auch für mich.

Von mir aus können alle religiösen Feiertage abgeschafft werden. Mal sehen wieviel der *wahren* Gläubigen ihre knappen Urlaubstage für ihren Glauben opfern würden. Das wäre es mir wert.
Und ich meine es so wie ich es sage.

In diesem Sinne: fröhliche Ostern.