Sonntag, 19. April 2015

400 -Sonntagsgedanken 16/2015

Klar sind mir meine Freunde näher als Fremde. Klar sind mir meine direkten Nachbarn näher als Menschen die am anderen Ende der Stadt wohnen. Klar sind mir meine Stadtisten lieber als CDU‘ler – jetzt rein politisch gesehen.
Und dann hört mein Verständnis schon auf.
Ich bin auch nicht empört. Ich bin des Empörens müde. Wie lange kann man sich empören bevor einen die Gleichgültigkeit erwischt? Wie lange dauert es bis der Schrecken nicht mehr schreckt,  das Leid anderer und kalt lässt während das Leid einiger Europa in einen fast hysterischen Trauertaumel jagt?
Bitter ist der Geschmack auf der Zunge, bitter ist der Nachgeschmack der Wahrheit.
Alle Menschen sind gleich – oder doch nicht?
Wo bleibt denn die ach so viel beschworene Nächstenliebe, eines Christen Pflicht, wenn ein deutscher Politiker wie de Maizière solche Worte äußert?

"Bundesinnenminister Thomas de Maizière sperrt sich gegen eine EU-Seenotrettung; damit arbeite man, sagt er, den Schleppern in die Hände. Das ist Zynismus. So werden Menschen verzweckt: Sie müssen sterben, um eine Kriminalität zu bekämpfen, die durch eine falsche EU-Politik produziert wird. Das Schlepperunwesen kann ja nur deswegen grassieren, weil Europa die Schotten dichtgemacht hat - weil es die Flüchtlinge mit allen, auch völkerrechtswidrigen Mitteln fernhält." Quelle: Süddeutsche Zeitung

Es ist mehr als Zynismus, was da aus diesen Worten klingt. Es ist pure Menschenverachtung und – in meinen Augen – auch Rassismus, was hier seinen Weg ans Licht sucht.
Als 150 Menschen in den Tod gerissen wurden trauerte Europa.
Als 12 Journalisten ermordet wurden trauerte Europa.
Wenn 400 Menschen elendig ertrinken, auf dem Weg aus einem hoffnungslosen Leben zu mehr Menschlichkeit, rechtfertigt sich Europa.
Für sein Wegsehen.
Sind diese 400 Menschen, die symbolisch für alle Menschen stehen, die ihre versuchte Flucht über das Mittelmeer mit dem Leben bezahlten, weniger wert als die 150 europäischen Urlauber oder die Redaktionsmitglieder in Paris?

In Tröglitz zünden irgendwelche Idioten ein Flüchtlingsheim an und die halbe Gemeinde steht hinter den Idioten. Sie sind nur die Spitze des Eisbergs. Europa rafft die Röcke, aber der Schmutz und das Blut klebt schon an seinem Saum.
Es wird vor Überfremdung und Islamisierung gewarnt – nun, die 400 Menschen werden nichts mehr überfremden und islamisieren. Sie werden von wenigen betrauert und schnell vergessen werden.
Ich bin nicht schockiert, nicht erschreckt über die Doppelmoral in unserer, ach so zivilisierten, Welt. Ich wundere mich nicht mehr, wieso die Retter des *christlichen* Abendlandes den Zynismus auf die Spitze treiben und gegen jeden christlichen Wert verstoßen, gegen den man verstoßen kann.

Ich bin müde. Und ich bin traurig.
Und ich denke an 400 Menschen, die nie wieder lachen werden.

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