Sonntag, 26. April 2015

Aufarbeitung? Sonntagsgedanken 17/2015

70 Jahre.
Die einen Leugnen es, die anderen erdrückt fast die ererbte Schuld und erheben bei jeder Gelegenheit den mahnenden Finger-
70 Jahre.
1945-2015.
70 Jahre ist es her, dass am 8.Mai 1945 eines der schrecklichsten Regime der Welt sein Ende fand. Ihm folgten andere Regime, manche dauern bis heute an. Nordkorea zum Beispiel.
Haben die Menschen daraus etwas gelernt? Haben wir Deutsche etwas daraus gelernt?
Zu groß das Grauen, um es wirklich erfassen zu können.
Aber wenn man sich darauf einlässt und es als Teil der Geschichte der eigenen Nation anerkennt, wenn alles mit dem nötigen Abstand betrachtet, dann merkt man schnell:
Es kann jederzeit und überall auf der Welt wieder geschehen.
Manche leugnen die Verbrechen des NS Regimes, die Frage wieso ist müßig.
Ob es einfach aus dem Wunsch einer unbefleckten Vergangenheit des eigenen *Volkes* ist, oder einfach Verdrängung, weil man es sich nicht vorstellen kann, wenn man selbst so in den Ängsten anderen gegenüber gefangen ist… Nun es gibt viele Gründe. Aber ich kann keinen gelten lassen.
Nur wer sich mit der Vergangenheit aussöhnt verfällt nicht in den Schuldkomplex und sagt nicht:
*Jetzt muss aber auch einmal gut sein*
oder
*Was habe ich denn damit zu tun?*
Da meine Mutter ein spätes Mädchen war wurde ich erst 1965 geboren – sie war damals schon vierzig. Sie hatte den Krieg und die Jahre davor miterlebt. So wie mein Vater und all meine Tanten und Onkels.
Obwohl ich der zweiten Nachkriegsgeneration angehörte wuchs ich mit Kriegsgeschichten auf.
Aber vieles erfuhr ich erst nachdem meine Eltern und Tanten und Onkel schon zu Grabe getragen waren.
Während die eine Seite meiner Familie gegen die Nazis war, bestand die andere Seite aus Mitläufern.
Weder fühle ich mich mitschuldig, an dem was damals geschah, noch trage ich eine Erbschuld.
Wie wären wir gewesen? Kann das einer von uns wirklich beantworten?
Es geht nicht um Schuld. Es geht um Verantwortung. Mitverantwortung.
Es geht darum, nicht mehr zu sagen:
*Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber…..*. Damals waren die Feinde des *Volkes* der Jude, heute ist es die zionistische Weltverschwörung und/oder der Islam.
Die Buhmänner sind austauschbar.
Und sie werden ausgetauscht. Und es werden Ängste geschürt und Vorurteile geteilt.
 
Eines der kleinen Rädchen des nationalsozialistischen Reiches steht 70 Jahre danach vor Gericht. Er trägt Mitschuld. Ohne Frage. Aber warum 70 Jahre danach? Warum nicht vor 10-20-30-40-50 Jahren?
Aufarbeitung? Fehlanzeige.
Vielleicht sollte man mal die Kader an den Gerichten und den Ermittlungsbehörden durchleuchten.
Schlagwort. NSU.


Leider.

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