Sonntag, 12. April 2015

Es lebe die Freundschaft!!!! Sonntagsgedanken - 16/2015

Sind Freundschaften ein Geschenk? Sind sie. Aber nicht jedes Geschenk wird angenommen oder passt für den Beschenkten.
Als ich nach Schömberg ins Internat zog stand bei mir eines von vorne herein fest: du verbringst dort zwei Jahre, auch nur unter der Woche, da ist alles auf Zeit.
An Freundschaften habe ich da nicht gedacht. Der Gedanke war eher: Zwei Jahre relativ gut abgesichert den Start ins neue Leben bewerkstelligen.
Klar gibt es immer wieder Menschen die man mag und denen man zugeneigt ist, aber Freundschaft ist mehr. Und Freundschaft ist kostbar. Das habe ich im Laufe meines Lebens gelernt. Viele Menschen trifft man, mit einigen verbringt man eine gute Zeit und dann, wenn es hart auf hart kommt, dann bleiben wenige über.
Und es muss passen. Der Spruch: Gegensätze ziehen sich an, stimmt zwar, aber nur wenn beide Seiten nicht nur tolerant sind, sondern eine gewisse Akzeptanz leben. Die scheitert aber meistens daran, dass man dem anderen unbewusst den eigenen Lebensentwurf *aufdrücken* möchte.
Es fängt schon damit an, wenn man erwartet, dass sich alle Freunde untereinander verstehen. Wer glaubt, dass dies klappt glaubt auch an den Weihnachtsmann.
Selbst in gut zusammengefügten Cliquen lieben sich nicht alle gleich.
Wie gesagt, ich habe da – gerade die letzten zwei Jahre, meine Erfahrungen gemacht.
Auch davor schon einmal und das ganz dramatisch. Damals entschied ich mich, der mangelnden Akzeptanz mir gegenüber den Rücken zu kehren und zu anderen Ufern zu schwimmen.
Ich habe es nie bereut. Es tat weh, erkennen zu müssen, dass man zwar toleriert wird, aber nicht akzeptiert.
Der Satz: *Wir mögen dich, obwohl du bist wie du bist*, war dann einfach zu viel, ich hatte genug und ging: im Streit. Zuerst tat es weh, dann fühlte ich mich seltsam frei.
Wenn ich jemanden mag, dann weil er ist wie er ist und nicht obwohl er ist wie er ist. Ich war das berühmte schwarze Schaf in der so wohlbekannten weißen Herde.
Nun in Schömberg bin ich eher das gefleckte Schaf, es gibt bunte Hunde, Böcke, Zicklein und das übliche Herdenvolk.
Ich bleibe meist für mich, habe ein paar Menschen die ich mehr mag als andere und ein paar die ich weniger mag. Manche schätze ich, mache sind mir suspekt. Wie im normalen Leben.
Und hier ist ganz unbemerkt ein zartes Pflänzchen gewachsen, dieses Pflänzchen Freundschaft.
Ausgerechnet zwischen zwei Menschen die nicht gegensätzlicher sein könnten, in ihrem Lebensentwurf, in ihrem Werdegang und so weiter und sofort – aber:
Es gibt auch viele Parallelen im Lebensverlauf. Auch ein paar gemeinsame Interessen außerhalb der Ausbildung. Aber viel wichtiger – und verbindender ist der Gleichklang in zwei Werten: Akzeptanz und Solidarität.
Die Agnostikerin und die Christin, der überzeugte Single und der Familienmensch, sie steht viel fester mit beiden Beinen auf dem Boden als ich, sie ist jünger, ruhiger, bedachter.
Aber stille Wasser sind tief. Sie steckt voller Überraschungen und Witz, Ich konnte einfach nicht glauben, dass sie Horrorfilme mag! Ich ja auch….
Sie kam unerwartet, diese Freundschaft. Unverhofft. Nicht erwartet, nicht gesucht. Sie entstand einfach.
Freundschaften definieren sich auch über unsere Erwartungen an den anderen. Wichtig ist, dass wir nicht erwarten, dass der andere automatisch dasselbe von uns erwartet wie wir von ihm.
Eine klare Sprache, Verständnis, aber auch Abgrenzung und Ehrlichkeit.
Freundschaft bedeutet auch Arbeit -  nicht am anderen, sondern an sich selbst. Die Bereitschaft Kompromisse einzugehen, ohne diese dem anderen dann vorzuhalten, Abstriche zu machen, Verständnis aufzubringen, Mitgefühl haben.
Da steht sie vor mir und ich frage sie nach den Hausaufgaben für AWL, sie lacht und sagt, sie hätte sie mir schon geschickt, via Outlock, sie sei ja nicht da und ich solle überprüfen, ob sie die Aufgaben richtig gelöst hätte.
So ein liebenswertes Aas. Sie weiß ganz genau, dass ich die Aufgaben nicht gemacht habe, auch ohne zu fragen. Ich muss lachen.
Freunde kennen und erkennen sich und legen einem dieses Wissen wie einen weichen Schal um, statt sie einem wie ein nasses Handtuch ins Gesicht zu schlagen.

Danke *Tschäj* das es dich gibt.

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