Mittwoch, 20. Mai 2015

Mein Stuttgart

Witzig finde ich es, wie sich die AfD momentan selbst zerlegt. Ich habe das zweifelhafte Vergnügen öfters das Blubb der Stuttgarter AfD mitzubekommen und mir stellen sich da nicht nur manchmal die Nackenhaare. Auch dass es ein Ex-FDP’ler die Stuttgarter AfD auf Fraktionsstärke gebracht hat.
Ich frage mich wie man in einer laufenden Amtsperiode von der FDP zur AfD wechseln kann. Es riecht nach *Machterhalt*.

Aber Machterhalt ist nicht alles.
Zwar schaffen es die Bildungsplangegner regelmäßig in Stuttgart ziemlich viele Menschen auf die Straße zu bringen, auch auf der Gegenseite, aber die Pegidabewegung blieb meiner Wahlheimat bisher erspart. Anfang des Jahres haben die Stuttgarter eindrucksvoll gezeigt, was sie vom der Pegida und co halten: Tausende gingen prophylaktisch auf die Strasse. Was allerdings bei einigen konservativen Kräften in Stuttgart auf Unverständnis stieß.
Der Stuttgarter Weg - Flüchtlinge werden dezentral im gesamten Stadtgebiet untergebracht - und das friedliche Zusammenleben verschiedenster Nationen, und Stuttgart hat einen hohenen Ausländeranteil und viele Mitbürger mit Migrationshintergrund - machen es den Rechten nicht leicht hier *wieder* Fuß zu fassen.
Trotz der viel geschmähten Grün-Roten Landesregierung und einem grünen OB.

Letztes Wochenende war es soweit: Externe …. Trafen sich in Stuttgart. Aus Villingen im Schwarzwald und aus Pforzheim reisten Rechtsgesinnte an. Die Pforzheimer Berserker – eine bekannte Neonazitruppe - zierte das Bild des elenden Häufleins. Zwischen 200-300 Rechtsgesinnte *was auch immer*. Ihnen stellten sich mehrere tausend Stuttgarter entgegen, eine breit aufgestellte Front, von der Linksjugend, über die Anstifter, Gewerkschaften, Kirchenvertretern, mit Prominenz aus allen bürgerlichen Parteien.
Aus allen bürgerlichen Parteien? Nein. Herr Heinrich Fiechtner, Stadtrat der AfD in Stuttgart, lief mit wehender Israelfahne mit. Hier wird es kritisch. Denn wenn ich schreibe was ich denke, dann werde ich Probleme bekommen.
Aber:
Die jüdische Gemeinde Deutschlands hat sich von dem islamablehnenden Verhaltens der Pegida distanziert. Wie kommt ein nichtjüdischer Stuttgarter Bürger dazu, der auch nicht Staatsbürger Israels ist, mit der Israelflagge auf so einer Demonstration aufzutauchen? Reine Provokation?
Leider konnte ich krankheitsbedingt mit dabei sein. Es gab aber genug Bildmaterial im Netz, Videos, Berichte von allen Seiten, Diskussionen über das Verhalten der verschiedenen Seiten, Videos zu den Redebeiträgen um sich ein umfassendes Bild zu machen.
Es war klar, dass die Youngster der Antifa die Füße nicht stillhalten würden können. Auch wenn ich ihr Verhalten nicht für zielführend halte, so kann ich die Emotionalität ihres Verhaltens so gut verstehen.
Ich würde mir wünschen wir würden es einmal schaffen eine schweigende Mauer, ein schweigendes Spalier zu bilden. Von mir aus mit Stinkefingern. Aber still. Um das Häuflein Rechter ihrer ganzen Lächerlich preiszugeben. Es wird wohl ein Wunsch bleiben.
Und trotzdem bin ich froh, dass sich die Bürger meiner Heimatstadt in so breiter Front gegen die Pegida gestellt haben.

Geschockt war ich, als eine Freundin Mayer-Vorfelder, den Demobereich der Pegida verlassen sah. Ich: Bist du sicher, dass es der Mayer-Vorfelder war? Sie: Absolut. Nun wissen wir nicht, was er dort tat. Vielleicht wollte er sich die nur mal ansehen. Aber manche glauben ja auch noch an den Klapperstorch.

Den Faschisten und den Faschistenverstehern keinen mm ……

Kommentare:

  1. Den hab ich wohl gesehen mit seiner Israelflagge, aber ich wußte nicht, wer das ist.

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  2. Eine schweigende Mauer aus blanker Abwehr wäre auch mein Traum - aber eben nur ein Traum. Ich bin wirklich nicht bekannt dafür, ständig herumzubrüllen, aber angesichts von so viel Dummheit, Hass und Verblendung verbunden mit unverholener Provokation (wohlgeschützt hinter gepanzerter Polizei, versteht sich) kann noch nicht einmal ich meine Emotionen unter Kontrolle halten. Auch meine Wut muss heraus, will ich nicht dran ersticken - und wenn dann einige ganz besonders Friedliebende auch das Schreien und den zugegebenermaßen rüden Stinkefinger schon als Gewalt werten, dann - in Gottes Namen - bin ich halt auch ein Gewaltmensch, wenn's die Situation bedingt :-)

    Und eben deshalb finde ich die Aktionen der jungen Antifas sehr verständlich und nachvollziehbar - auch wenn ich sie für absolut kontraproduktiv und auch schädlich halte. Trotzdem war ich froh, dass so viele von ihnen am Sonntag dabei waren und ich war auch stolz auf diese jungen Menschen, die noch Interessen abseits vom Mainstream und vom Dauershoppen haben.

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