Sonntag, 3. Mai 2015

Vom Glück zufrieden zu sein, Sonntagsgedanken 18/2015

Ein grauer Morgen. Fast bin ich versucht zu schreiben: klar – es ist Sonntag, wie könnte es anders sein. Aber das stimmt so nicht.
A) Ist es tatsächlich so, dass es im Moment eher zu wenig regnet und
B) passt das Wetter, weil ich Rechnungswesen pauken sollte,
C) eine gute Entschuldigung nicht in aller Herrgottsfrühe draußen irgendwo in der Pampa herumzuturnen.
Wir jammern gerne - bei jeder Gelegenheit und an unserem Unglück sind immer andere Schuld – Gott, die Gesellschaft, das System, die Umstände.
Es ist wie mit dem Wetter  - es fällt uns meist das Negative stärker auf als das Positive. Bin ich da anders? Wohl kaum. Es liegt wohl in der Natur des Menschen so zu sein.


Aber wenn man es erkennt sieht man auch den Ausweg aus diesem Kreis – das Schöne zu sehen und zu erkennen kann man lernen und man kann es dann auch genießen, sich daran freuen. Wenn man sich freut, dann lächelt man und wenn man lächelt steckt man andere an.
Das funktioniert auch in die andere Richtung. Ist man mies drauf passieren einem lauter miese Dinge.
Vor kurzen wurde mir mein Handy entwendet. Keine schöne Geschichte. Nein, wirklich nicht. Aber Glück im Unglück – mein Mobilvertrag lief gerade aus, ich konnte mir günstig eines mieten und bekam auch noch mein Wunschhandy – das Samsung Galaxy Note 4. Ein einfaches Teil hätte es auch getan, aber ich hatte mich in das Note 3 verliebt, und trauerte, als man es mir nahm, wirklich. Am meisten über die verlorenen Daten, aber auch um die technischen Spielereien. (Ich wünsche dem Dieb immer noch einen Tinitus, sch**** auf’s Karma.

Aber ich war bei den schönen Dingen des Lebens. Und hier schließt sich der Kreis zwischen dem neuen Handy, dem geklauten, dem Regenwetter:
Ich mag es spontan fotografieren zu können, ich mag es diese Bilder zu teilen, ich mag es Momentaufnahmen zu machen und in die Welt hinauszuschicken via Instagram und ich freue mich dann, wenn irgendjemanden auf der Welt, den ich nicht kenne, dieses Bild gefällt. Ob es nun ein regennasses Blatt ist, eine leuchtend rote Blüte, oder meine Katze vor dem Bücherregal. Und die Kamera des neues Handys erspart mit das mitschleppen einer sonstigen Kamera. 


Wir sind von Schönheit umgeben und nehmen doch oft nur den Dreck wahr.
Und das macht das Leben manchmal fast unerträglich. Durch die schnelle Informationsübertragung unseres Zeitalters werden tagtäglich die Katastrophen live in unser Leben gespült und wir ertrinken fast in Leid und Mitleid.
Viele schotten sich ab, bauen eine Mauer aus Kaltschnäuzigkeit und Egoismus, andere blenden es *einfach* aus. Ich kann und will beides so nicht. Ich versuche beides in Einklang zu bekommen, ohne mich schuldig zu fühlen – weil es mir gut geht, ich das Glück habe in der ersten Welt zu leben, es mir leisten zu können gut zu leben in der ersten Welt, zwei wunderbare, freche Begleiter zu haben, die Chance eine zweite Ausbildung machen zu können und schon einen Job in Aussicht zu haben.
Vor drei Jahren sah das ganz anders aus. Ich besaß mehr und war unglücklich, kaputt und ausgebrannt. Und neidisch. Heute habe ich weniger, und bin reicher denn je, auch zufrieden und oft sogar glücklich.



Es ist ein verregneter Sonntagmorgen und ich bin zufrieden damit. Meine Kater beschmusen mich ausgiebig, der Kaffee dampft, und das Rechnungswesenbuch wartet auf mich.
Das Leben kann so einfach sein.

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