Sonntag, 21. Juni 2015

Die alte Tante SPD und Big Brother - die Sonntagsgedanken 26/2015

Wir können uns vielleicht auf das Ableben einer alten Tante vorbereiten. Genauer der alten Tante SPD.
Als Kind eines Sozen-Haushalts war ich eine treue Wählerin. Als Kind war ich schon Fan von Brandt. Aber damals aus eher unpolitischen Gründen: ich war ein Papakind und mein Papa war ein glühender Soze, so wie sein Papa ein glühender Sozialist war – was ihm allerdings ein paar Besuche der Gestapo eingebracht hatte.

Opa überlebte die Nazis, trotzdem ist in unserer Familie ein gesundes Mistrauen gewissen Kräften gegenüber anscheinend in die Gene gestempelt worden. Jedenfalls einem Teil unserer Familie-
Schon als Schülerin war ich eher in der Apo unterwegs, aktiv in der damaligen Friedensbewegung.
Als der Bundeskanzler Schmidt hieß war ich das erstemal dabei die Seiten zu wechseln. Damals ging es um Nachrüstung, um Ringfahndungen, es war die Zeit der RAF. Wenn man mal von einem deutschen  Polizisten eine MG durch das offene Fenster des Autos auf den Bauch gerichtet bekam oder stundenlang an einem Grenzübergang festgehalten wurde reagiert man da etwas empfindlich. Wir wurden überwacht. Es war die Zeit in der ich Bücher wie *1984* von George Orwell und *Animalfarm* las. *Big brother is watching you* und *Alle Tiere sind gleich*.
Beide Bücher schaffen ein beklemmendes Gefühl.Eines meiner Liebligslieder damals von Eurythmics : Sex Crime

Dann kam ein TV Format: *Big Brother*. Ausspähen als Unterhaltung. Die Menschen bis auf die Toilette verfolgen. Zugucken, sich amüsieren. Ich gehörte zu dem Teil der Gesellschaft der sich diesem Format verweigerte. Ich will das nicht – weder dass diese jemand mit mir macht, noch mit jemanden anderen. Es geht mich nichts an, was andere unter der Bettdecke, auf dem Klo oder unter der Dusche treiben. Geht’s noch?

Ich entfernte mich immer mehr von der SPD, auch wenn die mit dem TV Format nichts zu tun hatte, hing aber im Herzen immer noch der sozialdemokratischen Idee an. Allerdings wurde das immer schwerer. Sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene. Schröder (Gasprom-Onkel) und Vogt (S21-Tante). Aber nicht nur das: Die SPD rutschte immer weiter in die Mitte, bis sie diese überschritten hatte.
Dann kam Gabriel. Dann kam die Groko. Meine letzten Hoffnungen schwanden als ich die selbstzufriedene Miene des Gabriels sah. Nein ich hatte die SPD seit Jahren nicht mehr gewählt, ahnte ich doch was uns blühte und leider erfüllten sich meine Vorahnungen.

Die SPD stimmte gestern der Vorratsdatenspeicherung zu. Die Empörung im Netz hielt sich allerdings in Grenzen. Ich verstehe es nicht – es geht um UNSERE PRIVATDATEN. Das geht niemanden etwas an, und hat verdammt noch mal nicht gespeichert zu werden. Von niemanden.
Und wer mir jetzt sagt: *Ich habe eh nix zu verbergen*, dem sage ich:

  • montiere deine Rolläden und Gardinen ab
  • popp doch auf der Straße
  • Mache Aushänge mit deinen Kontodaten und privater Korrespondenz
  • schließe ein Megafon an, wenn du telefonierst
  • drucke einen Surfbericht aus und veröffentliche ihn
Sicherheit geht immer
auf Kosten der Feiheit

Der Sicherheitsgedanken scheint manche Menschen zu abwegigen und skurrilen Einfällen zu bewegen. Sehr schön auch an den Helikopter- Eltern zu sehen.Jeder von uns hat Geheimnisse. Muss ja nix Schlimmes sein, kann ja auch etwas sein, was uns peinlich ist.

Herr Gabriel, treten Sie doch bitte in die CDU ein, nehmen Sie Ottermann und Maas (er war einer der Hoffnungsträger, hat sich aber in meinen Auge dermaßen ins Aus geschossen, dass da gar nichts mehr geht) mit.

Liebe SPD Basis: reißt doch bitte endlich eurer Führung die fetten Ärs… auf oder verlasst dieses Trauerspiel.
Und zum Schluss ein Fluch: Möge die 20% Grenze bei den nächsten Wahlen von denen nicht mehr erreicht werden.

Meine Güte bin ich wütend……

Kommentare:

  1. Meine Sozialisation ist eine sehr ähnliche und ich habe die sogar bis zu einer eigenen Mitgliedschaft fortgesetzt. Diese habe ich allerdings schon vor über 15 Jahren beendet. Ich bin auch wütend und wünsche der SPD eine grandiose Wahlniederlage. In Hamburg regiert König Olaf, der mich schon täglich wütend macht mit seiner Selbstherrlichkeit und bundesweit kann man auch täglich kotzen.

    AntwortenLöschen