Sonntag, 28. Juni 2015

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Sonntagsgedanken 26/2015

Sonntagmorgen. Sonne. Warm. Müde. Das Heusteigviertelfest nervt weniger wie befürchtet. Ich meide solche *Kietzfeste* in der Zwischenzeit, da sie schon lange nicht mehr für die Kietzbewohner sind, sondern eine Gelddruckmaschine. Wer hier etwas trinken und essen möchte wird arm.
Wer Spaß dran hat – na gut. Viele der direkten Anwohner sind genervt, die indirekten natürlich nicht und die Nachtschwärmer, denen es nicht eng, laut und heiß genug sein kann, auch nicht. Egal.
Es gibt schlimmeres. Viel Schlimmeres.

Griechenland steht vor dem Exodus. Nachdem man dem Land 70 Milliarden gesponsert hat, um die BANKEN zu retten, verweigert man weitere 7 Milliarden. Man schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, knechtet ein ganzes Land in Armut.
Wie war das nach dem zweiten Weltkrieg? Was hat man mit Deutschland gemacht? War da was? Ah ja – der Marshall Plan. Und einen Schuldenschnitt. Die Wirtschaftliche Förderung eines Landes, das Tod und Leid über die gesamte Welt gebracht hatte.
Und: in Stuttgart wird ein Bahnhof gebaut, der sieben Milliarden Euro kosten wird. Sieben Milliarden Euro für EINEN Bahnhof. Aber keine 7 Milliarden Euro für eine ganze Nation. (Der Vergleich stammt von einer Freundin einer Freundin, nicht von mir, aber ich finde ihn wirklich passend.) Man verweigert einen Schuldenschnitt. Man möchte ein Exempel statuieren. Dieser Verdacht kann einem schon kommen. Und wahrscheinlich ist es mehr als nur ein Verdacht. Gleichzeit läuft eine unglaubliche Propagandamaschine gegen das griechische Volk und ihre Regierung. Der Grund? Weil sie dich nicht beugen wollen.
So kann man eine Idee auch zu Grunde richten.

Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit?

In Freital rennen *besorgte Bürger* gegen eine Flüchtlingsunterkunft sturm. Man geht gegen die vor, die anders, ärmer sind. Die alles verloren haben, außer dem wenigen was sie bei sich tragen und das Leben. Ich schäme mich fremd für diese Bürger. Sie als das zu bezeichnen, für was ich sie halte, verbietet mit meine Höflichkeit und die Angst um mein Karma. Aber ich werde den Flüchtlingen Postkarten schreiben, es gibt eine schöne Aktion: Postkarten mit Willkommensgrüße sollen aus ganz Deutschland nach Freital zu den Flüchtlingen geschickt werden, um ihnen zu zeigen, dass das *Volk* vor ihrer Haustüre nicht das Deutsche ist, sondern eine fehlgeleitet Minderheit, die von Neid und Hass und Angst zerfressen ist.
Aber auch einige Konservativen in Stuttgart sind sich nicht zu schade gegen die Flüchtlingshilfe zu hetzen und teilen munter Artikel, in denen steht, dass arme deutsche Kleingärtner weichen müssen, für Unterbringungen von Flüchtlingen-
*Pfui, wie kann man aber auch! Menschen die nichts mehr haben eine Unterkunft geben und deswegen müssen ein paar auf den Schrebergarten verzichten!*
Man könnte an das letztere auch anders rangehen. Andere Standorte suchen, vielleicht nebenan, dass vielleicht die Kinder der Flüchtlinge mit den Kindern der Hierlebenden spielend Deutsch lernen könnte. Es ist so leicht immer dagegen zu sein. Aber es ist doch auch einfach Lösungen zu suchen, oder?

Menschlichkeit? Brüderlichkeit nur für Deutsche?

Die USA kann noch als Vorreiter dienen: Der USA Court hat etwas geschafft, gegen das sich die deutschen Konservativen dermaßen sträuben, dass man den Verdacht bekommen könnte, sie hätten Angst davor selbst nicht heterosexuell genug zu sein.

Gleichheit?

Einer der Hoffnungsträger der SPD, der vor gar nicht langer Zeit schrieb, mit ihm käme die Vorrat Speicherung nicht, fiel um. Schlimm genug. Aber was sein Partei*Genosse* Gall aus Baden-Württemberg sich schlug dann doch dem Fass den Boden aus*… er würde seine VERMEINTLICHEN Freiheitsrechte….* Vermeintlich? Vermeintlich? Dem Mann gehört Nachhilfeunterricht in Sachen Grundgesetz.

Freiheit?

Während der Anschlag von Tunesien wieder die*gutmeinenden * empörten, kam aus dieser Ecke nichts, als ein weißer Amerikaner in eine Kirche rannte, dort farbige Gläubige erschoss. Und wenn, dann war ein es in ihren Augen ein *durchgeknallter Einzeltäter*. In Tunesien war es natürlich der Islam. Waren die Übergriffe mit Todesfolge von weißen amerikanischen Polizisten gegen schwarze amerikanische Mitbürger auch nur Übergriffe von *einzelnen * durchgeknallten Einzeltätern? Gibt es so etwas unter Christen nicht?

Gleichheit?

Ich könnte jetzt Seite um Seite füllen, und mein Herz würde schwerer und schwerer.
Ich wurde diese Woche durch die Blume als judenfeindlich bezeichnet, weil ich es wagte die israelische Siedlungspolitik zu kritisieren. Als linke Romantikerin, weil ich es wagte, zu sagen, es sei rassistisch zu behaupten jeder Palästinenser sei ein potentieller Terrorist. Und zum Schluss wurde mir empfohlen, meine Einstellung zu Männern zu überdenken, weil ich mich gegen offenen Sexismus wehrte.

Es ist schwer. Wir haben den Zugang zu Bildung. Wir haben ein wirklich gutes Grundgesetz.  Aber wenn den Menschen immer mehr die Menschlichkeit fehlt, dann nützt das auch nichts mehr.

Think about it

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