Dienstag, 23. Juni 2015

Halbzeit - Zwischenstand

Ist es wirklich schon so weit? Unsere Vorgängergruppe hat am Donnerstag mündliche Prüfung und dann sind sie weg.

Wir stecken mittendrin. Wer wir sind? Die Azubis zum Steuerfachmann/ zur Steuerfachfrau im Berufsförderungswerk Schömberg (BFW). Wir sind ein bunter Haufen, zwischen 27-54 Jahre alt, Männlein und Weiblein, und ein/e Transsexuelle, Deutsche, eingedeutschte Polen und jede Menge Russinen (die mir fast die Liebsten sind).
Hier haben sich auch schon Pärchen gefunden und eines wird Eltern. So spielt eben das Leben.
Sind wir schon ein Jahr hier. Unglaublich.

Letztes Jahr im Mai brachte ich die letzte OP hinter mich, flog zum Depeche Mode Konzert nach London, guckte mir der Widerspenstigen Zähmung im Shakespeartheater an. Im Juni konnte ich endlich die Krücken wegwerfen.
Am 4. Juli 2014 stand ich dann mit gepackten Koffern vor dem BFW, im Schwarzwald, fühlte mich einsam, wusste nicht was auf mich zukam. Vor der ersten Klausur fiel mir fast der Stift aus der Hand.
Heute lächle ich da drüber. In vier Wochen gehe ich in mein 3-monatiges Praktikum, die Gesetze sind mir nicht mehr fremd und auch der PC, den ich schon immer mochte, hat mich ganz und gar.
Ich fühle mich wohl im Paragraphen Dschungel, auch wenn es manchmal braucht bis ich es verstehe, es macht Spaß – manche Fächer mehr – Rechnungswesen – andere weniger – Gewerbesteuer.
Mein Notenschnitt liegt irgendwo zwischen 1,4 und 1,6, nach dem Praktikum geht es straight Richtung Zwischenprüfung.
Vor einem Jahr konnte ich mein rechtes Knie kaum beugen, fast keine Treppen laufen. Jetzt wird es Step by Step besser. Das Laufen fällt leichter, die Schmerzen sind auszuhalten, auch der Rücken hält sich zurück, seitdem ich die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen mache. Hinknieen geht noch nicht so gut, aber das war ja auch noch nie mein Fall.

Die Jobaussichten sind gut. Die Steuerberater in Stuttgart suchen händeringend gute Steucherfachis und auch in der Industrie sind wir als Finanz- und Lohnbuchhalter begehrt.
Das ich altes Mädchen (50) noch einmal die Ausbildungsbank drücken würde hätte ich mir vor 5 Jahren auch nicht träumen lassen, schon gar nicht, dass ich einmal ein Paragraphenreiter werden würde –
Es macht Freude, es fordert und ich kann kaum glauben, dass schon ein Jahr ins Land gezogen ist.

Natürlich habe ich als Internatbewohnerin von Montag bis Freitag den Luxus der kurzen Wege und das ich weder Familie noch Haushalt noch Fahrtweg habe. Auf der anderen Seite fehlen mir meine Stubentiger und meine Freunde in Stuttgart.
Ich komme kaum noch zum Zeichnen und zum Schreiben, Samstags *jobbe* ich schon in einem Steuerbüro und darf mich da an Buchhaltung und Steuern austoben - unter Aufsicht natürlich.

I feel good.

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