Sonntag, 7. Juni 2015

Nie schöner die Glocken läuteten: Sonntagsgedanken

Sonntag. Gedanken machen. Gedanke aufschreiben. Versuchen fair zu bleiben. Den Schaum vor dem Mund abwischen und durchatmen. Manchmal auch kein Schaum. Aber selten etwas zum Lachen.
Im Moment fällt mir das Schreiben nicht leicht. Zwar geschieht viel, in meinem Leben, in Stuttgart, in Europa, in der Welt.
Die Nachrichten prasseln auf uns herab wie ein Gewitterhagel. Manchmal möchte man den Kopf unter die Decke stecken und nicht mehr auftauchen.
Die Welt wird dadurch nicht besser, aber das ausblenden ist so einfach. Oder doch nicht? Nun, mir gelingt es nicht. Weder was das internationale Politikgeschehen, noch das städtische Geschehen angeht.
Ich registriere und denke darüber nach.

Gerade ist der Kirchentag in Stuttgart zu Ende gegangen. Ca. 250.000 zusätzliche Menschen haben die Stuttgarter Innenstadt bevölkert, übernachteten bei gastfreundlichen Familien, in Jugendhäuser, Pensionen oder Hotels. Die Stadt brummt. Den einen gefiel es, den anderen nicht, es wurde auf der einen Seite gestrahlt, gefeiert, diskutiert, auf der anderen Seite gelästert.
Die Stadt und das Land steuerten über 8 Millionen Euro dazu. Wozu fragt sich mancher nicht Evangelist. Münster zahlt zum Beispiel nichts zum katholischen Kirchentag, warum dann Stuttgart? Prinzipiell ist es für mich okay, dass die Stadt das bezuschusste, allerdings verstand ich es nicht mehr als ich folgenden Post auf FB las:


Den Anspruch finde ich gerechtfertigt.

Aber noch einmal: Ich habe nichts dagegen, dass Stadt und Land so etwas sponsern. Aber die Frage nach dem Warum bleibt. Ein Freund schrieb in einem Kommentar: *Ich möchte nur einen Tag für Agnostiker gesponsert sehen, nur einen.* Nun, ich könnte ja auch eine Veranstaltung für *Die Kirche des fliegenden Spaghetti-Monsters* anmelden … aber vergessen wir das mal.

Was mich wirklich verärgerte waren zwei, nein drei Dinge:

1. Frau Merkel: Nicht dass sie da war, im Schlepptau den *Opa* der Nation Gauck. Sie ist ja die Mutti der Nation, also warum nicht? Aber….
was fällt dieser Frau ein für das Vertrauen gegenüber den Geheimdiensten zu werben? Was hat das mit Kirche zu tun?

2. Die S21 Demo gegen den Kopfbahnhof. Nein, Die hat mich nicht verärgert, auch wenn ich nicht unter den Fahnen der Kirche auf eine Demo gehen würde, jedenfalls nicht auf eine Demo gegen ein Projekt. Verärgert hat mich die Aussage der CDU:

ein Screenshot der gesamten Seite und damit der Quellennachweis liegt vor, bei Interesse verschicke ich es gerne. Es wurd öffentlich auf der Facebookseite eines CDU Politikers gepostet, jedem frei zugänglich.

 Liebe CDU: es ist nichts Verwerfliches daran etwas *kritisch* zu begleiten. Auch, wenn die manche den *Bäbber* „Jesus würde oben bleiben“ als anmaßend empfanden. Andere fanden ihn lustig. Ich persönlich fand ihn doof. Ich halte die Dinge gerne auseinander.

3. Zwar gab es viele Veranstaltungen zu sehr verschiedenen Themen, auch kritische, lustige. Aber es gab auf dem ganzen Kirchentag kein Friedenszentrum. Schade.

Aber auch hier ein Aber:
Hier haben sich sehr viele Menschen getroffen. Friedlich, freundlich, gut gelaunt. Schön, dass soviele Menschen auf einem Haufen so etwas können. 

Zum Schluss:
Egal ob man für so einen Event ist oder dagegen, man kann vieles tolerieren und auch akzeptieren, ohne dabei mitmachen zu müssen. Ich habe die Innenstadt gemieden, da mich Massenevents nerven, egal ob Kirchentag oder sonst etwas. Vor allem, wenn in so kurzer Zeit so viele Menschen meine Stadt fluten. Ich überlasse sie ihnen gerne. Auch für andere Feste, Tagungen etc. etc… allerdings nehme ich mir das Recht heraus leicht abgenervt zu sein UND ab und zu etwas zu lästern.

Kommentare:

  1. Ich könnte natürlich viel dazu schreiben, lasse es aber mal. Allerdings ist diese Facebookrechnung so grottenfalsch, dass es quietscht.... verkauft wurden auch deutlich günstigere Karten für Menschen mit wenig Einkommen, verschenkt wurden Karten an Flüchtlinge und selbst der Bund der Steuerzahler hat errechnet, dass der Mehrwert für eine Stadt die Zuwendungen um ein vielfaches übersteigt. Der Kirchentag zahlt für Schulen, den VVS, die Anmietung von Hallen und Arenen und vieles mehr. Die 21 Euro Quartierpauschale decken einen Bruchteil der Kosten ab, die z.B. für die Privatquartierkampagne und das ökologisch regionale Frühstück in den Schulen ausgegeben werden. Ich habe nichts gegen Kritik, halte auch manche für berechnet, es nervt mich nur, wenn so pauschaliert geurteilt wird, ohne sich wirklich mal mit dem Kirchentag auseinanderzusetzen. Das meine ich jetzt nicht auf diesen Blogbeitrag gemünzt, sondern ganz allgemein. Es sind heute sehr deutliche Worte zum Thema Flüchtlinge gefallen, zum Thema Homosexualität und den Umgang mit beiden. Kirchentage retten sicherlich nicht die Welt, aber sie sind durchaus in der Lage, anzustoßen und gesellschaftliche Debatten zu führen.
    Und es gab ein ganzes Themenzelt zum Thema Frieden.... aber das nur am Rande

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    1. Danke für die Info zum Friedenszelt, es war ein Geistlicher von dem diese Info stammt.
      Die verbilligten Karten wurden berücksichtigt, der Rechner hat auf alle Karten einen Rabatt gerechnet. Die Kirchen erhalten vom Staat eingezogene Gelder.
      Und klar werden mit den Gewinnen aus Merchandising und Eintrittsgeldern auch Ukosten bestritten. Auch habe ich die Spende der Stadt und des Landes nicht wirklich in Frage gestellt.
      Ja, ich habe auch *pauschalisierte* Kritiken mitbekommen, allerdings auch pauschalisiertes Dagegenhauen.
      Mir blieb oft nur den Kopf zu schütteln. Vor allem das Menschen es nicht fassen konnten konnten, dass andere Menschen nicht auch so *beseelt* von dem Ganzen waren.
      Auch das Gesellschaftskritisches diskutiert wurde - ja, gut. Statt der Diskussion wünschte ich mir ein einfaches Handeln. Kein Vorwurf, einfach nur eine Feststellung.
      Ich fand das Schaulaufen der Politikprominenz peinlich.
      Wie gesagt: ich räume gerne das Feld, wenn 250.000 Menschen die Stadt stürmen. Aber das mache ich - wie im Artikel geschrieben - bei jedem Großevent.
      Aber wem es Spaß macht der soll es genießen :)

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