Sonntag, 12. Juli 2015

Sonntagsgedanken 28/2015 : Syrostaurus-Rex gegen den deutschen Gartenzwerg

Kaffee jetzt, Sonne auch, Katzenhaare auf den Klamotten und auch sonst überall, zwei aufdringliche Fellchen – es muss Sonntag sein.

Aufgelöst:
Eine Woche liegt nun hinter uns, eine Woche nach dem Referendum der Griechen. Eine Woche nachdem die griechische Bevölkerung mit einem sehr klaren NEIN sich gegen weitere Einsparungen ausgesprochen hat.
Schröder, die Puppe, sagte immer: auseinanderhalten. Und das sollten wir (vielleicht?) auch hier:
Wie hätten Sie, wie hättest du entschieden, wenn du an der Stelle eines Griechen abgestimmt, nicht als Deutsche/r, sondern als Mensch, der kaum mehr etwas hat, was er zum Überleben braucht?
Ich mache mal ein Vorwurf- Berichtigungsspiel:

Wie der deutsche Michel den Griechen sieht (Griechozilla gegen den deutschen Michel):



Die griechischen Renten sind auf einem viel zu hohen Niveau!
Ne, stimmt nicht  – selbst wenn sie auf einem gleichen Niveau wie in der BRD sein sollten – die Rentner müssen ihre Medikamente selbst bezahlen. Ein Herzmittel kann aber locker 150€ im Monat kosten. Dass würde selbst mir als Nichtrentner in der BRD wehtun.
Stelle dir vor. Der Bankautomat gibt dir nur 60€, aber dein Medikament kostet das Dreifache? Und deine Kinder sind arbeitslos und die ernährst du mit deiner Rente, deine gesamte Familie?
Würdest du „JA!“ Rufen, wenn man dir sagen würde: los spare noch mehr?

Wie die deutsche Bundesregierung den griechischen Ministerpräsidenten sieht:
Syras-Rex gegen den deutschen Michel



Aber die gehen viel früher in die Rente als wir Deutschen!
Hat ein sogenannte Presseorgan in D (Das mit den vier Buchstaben) jedenfalls in einer reißerischen Überschrift behauptet, in dicken Lettern, mit Ausrufezeiten.
Fachleute haben das überprüft und kamen auf ein Renteneintrittsalter, das gerade einmal EIN JAHR unter dem der Deutsche liegt.

Wie die meisten deutschen Presseorgane das Verhältnis Griechenland-Deutschland darstellen:


Arbeitsscheues, faules Pack!
Tatsächlich? Viele Griechen haben Arbeit akzeptiert, die weit schlechter bezahlt wurde, als sie wert war/ist. Trotz ständig sinkender Arbeitslöhne, stieg die Arbeitslosenquote. Immer weniger Arbeit, zu immer schlechteren Bedingungen. Ken doppeltes Sozialnetz wie hier bei uns. Dafür Suppenküchen, Spenden. Ärzte helfen unentgeltlich, weil die Menschen sie nicht mehr bezahlen können, aber den Krankenhäusern gehen die Vorräte zu neige: Windeln, Spitzen, Verbandsmaterial. Zustände wie in den ärmsten *Dritte Welt* Ländern.

DAS ist die Seite der Bevölkerung. Die der normalen Bevölkerung. Ich spreche nicht von den Reichen, die ihr Vermögen vor dem Staat – also vor ihren Mitbürgern – in Sicherheit gebracht haben. Oder Banken, die mit Risikogeschäften gestrandet sind und damit das Geld der kleinen Leute auf den Kopf gehauen haben. Nicht die Menschen in Griechenland prosperieren von den Hilfsgeldern, sondern die Banken. Gehen aber die Banken Bankrott so gibt es auch kein Geld mehr für die Menschen.

Mir tut der griechische Ministerpräsident leid. Er hat ein sinkendes Schiff übernommen und treibt hilflos auf hoher See. Während man seiner Vorgängerregierung wohlwollend unter die Arme griff – es war ja auch ein *bürgerliche* Regierung – so erwartet man von ihm, dass er in kürzester Zeit all das ausbadet, was seine Vorgänger ihm eingebrockt haben. Als seine Vorgänger das Feld räumten, nahmen sie alles mit, was nicht niet- und nagelfest war.
Man mag von ihm halten was man will, aber fair ist das nicht.
Aber Fairness in einer Welt zu suchen in der das Geld regiert ist wohl etwas naiv.

Was wir brauchen in Europa?
Mehr Menschlichkeit!
Die europäische Idee ist mehr als nur Geld!
Und die gibt es schon. Wer die Menschen in Griechenland unterstützen möchte: es gibt verschiedene Möglichkeiten, unter anderem bei Amazon einfach bei Wunschliste suchen; Griechenlandhilfe eingeben: da kann man wirklich direkt helfen.
Oder, wenn man Amazon nicht unterstützen möchte (dafür gibt es viele, gute Gründe, ich weiß) kann sich auch andersweitig einbringen: wendet euch an die griechischen Ortsvereine, die sagen euch schon wie.
Efkaristo.

1 Kommentar:

  1. gut. sehr, sehr gut. danke dafür! da fällt mir ein: ich könnte auch mal wieder was schreiben... schönen sonntag dir und den fellchen!

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