Sonntag, 30. August 2015

Sonntagsgedanken - die Seele baumeln lassen 36/2015

Die Anker in meinem Leben sind meine Freunde, meine zwei Kater und der wiedergefundene Glaube daran, dass alle gut werden kann. Ich glaube nicht daran, dass alles von alleine gut wird. Es muss etwas dafür getan werden. Jeder für sich alleine reicht aber auch nicht. Wir müssen füreinander etwas tun.
Manchmal reichen kleine Gesten, ein Lächeln, ein Zuhörer, ein Gespräch.
Manchmal muss es etwas mehr sein. Mit materieller und psychologischer Unterstützung.
Manchmal reicht es im Freundeskreis, manchmal braucht es Unterstützung von oben, außen. Manchmal länderübergreifend.
Was für Glück ich hatte, erfahre ich momentan fast täglich, wenn ich mitbekomme was für Schwierigkeiten Freunde und Bekannte mit ihren Krankenkassen, mit der Rentenversicherung und anderen Dingen haben.
Der erste Schritt raus aus der Misere ist darüber zu sprechen.
Mit wem auch immer.
Wenn das nicht reicht: Hilfe anfordern. Auch hier die Schritte:
Familie, Freunde, Ärzte, staatliche Stellen.
Man sagt: In der Not zeigt sich wer deine wahren Freunde sind. Ja kann sein. Aber wer vor der Not sich nicht um seine Freunde gekümmert hat muss sich nicht wundern, wenn er dann alleine da steht. Die meisten guten Freundschaften haben sich bei mir erst in der Zeit der Not gebildet. Nicht weil mir Menschen helfend unter die Arme griffen. Sondern weil sie mich da kennenlernten und mich so akzeptierten wie ich war/bin.
Wer mich akzeptiert wie ich bin,  dem begegne ich mit dem gleichen Respekt. Natürlich gehören noch andere Dinge dazu, aber das ist die Grundvoraussetzung wäre damit vorhanden.
Wenn vor drei Jahren noch jede zusätzliche Begegnung Stress war, ich kaum angekommen war, ich schon wieder weg wollte, weil ich alles außerhalb meiner eigenen vier Wänden als Belastung empfand. Ich mich schlaflos nach Schlaf sehnte und ihn nicht fand. Ich sehnte mich nach *Zusammensein* und ertrug dieses nicht, sehnte mich dann sofort wieder nach dem Alleinsein. Ich war nur zufrieden, wenn ich in Bewegung war, auf Reisen, auf dem Weg. Rastlos, ohne Ruhe, raste ich durch meine Lebenszeit und verpasste das Leben.

Wie unglücklich ich war, erkannten nur wenige. Und es suchte keiner meine Nähe, denn ich strahlte eine Rastlosigkeit aus, die jeden schreckte.
Mein Körper und auch meine Psyche zogen die Reißleine und zwangen mein Herz zur Ruhe. Das wollte aber nicht. Was man jahrelang aushält, erträgt, auf sich nimmt, obwohl man Angst hat, Zorn und Wut in sich trägt, aber alles verbirgt oder leugnet, bricht sich irgendwann die Bahn, wie ein Fluss bei einem Hochwasser. Was nicht fest verankert ist wird hinweggerissen, und wenn man zu lange gewartet hat, wird man selbst, dass eigenen Ich, hinweggespült.



Gestern besuchte ich Freunde. Gurkte mit Nahverkehrszügen und Schienenersatzverkehr übers Land, in überhitzten Zügen oder eisgekühlten Abteilen, nicht genau wissend wo und wann ich wie weiter kommen würde. Der Lohn war ein entspannter Nachmittag mit Freunden, Kindern und Katzen, einem herrlichen alten Kirschbaum im Garten, der vor uns aufragte. Und einen der schönsten Sonnenuntergänge dieses Jahres und dieses Jahr schenkte uns schon viele schöne Sonnenuntergänge.

Ich bin im Jetzt angekommen. Die Sorgen und Nöte, die unterdrückten Gefühle und die Angst der letzten Jahre sind vergangen, die Schmerzen – sowohl die körperlichen als auch die der Seele, existieren nur noch als leises Echo, kaum wahrnehmbar.
Unausgesprochene Konflikte sind geklärt. Und was morgen ist werde ich sehen, wenn es so weit ist.
Ich gebe es zurück, an die die es brauchen. Und ich tue es gerne.
Und ich lächle die junge Frau mit dem farbenfrohen Kopftuch an, die so verloren in der U-Bahn steht, wasche die Wäsche der Mutter eines Freundes, gebe betroffenen Freunden Tipps für den Umgang mit der Rentenversicherung oder einfache Auskünfte was man tun muss, wenn man mit dem Alltag nicht mehr zurechtkommt und sich ein Abgrund vor einem auftut.


Wenn es aber dann Zeit ist die Seele baumeln zu lassen mit Freunden, dann streckt sich meine Seele in der angebotenen Hängematte aus, schaukelt in den Tag hinein. Denn das ist ein weiterer Anker in meinem jetzigen Leben:
Ruhepausen. Voller Ruhe und Frieden. Und dies dann auch genießen. 


Sonntag, 23. August 2015

Sonntagsgedanken - 34/2025- HELFT!


Die letzten Sonntage, den letzten ließ ich sogar ganz unter den Tisch fallen, hat das Bloggen nicht wirklich Spaß gemacht. Die Angriffe auf den Blogger Heinrich Schmitz, das hochkochen der rechten Brut, die Hetze und Häme in den sozialen Netzwerke von den Rechten war einfach nicht mehr zu ertragen.

Deswegen heute etwas Positives und nur weniges Negatives.
Meine Helden:

Klaus S.:
Ein Facebook  Buddie von mir ist mit der Seenotrettung im Mittelmeer unterwegs. Klaus hat auf dem Schiff der Sea-watch.org angeheuert. Ich kenne ihn aus der Kein S21 Bewegung und neige mein Haupt. Danke

Patricia S. und Karin B.:
Meine beiden MitstadtistInnen haben sich früh für die Flüchtlingshilfe vor Ort engagiert und haben in der Zwischenzeit die Internetseite *Refugees welcome to Stuttgart* gegründet. Sie haben Mitstreiter gewonnen, die nichts mit Politik am Hut haben, und sind unermüdlich am Organisieren, Kontakte vermitteln.
Danke.

Viele andere aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis tun ihres dazu, dass die Welt menschlich bleibt, sie stehen im Netz und im Real live den Hetzern und Hater entgegen, nehmen es ernst und die Hand.
Danke.

Das ein Stuttgarter Stadtrat meinte unangemeldet sich Zugang zu einem Heim für traumatisierte Flüchtlingskinder und Jugendliche verschaffen zu müssen, mit der Begründung er sei ja Stadtrat ist eine der unschöneren Geschichten. Was sein Besuch gebracht hat? Nichts. Die Missstände die *aufgedeckt* hat waren schon bekannt. Abhilfe zu schaffen ist zurzeit nicht so einfach: es fehlt an allem, vor allem an geeigneten Wohnraum.
Hätte er den vermittelt, hätte ich seine *Besorgnis* ernst genommen. So sortiere ich diesen Vorfall unter einem weiteren Versuch der Eigenwerbung, bei einer gewissen Klientel, ein. Bei denen kommt die Aktion ja auch sicher gut an.

Wer helfen will kann es an vielen Stellen.
In Stuttgart könnt ihr euch an die Freundeskreise wenden oder aber einfach auf die Facebookseite der Refugees gehen.: https://www.facebook.com/refugees.welcome.to.stuttgart?fref=ts

Wer die tapferen Seefahrer unterstützen möchte:
Sea Watch Org.

Und noch etwas:
schreibt!
Schreibt an eure Abgeordneten, an eure Landräte, Bundestagsabgeordneten, an die Kanzlerin. Sagt, dass ihr nicht einverstanden seid mit Meinungsmache und unterlassener Hilfeleistungen.
Lasst nicht länger zu, dass die schreilustige rechte Minderheit so tut als sei sie des Volkes Stimme.

Danke.

Sonntag, 9. August 2015

Rückzug? - Sonntagsgedanken 32/2015

   Es ist schwül. Es ist heiß. Es ist Sommer.
Nicht nur die Luft kocht. Auch die Volksseele.
Wie oft hatte ich dieses Thema schon? Unzählige Male und viel zu oft. Weil es notwendig ist. Auch wenn das Bloggen über dieses Thema nun wirklich keinen Spaß macht.
Zu viele fremdenfeindliche *Volks*deutsche, zu viele rassistische Menschen, zu viele Rechtsradikale.
Sie als Dumpfbacken hinzustellen ist falsch.
Sie zu verharmlosen ist gefährlich.
Sie sind unter uns. Sie sind unsere Nachbarn, Kollegen, wir sind mit ihnen befreundet und wissen teilweise nicht wie sie ticken.
Irgendwann outen sie sich und dann ist man meistens im ersten Moment überfordert, möchte ihnen am Liebsten….
Aber mit Beleidigungen darauf zu reagieren ist nicht sinnvoll.
Also diskutiert man, stellt Fragen, stellt in Frage, stellt die Rechtslage.
Man trifft in den sogenannten Social Medias Gleichgesinnt, man lernt sich ein klein wenig kennen und schätzen.
Man trifft auch die anderen. Die Haters. Die mit Beleidigungen und Geschichten vom Hörensagen reagieren. Die die einem alles absprechen was in einer Diskussion von Nöten ist und die selbst nichts liefern – außer Ängsten, Vorurteilen und ganz viel Hass.
Nicht jeder der Angst hat, dass wir das Problem mit den Flüchtlingen in Griff bekommen ist automatisch ein Nazi, ein schlechter Mensch. Nein. Bestimmt nicht.
Die Grenze ist fließend. Und wer sich aber der Flut entgegenstellt lernt deren Mobilität und Wucht kennen. Aus dieser Masse heraus agieren einzelne gezielt, kalkuliert und kaltblütig.
Ich rede nicht von den Schlägern. Sondern von den Agitatoren.
Sie zielen auf das was uns am Liebsten ist – unsere Freunde, unsere Familien.
Eine Tages stolperte ich im Netz über Heinrich Schmitz. Ein gestandener Mann, Rechtsanwalt, schreib- und redegewandt, mit Wortwitz, Herz und ein – Faschingfan.
Kölner? Düsseldorfer? Keine Ahnung, aber ich mag seine Art. Und seinen Kampfgeist. Seinen Mut sich den Hetzern entgegen zu stellen, den wunden Punkt zu finden und gekonnt den Finger darauf zu legen. Und das Ganze mit einem bissigen Humor der seiner Intelligenz in nichts nachsteht.
Und dann kam der Anruf. Der Polizei bei seiner Tochter, er hätte ihre Mutter, seine Ehefrau ermordet und das der Polizei gemeldet. Auch rief die Polizei bei seiner Frau an.
Dass er und seine Familie fassungslos waren kann sich ja wohl jeder denken.
Die Gegenangriffe hatten ein Maß erreicht, die das Erträgliche in jedem Rahmen sprengten.
Heinrich ist kein Typ der sich leicht einschüchtern lässt. Ich habe s oft miterlebt, wie gekonnt er darauf reagierte.
Wahrscheinlich versucht einer oder eine Gruppe, die schon den Petitionsersteller *Heime ohne Hass* einschüchterte eben diese Petition zu stoppen. Heinrichs Einsatz für diese Petition scheint dann die Täter auf die Spur gelockt zu haben.
Heinrich reagierte auf die einzig logische Weise – er zog sich zurück. Seine Begründung könnt ihr hier lesen:
Heime ohne Hass:
Ist dies eine Niederlage? Wäre es wohl gewesen, wenn er sich wortlos geduckt hätte. Tat er aber nicht. Er trat ins Licht und erklärte öffentlich warum, und das die Petition und die Idee dahinter nicht sterben dürfe.
Und sein Anliegen wurde erhört – eine Sympathiewelle brandete auf und die Petition wird geteilt, beworben.
Für ihn treten andere in die erste Reihe.
Zusammen sind wir stark, auch wenn man einzelne Steine aus unserer Mauer herausbricht. Die fangen wir auf und lassen sie nicht alleine.


Keinen Zentimeter dem rechten Terror und Gewalt!

Freitag, 7. August 2015

Fleisch!



Gott schuf die Erde am 12. Tag – sagen die Christen. Ähm. Am siebten Tag. ‚Am zwölften Tag‘ ist der Titel des Spiegelbestellers von Wolfgang Schorlau, der hat seinen Antihelden Dengler wieder ins Rennen geschickt, diesmal samt Sohnemann und Exfrau. Seiner Freundin und Exkollegen.

Ich lese momentan nicht viel bzw. nur Fachbücher. Die Prüfung nächstes Jahr im Januar macht mich schon ein klein wenig nervös, aber diesen Thriller hatte ich in zwei Tagen durch. Eines Abends angefangen signalisierte mir nach drei Stunden das Augenbrennen – Fehler. Ab ins Bett! Aber da lag ich doch schon, die Augen an die Seiten geheftet – ja ich lese noch Papierbücher, ich liebe den Geruch (wenn meine dauerverstopfte Nase mal frei macht) und das Gefühl unter den Fingern.
Irgendwann gab ich auf. Auber kaum klingelte der Wecker und war der erste Kaffee fertig steckte ich meine Nase wieder zwischen die Seiten. Nach dem Unterricht ging es weiter. Diesmal die halbe Nacht.
Der Roman hat mich seltsam persönlich berührt. Wie einige wissen versuche ich seit Jahren vegan zu leben. meist gelingt es. Mal mehr Mal weniger. Dabei ist es gar nicht schwer, wenn ma selbst koch und tsich selbst versorgt. Internat habe ich angefangen zu *sündigen*, hier einmal Butter, da etwas Käse und so führte das eine zum anderen.
Warum ich jetzt damit anfange?
Nun in diesem Buch geht es um den Grund, warum viele Deutsche vegan, zumindest Vegetarier werden -und warum auch ich es wurde.

Die Machenschaften der Fleischindustrie. Einer der Darsteller – Laura – ist eine junge Frau, die den Weg des Veganismus beschritten hat und andere bekehrt hat. 
Obwohl sie Fleisch mag. Steak, Schmorbraten, Rouladen.
Sie lernt Denglers Sohn kennen und *bekehrt* ihn und andere. Und sie werden aktiv. Sie sind „Ermittler“ in Sachen „Fleischproduktion“. Und das dies nicht ohne ist erfahren sie bald am eigenen Leib.

Das nicht nur mich das Buch nicht mehr losließ erfuhr ich durch Zufall – mein Umsatzsteuerdozent (ein Finanzbeamter durch und durch) erwähnte es, dass ihm Pute essen nach der Lektüre vergangen sei. Da lag das Buch noch unberührt auf meinem Nachttisch. Aber eben nur bis zu diesem Tag.
Walter Schorlau schafft es uneitel, geradlinige verschiedene Erzählstränge – spannend – parallel bis kurz zum Schluss parallel laufen zu lassen, man hechtet auf den letzten Seiten den Worten hinterher, möchte die Geschichte überholen und die Spannung würde einen an den Nägeln kauen lassen, wenn man nicht die Buchseiten umblättern müsste.

Es geht *nur* um Tiere? weitgefehlt. Ein wichtiger Aspekt ist die Ausbeutung der Menschen, die in so einem System arbeiten. Nein, nicht die deutschen Metzgermeister. Die Billiglohnarbeiter. Die die in keiner Statistik des Arbeitsmarktes auftauchen. Die Menschen *zweiter Wahl/Klasse*. Die, die jeden Job für wenig oder gar kein Geld machen, weil die Not sie zwingt.
Die, gegen die gerade so viel gehetzt wird.
Die Ausländer, vor allem die Rumänen.

Fakten und Fiktion mischt der Autor zu einem Erzählstrang, der einen immer weiter in die Geschichte zieht, bis man alles um sich vergisst.
Geldgier, Korruption, persönlicher Einsatz, Idealismus, Kaltschnäuzigkeit, Mitgefühl – das alles wirbelt zusammen und bleibt doch so klar. Es graust einen, da trotz der ganzen Fiktion doch so viel Wahrheit und bekannte Fakten einen von den Seiten förmlich anspringen. und rufen "Jetzt tu' nicht so, als hättest du keine Ahnung gehabt!'.





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Wolfang Schorlau
Am zwölften Tag (Denglers siebter Fall)
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Sonntag, 2. August 2015

Sonntagsgedanken - 31/2015 Das Netz


Im Moment scheint es ja in Deutschland mal wieder so weit zu sein.
Nazis, Neonazis und Möchtegernpatrioten werden frech und machen vor Polizisten den Hitlergruß und gegen alles, was ihrem Weltbild nicht passt, mobil. In Jeder Abstufung der Gewalt. Vom gesprochenen, geschriebenen Wort, von Pöbeleien über Handgreiflichkeiten zu handfesten Gewalttaten und Schüssen, Drohungen, Brandanschlägen auf unbewohnte und bewohnte Häuser und Wohnungen.

Dann schreitet die Staatsanwaltschaft ein. Aber gegen die Nazis? Nö. Man geht gegen ein Presseorgan vor, wegen dem *Verdacht auf Landesverrat*. Die kleine Denkfabrik der Blogger Netzpolitik.org – sie ist in die Schusslinie des Bundesanwalts geraten:
Bei der gesamten Abhörgeschichte mit Mutti Merkel & co hat er keinen Handlungsbedarf gesehen, aber hier will er – oder wollt er hart durchgreifen. Nun ja, ist ja auch nicht so ein mächtiger Gegner wie der Spiegel, an dem hatte sich ja schon der CSUler Strauß die Zähne ausgebissen.
Nach dem Sturm der Entrüstung im Netz hat sich auch der Generalbundesanwalt – nun, sagen wir mal, etwas kleinlaut, zurückgezogen.

Also nicht das ihr denkt, dass da ein Zusammenhang besteht – also zwischen Nazis, Generalbundesanwalt, versuchte Einschüchterung der Presse, auch wenn es *nur* gegen Blogger geht, und das runterspielen der Abhöraktionen durch die NSA. Nein, nein, nein.
Es wird nicht versucht, die Bürgerechte einzuschränken, nein, man ist nicht auf dem rechten Auge blind, nein, die NSA hat nie, aber nein…...

Womit wir beim eigentlichen Thema wären – das Netz.
Das Netz ist kein rechtsfreier Raum. Egal für wen. Auch nicht für mich. Man sollte sich genau überlegen was man bei wem und wo äußert. Mal davon abgesehen, dass das ja nur der sichtbare Teil des eigenen Charakters ist.
Als ein Azubi von einem großen Automobilbauer in einem Social Network Flammenwerfer statt Wasserspiele für fröhliche Flüchtlingskinder forderte gab es Leute dich sich nicht nur darüber aufregten, sondern handelten. Sie machten Screenshots und schickten diese zu Porsche. Das Unternehmen handelte und entließ den jungen Mann.
Porsche stand dann in der Kritik: Wie könne man, der verdiene eine zweite Chance... etc.
Kleine Frage: wo sind diese Leute bei den ganzen Hasspostings gegen andere Menschen.
Der Azubi ist in der Zwischenzeit kein Einzelfall mehr. Unternehmen wehren sich gegen solche Mitarbeiter.
Die verlieren ihren Job.
Wer ist daran schuld? Die Unternehmen, die Flüchtlinge? Nein, nur der, der den Hass verbreitet.

Auch hatte ich ihm Bekanntenkreis mitbekommen, wie jemand den Holocaust leugnete –bzw. *wissenschaftlich gesehen die Fakten* anzweifelte. Diese Person tat das öffentlich. Nun, jemand zeigte ihn an und das Verfahren läuft. Nein, der jemand war nicht ich, was ich zu meiner Schande gestehen muss.
Es gab den Holocaust. Und wer versucht ihn zu relativieren, zu leugnen oder *wissenschaftlich gesehen ihn anzweifelt* macht sich nach deutschen Recht strafbar. Zu Recht. An sechs Millionen getöteter Juden und an dem Mord an politischen Häftlingen, geistig und körperlich behinderter Menschen, Massenmord an Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern aus anderen Ländern gibt es nichts zu relativieren.
Man muss die Vergangenheit nicht *anzweifeln*, um sich nicht schuldig zu sehen.
Aber man sollte sie anerkennen, damit sich ähnliches nicht wiederholt.

Freital. Freital ist nur die Spitze des Eisberges und nach und nach wird klar: im Osten der Republik läuft einiger schief. Im Westen auch. Das Problem im Osten ist das *Wegsehen* der öffentlichen Dienstes, bzw. das zeitverzögerte Handeln. Zumindest sieht es so aus. Es hat den Anschein, dass es so ist. (Rum-Geeiere, damit mi keiner eine Verleumdungsklage an den Hals hängen kann.)
Freital ist überall und ich habe gestern gerade den Satz gelesen, dass die Brandsätze aus der Mitte geworfen werden.
Oh ja. Die geistigen Brandstifter tragen Krawatte und Anzug und nennen sich christlich-sozial, oder christlich-demokratisch. Ob sie das sind, sozial, christlich und demokratisch darf gerne angezweifelt werden.
Dagegen ziehen andere Menschen ins Feld. Überrascht war ich, dass Till Schweiger, der deutsche Vorzeige Machomann, sehr deutliche Worte für die Hetzer gefunden hat. Daumen hoch Till, auch wenn ich ihn als Schauspieler furchtbar finde. 

Hier ein paar Fakten, damit ihr euch selbst orientieren könnt:
https://netzpolitik.org/2015/podcast-zum-landesverrat/

Die Rechtslage


§ 94  STGB Landesverrat
(1) Wer ein Staatsgeheimnis
1. einer fremden Macht oder einem ihrer Mittelsmänner mitteilt oder
2. sonst an einen Unbefugten gelangen lässt oder öffentlich bekanntmacht, um die Bundesrepublik Deutschland zu benachteiligen oder eine fremde Macht zu begünstigen,
und dadurch die Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.
(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe lebenslange Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter
1. eine verantwortliche Stellung missbraucht, die ihn zur Wahrung von Staatsgeheimnissen besonders verpflichtet, oder
2. durch die Tat die Gefahr eines besonders schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland herbeiführt.
Ihre schlimme Tat liegt in der Veröffentlichung eines als „vertraulich“ eingestuften Haushaltsplans des Bundesamts für Verfassungsschutz, aus dem hervorgeht, dass dieser 2,75 Millionen Euro für die massenhafte Erfassung von Daten aus sozialen Netzwerken erhalten hat.
§ 130 Volksverhetzung
(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,
1.gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder
2.die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,
wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
1.eine Schrift (§ 11 Absatz 3) verbreitet oder der Öffentlichkeit zugänglich macht oder einer Person unter achtzehn Jahren eine Schrift (§ 11 Absatz 3) anbietet, überlässt oder zugänglich macht, die
a)zum Hass gegen eine in Absatz 1 Nummer 1 bezeichnete Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer in Absatz 1 Nummer 1 bezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung aufstachelt,
b) zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen in Buchstabe a genannte Personen oder Personenmehrheiten auffordert oder
c) die Menschenwürde von in Buchstabe a genannten Personen oder Personenmehrheiten dadurch angreift, dass diese beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,
2. einen in Nummer 1 Buchstabe a bis c bezeichneten Inhalt mittels Rundfunk oder Telemedien einer Person unter achtzehn Jahren oder der Öffentlichkeit zugänglich macht oder
3. eine Schrift (§ 11 Absatz 3) des in Nummer 1 Buchstabe a bis c bezeichneten Inhalts herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, bewirbt oder es unternimmt, diese Schrift ein- oder auszuführen, um sie oder aus ihr gewonnene Stücke im Sinne der Nummer 1 oder Nummer 2 zu verwenden oder einer anderen Person eine solche Verwendung zu ermöglichen.
(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.
(4) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stört, dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt.
(5) Absatz 2 Nummer 1 und 3 gilt auch für eine Schrift (§ 11 Absatz 3) des in den Absätzen 3 und 4 bezeichneten Inhalts. Nach Absatz 2 Nummer 2 wird auch bestraft, wer einen in den Absätzen 3 und 4 bezeichneten Inhalt mittels Rundfunk oder Telemedien einer Person unter achtzehn Jahren oder der Öffentlichkeit zugänglich macht.
(6) In den Fällen des Absatzes 2 Nummer 1 und 2, auch in Verbindung mit Absatz 5, ist der Versuch strafbar.
(7) In den Fällen des Absatzes 2, auch in Verbindung mit Absatz 5, und in den Fällen der Absätze 3 und 4 gilt § 86 Abs. 3 entsprechend.

Gesetze sind nicht uncool. Gesetze sind notwendig, um unser Zusammenleben zu regeln. Und unsere Gesetze sind gar nicht so schlecht.
Also haltet euch dran und notfalls handelt:
Anzeigen ist kein Petzen.
Es ist unser Staat. Helft mit ihn zu schützen.