Freitag, 7. August 2015

Fleisch!



Gott schuf die Erde am 12. Tag – sagen die Christen. Ähm. Am siebten Tag. ‚Am zwölften Tag‘ ist der Titel des Spiegelbestellers von Wolfgang Schorlau, der hat seinen Antihelden Dengler wieder ins Rennen geschickt, diesmal samt Sohnemann und Exfrau. Seiner Freundin und Exkollegen.

Ich lese momentan nicht viel bzw. nur Fachbücher. Die Prüfung nächstes Jahr im Januar macht mich schon ein klein wenig nervös, aber diesen Thriller hatte ich in zwei Tagen durch. Eines Abends angefangen signalisierte mir nach drei Stunden das Augenbrennen – Fehler. Ab ins Bett! Aber da lag ich doch schon, die Augen an die Seiten geheftet – ja ich lese noch Papierbücher, ich liebe den Geruch (wenn meine dauerverstopfte Nase mal frei macht) und das Gefühl unter den Fingern.
Irgendwann gab ich auf. Auber kaum klingelte der Wecker und war der erste Kaffee fertig steckte ich meine Nase wieder zwischen die Seiten. Nach dem Unterricht ging es weiter. Diesmal die halbe Nacht.
Der Roman hat mich seltsam persönlich berührt. Wie einige wissen versuche ich seit Jahren vegan zu leben. meist gelingt es. Mal mehr Mal weniger. Dabei ist es gar nicht schwer, wenn ma selbst koch und tsich selbst versorgt. Internat habe ich angefangen zu *sündigen*, hier einmal Butter, da etwas Käse und so führte das eine zum anderen.
Warum ich jetzt damit anfange?
Nun in diesem Buch geht es um den Grund, warum viele Deutsche vegan, zumindest Vegetarier werden -und warum auch ich es wurde.

Die Machenschaften der Fleischindustrie. Einer der Darsteller – Laura – ist eine junge Frau, die den Weg des Veganismus beschritten hat und andere bekehrt hat. 
Obwohl sie Fleisch mag. Steak, Schmorbraten, Rouladen.
Sie lernt Denglers Sohn kennen und *bekehrt* ihn und andere. Und sie werden aktiv. Sie sind „Ermittler“ in Sachen „Fleischproduktion“. Und das dies nicht ohne ist erfahren sie bald am eigenen Leib.

Das nicht nur mich das Buch nicht mehr losließ erfuhr ich durch Zufall – mein Umsatzsteuerdozent (ein Finanzbeamter durch und durch) erwähnte es, dass ihm Pute essen nach der Lektüre vergangen sei. Da lag das Buch noch unberührt auf meinem Nachttisch. Aber eben nur bis zu diesem Tag.
Walter Schorlau schafft es uneitel, geradlinige verschiedene Erzählstränge – spannend – parallel bis kurz zum Schluss parallel laufen zu lassen, man hechtet auf den letzten Seiten den Worten hinterher, möchte die Geschichte überholen und die Spannung würde einen an den Nägeln kauen lassen, wenn man nicht die Buchseiten umblättern müsste.

Es geht *nur* um Tiere? weitgefehlt. Ein wichtiger Aspekt ist die Ausbeutung der Menschen, die in so einem System arbeiten. Nein, nicht die deutschen Metzgermeister. Die Billiglohnarbeiter. Die die in keiner Statistik des Arbeitsmarktes auftauchen. Die Menschen *zweiter Wahl/Klasse*. Die, die jeden Job für wenig oder gar kein Geld machen, weil die Not sie zwingt.
Die, gegen die gerade so viel gehetzt wird.
Die Ausländer, vor allem die Rumänen.

Fakten und Fiktion mischt der Autor zu einem Erzählstrang, der einen immer weiter in die Geschichte zieht, bis man alles um sich vergisst.
Geldgier, Korruption, persönlicher Einsatz, Idealismus, Kaltschnäuzigkeit, Mitgefühl – das alles wirbelt zusammen und bleibt doch so klar. Es graust einen, da trotz der ganzen Fiktion doch so viel Wahrheit und bekannte Fakten einen von den Seiten förmlich anspringen. und rufen "Jetzt tu' nicht so, als hättest du keine Ahnung gehabt!'.





Absolute Buchempfehlung
Wolfang Schorlau
Am zwölften Tag (Denglers siebter Fall)
erschienen im Kiwi Verlag
Auch als E-Book erschienen
€9.99

1 Kommentar:

  1. Ich habe schon mehrere Denglers gelesen... ich finde sie alle empfehlenswert. Pute esse ich schon lange nicht mehr, da traue ich nicht mal den Ökos. Fleisch nur, wenn ich weiß, wo es her kommt. Und da Biofleisch relativ teuer ist, verringert sich mein Konsum ganz automatisch. Ganz verzichten möchte ich nicht.

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