Sonntag, 9. August 2015

Rückzug? - Sonntagsgedanken 32/2015

   Es ist schwül. Es ist heiß. Es ist Sommer.
Nicht nur die Luft kocht. Auch die Volksseele.
Wie oft hatte ich dieses Thema schon? Unzählige Male und viel zu oft. Weil es notwendig ist. Auch wenn das Bloggen über dieses Thema nun wirklich keinen Spaß macht.
Zu viele fremdenfeindliche *Volks*deutsche, zu viele rassistische Menschen, zu viele Rechtsradikale.
Sie als Dumpfbacken hinzustellen ist falsch.
Sie zu verharmlosen ist gefährlich.
Sie sind unter uns. Sie sind unsere Nachbarn, Kollegen, wir sind mit ihnen befreundet und wissen teilweise nicht wie sie ticken.
Irgendwann outen sie sich und dann ist man meistens im ersten Moment überfordert, möchte ihnen am Liebsten….
Aber mit Beleidigungen darauf zu reagieren ist nicht sinnvoll.
Also diskutiert man, stellt Fragen, stellt in Frage, stellt die Rechtslage.
Man trifft in den sogenannten Social Medias Gleichgesinnt, man lernt sich ein klein wenig kennen und schätzen.
Man trifft auch die anderen. Die Haters. Die mit Beleidigungen und Geschichten vom Hörensagen reagieren. Die die einem alles absprechen was in einer Diskussion von Nöten ist und die selbst nichts liefern – außer Ängsten, Vorurteilen und ganz viel Hass.
Nicht jeder der Angst hat, dass wir das Problem mit den Flüchtlingen in Griff bekommen ist automatisch ein Nazi, ein schlechter Mensch. Nein. Bestimmt nicht.
Die Grenze ist fließend. Und wer sich aber der Flut entgegenstellt lernt deren Mobilität und Wucht kennen. Aus dieser Masse heraus agieren einzelne gezielt, kalkuliert und kaltblütig.
Ich rede nicht von den Schlägern. Sondern von den Agitatoren.
Sie zielen auf das was uns am Liebsten ist – unsere Freunde, unsere Familien.
Eine Tages stolperte ich im Netz über Heinrich Schmitz. Ein gestandener Mann, Rechtsanwalt, schreib- und redegewandt, mit Wortwitz, Herz und ein – Faschingfan.
Kölner? Düsseldorfer? Keine Ahnung, aber ich mag seine Art. Und seinen Kampfgeist. Seinen Mut sich den Hetzern entgegen zu stellen, den wunden Punkt zu finden und gekonnt den Finger darauf zu legen. Und das Ganze mit einem bissigen Humor der seiner Intelligenz in nichts nachsteht.
Und dann kam der Anruf. Der Polizei bei seiner Tochter, er hätte ihre Mutter, seine Ehefrau ermordet und das der Polizei gemeldet. Auch rief die Polizei bei seiner Frau an.
Dass er und seine Familie fassungslos waren kann sich ja wohl jeder denken.
Die Gegenangriffe hatten ein Maß erreicht, die das Erträgliche in jedem Rahmen sprengten.
Heinrich ist kein Typ der sich leicht einschüchtern lässt. Ich habe s oft miterlebt, wie gekonnt er darauf reagierte.
Wahrscheinlich versucht einer oder eine Gruppe, die schon den Petitionsersteller *Heime ohne Hass* einschüchterte eben diese Petition zu stoppen. Heinrichs Einsatz für diese Petition scheint dann die Täter auf die Spur gelockt zu haben.
Heinrich reagierte auf die einzig logische Weise – er zog sich zurück. Seine Begründung könnt ihr hier lesen:
Heime ohne Hass:
Ist dies eine Niederlage? Wäre es wohl gewesen, wenn er sich wortlos geduckt hätte. Tat er aber nicht. Er trat ins Licht und erklärte öffentlich warum, und das die Petition und die Idee dahinter nicht sterben dürfe.
Und sein Anliegen wurde erhört – eine Sympathiewelle brandete auf und die Petition wird geteilt, beworben.
Für ihn treten andere in die erste Reihe.
Zusammen sind wir stark, auch wenn man einzelne Steine aus unserer Mauer herausbricht. Die fangen wir auf und lassen sie nicht alleine.


Keinen Zentimeter dem rechten Terror und Gewalt!

Kommentare:

  1. Ich habe mir seine Erklärung gerade mal durchgelesen. Und irgendwie ist mir gerade der Sonntagmorgen verhagelt... so wütend bin ich. Auf die sog. schweigende Mehrheit, auf unsere schweigende Kanzlerin.
    Hier ist der Wortlaut seiner Erklärung : https://www.change.org/p/f%C3%BCr-ein-verbot-fremdenfeindlicher-demos-vor-fl%C3%BCchtlingsheimen-heimeohnehass/u/11670716?recruiter=11669571&utm_source=share_update&utm_medium=facebook&utm_campaign=facebook_link

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    1. Marianne vom Kokelores9. August 2015 um 13:00

      ja. Wut. Fremdschämen. Aber resignieren. Nein. Dagegen stehen? Ja. Aufklären? Immer.

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