Sonntag, 30. August 2015

Sonntagsgedanken - die Seele baumeln lassen 36/2015

Die Anker in meinem Leben sind meine Freunde, meine zwei Kater und der wiedergefundene Glaube daran, dass alle gut werden kann. Ich glaube nicht daran, dass alles von alleine gut wird. Es muss etwas dafür getan werden. Jeder für sich alleine reicht aber auch nicht. Wir müssen füreinander etwas tun.
Manchmal reichen kleine Gesten, ein Lächeln, ein Zuhörer, ein Gespräch.
Manchmal muss es etwas mehr sein. Mit materieller und psychologischer Unterstützung.
Manchmal reicht es im Freundeskreis, manchmal braucht es Unterstützung von oben, außen. Manchmal länderübergreifend.
Was für Glück ich hatte, erfahre ich momentan fast täglich, wenn ich mitbekomme was für Schwierigkeiten Freunde und Bekannte mit ihren Krankenkassen, mit der Rentenversicherung und anderen Dingen haben.
Der erste Schritt raus aus der Misere ist darüber zu sprechen.
Mit wem auch immer.
Wenn das nicht reicht: Hilfe anfordern. Auch hier die Schritte:
Familie, Freunde, Ärzte, staatliche Stellen.
Man sagt: In der Not zeigt sich wer deine wahren Freunde sind. Ja kann sein. Aber wer vor der Not sich nicht um seine Freunde gekümmert hat muss sich nicht wundern, wenn er dann alleine da steht. Die meisten guten Freundschaften haben sich bei mir erst in der Zeit der Not gebildet. Nicht weil mir Menschen helfend unter die Arme griffen. Sondern weil sie mich da kennenlernten und mich so akzeptierten wie ich war/bin.
Wer mich akzeptiert wie ich bin,  dem begegne ich mit dem gleichen Respekt. Natürlich gehören noch andere Dinge dazu, aber das ist die Grundvoraussetzung wäre damit vorhanden.
Wenn vor drei Jahren noch jede zusätzliche Begegnung Stress war, ich kaum angekommen war, ich schon wieder weg wollte, weil ich alles außerhalb meiner eigenen vier Wänden als Belastung empfand. Ich mich schlaflos nach Schlaf sehnte und ihn nicht fand. Ich sehnte mich nach *Zusammensein* und ertrug dieses nicht, sehnte mich dann sofort wieder nach dem Alleinsein. Ich war nur zufrieden, wenn ich in Bewegung war, auf Reisen, auf dem Weg. Rastlos, ohne Ruhe, raste ich durch meine Lebenszeit und verpasste das Leben.

Wie unglücklich ich war, erkannten nur wenige. Und es suchte keiner meine Nähe, denn ich strahlte eine Rastlosigkeit aus, die jeden schreckte.
Mein Körper und auch meine Psyche zogen die Reißleine und zwangen mein Herz zur Ruhe. Das wollte aber nicht. Was man jahrelang aushält, erträgt, auf sich nimmt, obwohl man Angst hat, Zorn und Wut in sich trägt, aber alles verbirgt oder leugnet, bricht sich irgendwann die Bahn, wie ein Fluss bei einem Hochwasser. Was nicht fest verankert ist wird hinweggerissen, und wenn man zu lange gewartet hat, wird man selbst, dass eigenen Ich, hinweggespült.



Gestern besuchte ich Freunde. Gurkte mit Nahverkehrszügen und Schienenersatzverkehr übers Land, in überhitzten Zügen oder eisgekühlten Abteilen, nicht genau wissend wo und wann ich wie weiter kommen würde. Der Lohn war ein entspannter Nachmittag mit Freunden, Kindern und Katzen, einem herrlichen alten Kirschbaum im Garten, der vor uns aufragte. Und einen der schönsten Sonnenuntergänge dieses Jahres und dieses Jahr schenkte uns schon viele schöne Sonnenuntergänge.

Ich bin im Jetzt angekommen. Die Sorgen und Nöte, die unterdrückten Gefühle und die Angst der letzten Jahre sind vergangen, die Schmerzen – sowohl die körperlichen als auch die der Seele, existieren nur noch als leises Echo, kaum wahrnehmbar.
Unausgesprochene Konflikte sind geklärt. Und was morgen ist werde ich sehen, wenn es so weit ist.
Ich gebe es zurück, an die die es brauchen. Und ich tue es gerne.
Und ich lächle die junge Frau mit dem farbenfrohen Kopftuch an, die so verloren in der U-Bahn steht, wasche die Wäsche der Mutter eines Freundes, gebe betroffenen Freunden Tipps für den Umgang mit der Rentenversicherung oder einfache Auskünfte was man tun muss, wenn man mit dem Alltag nicht mehr zurechtkommt und sich ein Abgrund vor einem auftut.


Wenn es aber dann Zeit ist die Seele baumeln zu lassen mit Freunden, dann streckt sich meine Seele in der angebotenen Hängematte aus, schaukelt in den Tag hinein. Denn das ist ein weiterer Anker in meinem jetzigen Leben:
Ruhepausen. Voller Ruhe und Frieden. Und dies dann auch genießen. 


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