Sonntag, 27. September 2015

Sonntagsgedanken, 40/2015


Es herbstet. Es herbstet ganz gewaltig. Die Nächte werden länger und kühler und wenn auch mancher Sonnentag uns einen Ausflug in den längst vergangenen Sommer vorgaukelt.
Und doch: kein schöneres Licht als Mitte, Ende September. Die Luft schmeckt nach Kühle und feuchtem Laub, an manchem Morgen überzieht Tau Halme, Blätter und Blüten mit einer Million funkelnder Diamanten, die dann im Tageslicht vergehen wie Feengold.
Dieser Herbst ist nicht anders und doch. Man sagt so leicht: Es ist eine Frage der Perspektive. Stimmt.
Die Metapher, ob ein Glas halb voll oder leer ist, bekommt dieser Tage immer mehr Bedeutung.
Wie haben genug. Trotzdem bekommen manche Menschen schon beim ersten Schluck Panikanfälle, wenn sich das erste Viertel verflüchtigt.
Eine andere Metapher: Das Boot ist voll.
Heute sagen viele Menschen, dass das Boot ist. Andere sagen, es ist noch nicht voll. Manche meinen Deutschland, manche meinen Europa, einige meinen sogar die ganze Welt.
Ist es so?
Oder geht es um ein Verteilungs*problem*?
Manche Quellen zeigen auf, dass es genug Platz und Lebensmittel auf dieser Welt für alle Menschen gibt. Nicht nur für die ersten Welt Staaten.
Es ist nur nicht *gerecht* verteilt. Für einige wäre die Umverteilung Verlust ihres Wohlstands, für viele würde es der Weg aus Not und Elend sein.
Rufe ich hier jetzt die Revolution aus?
Nein.
In der Zwischenzeit ist es mir klar geworden, dass jeder von uns sein Sein verteidigt. Ich auch. Ich lebe ja auch in einem relativen Wohlstand, der für sehr viele Menschen auf diesem Planeten das Paradise wäre. Das ist mir bewusst. Und deswegen gebe ich einen Teil dieses Wohlstandes ab, manchmal mehr, manchmal weniger, manchmal Geld, manchmal Zeit, manchmal Sachgegenstände, Geschichten, Bilder. Was gerade verfügbar ist und nicht mehr unbedingt benötigt wird. Aber nie mehr als ich mir wirklich leisten kann.
Andere geben mehr: Mehr Geld, mehr Zeit mehr Herzblut. Manche weniger. Manche gar nichts.
Verurteile ich sie? Nein, nicht mehr. Jeder lebt sein Leben, jeder ist für sich selbst verantwortlich.
Auch sollte man sich nie mit anderen vergleichen. Jeder geht seinen Weg.
Manche vergessen bei allem auf sich selbst zu achten und brennen zu schnell aus, brauchen dann selbst Hilfe. Andere verhärten und sagen:*Ich war immer nett, aber bekam ich es gedankt? Nein! Jetzt bin ich eben auch Arschloch!*, auch das kann ich verstehen, nachvollziehen. Verurteile ich es?
Ja manchmal. Es schreckt mich. War ich doch auch schon an diesem Punkt. Wenn man diesen Weg weitergeht erwartet einen Verbitterung und Neid.
Ich mag kein Richter sein. Und doch richte ich manchmal und dann schäme ich wegen meinem Snobismus.
Jeder wie er kann, jeder wie er will. Meine Veränderung kam auch nicht durch Vorhaltungen zustande. Menschen kreuzten meinen weg, die einfach etwas vorlebten, das mich beeindruckte. In allen Lebensbereichen. Und als es mir schlecht ging und ich fast die Hoffnung verloren hatte, ausgebrannt und schmerzerfüllt, an Körper und Seele verletzt, wurde mir immer wieder eine Hand geboten, ein Moment des Zuhörens, aber auch des Ermahnens und der Aufforderungen.
Die Wahl lag bei mir.
Nur bei mir.
Es war meine Entscheidung.
Seitdem mache ich nicht mehr die anderen für mein Verhalten und mein Tun verantwortlich.
Wir haben immer die Wahl.
Auch jetzt.
Es ist unsere Entscheidung dem Elend zuzusehen oder das, was wir tun können um es zu ändern, zu tun. Ob für Mensch oder Tier.

Think about it.

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