Sonntag, 4. Oktober 2015

Sonntagsgedanken - 41/2015 Wiedervereinigt

Tag der deutschen Einheit. Hm.
Als vor über 25 Jahren die Vereinigung des geteilten Deutschlands vorbereitet wurde gab es auch Gegenstimmen im Freudentaumel. Ich stand der gesamten Sache etwas kritisch gegenüber.
Warum?.
Lasst mich überlegen. Nicht über die Gründe, sondern wie ich es so formuliere, dass es ganz klar rüberkommt, dass ich nichts gegen fallende Grenzen habe oder gegen die *von drüben*.
40 Jahre. 40 Jahre in zwei unterschiedlichen Systemen. 40 Jahre getrennt. 40 Jahre unterschiedliche Entwicklung. Und dann plötzlich: Juhu, wir sind eines? Dann das andere: *wir* Wessis haben doch von vorne herein auf die *Ossis* runtergesehen. Und tun es auf eine gewisse Weise heute noch.
Demokratie will gelernt sein. Und selbst die, die in einem demokratischen Umfeld aufwachsen, ist Demokratie nicht gleich selbstverständlich. Wie ist es, wenn man 40 Jahre in einer Diktatur groß wurde? Ich kann es mir nicht wirklich vorstellen. Aber wir erlebten es als diese unterschiedliche Welten aufeinander traf. Der Westen war als Paradies verklärt. Da trafen dann manche Träume auf die Realität und zerbrachen daran.
Während Lafontaine von der SPD von Anfang sagte, dass es nicht ohne Steuererhebungen abwickeln lassen würde so war das für Kohl keine Debatte wert. Im Freudentaumel (weswegen eigentlich?) wurden alle Bedenken weggewischt und die CDU gewann haushoch. Dann kam der Soli. Dann kam der Ausverkauf der DDR – ihre positiven Errungenschaften und die wenigen erfolgreichen Unternehmen – alles wurde verscherbelt und dem wesentlichen Hochmut geopfert. Rotkäppchensekt ist eine der wenigen Ausnahmen.
Dafür wurde Geld in die Infrastruktur gesteckt – in Gegenden in denen es absolut nicht nötig gewesen wäre. Während im Osten Straßen erneuert wurden fing das Murren im Westen an lauter zu werden.
Die Ossis hatten relativ schnelle einen schlechten Ruf – manches erlebte ich direkt mit. Und ich kann euch sagen: es gab natürlich solche und solche, aber wie das Leben so spielt: es bleiben meistens die schlechten Geschehnisse in Erinnerung.
Nun, wir sind wiedervereinig. Und mit der Wiedervereinigung bekamen wir auch noch andere Dinge mitgeliefert – was man dann an Hoyerswerda in den 90igern miterleben musste und jetzt, in Echtzeit das Entstehen der Pegida Bewegung und fremdenfeindliche Übergriffe.
Klar, beides gibt es auch im westlichen Teil der BRD, wer sich aber mit der Statistiken befasst und nicht blind ist, sieht, dass es hier ein West-Ost-Gefälle gibt. Leider.
Ist der Osten jetzt schlechter als der Westen? Wohl kaum. Aber er ist anders. Auch nach 25 Jahren noch. Ich kann Nationaldenken und Patriotismus so oder so nichts abgewinnen, aber der weinerlich-gefühlvollen Stimmung kann ich erst recht nichts anfangen.
Ich habe Freunde, Kollegen aus den neuen Bundesländern, die mir genauso lieb oder unlieb sind wie die aus dem Westen. Und das gilt nicht nur für Deutsche: Es gilt für alle Menschen.
Der einzige Grund den 3. Oktober zu feiern ist, dass die dort lebenden Menschen sich endlich frei bewegen und äußern können. Ungewöhnlich in einer Zeit, in der wieder Mauern und Zäune gebaut werden. Allerdings nicht mehr um Menschen am Ausreisen zu hindern, sondern am Einreisen.
Vor 25  Jahren wurde der Mauerfall gefeiert. Heute auch noch. Aber in einer anderen Stimmung. Der Freudentaumel ist schon lange der Ernüchterung gewichen. Die Entlohnung ist noch nicht gleich, Die Renten sind noch nicht vollständig angepasst. Im Osten sterben die Gemeinden. Im Westen platzen sie aus allen Nähten. Klar gibt es Metropolen wie Dresden, Leipzig. Aber wenn man ins Hinterland fährt – wird es leer. Sehr zur Freude der Natur.

Die deutsche Einheit. Ein Volk. Wirklich?
Was ist denn *Das Volk*?

p.S. ich habe gestern nicht gefeiert. Ich habe gearbeitet. Mich mit meiner Mitbewohnerin und den Katern in der Küche bei einer Pizza unterhalten, den Haushalt gemacht und die Sonne genossen. Heute regnet es. Ob das eine Bedeutung hat? Ja. Es regnet und die welt wird nass... ich glaube einfach, wir nehmen manche Dige zu ernst.
in diesem Sinne:
Schönen Sonntag noch 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen