Sonntag, 18. Oktober 2015

.Stolz und Vorurteil - die Sonntagsgedanken 18.10.2015

Es ist ein Morgen wie er typisch für den November wäre, aber es ist erst Mitte Oktober. Erst? Dieses Jahr scheint an uns vorbei zu rasen, und jeder Tag bringt neue, erschreckende Nachrichten. Es ist nicht nur das Wetter des heutigen Tages, das im mir den Wunsch weckt eine Kerze in ein Fenster zu stellen.

Wir Menschen scheinen nicht zu lernen, nicht bereit zu sein zu lernen. Zu nah sind unsere Vorurteile, unser Egoismus in allen Lebenslagen, unser Neid. Ich schreibe bewusst „wir“, denn auch ich bin nicht fehlerfrei. Wer ganz ohne Vorurteile ist  soll sich doch bitte bei mir melden. Ich wäre erfreut einen solchen Menschen zu treffen.
Vorurteile sind nicht auf eine Nation, auf ein politisches Lager begrenzt. Es ist weltumspannend, partei- und auch religionsübergreifend. Ich werde die Vorurteile jetzt nicht aufgreifen. Mich interessiert das Warum.
Warum sind wir so vorurteilbehaftet? Klar habe ich auch Vorurteile, aber oft merke ich, dass ich viel neugieriger bin, offener als andere. Und was manchmal als frech empfunden wird: Ich bin sehr direkt und frage nach. Nehmen wir das Kopftuch. Ich frage nach: Warum trägst Du es? Und wenn die Antwort kommt: Weil es mein Glaube so will, dann frage ich nach. Auch bei Antworten wie Tradition. Umgekehrt mache ich das in anderen Punkten bei Christen, Juden, Buddhisten.
Irgendwie sind mir die Buddhisten am liebsten, aus vielerlei Gründen. Aber es geht heute nur nebensächlich um Religion. Oder um die politische Richtung, den aufkeimenden Nationalismus und die neu erwachte Fremdenfeindlichkeit.

Warum? Es geht mir um das Warum. Und ob es tatsächlich so ist.
Warum haben wir Angst vor dem moslemischen Glauben, den Islam? Oder ist es wirklich der Islam, oder nur die fundamentalistische Auslegung mancher Ewiggestriger? Was für ein Problem haben wir mit dem Kopftuch? Wegen seiner religiösen Aussage? Oder als Zeichen der Unterdrückung der Frauenrechte? Der Gleichberechtigung? Ich könnte jedes Mal anfangen zu schreihen, wenn gewisse AfDler, die auf der anderseits vom Genderterrorismus schwafeln, genau diesen Grund anbringen.
Ich persönlich stehe allen Religionen kritisch gegenüber, aber ich sehe es wie die Schreiber des Grundgesetzes: Wer will, der soll. Wer glaubt, der soll. Solange er nicht anfängt zu missionieren.
Ich war bei Vorurteilen. Wenn man sich das Wort einmal näher betrachtet und es in seine Einzelteile aufdröselt, dann bekommt man zwei Wörter: VOR und URTEIL. 

Ein Urteil wird normalerweise nach der Beweisaufnahme und einem Verfahren, mit Anklägern, Verteidigern und einer modere mehreren Richtern.
Vorurteil. Bedeutet es doch nichts anderes als ohne wirkliche Fakten sich ein Urteil zu erlauben. Vom Hörensagen. Aus sicheren Quellen. Man habe gelesen. Das weiß man doch. Hat meine Oma schon gesagt.
Es macht mich müde. Traurig. Für Wut habe ich schon lange keine Kraft mehr.
Da sind welche stolz darauf deutsch zu sein, dabei ist ihr Stammbaum alles andere als deutsch. Was ist denn deutsch sein schon? Einer meiner Cousins, der einen beneidenswerten hellbraunen Teint hat, ist typisch deutsch, auch noch studiert usw. usf. Der Papa war ein Amerikaner, der eine sehr schöne dunkle Haut hatte.
Was ist deutsch? Mir wurde auf meinen Arbeitseinsätzen im Ausland mehrmals gesagt ich sei nicht typisch deutsch. Vom Aussehen (rote Haare, blaue Augen, Sommersprossen) sehe ich sehr wohl mittel-/nordeuropäisch aus. Es ging um meine Art. Ich sei so offen, frech, witzig. So gar nicht *Kraut*, *Jawohl*. Nur einmal wurde ich gedisst: *Little Misses perfekt*. Ein Seitenhieb auf den Ruf von uns Deutschen Perfektionisten zu sein. Es war NICHT nett gemeint.
Ich habe kein Problem deutsch zu sein. Ich sehe aber auch keinen Sinn darin stolz darauf zu sein. Ich freue mich über meine Landsleute, die offen sind, Herz beweisen und sich der vielen Flüchtlinge annehmen. Ich schäme mich für die Deutschen, die stolz darauf sind, wenn sie es schaffen ihre Gemeinde *flüchtlingsfrei* zu halten.


Auch ich habe Vorurteile. Ich bin nicht frei davon. Aber ich arbeite dran.









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