Sonntag, 6. Dezember 2015

Sonntagsgedanken - 49/2015

Nikolaustag. Es ist ein sonniger Wintermorgen. Es fühlt sich nicht wie Dezember an. Weihnachtsstimmung? Habe ich schon seit Jahren nicht mehr. Als Agnostiker gehen die Traditionen nicht mehr an mich, es wurde die letzten Jahre einfach immer weniger, wie eine verblassende Erinnerung. Es bleibt nicht mal mehr die Melancholie. Ich habe keine Erwartungen mehr an Feste und Termine. Dadurch bleibt mir viel erspart – jedenfalls fühlt es sich so an. Winterdepressionen – was soll das sein?
Dabei hatte ich jahrelang vor dem Fest der Freude richtig Angst. Vor Erwartungen, die wieder einmal nicht erfüllt werden würden, vor der Einsamkeit, auch wenn ich unter Menschen sein würde, die sich Familie nannten und mir fremder und ferner waren als manch anderer Bekannte.
Bitter? Nein. Bitter wäre es nur, wenn ich weiter hoffnungslosen Träumen hinterher hechten würde. Ich habe mich der Realität gestellt: Ich werde von den Menschen, von denen ich es erwartet hätte nicht geliebt. Dafür werde ich von Menschen geliebt, an die ich nie diese Erwartungshaltung hatte.
Ich habe mich dafür entschieden, das anzunehmen was mir mein Leben bietet. Was mir verwehrt blieb und bleiben wird: Nun – nur wenn ich weiter daran hängen würde, würde es mir wehtun. Diese Türe, und manche andere, habe ich die letzten Jahre hinter mir zugezogen. Allerdings nicht verschlossen. Es gibt immer ein Zurück.

Womit ich bei dem eigentlichen Thema dieses Sonntags wäre. Die letzten zwei Sonntage konnte, wollte ich nicht schreiben. Mein Herz und der Kopf waren voll, zum Bersten voll:
Wieder zurück in der normalen Ausbildung, also wieder im Internat, wieder Wochenendpendeln, wieder in zwei Welten leben.
Und jeden Tag die Nachrichten aus aller Welt:
Anschläge in Paris, im Nachhinein die Häme auf der einen Seite, das Mitgefühl auf der anderen Seite. Die Propheten, die all da haben kommen sehen, die Überraschten, die Hasserfüllten, die die Opfer für ihre Politik missbrauchten und weiterhin missbrauchen – und damit meine ich ALLE politischen Seiten, wobei sich die extreme Rechte mal wieder durch ekelhaftes Ausschlachtens der Situation für ihre fremdenfeindliche = menschenfeindlichen Ziele hervortut.
Kapiert es endlich, ihr Spacken: Die Flüchtlinge, die momentan zu uns kommen sind nicht die Ursache für solche Terroranschläge vor unserer Haustüre, sie fliehen selbst davor.
Wir – die erste Welt – hat jahrelang der Situation beigewohnt, sie für sich ausgenutzt und jetzt wird wieder zu den alt(un)bewährten Mitteln gegriffen. Die erste Welt bombt.
JA, vielleicht ist es notwendig. Aber solange man nicht an die Unterstützer des Terrors angeht, solange wird diese eine Terrorzelle nicht sterben.
Da sind Saudi Arabien und sogar die Türkei (damit sind natürlich die Regierungen gemeint). Als erstes zu nennen. Da aber die erste Welt diese Länder für irgendetwas braucht – vor allem für den Handel – lässt man die in Ruhe. Irrsinn? JA. Dreimal JA!

Europa rutscht in der Zwischenzeit nach rechts. Wir müssen und ja schließlich schützen.
Vor was eigentlich?
Vor der Armut der Flüchtlinge, die sich wie ein Mahnmal vor uns aufbaut?
Vor dem Spiegel, den sie uns vorhalten – dass unser Wohlstand auf ihrer Not basiert?

All das brodelt in meinem Hirn und vermischt sich Steuergesetzen und allgemeiner Wirtschaftslehre. Ich werde in meinem Arbeitsleben mit hohen Einkommen konfrontiert, die jenseits meiner eigenen Wünsche liegen und dann wieder mit Renten, die so gering liegen, dass man diesen Menschen gar keine Rechnung schicken möchte.
Und dazwischen der Neid, derjenigen, die meinen benachteiligt zu sein und statt sich zu wehren nach denen treten, die noch weniger haben.

Mir ist einfach die Lust am Schreiben vergangen. Und doch möchte ich nicht schweigen. Mich nicht ins Oberflächliche stürzen. Ich will nicht verzweifeln. Ich möchte lachen, die schönen Seiten meines Lebens genießen, meinen Katern das Leben in Gefangenschaft verschönern.
Ich möchte einfach die Hoffnung nicht verlieren.
Allen Christen eine besinnliche Vorweihnachtszeit.
Und uns anderen – einfach schöne Tage, voller Wärme.
Geben wir doch einfach etwas von unserem Glück ab und vermehren so das eigene.


Love

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