Sonntag, 13. Dezember 2015

Sonntagsgedanken - 51/2015 Europa und der Rest der Welt

Es wird gerade hell, Soleil klebt am Fenster und beobachtet die Strasse mit einer Aufmerksamkeit als würde er vor einem Mauseloch lauern. Grey döst. Beide Kater ließen heute Gnade walten und mich tatsächlich bin acht Uhr schlummern, bis ich alleine langsam das Land der Träume verließ und mich noch einmal genussvoll herumwälzte, mein Gesicht in dem warmen Kissen vergrub.
Die Welt mit ihrem Unbill ist in solchen Momenten ganz weit weg kein Gedanken gräbt sich durch Hirn und Herz.

Die Situation europa- bzw. weltweit ist zum Davonlaufen. Nur wohin? Manche kapseln sich ab, lesen keine Zeitung mehr, sehen sich die Nachrichten nicht mehr an, verweigern also einfach der Wirklichkeit den Dienst. Andere suchen die Information und durchforsten das Netz, ein Teil von ihnen glaubt dann aber auch alles was sich dort so finden lässt. Ob es nur angeblich so sein soll, dass die  Daesh (IS) von der CIA ins Leben gerufen worden sei, 9-11 von den Juden oder dass ein Flüchtling in Deutschland ein vierjähriges Kind vergewaltigt haben soll.
Als Quellen dafür sehr beliebt: Webseiten, von denen man bis dato noch nie etwas gehört hat oder der Freund eines Freundes einer Bekannten des Bruders.
Gerüchteküche eben.

Mein Kopf neigt in solchen Augenblicken dazu mit der Tischplatte bouncing zu spielen. Wobei ich den Wunsch, die Welt auszuschließen mehr als nachvollziehen kann. Geht  es mir doch genauso. Unter der Woche bleibt mein Laptop zu Hause, wir stehen kurz vor den Prüfungen, ich konzentriere mich auf die §§ der Steuergesetze und des HGB, Ablenkungen sollten vermieden werden. Ich kenne mich gut genug, dass ich weiß, dass ich NICHT diszipliniert genug bin, um der Versuchung Internet zu widerstehen. Zwar habe ich ein Fernsehgerät auf dem Zimmer im Internat, aber ….
Das Fazit ist: Der alles niederwalzende Strom der Informationen ist nur noch ein Rinnsal. Statt Face to Face mit dem Monitor stecke ich meine Nase in Fachbücher oder Romane, stricke vor dem TV Gerät. Die Nachrichten die mich auf den normalen Kanälen – TV und Radio (jawohl, ich habe ein kleines Kofferradio) reichen aus, um mich mehr als zu beunruhigen.
Der Rechtsruck in Europa wird der Staatengemeinschaft schaden, der Nationalismus ist wieder auf dem Vormarsch. Erst die Inländer, die Einheimischen,  dann die anderen.
Sie verhungern an den Grenzen? Ihr Problem, wären sie doch dort geblieben, wo sie herkommen.
Sie frieren an den Grenzen? Sie haben Angst? Ihr Problem…..

Es macht mich so wütend, so traurig.  Ich sehe die Menschen hinter den Nationalitäten. Wir sind alle Menschen. Egal wo wir herkommen, von welchem Kontinent, aus welchem Land, egal was wir glauben, wie wir aussehen.
Die Würde des Menschen ist unantastbar – jeder Mensch hat das Recht auf Unversehrtheit: das steht in unserem Grundgesetz: da steht nicht über Nationalität, Geschlecht, Hautfarbe, sexuelle Orientierung. Es gibt demokratisch gewählte Kräfte in unserem Land die gegen diesen Grundsatz unserer Verfassung agieren, versteckt oder offen. Und es gibt so viele, die diesen Kräften folgen. Langsam aber sicher wurde mir klar, wie die Nationalsozialisten im Vorkriegsdeutschland an Macht und Einfluss gewinnen konnten und zum Schluss das Ruder übernahmen.
Wer seiner Angst nachgibt verliert den Verstand, ergibt sich den Gefühlen und verlässt die Vernunft.
Wer seiner Angst vor dem Unbekannten freien Lauf gibt, anstatt sie zu erforschen, glaubt vieles und vor allem denen die dieser Angst recht geben.
Ich weiß nicht wer es sagte, aber er hatte recht:

Wer aus der Geschichte nichts lernt, ist gezwungen sie zu wiederholen. Und wer daraus lernt, ich verflucht den anderen beim Wiederholen zuzuschauen.


Europa war eine gute Idee. Ein Weg fort vom Nationaldenken. Man kann seine Herkunft pflegen, seine Traditionen – ohne national zu denken. Ein Wegbereiter für eine vereinte Menschheit.
Angst, Neid und Gier zerstören es gerade.
Auch ich habe Ängste, auch ich habe Wünsche. Aber ich möchte nichts auf dem Leid und dem Unglück anderer aufbauen.
Jeder möchte die Kuh Europa melken, aber keiner will sie füttern.

Wenn wir diese Kuh nicht bald vom Eise holen, wird sie verhungern, erfrieren und einbrechen. Aber was geht uns das an? Wäre sie doch dort geblieben wo sie war, die blöde Kuh.
Nur eins beachten die so denken nicht: Wir sind Europa. 

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