Sonntag, 7. August 2016

Ämter - Ärger - Amtsschimmel

Sonntagmorgen. Klare, kühle Luft strömt in die Wohnung. Die Kater sind entspannt oder jagen Fliegen. Ich lasse Bach laufen. Mozart. Verdi.



Ein seltsamer Sommer ist das für mich. Im Mai hatte ich die schriftliche Prüfung, Ende Juni die mündliche. Den Job in der Tasche lief alles gut an.
Wenn es so läuft, dann geht meistens in der näheren Zukunft etwas schief. Bei mir auch. Aber nichts was sich nicht regeln ließe.

Mein Sachbearbeiter bei der Rentenversicherung war in Kur als meine zukünftige Arbeitgeberin wegen der Wiedereingliederungshilfe anfragte. Was dann folgte war ein - nennen wir es mal Scharmützel. Mein mich betreuender Sachbearbeiter: ein Schatz (! sehr menschlich, einfühlsam, am das Wohl der Rehabilitanten interessiert), seine Vertretung hatte Haare auf den Zähnen. Keine Gute Kombi in Bezug auf meine künftige Arbeitsgeberin.
Heute ist alles geklärt. Aber dadurch verzögerte sich das Einstellungsdatum. Auf den 1.9.2016.
Eigentlich kein Problem. Nach mehr als 25 Jahren arbeiten steht mir Arbeitslosengeld 1 zu.
Auch kein Problem.
Ich war rechtzeitig auf dem Amt, meldete mich arbeitslos, es fehlte ein Formular von der Rentenversicherung, kein Problem, ich schickte es nach Berlin mit der Bitte es ausgefüllt dann direkt an die Agentur für Arbeit zu schicken.
Kein Problem.
Normalerweise.
Wenn man lesen kann. Und zwar Formulare.
Das Formular umfasste 3 Abschnitte.
1. Abschnitt: Rentenbezug
2. Abschnitt: Übergangsgeld
3. Abschnitt: Egal.

Ich erhielt die letzten zwei Jahre Übergangsgeld. Der/die Sachbearbeiterin bei der RV las den
1. Abschnitt: Rentenbezug.
Hatte ich ja nicht.
Ich bekam ein Anschreiben, dass man mir den Rentenbezug nicht bestätigen könne, da ich keine Rente bezogen hätte.
Stimmt.
Ich habe keine Rente bezogen.
Aber Übergangsgeld.
Anfang Juni hatte ich das Formular eingeschickt. Der Eingangsstempel war vom
07.7.2016, das Bearbeitungsdatum war der
18.7.2016 ein Donnerstag, im Briefkasten lag der Brief am
22.7.2016.
Der Versagensbescheid des Arbeitsamtes kam fast zeitgleich.
Aufgrund der fehlenden Unterlagen (der RV) würde man mir das am 1. Juli 2016 , beantragt am 1.1.2016, versagen.

Ende Juli.
Miete.
Strom.
VVS Ticket.
Telekommunikation.
Dann auch noch eine Zahnarzt Rechnung.
Das am Ende des Monats?
Als erstes plünderte ich mein Tagesgeldkonto - ich Glückliche, dass ich so etwas habe. Das Geld war für meinen Urlaub geplant. Nun gut. Dann eben nicht.
Dann stürmte ich die Agentur der Arbeit, bewaffnet mit einem verkrampften Lächeln, das eher an das Zähnefletschen eines Wolfes erinnerte (oder eines dicken Eichhörnchens) und meinem Ordner, in dem alles was mit Arge, RV, Ausbildung zu tun hatte.
Anstehen, Kundennummer abgeben, warten bis man aufgerufen wird.
Man wirkt wie ein Bittsteller, obwohl man seine angestammten Rechte einfordert.
Die *Kundenbetreuerin* war in Ordnung, aufmerksam, hörte sich alles an, alles lief auf eine relativ angenehmen sachlichen Ebene ab.
Kommentar ihrerseits: Nicht schon wieder die RV.
Ich dachte mir meinen Teil.

Das Übergangsgeld konnte ich auf eine andere Weise nachweisen, die Arbeitszeitenbestätigung lag nun vor, sie mailte alles weiter, zog sich Kopien.
Einspruch solle ich trotzdem einlegen, und mich spätesten in zwei Wochen melden.

Der Einspruch schickte ich per Einschreiben raus. Die zwei Wochen sind bald vorbei. Den Arbeitslosengeldbescheid habe ich natürlich noch nicht. Auch kein Geld. Zum Leben habe ich das Geld aus einem €165.- Job (alles darüber hinaus wird dem ALG I angerechnet - hier sich bitte einen virtuellen Stinkefinger vorstellen), damit komme ich einigermaßen klar. Für die Zahnarztrechnung helfen mir Freunde aus.
Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben.

Ich weiß, dass sich alles regeln wird.
Sauer bin ich trotzdem. Auf gewisse Sachbearbeiter.
Die vergessen haben, dass zwischen all den Formularzeilen echte Menschen stecken. Denen eine Empathie für diese Menschen abtrainiert wird oder von Anfang nicht haben. Die Menschen wie mich als lästige Bittsteller sehen und nicht, dass wir nur unsere Rechte einfordern.
Ich arbeite seit über 25 Jahren, zahle ohne zu murren alle meine Beiträge.
Was soll das?
Es sind bei Weitem nicht alle so.
Meine Rehabetreuer, sowohl bei der RV als auch bei der Arge, sind super Leute.
Auch die *Kundenbetreuer* beim Arbeitsamt vor Ort sind nicht zu beanstanden.
Es sind die Gesichter hinter den Monitoren, die manchmal vergessen was an ihren Entscheidungen hängt.
ES geht um MENSCHEN und nicht nur um SACHLAGEN.
Und ja, ich weiß auch, dass gerade die Agentur für Arbeit sich teilweise mit einer nicht gerade vornehmen Klientel herumschlagen muss - aber: es sind ALLES Menschen. Die man auch so behandeln sollte.

In diesem Sinne - keep calm und haut nie einem Sachbearbeiter die Aktenordner um die Ohren. Bringt nichts.
Verlasst euch auf nichts und niemanden, wenn euch Freunde und Bekannte helfen, dann nehmt es dankbar an Geschenk an.

Ich nenne mich in der Zwischenzeit die Glückliche, da sich bis jetzt alles in meinem Leben zum Guten gewendet hat, egal wie viele Unglücke, Unsäglichkeiten und Unvorhersehbarkeiten auf mich zukamen.

P.S. Ich weiß, dass alles was geschah RECHTENS war, was nicht bedeutet, das RECHTENS = GERECHT ist.



Sonntag, 10. Juli 2016

Erlaufe deine Stadt

Im Schwarzwald hatte ich den Wald direkt vor der Tür, bzw. hinter der Hintertür. Wald. Ganz viel Wald. Schöner Wald. Wald. Ziemlich viel Wald.
Oder wie Hans sagen würde: "Zuviel Gegend hier".
Als Landei geboren wurde ich relativ schnell eine Stadtpflanze und bin es immer noch. Ich mag *Stadt*. Ich mag es so viele Eindrücke zu erfahren - Menschen, Motoren, Mode, Männer, Mädchen und und und.
Wenn man mit dem Auto durch eine Stadt fährt kann man zwar auch einiges sehen. Aber man spürt nicht den Straßenbelag, riecht nicht die einzelnen Gerüche, spürt nicht die Luft.
Klar, Straßenlärm ist Straßenlärm, Abgase stinken und Stuttgart ist (noch) eine autodominierte Zone, auch wenn sich an allen Ecken und Enden Widerstand regt. Manchmal als kleine Revoluzzeridee (Parking day), manchmal als Stadtversuch (Shared Area/Fahrradstraße) oder als Freiluftlabor (Parklets). Einmal im Monat machen sich Fahrradfahrer als Critical Mass auf - genehmigt. Alles was ich hier genannt habe sind genehmigte Aktionen. Um die es im heutigen Artikel auch nicht gehen wird.

Seit dem 30.6.2016 bin ich wieder in Stuttgart, noch keine zwei Wochen und da war es plötzlich: Ich wachte morgens auf, noch habe ich frei, und dachte -hey. laufen, das wäre es jetzt. Aber wie es so ist... erst einmal verworfen, gefrühstückt, und dann den Rucksack geschultert, um einkaufen zu gehen.

Meine Füße entschieden sich anders. Statt den kürzesten Weg einzuschlagen trugen sie mich zur Karlshöhe. Langsam und stetig schritten sie, ganz ihrem eigenen Willen folgend, den Hügel hinauf zum Biergarten, von dem man einen schönen Blick zum Fernsehturm hat.


Die Karlshöhe "trennt" Süd und West, auf der Nordseite reckt sich das Allianzgebäude breit in den Himmel,
Hat man den Scheitel überschritten geht es schnell bergab und man steht hinter dem Heslacher Hallenbad und kann die Stufen hoch zur Hasenbergsteige. 

Ich verschwendete nur einen Gedanken und dann ging es die Treppen hoch. 
Eine zeitlang ging es eben weiter, dann kam die nächste Staffel. Und noch eine. 
Hier herrscht die Ruhe der betuchten Halbhöhenlage. Wer den richtigen Riecher hatte und hier ein Grundstück und eines der alten Häuser kaufte hat heute eine Altersversicherung, die seinesgleichen sucht. Man ist hier über dem Mief im Kessel erhaben. Bummler verirren sich selten hierher, muss man doch eine Staffel nach der anderen hoch und auch wieder runter. Oder man fährt mit dem Auto. 


Nachdem ich über eine Stunde unterwegs war - in Zehensandalen von Birkenstock - kamen mir langsam Zweifel. Es wurde heiß, aber Lust aufzuhören hatte ich nicht. Und es gab und gibt hier soviel zu sehen. Überall wächst etwas, die Mauersegler fliegen so tief, dass man sie fast mit den Händen greifen kann. Moderne Neubauten wechseln mit alten Villen, fast mediterran mutet manches hier an.
Ich konnte mich nicht satt sehen.
Trotzdem wandte ich mich talwärts. Und fand mich in der Nähe des Bihlplatzes wieder. 

Von hier aus kann man zwar an den Straßenbahnschienen entlang zurücklaufen - oder man streift durch die kleinen Seitenstraßen, erlebt ein anderes Stuttgart mit alten, kleinen, schnuckeligen Häusern, alten Bauerngärten, kommt beim Ritterstübchen vorbei. 



Es war jetzt richtig heiß.
Als straight nach Hause, vorbei an der Kirche am Erwin-Schöttle Platz. Die Vorbereitungen für das Afrikafestival waren im vollen Gange. Weiter zum Marienplatz, die Cafes voll mit Menschen, die den späten Morgen genossen und in den Tag bummelten, zwischen sie mischten sich die ersten Büroangestellten zur Frühstückspause. An der Eisdiele herrschte schon reger Andrang obwohl es gerade erst halb elf war.

Ich hatte es jetzt nicht mehr weit, erledigte meine Einkäufe und kam relativ fit zuhause an. Seitdem laufe ich. Jeden Tag. Nehme eine andere Straßenbahnlinie, steige irgendwo aus wo ich eine Staffel entdecke und lauf sie hoch. Sie Stuttgarter heißen nicht umsonst Stäffelesrutscher. Aber das ist eine andere Geschichte

Seit vergangenen Donnerstag bin ca 30 km gelaufen. Und morgen geht es weiter. Früh. Auch wenn es Sonntag ist. Es soll ja heiß werden. Wasser, Rucksack, Mütze und Decke. Irgendwo werde ich ein lauschiges Plätzchen finden, zeichnen, lesen oder einfach nur gucken und in den Himmel träumen.

Dienstag, 5. Juli 2016

Meine Stadt, meine Heimat - eine Liebeserklärung

Ich bin hier nicht geboren. Ich spreche einen anderen Dialekt. Ich komme vom Land.
Die letzten zwei Jahre habe ich nur die Ferien und die Wochenenden in meiner Wahlheimatstadt verbracht.
Wie sehr ich sie vermisst habe, was mir fehlte, wird mir jetzt erst wirklich bewusst.
So schön der Schwarzwald ist, so angenehm das *Putzalltagsfreie* Internatleben war:
ich bin Stuttgarterin durch und durch.
Viele nennen meine Wahlheimatstadt hässlich und verweisen auf den im 2. Weltkrieg komplett ausgebombten Stadtkern.
Sie sehen was sie sehen wollen. Oder sie nehmen meine Stadt einfach anders wahr.
Und sie dürfen sie gerne für hässlich halten. Meinungsfreiheit.
Stuttgart war nicht sofort meine große Liebe. Als Landei fühlte ich mich am Anfang hier sehr verloren. In der Zwischenzeit weiß ich allerdings: Die Welt ist ein Dorf und Stuttgart ist der Vorgarten der alten, verschrobenen Frau, die kleine Kinder erschreckt.
Im ersten Moment nicht sehr schön, aber im Herzen eine Perle und Oberstübchen ganz schön helle.
In jedem Vorgarten wächst Unkraut (Baustellen) und der hellste Verstand hat Aussetzer (Abrisswut).
Stuttgarts Gesicht wurde sehr stark durch einen gewissen Herrn geprägt (Klettverlag), der früher viel zu sagen hatte. Früher und damals.
Stuttgart ist eine der buntesten Städte die ich kenne, auch wenn das wilde Durcheinander durch Gentrifizierung und Größenwahn gefährdet wird.



Seit ein paar Tagen bin ich wieder ganz da. Und ich atme jeden Tag tiefer durch, *komme runter*, laufe durch die Stadt, treffe jedesmal zufällig jemanden aus meinem Bekanntenkreis. Man bleibt stehen, schwatzt, lacht, umarmt sich. An jeder Ecke lauert ein Café, dass einen zum Verweilen einlädt. Hat man Zeit verweilt man. Für jeden Geschmack gibt es etwas. Die Stadt ist groß, weit, wenn man mal den Kessel verlässt. Mein Brot hole ich bei einem Bäcker in Rohr, oder bei meinem Bäcker ums Eck, im Heusteigviertel.
Gemüse vom Wochenmarkt auf dem Marktplatz oder dem kleinen Händler in Rohr und Freitags auf dem Markt am Wilhelmsplatz. Manchmal Samstags in Cannstatt, da gibt es auch Nudeln, Metzgerwaren, Eier, Milchprodukte - wie auf dem Wilhelmsplatz in Stuttgart.

Stuttgart ist mehr als die Innenstadt und die Einkaufsmeile mit ihren Konsumtempeln, oder das Milaneo. Aber auch sie haben ihre Berechtigung. Kurz ein Ladekabel organisieren, zum Schuster, oder oder oder. Das Konsumangebot ist riesig, aber man muss ja nicht.
Im Gegensatz dazu stehen dann die alten Plätze, die kleinen Parks in den verschiedenen Stadtteilen, die eingemeindeten Vororte, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint und die Kehrwoche noch ernst genommen wird.



Stuttgart ist eine witzige Mischung aus Provinzstadt mit Metropolträumen. Ich mag die Gegensätze.
Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber ich irgendwann erlag ich den Charme der schwäbischen Maid im mondänen Abendkleid der Mutter, das nicht so richtig passen will, und in den viel zu hohen Schuhen ständig umknickst.





Dienstag, 28. Juni 2016

Durchstarten

Die letzten Tage im BFW (Berufsförderungswer
k) sind angebrochen. Am Donnerstag werde ich um diese Zeit Blut und Wasser schwitzen, denn um 8.15 werde ich vor der Prüfungskommission sitzen und mit drei Kollegen zwei Stunden über den Stoff der letzten zwei (drei) Jahren geprüft.

Als Tim und ich letzten Donnerstag nach Stuttgart heimfuhren lief folgendes Lied im Radio:


Es herrscht gerade entspannte Stimmung in der Ausbildungsgruppe, die Ausbilder und Dozenten machen mit, sind locker, versuchen uns die Angst zu nehmen, spielen mit uns die Prüfungssituationen durch, aber ohne muss. wer will der darf, wer darf der kann.
Nicht alle nutzen das Angebot.
Es gab auch Arbeitsaufträge: Vorträge vorbereiten und vor der Gruppe halten. Es gab ein, zwei Leute die sich erfolgreich darum gedrückt haben. Jetzt könnte man meinen - selbst schuld. Nur was das für alle gedacht, als Wiederholung der Ausbildungsinhalte.
Nun gut, nicht mein Bahnhof.

Das Internatzimmer habe ich bereits fast ganz ausgeräumt, nicht mehr lange.... heute räume ich meinen letzten Krempel aus dem Klassenzimmer.
Wir frühstücken mit den Dozenten zusammen, überreichen unsere Dankeschöngeschenke und dann gehen morgen die ersten in die Prüfung.

Seltsam. Einige werden mir fehlen. Auch, wenn wir uns treffen werden. Trotzdem. Andere nicht. Und bei ein/zwei bin ich sogar dankbar, dass ich sie nicht mehr sehr.

Ich fange meinen neuen Job zum 1.8 an. Also erst einmal vier Wochen frei. Brauche ich auch. Einige fangen direkt an. Nahtlos. Nein. Mache ich nicht. Das letzte Burn out liegt noch nicht lange genug zurück, dass ich mich nicht daran erinnern würde.

So viel gemotzt, wie hier, wird selten. Manchmal verschlug es mir die Sprache. Natürlich ist hier nicht alles gold. Aber wenn man sich auf die Hinterfüsse stellt, versucht das Beste daraus zu machen, dann war/ist es zu schaffen.
Gerade wir Rehabilitanten: Ausbildung/Internat/Verpflegung/Heimfahrten wurden/werden bezahlt.
Die Zimmer: nicht zu klein, wie ein schlechtes Jugendzimmer eingerichtet.
Wir haben es geputzt bekommen, alle drei Wochen neue Bettwäsche, jede Woche neue Handtücher.
Besser als Hotel Mama.
Und: Wir haben Übergangsgeld bekommen.
Aber es wurde gemotzt. Und wie.
Einige zeichneten sich vor allem durch ihre Nehmerqualitäten aus.
Aber auch das: Nicht mein Bahnhof.

Vier Schwangerschaften gab/gibt es bei uns in der Gruppe. Eines kam letzten Dezember zur Welt.
Zwei Hochzeiten.
Vier haben uns verlassen: wegen Krankheit oder Faulheit, alles war dabei.
Ich wurde und werde wieder Trauzeuge sein - zusammen mit Tim.
Tims Kätzchen lebte ein halbes Jahr bei meinen Katern - versorgt von einem guten Freund.

Und jetzt? Nun ja.
Heim will ich.
Freue mich.
Und doch ein klein wenig melancholisch.
Die Fahrten mit Tim werden mir wirklich fehlen. Das erste Jahr brummten wir mit einem SLK Cabrio durch die Kurven im dunklen Wald. Seufz.
Letzten Montag war unsere letzte gemeinsame Fahrt in den Schwarzwald. Er wird am Mittwoch schon geprüft, ich am Donnerstag. Wie ich heimkomme? Ein anderer Kollege nimmt mich bis Weil der Stadt mit und dann nehme ich die S-Bahn.



In den letzten zwei Jahren konnte ich zur Ruhe kommen, mir etwas aufbauen, lernen, usw. usf.

Weiter geht's!


Montag, 20. Juni 2016

Weiter geht's...

sagt ein guter Bekannter immer. Und dann lacht er dabei. So ein spitzbübisches, freies Lachen.
Man könnte meinen nichts würde ihn je belasten.
Ist nicht so, denke ich. Dann wäre er mir unheimlich.

Menschen die immer gut drauf sind machen mir Angst. Nein, nicht wirklich, aber sie irritieren mich. Gelassenheit? JA!
Heitere Gelassenheit? GERNE!
Immer gut drauf? Ähm....
Versteht mich nicht falsch. Vielleicht spricht auch gerade ein klein wenig Neid aus mir, was ich aber nicht glaube.
Gelassen? Ich? Ab und zu. Und wesentlich öfter als noch vor ein, zwei Jahren.
Klar, denken jetzt manche von euch die mich näher kennen, die hat ja auch jetzt erst einmal überstanden.
Berufsunfähig, Maßnahme zur Wiederteilhabe am Arbeitsleben (was für eine monströse Bezeichnung), Prüfung (zumindest die Schriftliche) gut bestanden und der Job wartet auch schon.
Da kann man ja gelassen sein... Oder doch nicht?
Die Gelassenheit hatte ich trotz abgesicherter Verhältnisse nicht immer. Ich war getrieben. Von dieser Angst, jener Idee, diesem Plan oder hie und da einen nicht zu erfüllenden Wunsch.
Und die falschen Freunde. Funktioniert einfach auf Dauer nicht. Und sich immer schön selbst überfordert und sich selbst hinterher rennen - irgendwann geht einem die Puste aus.

Aber das ist alles Vergangenheit. So wie mein Aufenthalt hier im BFW im Nordschwarzwald sich dem Ende zuneigt so ist vieles andere schon längst verweht.
Erinnerungen? Jede Menge. Lehrreiche. Bittere Erinnerungen? Nein. Am Anfang ja. Vieles hatte ich noch nicht verarbeitet, haderte mit mir, mit Menschen, mit allem Möglichen.
In den letzten zwei Jahren veränderte sich so viel. Ich lernte nein zu sagen, lernte vieles nicht (mehr) persönlich zu nehmen und das Wichtigste: Wenn mir etwas nicht gut tut - nun dann lasse ich es.

Klingt einfach. Ist es auch. Wenn man es erst einmal begriffen hat. Da kann an einen stundenlang hingeredet werden, man bucht und besucht Seminar, liest Ratgeber - nix hilft, Und dann geschieht es einfach.
Man hat ganz nebenbei los gelassen.
Alles andere ergibt sich dann von alleine. Na ja, nicht ganz. Nichts ist umsonst im Leben.

Unzufriedenheit ist Gift, welches man selbst anmischt und sich damit ins Unglück stürzt. Ist man unzufrieden muss man etwas daran ändern. Die Ursachen. Diese können in einem selbst liegen oder an den äußeren Umständen.

Lachen befreit. Wer liebt hasst nicht. Im Prinzip ist es so einfach. Und dadurch so schwer.
Ich lache viel in der Zwischenzeit. Ich bin ich.

Am 30.06.2016 8.15 habe ich noch mündliche Prüfung. Ich freue mich nicht gerade drauf, aber was muss das muss. Um 10.15 bin ich dann geprüfte Steuerfachangestellte. Finde ich lustig, dass ich kreativer Chaoskopf Steuern und Buchführung mag. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, dafür geht es gaaaaaaaaaaanz tief
....

Sonntag, 19. Juni 2016

Umzug. Sonntagsgedanken 19.06.2016

Es ist soweit.
Die Sonntagsgedanken ziehen um. Sind umgezogen.
Ihr findet sie in Zukunft hier.
Auf Kokelores werde ich am Anfang noch den Link dazu posten, aber das wird sich dann auch noch ändern.
Ich habe lange hin und her überlegt.
Aber irgendwie passen viele Dinge einfach nicht .
Allerdings werden die Artikel auf meiner Facebookseite verlinkt.
Freue mich auf euch.
Einfach auf den Link klicken.

Freies Radikalchen

Sonntag, 12. Juni 2016

Am Tag als der Regen kam.... Sonntagsgedanken 12.06.2016



Nein, nein. Keine Angst. Jetzt kommt nicht der übliche Katzenjammer über das schlechte Wetter. Ich mag Regen. Auch im Sommer. Ich mag den Geruch der nassen Straßen, Pflanzen. Ich mag es, wenn meine Nase nicht mehr allergisch reagiert und ich frei die Luft durch sie einziehen kann und wieder etwas rieche.

Der Himmel ist mal wieder grau, gestern, am späten Nachmittag donnerte es mal wieder. Wie so oft 2016. Es scheint so, als gäbe es keine Woche mehr ohne Gewitter, Starkregen.
Gerade erst sind in den verschiedensten Gebieten Europas im *Nordstau der Alpen* abgesoffen, im wahrsten Sinne des Wortes. Mensche kamen ums Leben, der Schaden an Hab und Gut steigt ins Unermessliche. Ganze Familien stehen vor dem finaziellen Aus, vor den Trümmern ihres Lebens.
*Im Nordstau der Alpen*, dieser Satz stammt nicht von mir. Er hat sich vor Jahren unvergesslich in meine Erinnerungen eingebrannt. Ich sah eine Sendung über den Klimawandel.

Jaja, ich höre sie schon aufstöhnen und sich mit den flachen Händen an die Stirn klatschen.
Klimawandel.
Laut AfD gibt es ja keinen Klimawandel. Nein, nein, nein. Was ich nicht glaube gibt es nicht.
Dabei liegt es schon in der Natur der Dinge, dass alles einem ständigen Wandel unterliegt. Wachstum, Verfall. Eine ganz natürliche Sache. Und auch das Klima ist ein kein feststehendes Ding.
Mannigfaltige Einflüsse wirken jeden Tag auf *unser* Klima ein.
Ich stelle nicht in Abrede, dass sich das Klima auch ohne den Einfluss des Menschen verändert.
Aber ich stelle auch nicht in Frage, dass der Einfluss des Menschen bestimmte Faktoren verstärkt und damit eben die Änderung beschleunigt oder gar forciert.
Liebe AfDler. Auch wenn ihr einen Handstand macht und mit den Pobacken wackelt – es gibt einen Klimawandel.
Natürlich gab es schon immer verregnete Sommer, Unwetterjahre. Normal. Es geschieht eben nur häufiger. Es wird für uns normal werden, wir werden uns daran gewöhnen. Wenn wir es letztendlich überleben. Nein ich glaube nicht, dass das Ende der Menschheit bevorsteht, aber es wird für viele Menschen brenzlig werden und es wird noch mehr Opfer fordern.
Ich möchte niemanden die Schuld zuweisen, denn die Faktoren sind mannigfaltig und es ist ein komplexes Thema. Ursachen und Wirkung. Es ist wie bei den Modellen in der Marktwirtschaft – ändert man nur einen Faktor und schon bricht das ganze System zusammen oder reagiert nicht so wie es die Experten vorhergesagt haben. So geht es eben auch den Meteorologen und den Klimaforschern.
Wir heizen unsere Welt auf.
 Hitze + Wasser = Wasserdampf.  
Wasserdampf = Wolken. 
Wolken = Regen. 

Wenn es doch nur so einfach wäre.........Ich kann und werde hier nicht anfangen zu versuchen wissenschaftliche Lösungen zu schreiben. Aber was ich so höre, sehe und lese beeindruckt mich schon.
Ein Jahrhundertsommer, Hitzerekorde, Niederschlagsrekorde, Dürren, Waldbrände…. Wir werden uns auch an diese Bilder gewöhnen und es als alltäglich ansehen. Der Mensch ist anpassungsfähig. Ähnlich wie die von uns so geschmähten Ratten.

Und jetzt? Ich weiß es nicht. Sinnvoll erscheinen mir verschiedene Maßnahmen. Verminderung des CO2 Ausstoßes  (jaja, ich weiß: ein Vulkanausbruch schleudert mehr Material in die Luft wie die geschmähten Autos mit Verbrennungsmotoren), Stopp der Versteppung  durch  Kahlschlag der Regenwälder. Es gibt so viel, was wir tun können. Jeder  für sich. Aber Generallösungen wird es wohl keine geben.

Wir werden sehen. Es ist wahrscheinlich wie immer: erst wenn die Hütte brennt oder absäuft reagiert *der* Mensch.
Lasst uns diese Welt retten. Ich weiß nicht wo es sonst noch Pralinen gibt.

Donnerstag, 9. Juni 2016

Persönliche Kampfansage II - weg mit dem Speck

Vor genau drei Wochen habe ich mit dem Programm einen Tage essen, einen Tag fasten begonnen. Es nennt sich 10/2.
Das Prinzip ist verblüffend einfach, es entstehen keine Mehrkosten, eher spart man - und kann dadurch hochwertigere und meist teurere Produkte kaufen.
Manchmal verzweifle ich an der Fülle in meinem Kühlschrank. Zwar kaufe ich schon weniger ein, aber immer noch zuviel.
Toastbrot friere ich jetzt sofort ein und entnehme immer nur zwei Scheiben zum Frühstück, oder wenn ich an den Esstagen Lust auf Brot/Brötchen habe husche ich zum Bäcker.
Außerdem bewege ich mich mehr. Dafür habe ich meinen Tracker - dieses unscheinbare, schwarze Armband welches ich jetzt Tag und Nacht trage.
Ich lasse mich weder von der Essweise noch von dem Tracker versklaven, sie helfen mir aber. Erinnern mich.



3 Woche, 05/06                Esstag
Nach einem Nulltag wieder zu essen ist schwierig. Ich wache morgens auf und habe keinen Hunger, aber Durst. Keinen Brand, aber Durst. Auf Wasser. Aber wer will an einem Nicht-Fasten-Tag schon auf Milch (Haferdrink) Kaffee verzichten? Ich nicht. Nach dem Kaffee noch mehr Durst, also Wasser. Es ist köstlich. Still, kühl, klar. Ich fühle mich satt. Trotzdem: das Fastenbrechen ist wichtig. Zwei Scheiben Toast, ohne Butter, einmal mit Avocadocreme, einmal mit (Analog)Käse.
Ich probiere mich parallel durch die veganen Angebote. Ich kann es mir ja jetzt leisten, nicht weil ich mehr verdiene, sondern weil ich weniger verbrauche.
Statt Wasserflaschen zu schleppen trinke ich in der Zwischenzeit Leitungswasser. Manchmal mit Zitrone, manchmal mit Granatapfelkerne, manchmal Minze und Gurkenscheiben, meistens pur. Kühl, klar, still. Der Durst ist schneller gelöscht.

Keine Ahnung wie es weiter geht. Mehrere Leute haben mich auf meinen schwindenden Bauch angesprochen. Gewogen wird  erst nächste Woche. Das ist dann mein Startgewicht.
Meine Knie werden es mir danken.
Ich fühle mich wesentlich *leichter*, bzw. weniger aufgebläht. Die erste Hose sitzt nicht mehr so eng.
Und immer noch bin ich verblüfft:
Keine Verbote und Gebote an den Esstagen.
Keine Kalorienzählerei.
Keine Zusatzkosten.
Keine Quälerei. (Okay, an den ersten Fastentagen knurrt der Magen und  ich hätte in alles beißen können, was mir begegnete…)

Nein, diese Art seine Essweise in den Griff zu bekommen eignet sich nicht für jeden. Ich bin ein *Gierschlund*, eine kleine (große?) Raupe Nimmersatt.
Für mich ist es leichter gar nicht zu essen als nur ein wenig zu essen.
Ich habe - glaube ich - fast alle Diäten durch.
Ich habe Sport bis zum Exzess betrieben.
Alles half - und dann kam der berüchtigte Jojo-Effekt.
Was dazu führte, dass ich fast aufgab. Zwischendurch resignierte ich.
Freunde und Innen haben sich den Magen verkleinern lassen. So weit war und werde ich nie sein.
Noch weiß ich nicht wie das Experiment ausgeht, aber solange ich mich gut fühle werde ich es machen.
Der erste Schritt für jeden der so etwas in Angriff nehmen möchte:
Lasst euch durch checken:
Habt ihr Diabetes dann geht das natürlich nicht.
Regelmäßige Blutwertkontrollen sind sinnvoll.

Bei Fragen könnt ihr mich mit der Kommentarfunktion erreichen oder auf meiner Facebookseite.

Ich gehe heute ein Eis essen, mindestens 4 Kugeln mit Schokotopping und werde keine schlechtes Gewissen haben.

Der Einstieg: http://www.kokelores.com/2016/05/private-kampfansage.html

Dienstag, 7. Juni 2016

Entpören, ignorieren oder aufdecken?

Der Polit-Zirkus hat seine Manege im deutsche Fernsehen, gerne bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Gerne in Talkshows. Und immer wieder die selbe Leier.
Sie fühlen sich missverstanden, falsch interpretiert oder gar in die Falle gelockt. Sie stellen sich als Opfer der Lügenpresse dar und doch suchen sie dam Rampenlicht.
Geniale Selbstdarsteller.
Gauland, Pertry, Höcke, Storch und nicht vergessen Meuthen.
Warum ich keine Anrede verwende? Nun, wenn ich das hier schreiben würde hätte ich bestimmt eine Anzeige wegen Verunglimpfung und Beleidigung am Hals.
(Trällere: Die Gedanken sind frei, wer soll sie verbieten?....*

Die Diskussion, ob man über diese Ansammlung von ...... (bitte eigenen Begriff einsetzen) berichten soll, über ihre unsägliche Art und Aussagen (meine ganz persönliche Meinung) in den Medien diskutieren soll, ob man ihnen eine Bühne bieten darf - darüber streiten sich ihre Gegner.

Ich bin mir da nicht mehr so sicher - ob ich sie weiter thematisieren soll. Denn so verbreitet man ihre Propaganda. Wer jetzt noch nicht weiß, für was die AfD steht, wird es wohl nie kapieren. Und wer es weiß wählt sie genau deswegen.

Wir müssen uns klar machen, dass es in unserer Bevölkerung 20% der aktiven Wähler gibt, die genau hinter diesen Aussagen stehen. Völkisch-national, fremdenfeindlich. Erschreckend? Ja.

Aber: 80% der Wähler folgen eben nicht diesen Statements.

Auch wenn 70% wählen, dann sind es gerade mal 15% der wahlberechtigten Deutschen. 15% zuviel. Mag sein. Aber wenn man gerade die Medien und privaten social media Bereiche betrachtet, dann scheint es so, als würden sie für die Mehrheit der Bevölkerung sprechen.
Sie arbeiten mit Kalkül. Provozieren und Bühne erhalten.
Vielleicht sollte man ihnen weniger Aufmerksamkeit schenken.
Sie sind Energiefresser.
Was sie sonst noch sind - auch hier schweige ich. Es reicht, dass mein elektronisches Postfach ab und zu Hassmails enthält, eine Anzeige möchte ich mir ersparen.
Denn das ist auch eine ihrer Taktiken:
Wer nicht spurt wird bedroht - in jeder Form. Gerne auch per Klage. Aber nein, nicht sie selbst, also die (sogenannten) Politiker, aber ihre Anhänger. Sie waschen ihre Hände in Unschuld. Pilatus scheint ihr Vorbild zu sein.

Es gibt Menschen die offen dagegen stehen, unter anderem der Bundesjustizminister Heiko Maas. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, ohne beleidigend zu werden. Sie nageln Menschen wie Gauland auf ihre Aussagen fest, ohne Aufregung.

Trotzdem: Wir können die AfD nur schwer bremsen, der erste Schritt ist wohl ihnen die Bühne zu entziehen. Nicht verschweigen was sie tun. Es ist eine Gratwanderung. Und ich bin gespannt ob es - unter anderem - mir gelingt.

Sonntag, 29. Mai 2016

Sonntagsgedanken 29.05.2016

Nur noch vier Wochen und ich werde meine Ausbildung abgeschlossen haben.
Seit ca zwei Wochen esse und lebe ich nach 1-0-2. Dazu schrieb ich schon. Und mit geht es überraschender Weise sehr gut, die Nulltage vergehen ohne große Hungerattacken, ich bewege mich grundsätzlich mehr, an den Esstagen überfresse ich mich nicht.
Eine Woche *frei* liegen hinter mir, ein wenig arbeiten, viel schlafen, bummeln und shoppen, viel Katzen um mich, wenig Stress. So Stressfrei war ich wohl seit Wochen nicht mehr.
Wie sehr mich die Prüfungen belastet haben stellte ich allerdings erst danach fest.
Nicht so gut - mein linkes Knie macht Theater. Schmerztheater. Nun ja. Ich werde älter.

Thema?
Ich mag nicht mehr über die AfD und deren Schergen schreiben.
Was ich über den Haufen denke ist allgemein bekannt.
Ich mag auch nicht mehr über den allgemeinen Rechtsruck schreiben.
Es ist erschreckend wie menschenverachtend und empathielos ein großer Teil der Bevölkerung ist.
Ich war gestern mit einer Freundin in einem großem Center bummeln und shoppen. Ich dachte mir für einen Moment alle Nichtdeutschen, alle mit Migrationshintergrund weg. Der Center wäre leer gewesen.
Sind wir nicht alle das eine: Menschen? Auf der Suche nach unserem persönlichen Glück, nach unserem kleinen Stückchen Heimat?

Ich mag nicht mehr über den Hass und die Angst schreiben.
Angst essen Seele auf ist ein wunderbarer Film.
Angst ist die Wurzel des Hasses.
Liebe kennt keine Grenzen. Hass leider auch nicht.
Angst und Neid sind die Triebfeder des Hasses.
Was ist mit den Menschen nur los.

Unzufriedenheit und Nehmermentalität.
Was ich immer wieder beobachte ist, dass Menschen in meinem Umfeld einfach erwarten, dass etwas für sie getan wird. So als wäre der Staat das Elternhaus, in dem man ohne Gegenleistung geliebt und versorgt wird.
Wundert mich. Woher kommt das? Ich weiß es nicht. Meine Geschwister und ich mussten immer etwas zuhause abgeben, mithelfen. Taten wir das letztere nicht gab es auch keine Belohnungen.
Was nicht heißt, dass man seine Kinder auf die Leistungsgesellschaft trimmen soll, aber vielleicht klar machen, dass das Leben eben doch keine Ponyhof ist und von Nichts nichts kommt.
Diese Unzufriedenheit.

Ich habe zu essen (zuviel), habe eine Wohnung (zu groß, ich suche etwas Kleineres), ich bin einigermaßen gesund, ich habe Freunde, ich habe Katzen, ich fließend Wasser, sogar heiß. Ich kann heizen, habe Strom. Muss ich natürlich etwas dafür tun. Und das mache ich dann auch. Manches gerne, manches weniger gerne.
Ich darf meine Meinung äußern ohne die Angst haben zu müssen, dass am nächsten Tag meine Türe eingeschlagen wird.
Und und und......

Tiefer Seufzer.
Ich habe keine Lust mehr über die besorgten Bürger zu schreiben.
Aber ich werde es tun. Sonst kommen sie wieder und können sagen: Wir haben doch von all dem nichts gewusst.

Donnerstag, 26. Mai 2016

Private Kampfansage

Wer jetzt denkt, ich würde gegen politische Gegner angeht, den muss ich enttäuschen:
Es geht um den Feind in meinem und an meinem Körper: das Fett.
Ich bin dick. Aber ich war es nicht immer.
Ich war früher dünn.
Mit den Jahren wurde es mehr, auch aus anderen Gründen: Schilddrüsen OP, das Rauchen aufgehört, Medikamente, Bewegungslosigkeit nach OP's.
Viel ausprobiert. Viel hat geholfen. Und dann kam der Jojo-Effekt und ich wurde immer schwerer. Wobei ich eigentlich gute Anlagen habe.
Ich klagte mein Leid und wurde erhört. Ich versuche es noch einmal. Ob es wirkt? Weiß ich nicht. Aber mein *Tagebuch des Leidens* werde ich on stellen. Für mich, für euch, zum Mitleiden oder Lachen.
Ganz kurz das Prinzip: einen Tag essen, einen Tag fasten.  Nach und nach werde ich mehr dazu schreiben. 

1 Woche:

Tag 1 19/05/2016             Null Tag
Boa, ich könnte den Schreibtisch annagen. Ich habe tatsächlich richtig Hunger. Und mein neuer Laptop hat schon seine ersten Tücken gezeigt. Macht nichts. Dann quälen wir uns gerade in der Ausbildung durch den SAP Kurs… nicht lustig.
HUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUnger

Tag 2 20/05/2016             Esstag
Eine Tasse Kaffee, ein Brötchen, Müsli. Hunger ist weg. Aber in meinem Bauch stürzt sich gerade der Magen auf den Inhalt. Essen könnte ich jetzt aus reiner Gier und Lust. Halte mich aber zurück.
Ich teste es ja nur an, niemand weiß es. Ich könnte mich klammheimlich aus der Affäre ziehen und keiner würde es mitbekommen.
Das Schlimmste ist – man soll sich nicht wiegen…
Gestern Abend im Bett bin ich im Geiste meinen Kühlschrank durchgegangen.
Ich habe noch veganes Hack, Tomaten, Lauchzwiebeln … Bolognese! Ich dachte wirklich angestrengt über Spaghetti  nach. Kochte. Schnitt die Lauchzwiebeln, viertelte die Tomaten, schwitzte die Zwiebeln an, fügte die Tomaten, Tomatenmark, Gewürze hinzu, setzte das Nudelwasser auf, fügte des Hack dem Gemüse zu, schmeckte ab, gab die Nudeln ins Wasser ….
sah, wie sich die erste Gabel in den Nudeln drehte, die Soße sich fett glänzend an sie heftete, hörte die Gabel auf dem Porzellan quietschen.
Darüber schlief ich ein.
Mittags schon zuhause, ein Brötchen mit Kürbis-Humus tut’s. Ich freue mich auf das Abendessen. Lauch, verschiedene Pilze und das vegane Hack, dazu Nudeln oder Reis, mal sehen.

Tag 3 21/05/2016             Null Tag
Ich gewöhne mich daran. Aufstehen. Kein Kaffee. Den mag ich eigentlich nur mit Kaffeeweißer und Zucker. Ist aber am Null Tag verboten. Ein Tag mit Wasser, Tee, Kaffee pur oder Diätlimos vor mir. Und schnell hinter mir. Ich gehe einkaufen. Es ist Samstag, ich denke genau darüber nach, was ich in den Korb lege. Ich brauche ja nur morgen etwas.  Heute bleibt der Teller leer. Keine Heißhungerattacke. Wenn der Magen knurrt bekommt er Tee, Wasser, Ingwerwasser. Er hält bald die Klappe. Und abends denke ich gar nicht an Hunger, freue mich aber auf den anderen Tag.
Wein usw. fällt auch flach… na also

Tag 4 22.05.2016               Esstag
Fein. Kaffee. Ich freue mich drauf. Gleich zwei Tassen. Nur mit Hafermilch. Mit Zucker ist er mir plötzlich zu süß. Eine kleine Portion Müsli reicht.
Wühl im Tiefkühlfach, entdecke noch ein Stück selbstgebackenen Apfelkuchen und ein Alprodessert.
Feiere meine Entdeckung.
Mittags gibt es Tofuschnitten, Kichererbsenmus, Kartoffeln und Pilze. Den Nachtisch will und schaffe ich gar nicht mehr. Also werde ich den nachmittags futtern. Aber um drei bin ich immer noch so satt, dass ich gar nicht will. Aber ich habe Durst.

Tag 5 23/05/2016             Null Tag
Gestern Abend noch eine fette Portion Nudel mit Pilzen, einen Nachtisch, ein Glas Wein. Den Kuchen habe ich nur zur Hälfte gegessen. Keine gute Idee den einzufrieren.  Ich war satt. Keine Lust irgendetwas zu knuspern.

Heute Morgen keine Lust auf Kaffee. Aber gestern Nachmittag habe ich frischen Ingwer mit kochendem Wasser übergossen. Ich habe Bock da drauf. Schmeckt leicht nach Ingwer, nicht scharf, lecker. Hunger? Hm. Es geht. Aber ich recherchiere im Netz. Zehn in zwei. Lausche, sammle.
Ich bin noch nicht überzeugt. Aber ich fühle mich gut und ich fühle mich nicht gebläht. Fragt mich nicht, wienviel ich wiege. Ich weiß es nicht. Nun, ich werde es sehen, wann mir gewisse Klamotten wieder passen. Und ob überhaupt.

Tag 8 26.05.2016                 Esstag

Bisher klappt es. Aber ich habe an den Nulltagen immer Hunger. Mit wird zwar nicht schlecht, aber der Magen knurrt. Und das manchmal laut und vernehmlich. Das ist anders als beim Fasten. Spätestens am zweiten Tag hat man da keinen Hunger mehr.
Und auch wenn ich an den Nichtesstagen regelmäßig meine Freßorgie am nächsten Tag plane – ich setze sie nicht um. Nicht weil ich mich diszipliniere, sondern weil ich einfach Bock auf andere Sachen habe. Ich wundere mich ja selbst.
Schon nach einer Woche trinke ich den Kaffee an den Esstag nur noch mit Hafermilch und nicht mehr mit Zucker. An Kaffee ohne alles möchte ich mich jetzt gar nicht mehr gewöhnen, um den Kick zu bekommen trinke ich schwarzen Tee, Ingwerwasser oder einfach Wasser pur. Bin ich begeistert? Kann ich noch nicht sagen.
Was ich genieße: keine Verbote, keine Zählerei, kein Abwiegen. Und es geht auch super vegan.

Aber insgesamt fühle ich mich besser. Leichter (kann Einbildung sein), bin weniger gebläht, muss nicht ständig pupsen, mir fällt jetzt auf, dass überall Fast Food Läden sind, das Angebot in den Supermärkten ist bombastisch, fast pompös. Ich denke über die Welt nach - während ich fast am Überfluss ersticke verhungern andere Menschen,
Komische Sache. 

Sonntag, 15. Mai 2016

Wutausbruch Sonntagsgedanken -15/05/2016

Manchmal muss man sich zur Zeit fragen, ob uns etwas ins Trinkwasser gemischt wurde und nur ein Teil gegen die Droge resistent ist.
Ich erwische mich immer öfter dabei, wie ich tief seufze und den Kopf schüttle.
Anscheinend ist die lange Friedenszeit manchen Menschen in Europa zu Kopf gestiegen, die Schrecken des Krieges sind weit weg und flimmern in HD über die heimatliche Flimmerkiste. Alles ganz weit weg.
Der kollektive Aufschrei wegen Paris/Belgien/----- sind längst verhallt und im Konsumrausch vergessen..
Klar geht das Leben weiter. Auch bei mir.
Die schriftliche Prüfung liegt hinter mir. Und wie so ganz typisch für mich war, dass ein Zahn meinte, einen Tag vorher abbrechen zu müssen und die Plombe frei zu lassen. Der Zahn brach so scharfkantig ab, dass ich mir die ganze Zeit die Zunge auf schnitt. In der Zwischenzeit ist der Zahn abgeschliffen, der letzte Prüfungsbogen abgegeben.
Was für ein Luxus. Ich darf mit Anfang fünfzig, sozial abgesichert, eine Ausbildung machen und abschließen. Und mir einfach einen Zahnarzt suchen, hingehen und ohne was zusätzlich zahlen zu müssen werde ich bzw der Zahn, der Böse, behandelt.

An all die Meckerer da draußen, ja ich meine die kackbraunen Arschkrampen, die immer jammern, dass niemand was für sie tue. Echt jetzt? ECHT JETZT?
Nein es sind nicht nur die Ableger der braunen Brut, die so denken. Aber es gibt genügend braune Führernaturen, die genau auf diese unzufriedene Masse abzielen und dann auch wieder uralte Vorurteile heraus kramen. Der Moslem von heute ist der Jude von gestern. Gestern waren es die *Zigeuner*, heute der Araber.
Aber die nehmen uns ja alles weg, bzw wollen uns alles nehmen.
Den Besitz, die Kultur, die Sexualität.
Merken die denn nicht, dass wir wie die Maden im Speck leben? Das selbst die Ärmsten unter uns tatsächlich aufgefangen werden, wenn sie es wollen? Das man mit Hartz IV nicht reich wird, dass das System nicht (immer) gerecht ist, usw ist unbestritten.
Aber wenn jemand bei uns auf der Straße umfällt, zusammenbricht, wird er in ein Krankenhaus gebracht und nicht zum Sterben liegen gelassen. Wir geben mehr für unsere Tiere aus wie viele Familie auf der Welt überhaupt im Monat zum Überleben haben.
Und bombt niemand die Häuser über dem Kopf zusammen. Niemand verhaftet uns, wenn wir unsere Regierung beschimpfen.
Gut wir werden abgehört - das passt mir auch nicht. Aber deswegen von einer Diktatur sprechen?
Dies Kackbratzen, die jaulen, man könne nicht die ganze Welt retten und sich dann billiges Fleisch reinstopfen.... TV glotzen und sich am Elend anderer auch noch ergötzen.
Die die immer rufen - *Und wir? Wer macht was für uns?*
Die, die immer die ersten sind, wenn es darum geht vom Staat mehr *Zuwendung* zu fordern und bei jeder Gelegenheit bescheißen - ja, ich meine auch die Verantwortlichen bei der Commerzbank, die mit Steuergelder gerettet wurden und dann anderen helfen eben diesen Staat um die Steuern zu bescheißen
Es staut sich seit Wochen bei mir an. Dieser extreme Egoismus, diese Gier.
Die, die von den anderen sprechen, die, die unbedingt Sündenböcke brauchen, aber sich nie selbst reflektieren - IHR KOTZT MICH AN.

Ich höre immer weniger Menschen, die sagen sie seien zufrieden, gar glücklich. Ich kenne nur wenige, die sich krumm legen und nicht piensen. Und ich bin verdammt froh, dass es sie gibt. Dass ich einer von ihnen bin.

Zufriedenheit stellt sich ein, wenn man sich bewusst man, wie gut es einem geht.
Genug zu essen, Wasser, Licht, Heizung, sanitäre Anlagen, medizinische Versorgung - für uns alles selbstverständlich. Die Freiheit, dass aussprechen zu dürfen was man denkt. Auch wenn es manchmal Ärger gibt

Ich habe kaum noch Schmerzen.
Mir geht es gut.
Ich bin zufrieden.
Und manchmal sogar glücklich.
Bin ich froh, dass ich keine/r von denen bin.

Sonntag, 1. Mai 2016

Und immer wieder.... Sonntagsgedanken 01.05.2016

Mai.
Feiertag.
Regen.
Sonntag.
Noch 10 Tage bis zur Prüfung....

Panik

Nicht wirklich. Aber fast. Oder so. AWL liegt mir im Magen. Aber auch das wird noch.
Die Katzen? Wohl auf, Danke der Nachfrage. Sie haaren um die Wette.

Die AfD hatte/hat ihr Bundestreffen in Stuttgart. Und stellt ihr Programm zusammen und vor. Ich habe bei Phönix ein wenig über die Liveschalte zugeguckt und gehört. Und mir wurde ganz anders zumute. WAS IST DAS? Was sind das für Leute, die behaupten konservativ, erzkonservativ und dabei liberal zu sein und dann reaktionäre Dinger loslassen, dass man mit den Ohren schlackert?
Liberal? Wo denn? Die überholen sich ja selbst noch rechts außen.
Draußen vor den Messe Toren steppte der Bär. Antifa und Polizei knallten aufeinander. Friedliche Demonstranten an der Messe und in der Innenstadt.
Diesmal ohne mich. Aus mehreren Gründen. Aber bestimmt nicht weil ich die AfD in irgendeiner Form schätze.

Oh, rechtsaußen überholt sich gerade auch Österreich. Die wollen den Brenner abschirmen.
Good bye Europa, war nett mit dir.

ECHT JETZT?

Ich bin gerade dabei festzustellen, dass scheinbar alle hohl drehen, die Menschlichkeit verlieren oder die Masken ablegen die Menschlichkeit vorgaukelten.
Der kleine Möchtegerngroße vom Bosporus dreht ja schon seit Wochen durch und fühlt sich anscheinend von jedem beleidigt der sich nicht vor ihm verbeugt - nun: er hat wahrscheinlich ADHS oder so etwas. Nein. Damit würde ich alle ADHS Betroffene beleidigen. Tut mir leid. Auch Ziegen werde ich hier nicht beleidigen. Und schon gar keine souveräne Staatsmänner. Staatsmänner schon. (teuflisches Smilie denken).
Die Schweizer hatten jetzt auch ihren Spaß mit Erreg-Dich-Wahn.
Aber ein Österreicher machte es ihm nach. Er klagt gegen die Heute Show - die hatte ein Schnitzel als NS-Symbol verformt. Nun denn. Wenn es gestandene Europäer nicht raffen, was möchte man dann von Möchtegerndemokraten erwarten.
Ob es geschmacklos- oder voll war: DAS ist Geschmacksache. Ob es erlaubt ist nicht.

Keine Geschmacksache ist das was in Syrien geschieht, So etwas nennt man normalerweise Kriegsverbrechen, Regt sich jemand in Europa auf? Ja? Echt? Ah so, weil wir die Flüchtlinge nicht aufnehmen können. Es sind zu viele.
Entschuldigt bitte, aber mir ist seit tagen zum speien übel. Und sehe ich die Petry, den Gauland und Höcke und dann fange ich an zu kotzen. Die selbstverliebte, Menschenverachtende.....
durchatmen. Nichts schreiben was einen vor den Kadi bringen können.
Ich hasse die nicht. Ich verachte sie. Und wünsche mir fast einen christlichen Gott, der ihnen die Leviten liest, wenn sie dann mal soweit sind. Fast. Immer nur fast.
Ich kann die nicht verstehen. Ich kann es nicht nachvollziehen.

Frieden.
Wir haben seit 70 Jahren Frieden in Europa. Für manche scheint der letzte Krieg, von dem sie selbst betroffen waren, zu weit weg, zu lange vorbei. Wir stehen wieder einmal an einem Abgrund.
Zwei Atomkatastrophen innerhalb zweier Generationen scheinen den Menschen auch nicht beigebracht zu haben. In Aachen und auch auf der belgischen Seite werden Jodtabletten an die Zivilbevölkerung ausgeteilt - so sicher findet man den dortigen Atommeiler.

Wie ich die letzte Woche fand.
Fragt lieber nicht.
Ich bin selten entmutigt. Aber im Moment bin ich es.




Sonntag, 24. April 2016

Sonntagsgedanken 24.04.2015 - Auf zur Sonne, auf zur Freiheit

Sonntag. Noch zweieinhalb Wochen bis zur schriftlichen Abschlußprüfung. Der Winter hat sich berappelt und sucht uns, altersschwach aber zäh, noch einmal heim. Die Kater sind nervig und unser Hausgast, die Dame Leila, ist wie immer zickig.
Bis auf Kleinigkeiten ist mein Leben im Fluß - unterbrochen von plötzlichen Panikattacken. Wenn der Kühlschrank plötzlich nicht mehr kühlt oder oder oder... ich habe im Moment echt kein Geld, um so etwas erleben zu können.

Nun, mein kleines Leben ist nicht das Thema des heutigen Artikels. Es ist mal wieder - schon wieder - das Komplexe Thema: Was passiert gerade mit Europa? Was geschieht mit Deutschland?
Wir haben da:
  • TTIP
  • Flüchtlinge
  • Abschottung
  • Rechtsruck
  • Unmenschlichkeit
Betrachte ich gerade das was abläuft bekomme ich das stille Grausen. Dreckige Deals. Überall. Der dreckige Deal mit dem Despoten vom Bosperos - der nicht nur in seinem Land die Presse- und Meinungsfreiheit massiv demontiert, sich seit der Causa Böhmermann in deutsche Innenangelegenheiten einmischt (Strafverfolgung von Satiriker), jetzt werden auch deutsche Reporter auch an der Einreise gehindert. Nachdem man schon einen unbequemen Spiegelredakteur schon des Landes verwiesen hat, bzw die Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert hat, so hat man den ARD Reporter erst gar nicht mehr ins Land gelassen. DAfür nimmt in Berlin die Polizei den Chef der Piratenpartei fest, weil der Ereg-dich-Wahn angeblich beleidigt hat. Nach dem §103 StGB. Sind wir schon das Sultanat? Versteht mich bitte nicht falsch - Niemand soll jemanden anderes zu beleidigen, aber was da gerade geschieht ist doch mehr als lachhaft.

Währenddessen gehen die Verhandlungen gegen TTIP weiter. Die Geheimhaltung macht sich auch hier breit. Es ist überhaupt nicht abzusehen, was dieses TTIP für Änderungen mit sich bringt. Soviel ich begriffen habe, durch das wenige was bekannt wird, ist: Schwächung der staatlichen Bereiche, Schwächung des Verbraucherschutz, Stärkung der Konzerne.
Jedem Neoliberalisten muss das Herz höher schlagen. Mir als kleinen Bürger schnürrt es die Kehle zu. Konzerne sollen Staatsregierungen verklagen dürfen - wegen Geschäftsschädigung, wenn diese durch ihren Verbraucherschutz den Absatz behindern? Und wo finden dann die Verfahren statt? Vor Gerichten, die nicht dem betroffenen Staat angehören. Freihandelsabkommen? Handel über alles? Markt über alles? Privatisierung über alles?
Zu was das führt sieht man in Spanien, in dem die Wasserversorgung schon privatisiert wurde.
Sollen wir Bürger und Verbraucher dem absolut freien Markt ausgeliefert werden? Der Soze Gabriel ist für TTIP. TTIP ist unter anderem einer der Gründe warum ich der SPD nicht mehr meine Stimme gebe. Und die Politiker wie Gabriel, Nahles der andere.
Ach die Nahles hat sich auch wieder was ausgedacht:
Alleinerziehenden soll um jeden Tag, an dem sie die Kinder beim anderen Elternteil lassen, die Unterstützung gekürzt bekommen.
Was hat man der eigentlich ins Essen gemischt? Menschen die schon fast nichts haben, das wenige auch noch kürzen? Und wen betrifft es in über 90% der Fälle? Frauen!  Und die wenigsten werden es ich leisten können, dann die Kinder einmal abzugeben -  denn das bedeutet dann sofort finanzielle Einbuße..
Och Nahles, dir würde ich auch gerne mal die Bezüge kürzen. Und das nicht zu knapp.

Rechtsruck in Deutschland. Rechtsruck in Europa. In Jena dürfen sich, gerichtlich abgesegnet, Nazis zur Demo treffen. Inoffiziel feiern sie des Führer Geburtstag, den offiziellen Grund habe ich gar nicht erfahren. Am 20.4. eine Demo von Rechtsradikalen. Aha. Gerichtlich genehmigt. Soso. Kurz nachdem der Bundesstaatsanwalt einige Täter aus Freital ganz klar wegen *Rechtsterroristischer* Umtriebe ....
Und dann Höcke und Co. Jetzt versuchen sie den Islam als *politische Vereinigung *abzugrenzen*, um den Bau von  Minaretten, Moscheen zu verhindern und zu verbieten. Imane sollen keine Geistlichen sein. Warum denn das? Nun, dann kann man das Grundgesetz umgehen. Da wird nämlich Religionsfreiheit garantiert. Nice try, fool, aber voll daneben. 

Und so könnte ich noch Seite um Seite schreiben, mein Blutdruck würde ins unendliche steigen.
Ich lasse es für heute. Mr Grey hat sich auch schon neben mir breit nieder gelassen und hangelt immer wieder nach meinen Fingern, wenn die über die Tastatur huschen...

Sonntag, 17. April 2016

Der Meinungskrieg - die Akte Erdogan Sonntagsgedanken 17.0.2016

Sonntag. Schon wieder? Wo sind die Tage hin? Die Prüfung rückt näher, die Laune wird nicht besser. Grundtenor: Nervös.
Sonntag. Meine beiden Pelzis kannten keine Gnade, um halb vier schmuste mich Soleil an als sei er am verhungern. Ich genieße die Wärme, die Flauschigkeit dieser Katze zu sehr als das ich ihr lange böse sein könnte, wenn überhaupt. Ich vergrabe mein Gesicht im Fell, atme den typischen Katzenduft ein, höre und spüre das beruhigende Schnurren und schlafe wieder ein.
Sonntag. Wochenrückblick. Privat - einige Stolpersteine - Drama Samstag Morgen - der Kühlschrank kühlt nicht mehr. Entwarnung Samstag Abend. Er kühlt wieder.
Lernen - gerade mal 20 Seiten über Umsatzsteuer gelesen - in der Badewanne: Mindestbemessungsgrundlage. Das AWL (allgemeine Wirtschaftslehre) Buch harrt meiner, aber ich verweigere mich.
Kaffee? Gerne intravenös.
Highlight? Mein neues Acer Laptop. Ich liebe es. Neu auch: Windows zehn - ich weiß ja nicht. Mal sehen.

Gedanken zur Woche? Wer gerade ins Netz schaut oder in die Glotze, Zeitung liest oder Radio hört - Man kommt nicht an Jan Böhmermann vorbei. In der Zwischenzeit habe ich mir den Stein des Anstosses angesehen und verstehe die GESAMTE Aufregung ÜBER Jans Beitrag nicht.
Ob ich das Gedicht gut finde (finde ich nicht) hat aber mit dem Folgenden nichts zu tun. Der Beitrag - in dem das Schmähgedicht eingebettet war - ist genial. Und die Reaktionen darauf zeigen auf - in meinen Augen - wie wenige ihn verstanden haben. Auch darüber kann man streiten. Man kann über alles streiten. Und im Netzt tobt der Böhmermann Krieg. Die dafür und die dagegen. Und dann kommt auch noch ein uralter, nicht mehr zeitgemäßer § des Strafgesetzbuches zum Tragen.

§ 103
Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten

(1) Wer ein ausländisches Staatsoberhaupt oder wer mit Beziehung auf ihre Stellung ein Mitglied einer ausländischen Regierung, das sich in amtlicher Eigenschaft im Inland aufhält, oder einen im Bundesgebiet beglaubigten Leiter einer ausländischen diplomatischen Vertretung beleidigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe, im Falle der verleumderischen Beleidigung mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) Ist die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen, so ist § 200 anzuwenden. Den Antrag auf Bekanntgabe der Verurteilung kann auch der Staatsanwalt stellen.

Echt jetzt? ECHT JETZT?!
Ich wusste gar nicht, dass sich Herr Eregdichim Wahn in der BRD aufgehalten hat. Aber ich bin kein Jurist.

Um das alles geht es mir gar nicht. Anzeigen kann Herr Dingensbumsens jeden den er möchte - auch in der BRD. Ob es dann zum Tragen kommt ist dann wirklich die Sache der Gerichte. Das steht außer Frage. Das haben wir Fußvolk nicht zu entscheiden. Und auch nicht die Bundesregierung. Auch wenn es sich um einen Ermächtigungs-§ handelt.
Oder doch nicht? nun ja. Frau Merkel hat die juristischen Verfolgung des Satirikers zugelassen. Also doch politisch. Nun ja..
DAS würde mich im Generellen nicht aufregen.
Aber im Zusammenhang kotze ich förmlich im Strahl.

Die Türkei - bzw die türkische Regierung - bzw der Dingensbumsens - tritt seit Monaten Presse- und Meinungsfreiheit mit den Füßen. Nun ja. Wir können schimpfen und so weiter. Und hier tritt die erste Verlogenheit ein - Urlaubsland! Ja! Istanbul? JA! Was interessiert es da den wohlwollenden Urlauber was da abgeht?
Zweiter Punkt - jetzt wird es *globaler*. Die EU braucht die Türkei für den - ich muss mich hier zusammen reißen um nicht unflätig zu werden - *Deal* mit den Flüchtlingen über die Bühne zu bekommen.
 Es wurde viel geschrieben, gesagt zu diesem Thema. Als ich die Bilder im Netz sah, wie die türkische Küstenwache versucht hat vollbesetzte Flüchtlingsboote - mit Frauen und Kindern an Bord - zum Umkehren zu zwingen und sich auch nicht dafür zu schade war, das Kentern der Flüchtlingsboote zu provozieren.... Mir wurde schlecht, mein Herz krampfte sich zusammen, ich spürte die Todesangst der Flüchtenden.

Es ist ein dreckiger Deal.
Und was hat das jetzt mit der Strafvervolgung Böhmermanns zu tun?
Seufz.
Betrachtet man sich beide Geschehenisse separat - nüscht.
Verknüpft man die Geschehnisse der letzten Wochen, dann schon. Was wäre gewesen, wenn der kleine, irre Nordkoreaner das *Opfer* des Schmähgedichts - eingebettet in einen Beitrag - geworden wäre? Der satirische Akt wäre nicht besser gewesen, aber hätte sich Kimi gebläht, man hätte nur müde mit der Hand den Duft verwedelt.
Und ich verstehe die Wut und den Ärger auf der einen Seite. Auf der anderen Seite verstehe ich die Menschen, die sagen - hey, lasst die Justiz zuschlagen.... es wird für Mr. beleidigte Leberwurst nicht gut ausgehen.

Man kann es sehen wie man möchte.
Fakt ist: Man (die EU und Frau Merkel rügen den Türkischen Präsidenten) rügt die Türkei für die Einhaltung der Presse- und Meinungsfreiheit, auf der anderen Seite unterschreibt den Flüchtlingsdeal.

Doppelmoral, ick hör' dir trapsen.
Von wegen: Je suis Charlie Hebdo.
Eher - je suis Wendehals.

Gute Tipp: wenn man den Hals zu sehr verdreht riskiert man einen Wirbelbruch - und das schadet der allgemeinen Gesundheit und der Denkfähigkeit.



Sonntag, 10. April 2016

Das Spiel der bösen Buben - Sonntagsgedanken 10.04.2016

Sonntag. Endlich einmal ausgeschlafen. Trotz Katzen. Trotz der Fütterung um sechs Uhr. Wahrscheinlich schwankte ich wie ein Zombie durch die Wohnung, automatisiert durch den täglichen Vorgang, kaum ein Erinnerungsnebel daran in meinen grauen Zellen als ich gegen neun endgültig aus dem Reich des Schlafes in das Hier zurückkehrte. Ich kann mich daran erinnern, dass Soleil bettelte und ich aufstand, aber wie ich in die Küche kam oder die Futterpäckchen aufriss – es liegt im Dunkel und auch nicht der verrückteste Entdecker hätte auch nur den Ansatz eines Wunsches das Geheimnis zu lüften. Jetzt, nach dem zweiten Frühstück (das der Katzen) sitze ich mit einem Pott Kaffee und Haaren, auf die der Struwwelpeter oder auch ein aufgeplatztes Sofakissen voller Neid blicken würden, vor dem Monitor und der Tastatur.

Thema?
Ich habe mir seit Donnerstag darüber Gedanken gemacht, auch wenn ich immer erst sonntags, morgens – komplett verpeilt – die Gedanken dann niederschreibe.
Es gibt viele Themen zurzeit. Ach wie schön ist Panama. Und – jedem seinen Briefkasten? Samt Firma? Die Verlogenheit der betreffenden Regierungsstellen, die es stillschweigend akzeptierten und jetzt ein großes Tohuwabohu abhalten, mit viel Tamtam – NACHDEM JOURNALISTEN mal wieder den Stein ins Rollen gebracht haben.
Da fällt mir ein – wenn ihr die Gelegenheit habt euch noch *Spotlight* anzusehen. Machte es! Lohnt sich. Finde ich jedenfalls.
Ne, Panama ist es nicht. Nur die Frage – wo sind hier die besorgten Bürger, wo ist hier das Geschrei? Ah so, das sind Mächtige, man tritt ja lieber nach unten, auf die Schwächeren.
(Kurz die Katze von der Tastatur fernhalten.)
Oder der Echo. JA der, nicht das. DAS Echo hallt in den Bergen zurück, DER Echo wird verliehen. Anhand der Verkaufszahlen der (zweite Katze von der Tastatur gehievt) Musikindustrie: Das Ergebnis? Nun, dass ganz viele Deutsche  Musik hören, die ich nicht einmal unter starken Alkoholeinfluss ertragen würde. Nun – das hat etwas mit Geschmack zu tun. Bis – bis auf der Preisverleihung für Freiwild. Sie haben einen echten RECHTEN Hintergrund, distanzieren sich nun – Shitstorm der betreffenden Fans – sind sie jetzt Engel? Solange sie noch auf einschlägigen Festivals spielen, glaube ich denen kein Wort. Aber auch hier? Wo bleibt der Aufschrei der (Nicht) Empörten? Wo sind die Künstler, die deswegen aufstehen und der Veranstaltung den Rücken kehren? Das einzige was passierte war ein Sturm im Wasserglas im Netz und den sozialen Medien.

Aber auch das hier ist nicht wirklich das Thema.
Ja was jetzt. Was regt mich so auf, dass ich wirklich etwas dazu zu sagen habe?

SATIRE
Ach, wie viele Facebooker hatten *Je suis Charlie Hebdo* als Profilbild. Eine Großzahl Menschen dieser Welt empfanden die Karikaturen der Zeitschrift immer und immer wieder als Provokation und Beleidigung. Man stritt sich darüber. Durften sie das Haben sie nicht selbst verschuldet, was ihnen geschah (was mich ja immer wütend macht, wenn man den Opfern eine Mitschuld gibt), war es geschmacklos was sie da abdruckten (war es oft), war es beleidigend (in Augen der betroffenen ja schon). Charlie Hebdo steht für etwas: für bitterböse Satire.
Satire soll keinen Spaß machen. Wenn einem das Lachen im Hals stecken bleibt, dann hat sie gesessen, dann hat sie das Ziel genau zwischen den Augen getroffen.
Satire ist nicht lustig. Das wäre dann Comedy (die übrigens auch geschmacklos sein kann). Satire ist nicht so feinfühlig wie Ironie und nicht so verächtlich wie Zynismus (der allerdings auch verletzend sein kann). Sarkasmus ist auch anders. Satire zielt auf den wunden Punkt, bohrt darin herum und streut noch Salz und Pfeffer nach. Satire hält der Gesellschaft diesen kleinen, bösen Spiegel vor, reißt ihr die Maske vom Gesicht. Als Witz getarnt kommt die Wahrheit daher und das schmerzt dann doch viel zu oft und die getroffenen Hunde bellen die ganze Nacht und heulen den Mond an.
Nein. Ich mag Jan Böhmermann nicht verteidigen. Oder doch? Sein Schmähgedicht gehört nicht gerade zu seinen Glanzleitungen. Bestimmt nicht. Aber die Affäre Böhmermann ist nur noch eine Steigerung: Der deutsche Botschafter wurde nach einem Extra3 Beitrag über Erdogan einbestellt. Hier regte sich noch leise Kritik und der Beitrag der Satiresendung wurde in den you tube Himmel geklickt. Der bloßgestellte und seine Reaktion machten ungewollt Werbung.

Nun Böhmermann hat etwas (?) zu tief gegriffen, an die Kronjuwelen. Und hat vielleicht den schmalen Grad verlassen, auf dem sich die Schlampe Satire immer zu bewegen hat. Ob ich den Beitrag gesehen habe – nein. Er war schon gelöscht, als ich es mitbekam. Aber ich verfolge nun seit Tagen im Netz und in den Nachrichten was gerade abgeht.
Was sich für mich herauskristallisierte war: Wir (die Deutschen und die anderen europäischen Länder) bedienen uns eines nicht ganz koscheren Regierungschefs, damit der für uns die Drecksarbeit erledigt. Und die Menschenrechtsverletzungen, die unter seiner Regentschaft geschehen, werden beflissentlich übersehen, damit sich Europa nicht selbst die Hände schmutzig machen muss.
Ich kann nur noch müde lächeln und den Kopf schütteln.
Europa hat keinen Dreck am Stecken, Europa badet gerade im Blut der ganzen Toten, die es durch Waffenlieferungen (ja, deutsche Arbeitsplätze werden gesichert), durch Wegsehen und nicht handeln mit zu verantworten hat. Und ganz direkt durch die unterlassene Hilfeleistungen den Flüchtlingen gegenüber.
Ich schüttle den Kopf über diese Verlogenheit. Böser, böser Jan. Wie kannst du nur jemanden beleidigen während wir gerade angestrengt versuchen wegzusehen, schönzureden oder zu rechtfertigen. Böser, böser Jan, wie kannst du uns nur aufzeigen, mit wem wir da zusammenarbeiten.
Ach Jan, vielleicht hättest du nicht so dick auftragen sollen. Aber da sie dich zensiert haben kann ich mir darüber – nicht über das WAS, aber über das WIE - noch nicht mal eine eigene Meinung bilden.
Aber jetzt Haft zu fordern? Auf den Pfaden Erogans wandeln? Pressefreiheit und Kritik als Verbrechen behandeln? Ich weiß ja nicht. Rüge? Ja, vielleicht. Entfernung des Beitrags? Da, bekomme ich schon Bauchweh. Aber ihn jetzt wie einen Verbrecher jagen? Nein!
Aber er hat schon das Angebot der Rechtsanwältin des Titanic- Magazins ihn zu verteidigen. Das freut mich.

Aber der Rest hat mich wirklich aufgeregt diese Woche.

Sonntag, 3. April 2016

Widerstand - Frauenpower Sonntagsgedanken 03.04.2016

Strahlender Sonnenschein. Aufmüpfige Kater. An ausschlafen war mal wieder nicht zu denken, denn die beiden Stubentiger verlangen morgens um sechs Uhr SPÄTESTENS ihr Morgenmahl. Jetzt sitzen beide auf dem wohnzimmerlichen Fenstersims und blinzeln träge in die Sonne oder beobachten angestrengt quirlige Singvögel, die aus sicherer Entfernung ihnen Spottlieder vortragen. Die Idylle ist perfekt, aber eine Illusion. Ich stecke mitten in der Prüfungsvorbereitung (weniger schlimm, aber nervig), die Welt dreht langsam aber sicher hohl – Trump unter anderem. Selbst Republikaner rufen verzweifelt nach einem *echten* Kandidaten. Was passiert, wenn der Großkopf an die Macht in Amerika kommt, kann man nicht sagen. Aber was in Polen passiert ist, das schon: Ein Riesenschritt in die Vergangenheit – als erstes entmachtete man das Verfassungsgericht, knebelte die Presse und versucht nun den Frauen und massiver Strafandrohung den, manchmal letzten, Ausweg zu verwehren:

Die Abtreibung.

Versteht mich nicht falsch –ich bin weder pro noch contra, in diesem Fall denke ich, es soll doch bitte den betroffenen Frauen selbst überlassen werden, nach echter Aufklärung und dem Aufzeigen aller Möglichkeiten, was sie tun sollen/können/müssen/dürfen. Keine Fremdbestimmung mehr. Keine Frau sollte gezwungen werden etwas zu tun, was sie nicht möchte. Schon gar nicht, wenn es ihr Leben gefährdet würde oder sie vergewaltigt wurde. Nein. Für mich steht ungeborenes Leben nicht über dem bestehenden. Ja, ich mag Kinder. Nein, ich bin dagegen Kinder zu zeugen um *Genmnaterial* oder *Ersatzteile* zu bekommen. Ich finde auch Abtreibungen aufgrund des *falschen* Geschlechts für menschenunwürdig. Und doch ist dies unter anderem in Indien und China nicht unüblich. Zumindest in China hat es zu einem Männerüberschuss geführt – ob das das erwünschte Ziel ist? Ob ich es gut finde? Sicher nicht. Aber auch hier regiert die Tradition. Denn Söhne sind mehr wert als Töchter. (Hier darf man sich einen Kotzsmilie denken.)

Die ideale Familie 

In Deutschland sind andere Marktschreier unterwegs. Die AfD findet, dass nur Vater, Mutter, Kind als Familie bezeichnet werden darf/kann/soll/muss. Manche dieser *Partei* versteigen sich sogar zu solchen Aussagen, dass eine Frau, die noch keine Kinder bekommen hat…. Mir biegen sich die Fingernägel nach oben, wenn ich das Altmännergeschwätz lesen muss, wenn wieder patriarchlische Herrschaftsträume wach werden.
Da möchte ich es dem Götz von B. nachmachen und rufen: Ja lecket mich am Arsche, lasse es aber, denn die Zunge dieser Widerlinge möchte ich nirgends an meinem Körper haben. Stattdessen denke ich f***t euch selber in gewisse Gelenke.

Ob ich sauer bin? Ich bin Sch**ßwütend, zornig ohne Ende.
Lasst uns doch so leben wie wir wollen, verdammt noch mal. Wir sind keine Menschen zweiter Klasse, die ihre Bestimmung nur im Kinderbekommen und Eheweibchen sehen. Und die Frauen, die so leben wollen – wir hindern sie doch nicht daran! Wenn sie damit glücklich sind: SUPER! Glückwunsch!
Und in dem diese – mir fällt gerade kein nicht beleidigende Begriffe ein – was auch immer ein total überaltertes Familienmodel glorifizieren, verdammen sie jede andere Lebensweise, als gäbe es keinen wichtigere Lebensinhalt.

Liebe.

Liebe kennt keine Grenzen, keine Nationalität, keine Religion, kein Geschlecht, keine Ethnie.
Ein befreundetes Lesben-Pärchen ist glückliches Mutterpaar, und alle, alle sind glücklich. Die Frauen, die Eltern, die Großeltern, Brüder, Schwestern, Freunde. Die Kinder gedeihen und glucksen vor Glück, behütet von Liebe.
Meine kleine Großnichte ist in ein klassisches Familienmodel reingeboren worden. Auch sie behütet glücklich, umringt von stolzem Opa, Oma, Großtanten und Onkels, Freunden.
Liebe.
Liebe.
Liebe.
Ich möchte es hinausschreien. Ich erlebe Liebe in Freundschaften, Zuneigung von meinen Pelztieren. Ich wollte nie heiraten, nie Kinder bekommen. Ich bin ohne beides sehr zufrieden und oft auch glücklich. Ich empfinde keinen Kinder-, Ehe-, Penisneid. Ich freue mich für jeden Menschen der sein Glück gefunden hat, egal in welcher Form oder Lebensweise es existiert.

Es wird Zeit, dass wir Menschen lernen, dass unser Lebensmodel nicht für alle anderen Menschen gelten kann/soll/muss. Es darf. Nicht mehr, nicht weniger.
Einer der wichtigsten Grundsteine der Liebe ist

Toleranz/ Akzeptanz

Wenn es Menschen gibt für die alte Rollenverhältnisse das Glück auf Erden ist – lebt es! Werdet glücklich. Aber verdammt nochmal hört auf uns anderen zu sagen, dass wir nach euren Regeln leben sollen/müssen! Und das dann auch noch unter Androhung von Strafmaßnahmen.
Wir hatten das alles schon: Verfolgung andersdenkender und anderslebender Menschen. Lasst uns nicht (schon wieder) die Fehler unserer Vorfahren wiederholen.
Lasst uns für unsere Freiheit einstehen.
Wir Frauen dürfen noch gar nicht so lange in Deutschland selbstbestimmt leben.
Lassen wir es nicht zu, dass irgendwelche erzreaktionäre Was-auch- immer uns unsere Rechte beschneiden. Oder die von anderen. 

Quellen:

Sonntag, 27. März 2016

Frohe Ostern! Sonntagsgedanken 27.03.2016



Das Netz ist heute voll von jubilierenden Menschen, die allen Menschen die frohe Botschaft bringen möchten. Ostermontag. Nun mich betrifft es nicht wirklich. Als bekennende Agnostikerin bedeutet es mir nichts und hat weder Einfluss auf mich noch auf mein Leben. Stimmt nicht ganz: ich habe auch frei an den *hohen Feiertagen*. Stört es mich, dass Menschen ihren Glauben ausleben? Nein! Ob es nun Christen, Moslems, Hindus, Buddhisten sind. Feiert eure Feste wie es euch euer Glaube gebietet.
Zwar amüsiere ich mich – in der Zwischenzeit – über die vielen *heidnischen* Bräuche, die es in die ach so wundervolle abendländische, christliche  Kultur Eingang fanden.
Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt sich aufzuregen. Nicht über den christlichen Glauben, sondern über die Heuchelei, die allenthalben ihren Weg bahnt.
Wenn man den Ursprung des Christseins, die verschiedenen Kirchen (von griechisch-orthodox bis zu den Evangelisten, die Urform betrachtet, dann entdeckt man, dass sie gar nicht so viel mit den modernen, *abendländischen*, also westlichen Werten gemein haben. Es lohnt sich, sich damit auseinanderzusetzen.
Achte ich deswegen Christen weniger? Nein! Ich möchte ganz deutlich machen – ich sehe einen Unterschied zwischen dem Glauben und den Institutionen.
Ich stelle weder die gläubigen Christen noch die anderer Religionen an den Pranger, werte sie bestimmt nicht ab.
Wenn Ihre persönliche Auslegung des Glaubens allerdings mit den Grundsätzen einer freien Gesellschaft, einer Demokratie kollidiert, dann werde ich richtig fuchsig. Wenn man schon das Glück hat in einen säkularen Staat zu leben, dann sollte man alles tun ihn zu schützen, denn er schützt auch die Auslebung der eigenen Religion.
Es geht nicht darum, was ich glaube und was ich über Jesus denke, das ist Privatsache. Und wenn ein Mensch sein Glück in diesem Glauben findet und die Riten der verschiedenen Kirchen braucht – Daumen hoch! Lebt es. Werdet glücklich. Aber hört auf Menschen wie mich zu bemitleiden, weil ich eurer Ansicht nicht erleuchtet bin und deswegen nicht das wahre Glück finden kann.
*Sorry*, aber ich bin auf meine Art erleuchtet und glücklich. Den Zahn ziehe ich euch mit Vergnügen. Weder brauche ich den Segen irgendwelcher (selbsternannter?) Priester, muss irgendwelche irdischen Riten vollziehen, um das zu achten was mir geschenkt wurde – das Leben, das Lachen, die Liebe.
Und ich gebe gerne von meinem Wohlstand ab, teile, helfe und en Rest davon genieße ich.
Wie gesagt – jeder soll und darf sein Leben so leben wie er/sie möchte – mit der einen (kleinen?) Einschränkung: Das Recht des Einzelnen hört da auf wo er/sie einem anderen durch sein/ihr Verhalten schadet. Egal aus welchen Gründen. Egal ob aus nationalen, religiösen oder rein egoistischen Gründen – sie haben kein Recht dazu, anderen zu schaden.

Friedliche Zeit für euch alle.

Anmerkung:
Wir Agnostiker bestreiten weder, dass es einen *Gott* oder eine *göttliche Macht* gibt, noch behaupten wir es. Wir sagen: wir können weder die Anwesenheit, noch die Abwesenheit solch einer Wesenheit beweisen. Was auch nicht unser Ziel ist. Wir denken einfach, dass es keinen Einfluss auf unser Leben hat.

Sonntag, 20. März 2016

Wider den Hass - Sonntagsgedanken, 20.03.2016

Sonntagmorgen. Der Hochnebel ist zäh. Ich bin nicht wirklich gut drauf. Beide Kater und die Gastdiva sind unterbeschäftigt und auch wenn ich sie mit dem Staubsaugroboter eine Stunde ablenken konnte, um wenigstens in Ruhe Kaffee trinken zu können, so ist diese Atempause jetzt auch vorbei. Noch habe ich das Färbemittel auf dem Kopf, die Wohnung sieht aus wie ein Saustall, mir ist kalt, ich habe PMS ------------------------ und morgen schreiben wir eine Einkommensteuerklausur unter Prüfungsbedingungen mit Benotung.
Keine guten Voraussetzungen für einen fröhlichen Sonntag. Nun, das eine ist das, was mich gerade privat etwas verstört, nervt, traurig macht…etc. Damit kann ich umgehen. Das geht ein paar Tage und dann ist es wieder gut. Und zu Plan A habe ich jetzt Plan A 1. Wenn ich etwas gelernt habe: Läuft es zu glatt hat die Sache einen unschönen, versteckten Haken. Hat man den Haken entdeckt kann man sich daran aufhängen oder die Weichen umstellen. Plan B ist im Kopf und ich glaube er ist nicht der schlechteste. (Hier sich einen Smilie denken.)
Was ich nicht ändern kann sind die Themen, die jeden Tag auf uns einprasseln. Natürlich muss ich nicht Nachrichten gucken, im Netz herum hurzen wie ein aufgebrachten HB-Männchen, aber den Kopf in den Sand stecken und/oder die drei Affen spielen? Ne. Kann und will ich nicht.
Die Woche brachte keine guten Nachrichten.
Die Menschen in Idomeni versinken im Schlamm und versuchen sich irgendwie einen Weg ins Land der Verheißung zu bahnen – werden wieder eingefangen und zurückgebracht. Die Bilder schockieren. Hochschwangere Frauen die mit nackten Beinen einen kalten, reißenden Fluss überqueren, ohne Schuhe, nicht gesichert, die Hände an ein dünnes Seil geklammert. Wie groß muß die Angst und die Verzweiflung dieser Menschen sein, dass sie so ein Risiko auf sich nehmen. Auf der Flucht vor Bomben, Terror und den unmenschlichen Zuständen im Flüchtlingslager. Ich unterdrücke den Wunsch jedem der jetzt sagt: *Ja, aber, wie können nicht die ganze Welt retten*, in die Fresse zu schlagen. Wie gesagt. Ich unterdrücke diesen Wunsch und wende mich angewidert ab.
Das mache ich übrigens auch bei dem Parteiprogrammentwurf der AfD. Jaja, ich weiß, es ist noch kein Programm, sondern *nur* ein Entwurf. Der aber reicht mir schon aus.
Frau Petry mag mit einer Journalistin der MoMa’s nicht sprechen, die haken nach und prompt geht Frau Petry wieder wie eine wild gewordenen Henne auf den vermuteten Feind los und fordert die Entlassung von Frau Dunja Hayali, die gerade erst eine Auszeichnung für ihre Arbeit erhalten hat.
Frau Petry hat keine Verpflichtung mit Frau Hayali zu sprechen. Aber die Absage wirkt feige, der Anwurf Dunja Hayali sei eine Politikaktivistin und aus dem öffentlichen Fernsehen zu entfernen äußerst peinlich. Aber das stört die kleine gerne groß ja nicht – sie wirkt auf mich immer mehr wie ein wütender Wadenbeißer. Aber das ist eine rein persönliche Sichtweise. Wie alles was ich im Blog oder sonst wo schreibe.
2016 scheint auch das Jahr der Verabschiedung zu werden. Egal ob im Freundes- oder Familienkreis, in der Politik oder der Unterhaltungsbrache, es gehen so viele. Geliebt und ungeliebte, unbequeme und belächelte Menschen gehen. Manche erwartet, andere unerwartet.
Ich mag sie nicht aufzählen, jeder Name löst Wehmut bei mir aus, aber auch Dankbarkeit, dass sie waren und was sie uns schenkten.
Als dann diese Woche schon wieder ein Selbstmordanschlag in Istanbul die Lebensfreude der Menschen zerriss barst mein Herz. Egal wo auf dieser Welt so etwas geschieht – es zerstört das Leben, die Freude, das Glück von unbeteiligten, die im falschen Moment am Ort waren.
Die Suche nach der Ursache, nach den Tätern ist im vollen Gange. Dabei liegen sie auf der Hand:
Ohnmacht, Intoleranz, Unwissen, Hass, Angst
Ich vergrabe mein Gesicht in das weiche Fell meiner Kater, atme ihren warmen Katzenduft ein, fühle die Vibration ihres begeisterten Schnurrens und versuche das Draußen zu verdrängen. Gerade schreibe ich einhändig, Grey hat meine linke Hand *Arbeit* - fest in beiden Pfoten wird sie beleckt und beknabbert.

Fast ist man versucht an dieser Welt verzweifeln, wenn – ja wenn nicht so vieles Liebenswertes und Schöne wäre. Lasst nicht zu, dass das Dunkle uns überrennt.
Lacht! Liebt! Lebt!

Sonntag, 13. März 2016

AUFSTAND! Sonntagsgedanken, 13.03.2016

Unruhige, unfriedliche Zeiten. In Deutschland brennen Unterkünfte, in Griechenland werden Kinder im Schlamm geboren. Und irgendwelche Politiker ohne Empathie sprechen Sätze wie: *Wir dürfen uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen*, oder faseln etwas von der Grenzverteidigung mit Schusswaffengebrauch, auch gegen Frauen und Kinder.
Hier dürft ihr euch ein Kotz-Smilie vorstellen.

Kopfschüttelnd stand ich gestern in der Stuttgarter Innenstadt, sah dem Strömen konsumwütiger Passanten zu, jung, alt, reich, weniger reich. Lachen erklang an jeder Ecke, die Menschen standen für teures Eis an, die Fastfoodketten-Mitarbeiter kamen mit dem Brutzeln und Austeilen nicht mehr hinterher, manch einer der vorbeischlendernden Menschen ächzte unter der Last der Einkäufe.
Nicht das bunte Treiben führte dazu, dass ich den Kopf schüttelte, sondern das was Menschen wie Gauland, Petry und Storch an Ängsten heraufbeschwören. Am Schlimmsten finde ich Höcke, mit seinen völkischen Geschwätz und rassistischen Äußerungen.
Alle Schattierungen von Hautfarben tauchen vor mir auf und ab, viele Sprachen schwirren durch die Luft und aus manchem Mund erklang Alpra-Schwäbisch von dem man eher etwas anderes erwartet hätte.
Weder hatte ich den Eindruck einer Bedrohung noch hatte ich den Eindruck, dass sich andere bedroht fühlten. Ich war mit einem deutschtürkischen Freund unterwegs, eine blonde Köchin mit einem fremdartigen Akzent bereitete uns feine Nudeln, ein griechischer Mann bediente uns am Tisch und ein pechschwarzer Senegalese kassierte uns ab. Fühlte ich mich befremdet? Wieso denn? Es wurde gelacht und freundliche Worte gewechselt.
Und während ich es mir gut gehen ließ, morgens hatte ich mehrere Stunden gearbeitet, dann eingekauft, kaum zuhause schlenderte ich schon wieder in die Stadt, kaufte mir eine Kleinigkeit, ging essen, ins Kino und hatte einfach einen wunderschönen Samstag.
Und heute Morgen ging ich zur Wahl. Selbst wenn ich diesmal nicht wirklich wusste für wen ich stimmen sollte, erfüllt doch keine der Parteien wirklich meine Ziele, so war mir doch klar: Du gehst wählen. Alles außer braun in himmelblau gekleidet. Du gehst wählen, gegen die Angst, den Hass, den Neid, die Fremdenfeindlichkeit.  Du gehst wählen für die Demokratie, weil du es darfst, weil andere alles riskieren müssen, damit sie ihre Wahlrechte wahrnehmen können.
Demokratie ist kein Ponyhof, eine repräsentative Demokratie ist kein Wunschkonzert. Es geht nicht um das kleinere *Übel*, es geht darum die zu wählen, mit denen man die größte Schnittmenge hat, es geht um Kompromisse. Es geht auch schlicht und einfach um unsere Demokratie. Wer sie nicht am Leben erhält bringt sie um.
Wir sind die Demokratie.
Und an all die Nöler, die Verweigerer, an die, die sagen *Alles Lügner, Betrüger, Machtmenschen*, an die, die meinen es würde sich doch eh nichts ändern – MACHT WAS. Verdammt nochmal, dann hebt euer entzückendes Sitzfleisch von der Couch, geht hinaus ins Leben, tretet in eine bestehende Partei ein, gründet eine Wählergemeinschaft, gründet einen Verein. Hört auf euch wie verwöhnte Kinder in die Kissen zu kuscheln und zu bocken.

MACHT WAS!

Sonntag, 6. März 2016

Sonntagsgeschreibse: Die Qual der Wahl, 06.03.2016

Grey liegt neben meiner Tastatur, der Apfelkuchen kühlt schon im Backofen aus, das Badewasser ist eingelaufen. Aber auch wenn ich sonst kaum Zeit zum Bloggen habe, Sonntags nehme ich sie mir. Auch wenn es Sonntage gibt, die eindringlich rufen:
*Knutsch die Couch!*,*Schalte ab!*, *schlafe einfach weiter!*.
Seufz. Wer schon einmal versucht hat eine aufdringliche, schmusebedürftige, gerade verhungernde Katze zu ignorieren, der weiß, dass das Letztere eine praktisch unlösbare Mission ist. Soleil nimmt seinen Namen zu wörtlich: *Sonne*. Und wann die aufgeht – für mich – bestimmt er. Wenn die echte noch lange hinterm Horizont verweilt steht er direkt vor mir und quäkt ins Ohr.

Themen gibt es immer. Aber was wollte ich heute abhandeln? Mein Kopf ist so voll mit Steuerparagrafen und Gesetzen und Regeln, Vorschriften und Verboten, dass ich manchmal davon träume. Die Abschlussprüfungen kommen näher und auch wenn ich schon unter der Haube bin – klar regt es mich auf.
Aber was mich mehr aufregt ist die politische Lage. Die Hasswellen, die immer und immer wieder durch das Internet und die social networks rasen. Ich glaube Pelzig war es, der sagte, dass schlechte deutsche Grammatik, unbegrenzte Dummheit und Internetzugang eine heikle Sache seien. Ich sehe das zwar auch so, aber auch etwas anderes. Nur durch die Sozialen Medien wird das sichtbar, was schon immer in den Wohnzimmern brodelte.
In zwei Wochen wird in BaWü gewählt. Dieses Mal ist es spannend. Auch weil Grün und Schwarz Kopf an Kopf liegen. Die SPD ist weit abgeschlagen und prügelt sich mit der AfD um den dritten Platz. Und je näher der Wahltag kommt, desto mehr liegen die Nerven blank. 

  • Was mir in diesem Wahlkampf besonders auffiel:
  • Nicht Länderthemen, sondern Bundesthemen bestimmten den *Wahlkampf*
  • Nicht Programme bestimmen anscheinend die Wählergunst, sondern persönliche Abneigungen-*Kretschmann doof*, *Wolf doof*, *Grüne kann ich nicht leiden* etc.
  • Bashen statt werben. Es wird der Gegner geschmäht, diffamiert, statt die eigenen Wahlprogramme zu *verkaufen*

Womit ich beim Thema bin. Wer ist so ehrlich und gibt zu die Wahlprogramme wirklich zu lesen? Und sie mit den Aussagen und dem Handeln der betreffende Partei zu vergleichen? Habe ich früher auch nicht gemacht. Mache ich heute auch nur begrenzt, aber die Kernpunkte suche ich mir heraus. Und dann fallen einen fast die Augen aus dem Kopf. Die AfD ist keineswegs die Partei für die Underdogs, die SPD schreibt Dinge auf das Plakat, die sie uns 5 Jahre schuldig blieben (ich sage nur: Herr Gall, Ihre versprochene Polizeikennzeichnung können Sie sich gepflegt sonst wohin….), auch die Grünen und die CDU, usw usf.
Klar muss man Kompromisse eingehen, wenn man an die Macht will und dann an der Macht ist. muss man aber seine Ideale verraten?
Ach Sigmar Gabriel, denke ich an dich, wird mir ganz schwarz vor Augen. Mag sein, dass du nicht DEINE Ideal verrätst, aber den sozialen Gedanken sind dir doch schon längst vergangen. Und dein Fischen am rechten Rand, dass die letzten Tage offensichtlich wurde, entlockt mir keinen Seufzer mehr. Es führt zu einem Unwohlsein, das zum Würgen führt.


Es fiel mir vor 5 Jahren schon schwer eine Entscheidung zu treffen. Dieses Mal ist es klar, was ich wählen werde. Aber noch nie ist mir ein Kreuz so schwer gefallen.
Trotzdem: geht wählen. Nutzt euer Grundrecht. Macht den Wahlschein ungültig, wenn es nicht anders geht. Wählt das, was ihr denkt, dass es euch wiederspiegelt. Es muss mir nicht gefallen. Aber so etwas nennt man gelebte Demokratie.

Sonntag, 28. Februar 2016

Die Liebe, das Leben, der Tod - Sonntagsgedanken 28.02.2016

Ein normaler Sonntagmorgen, der Kaffee ist heiß, schwarz und süß, Zucker sei Dank. Die Kater sind fluffig, aufgedreht und süß und Leila, die kleine Thai-Burma Dame ist schön, zickig und süß.
Der Himmel ist grau - mal wieder - wieder eine Woche vorbei - mal wieder und müde bin ich auch - mal wieder
Und doch ist heute morgen die Welt ein wenig anders.
Nein, es geht nicht um Sachsen, AfD, Fremdenfeindlichkeit oder Arschkrampenalarm. Das ist leider immer noch so.



2016 scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Noch nie haben so viele Menschen, die mir in irgendeiner Form etwas bedeuten, diese Welt verlassen. Und manchmal wünschte ich mir, ich würde an ein Danach glauben (können). Selig die, die das können. Uns anderen bleibt nur ein:
Carpe diem. Oder so.

Eine Musiklegende nach der anderen dreht uns den Rücken zu und verlässt uns, nicht ohne reichlich Geschenke hier zu lassen - ihre Musik, in jeder Form. Auch Schauspieler, Schriftsteller. Da verschieben sich für mich die Jahresgrenzen. Gestern war der erste Todestag von Mr.Spock Darsteller Leonard Nimroy. Irgendwie war es für mich der Abschied meiner Kindheit, und die liegt nun schon wirklich lange zurück.
Terry Prachett - was liebe ich seine Bücher, heiß und innig. Haben sie mir doch schon an den unmöglichsten Orten und zu den undenkbarsten Zeiten ein lautes Lachen entlockt. Sehr zum Erstaunen mancher unfreiwilliger Zuschauer und -hörer. Einmal blieb ein Mann stehen, es war kurz vor fünf Uhr morgens, an dem damals noch nicht verschandelten Stuttgarter HBF, ich glaube Gleis acht, als er, der vorbeieilender Passant stehen blieb um mich neugierig zu mustern, wie ich so da saß. Tief eingemummelt in Winterschal, dicken Mantel, leise vor mich hinkichernd, das Buch in den klammen Fingern zitternd, als ich ein lautes Auflachen nicht mehr unterdrücken konnte: Mein Lachen hallte laut und hallend, die Morgenmuffelruhe unsanft störend, über die leeren Gleise.
Ob er mich fragen dürfe, was ich da lesen würde. Ich hob das Buch hoch, der bunte Einband ein fremd anmutender Fleck in der grauen Dissigkeit des fast menschenleeren Bahnhofs. Seine Miene veränderte sich schlagartig, ein selige Fröhlichkeit überzog sein Gesicht und ein leises Lachen erklang. Er hob den Daumen und lief beschwingt weiter. Wir wechselten kein Wort, aber das Lächeln blieb. Wissende Geschwister.
Ach Terry, Danke für deine Bücher, deine Gedanken, deinen Mut.

Letzte Woche verstarb dann Peter Lustig, bekannt als der Latzhosenmann, Löwenzahn war sein Markenzeichen (klingt ein wenig nach Serientäter, oder?) mit dem Bauwagen. Er rklärte jahrelang Kindern die Welt. Auf eine unnachahmliche Art. So viele Menschen nahmen Anteil, denn mit ihm entschwand wieder einmal ein Stück Kindheit und ließ viele von uns mit den Erinnerungen zurück.


Ich weiß nicht mehr wo ich es gelesen habe, oder habe ich es gehört?, auf alle Fälle hat es mir immer irgendwie Trost gespendet: Man stirbt erst, wenn sich niemand mehr an einen erinnert.
Meine Erinnerung werden mehr. Es ist ein Schatz, der nicht in einem finsteren Keller vergraben ist, sondern den ich in meinem Herzen trage. Meine Freunde und Famile trage ich bei mir, und je länger ich sie in mir trage, desto mer entschwindet das Ärgerliche, Das Unverziehene und es bleibt Frieden.




Gestern dann erreichte mich die Nachricht, dass ein lieber Bekannter den Kampf gegen den Krebs verloren hat. Ich habe ihn schon ewig nicht mehr gesehen, das letzte Mal auf den Bildern seiner Hochzeit und damals beschlich mich ein ungutes Gefühl: er sah irgendwie sehr krank aus. Aber wie man so ist und das Leben nicht nutzt unternahm ich nichts ihn zu treffen.
Bei aller Trauer und Betroffenheit so weiß ich doch eins: Er hat sein Leben geliebt, genossen und gelebt. Er hat die Menschen in seinem Umfeld glücklich gemacht. Ich kannte ihn nicht wirklich gut, aber das was ich kannte mochte ich sehr. Mein Mitgefühl gilt seiner Frau, die eine spezielle Nudel ist und ich muss lächeln, wenn ich an die beiden denke.

Als ich abends meine Kater kraulte - ich nutze gerade jede Minute, den beiden das Fell zu verwuscheln - erreichte mich die Nachricht meines Bruder: Deine Großnichte Hanna hat heute das Licht der Welt erblickt. Das Leben geht weiter. Das Leben erfindet sich neu. Der Tod gehört zum Leben. Auch wenn es uns Zurückbleibenden nicht unbedingt tröstet.

Nicht weinen, dass es vorbei
freuen wir uns, dass es gewesen.

Lebt! Lacht! Liebt! Heute, jetzt, nachher, morgen. Und immer auf ein Neues.
Danke Steve/Martin, dass ich kennenlernen durfte