Mittwoch, 6. Januar 2016

Feiertagsgeschreibsel - 06.01.2016

Die heiligen drei Könige werden heute gefeiert. Oder ein freier Tag. Hauptsache nicht arbeiten. Meine drei Pelztiger (Leila, der Thai-Burma Mix ist zu Gast) sind seit den frühen Morgenstunden, bzw. späten Nachtstunden unterwegs. Die kleine Katzendame Leila hält die beiden großgewachsenen Mannsbilder gamz schön in Schach. Wenn es ihr zuviel wird teilt sie Ohrfeigen aus. Sie wehrt sich. Faucht. Schlägt zu. Und wird von meinen beiden Katern mit Respekt behandelt.
Friedliches Idyll an einem freien Morgen. 

Anders als das was viele Frauen jeden Tag im Alltag erleben.
Über Köln wurde schon viel geschrieben. Und viel zu viel Mist. Rassistische Hetze gegen Flüchtlinge. Einfache Parolen. Vorverurteilungen.
Die Fakten:
Frauen wurden belästigt und ausgeraubt, sexuell genötigt und Schlimmeres. Und das Ganze auch noch organisiert. Ich kann mir die Panik, die Angst der betroffenen Frauen sehr gut vorstellen. Habe ich – wie die meisten Frauen in Deutschland – nicht schon ähnliches erlebt? Sehr wohl.
Schon als Kind machte ich grenzwertige Erfahrungen.
Die Empörungswelle, die gerad über die Republik jagt, ist etwas verlogen. Ziemlich verlogen. Und ich möchte manchem Mann zurufen: *Halt einfach dein Maul!*.
 
Auf der einen Seite wird sich empört ohne Ende, auf der anderen Seite weg gesehen.
Wer einmal als Bedienung auf Festen gearbeitet hat -  egal wie groß dieses war – weiß von was ich rede. Mit der Zeit erwirbt man sich einen Hüftschwung, der es in sich hat – nicht um Männern aufreizend gegenüber zu treten, sondern um ihrem tätschelnden Händen auszuweichen. Angefangen von anzüglichen Bemerkungen, über unverhohlenen Aufforderung, verschämten körperlichen Annäherungsversuchen bis massiven Übergriffen.
Ich hatte Glück und die betreffenden Wirte passten auf und warfen eher einen Feiernden aus dem Zelt als uns nicht zu glauben. Und er brachte uns zu den Autos oder ganz nach Hause. Seine Tochter arbeitete mit. Sie war in unserem Alter. Vielleicht lag es daran.
Alleine, dass das nötig war - das sichere heimbringen, zeigt auf wie brüchig der zivilisierte Lack ist.

Aber auch später begegnete mir das abwertende Verhalten gewisser Männer immer wieder. Auch im Beruf. Ich wurde abgewertet, weil ich Frau bin. So was nennt man Sexismus. Und wenn ihr mich fragt: Sexismus ist die Vorstufe.
Uns Frauen kann es egal sein durch welche Menge Männer wir müsse, wenn diese
a) Alkoholisiert sind
b) kriminelle Absichten haben.
Es gibt sie: Die frauenverachtenden Fremden. Warum auch immer sie so sind: Kultur, fehlinterpretierte Religion, usw. usf. Es gibt sie aber auch hier in unserer Kultur. Der deutsche Mann, der die Frau als nicht gleichberechtigt sieht und sich an ihr vergreift, gegen ihren Willen. Spätestens wenn die alkoholisierte Birne nicht mehr funktioniert. Es gibt sie wie die anständigen. Die anständigen gibt es aber auch in allen Kulturen.
Was nicht abzustreiten ist – und was ich auch gar nicht abstreiten möchte – ist die Dimension der Kölner und Hamburger Vorfälle in der Silvesternacht.

Und die hilflosen Tipps der kölner Bürgermeisterin ist ein Schlag ins Gesicht jeder Frau: Verhaltensmaßnahmen für Frauen im Karneval.
Mir liegt ein F*U* auf der Zunge. Nicht ich als Frau sollte mich *Verhalten*. Die Kerle sollten Verhaltensregeln erhalten.
Erst fragen und wenn ein nein kommt – Finger weg.
Mädels, für euch – laut werden. Zornig werden. Zusammenhalten.
Politik und Polizei für euch. Macht verdammt nochmal euren Job. Kameras zeichnen nur auf, aber sie können nicht eingreifen. Politiker – etwas mehr Personal der Polizei und eine faire Bezahlung (grundsätzlich und nicht wegen der neusten Vorkommnisse). Polizei – zeigt euch.
Für die Männer, die jetzt über die Bedrohung durch *nordafrikanisch, arabisch aussehenden Männer* schwadronieren: Macht mal eure Augen auf und seht hin und nicht weg und greift ein – es könnten eure Mütter, Schwestern, Cousinen, Töchter, Freundinnen sein. Und die Täter eure Nachbarn, euer Skatbruder in der Kneipe, euer Kollege im Geschäft, euer Nebenmann im Bierzelt. Macht euch stark für uns.

Ich möchte meine gefühlte Sicherheit als Frau nicht verlieren. Jetzt bin ich keine junge Frau mehr. Eher eine kräftige Matrone.
Es liegt ein paar Monate zurück. Ein paar junge Männer *machten mich an*, als ich nicht reagierte sagte einer im Vorbeilaufen *Votze*. Ich glaubte im ersten Moment mich verhört zu haben. Dann kam der *heilige Zorn* über mich. Ich lief der Gruppe Männer hinterher und schrie:
*Was hast du gesagt? Dreh dich rum, du feiges Stück!*. Ich weiß nicht, ob das empfehlenswert war/ist, aber die Straße war belebt und die Kerle beschleunigten sichtbar ihr Tempo. Ich blieb hartnäckig und empfand eine gewisse Befriedigung als sie die Beine in die Hand nahmen und in der Menge verschwanden. Keiner der anderen Männer , die die Szene beobachtet hatten, hatten sich in irgendeiner Form genötigt gesehen irgendwie einzugreifen. Geglotzt und gestaunt haben sie schon.
Stunden später hatte ich noch einen Blutdruck, der mir den Kragen sprengte.

Auch jetzt platzt mir fast der Kragen, wenn ich im Netz vor sich geht.
Manche halten den Mund, um bloß nicht anzuecken, an keiner Seite.
Andere beschwören Probleme, die in keinem Zusammenhang mit den Vorkommnissen stehen... Wieder andere beschönigen. Es gibt sogar solche, die den Frauen eine gewisse Mitschuld geben (victim blaming).
Hier gilt für mich: Der Täter ist der Täter und das Opfer ist das Opfer. In einer funktioniernden Gesellschaft sollten Opfer sich nicht auch noch verteidigen müssen - gegenüber Vorwürfen.

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